Où poser la tête ? [chap.3] – Wo soll mein Kopf ruhen? Ausstellung Leipzig

Ausstellung: 03.06.2017 - 01.07.2017

Künstler: Romain Bernini | nina fowler | folkert de Jong | myriam mechita | florence obrecht | alicia paz | Jean-Xavier renaud | karine rougier | katharina Ziemke | kimiko Yoshida

Veranstalter & Ort:
Galerie Dukan Leipzig
04179 Leipzig
Spinnereistraße 7, Halle 18. l.

Das Porträt und das Selbstporträt haben schon immer eine wesentliche Rolle in der Kunstgeschichte gespielt. Von prähistorischen Höhlenmalereien über Mumienporträts, Gemälde von Rembrandt, Frida Kahlo, Marlène Dumas, Siebdrucke von Andy Warhol oder Skulpturen von Stephen Balkenhol bis zu den konzeptionellen Fotografien Cindy Shermans – seit Menschengedenken haben Künstler fortwährend den Drang verspürt, die Gesichter ihrer Zeitgenossen ebenso wie ihre eigenen zu porträtieren.
Für den Dichter Henri Michaux liegt die Erklärung dafür in den frühen Zeichnungen eines Kindes. Schon in einem jungen, zarten Alter zeichnen wir, den Stift in der Hand, Formen, die allmählich einen Kreis, in welchem sich rudimentär ein Augenpaar, eine Nase, ein Mund und Haare befinden, enthüllen. „Diese lineare Spur, die auf dem Blatt zurückbleibt, erinnert an jemanden: die Mutter oder den Vater; schon Mensch; Mensch, der alle Menschen repräsentiert; der Mensch selbst.“ Schnell entwickeln sich diese Zeichnungen und enthalten nun auch Darstellungen des Kindes selbst oder anderer Personen – bekannte, unbekannte oder erdachte – über den Mutter-Vater-Nukleus hinaus. Dies bringt im weiteren Sinne ein Verständnis der Gesellschaft und – weiter noch – der Welt hervor. Eine vielgestaltige Vision, an der Künstler kontinuierlich arbeiten, sie zu verfolgen, zu erweitern und zu präzisieren. Porträts und Selbstporträts hinterfragen zudem die Künstler selbst, ihre Umgebung und ihre Geschichten wie vielerlei Spiegel. Sie sind Projektionsräume für diejenigen, die sie betrachten, leerer Raum, in welchem wir physisch, psychisch und visuell mit dem Körper, dem Gesicht des anderen konfrontiert sind. Porträts und Selbstporträts stellen außerdem die zahlreichen Facetten des Individuums, seinen Status, seine Identität (künstlerisch, kulturell, sexuell etc.), seine Vision sowie seine Wahrnehmung und sein Urteil über andere und ihn selbst in Frage. Sie wecken eine Fülle an Gefühlen, die sich sowohl ergänzen als auch widersprüchlich sind. Verwirrung, Identifizierung, Ablehnung, Angst, Empathie, Zweifel: das Zusammentreffen zwischen Betrachter und dem Gegenstand ruft eine Vielzahl von Reaktionen hervor. Vor den Porträts und Selbstporträts werden wir noch einmal an die eines Menschen innewohnende, faszinierende Komplexität erinnert. Wir schwanken zwischen Dissonanz und Harmonie, zwischen dem Bekannten und Unbekannten.
Die Ausstellung Où poser la tête ? (Wo soll mein Kopf ruhen?) wird angetrieben von unterschiedlichen Recherchen, von den verschiedenen Gefühlen, die Erfahrungen eines jeden prägen. Der Titel stellt Fragen: Où poser la tête ? (Wo soll mein Kopf ruhen?) Wer bist du? Wer bin ich? Wie stelle ich dich und mich dar? Was wollen Porträts und Selbstporträts erreichen? Wie soll ich mich in der Welt positionieren? Die Kunstwerke führen eine Dialog, in dem sich poetische und politische Standpunkte treffen und sich aneinander messen entsprechend verschiedener Zugänge zur Reflexion: das Porträt – das Wiederaufnehmen einer traditionellen Form der Kunst, das Archivieren, der politische Körper, das Vertraute, die Masken und das performative Selbst. Die Arbeiten dokumentieren eine fortwährende Ambiguität und Pluralität (der Formen und des Diskurses), die durch Bewegungen und Unruhe entstehen. Sie übertragen auf direkte oder indirekte Weise einen Antrieb, welcher einer fortwährenden Performance von Körpern, Identitäten und Ideen gleichkommt.

Julie Crenn

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