GIORGIO MORANDI Ausstellung Koeln

Ausstellung: 04.11.2017 - 09.12.2017

Künstler: GIORGIO MORANDI

Veranstalter & Ort:
Galerie Galerie Karsten Greve
50667 Koeln
Drususgasse 1-5

Zwanzig Jahre nach der epochalen Präsentation GIORGIO MORANDI in den Räumen am Wallrafplatz (1996 – 1997), in deren Folge zahlreiche internationale Museen Werke Morandis für ihre Sammlungen ankauften, zeigt die Galerie Karsten Greve in einer umfassend angelegten Schau von herausragender Qualität neben bedeutenden Gemälden auch Aquarelle, Zeichnungen und Grafiken des weltberühmten italienischen Meisters, die zumeist aus bekannten Privatsammlungen stammen. Berücksichtigt man den Umfang einer der letzten institutionellen Retrospektiven, die 2000 am Kunstmuseum Winterthur stattfand, erlangt die aktuelle Zusammenstellung von über fünfzig erstklassigen Werken, darunter 38 Stillleben und 15 Landschaften, museale Größe und bietet die wahrhaft seltene Gelegenheit eines profunden Einblicks in das vielschichtige Œuvre des Künstlers.

Für Giorgio Morandi (1890 – 1964), der seine Heimatstadt Bologna selten verließ und mit Ausnahme einiger Aufenthalte in der Schweiz keine Auslandsreisen unternahm, lag stets die unmittelbare Umgebung im Fokus der Aufmerksamkeit. Der intensive Blick des Beobachters Morandi erkennt die unerschöpfliche Vielfalt, die den unspektakulären, alltäglichen Dingen innewohnt und in der eingehenden Betrachtung erfahrbar wird. „Man kann die Welt bereisen, ohne etwas zu sehen. Um etwas verstehen zu können, ist es nicht erforderlich, viele Dinge zu sehen, aber sie genau zu betrachten.“ (Morandi)

Ausgangspunkt für Morandis gesamtes Schaffen sind gewöhnliche Gebrauchsgegenstände häuslicher Einrichtung wie Schalen, Gefäße, Flaschen, Kannen, Becher und Vasen, die er in aufwändigen Arrangements in immer neue Beziehung zueinander setzt. Ausgehend von diesen realen Gegebenheiten – zu denen auch der Blick aus dem Fenster zählt – erstellt Morandi ein motivisches Grundrepertoire, anhand dessen er seine Auseinandersetzung mit malerischen Elementen wie Form, Farbe und Volumen bis an die Grenze der Abstraktion vorantreibt.

In zahlreichen verschiedenen Zusammenstellungen, die er in einem minutiösen Auswahlverfahren vornimmt und vor einen monochromen, neutralen Hintergrund positioniert, erprobt er unermüdlich das Verhältnis der Dinge zueinander, studiert akribisch die Einwirkung von Licht und Schatten, sowie das Zusammenspiel der Umrisslinien, Raumkoordinaten und Farbflächen in einem variablen Kompositionsgefüge. Die von Morandi wie auf einer Bühne sorgsam platzierten Gegenstände werden oftmals umgestellt, ausgewechselt, Abstände werden neu austariert, Proportionen bemessen, Hell- und Dunkeleffekte erzeugt. In dieser Inszenierung bewirken geringfügige Verschiebungen in der Anordnung ausschlaggebende bildnerische Veränderungen. Durch die Mannigfaltigkeit der sich ergebenden Varianten war für Morandi das „Aufeinandertreffen einer Kaffeekanne mit einer Vase auf einem Tisch bis zu seinem Tod 1964 ein ungelöstes und höchst aktuelles Problem“ (C. Spies). Morandi lotet zudem die Relation zwischen besetztem Raum und Zwischenraum aus, lässt Konturen kontrastierend hervortreten, so dass auch die Leerstellen im Bild gleichsam einen Umriss und damit eine konkrete Präsenz erhalten. Wie bei einem Vexierbild ergibt sich manchmal eine irritierende Gleichwertigkeit von positiven, angefüllten und negativen, ausgesparten Bereichen im Bildraum, die existenzielle Unterscheidung von Anwesenheit und Abwesenheit wird hinfällig. Mit der Loslösung vom realen Entstehungskontext sind die dargestellten Sujets häufig ihrer spatialen und temporalen Verortung enthoben, ihre stille, statuarische Gegenwart erscheint archaisch, zeitlos.

Morandi vermochte es dadurch, der Miniaturhaftigkeit seiner bescheidenen Modelle eine Monumentalität zu verleihen, so dass die Gefäße in ihrer Geschlossenheit als Raumkörper gravitätisch wie Gebäude anmuten. Obwohl Morandi den Bezug zur Pittura Metafisica, mit der er sich zwischen 1918 und 1919 auseinandersetzte, dezidiert abgelehnt und sein künstlerisches Anliegen stattdessen in die Nähe der italienischen Meister des Trecento und Quattrocento gerückt hat, bergen seine kompositorischen Gefüge in ihrer sorgfältigen Ausgewogenheit von besetzten und freien Bildbereichen mitunter Anklänge an die Staffage der bühnenhaften, meist menschenleeren Plätze eines Giorgio de Chirico.

Morandi strebt nicht nach einem naturgetreuen Abbild der an den Realraum gebundenen Wirklichkeit, sondern befasst sich vielmehr mit der künstlerischen Gestaltung des Bildraumes, mit dem Ausloten malerischer Möglichkeiten. „Das einzige Interesse, das die sichtbare Welt in mir erregt“, schrieb er einmal, „betrifft den Raum, das Licht, die Farbe und die Formen“. Diese flüchtigen Phänomene ergeben eine veränderliche Wirklichkeit, die schwer zu fassen ist. Eine solche Auffassung der Wirklichkeit, die nicht gleichbleibend und konstant, sondern im Wechsel der Stimmungen und Impressionen erfahrbar wird, teilte Morandi mit Paul Cézanne, der den individuellen Blick, die subjektive künstlerische Wahrnehmung und die Künstlichkeit der ästhetischen Erfahrung über die reine Widergabe der Realität stellte. Während die Kubisten die Zerlegung der Form in ihre einzelnen Facetten vornahmen und die Futuristen die dynamische Auflösung der Form in dichten Sequenzen von Bewegungseinheiten suchten, widmete sich Morandi der Form in ihrer wechselhaften Erscheinung. Er schuf konzentrierte, auf das Wesentliche reduzierte Eindrücke, „Impressionen“ dieser unbeständigen Wirklichkeit, deren Elemente sich in seinem Spätwerk schließlich in der Abstraktion nahezu auflösen.

Der aktuelle Katalog zur Ausstellung umfasst neben hochwertigen Abbildungen der Exponate auch zwei aufschlussreiche Textbeiträge von Prof. Dr. Christian Spies, Kurator der Sammlung Lambrecht-Schadeberg am Museum für Gegenwartskunst, Siegen, und Neville Rowley, Kurator frühitalienischer Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin. In seinem wissenschaftlich fundierten Textbeitrag "Der Anachronist als Zeitgenosse" setzt Prof. Dr. Christian Spies, Kurator der Sammlung Lambrecht-Schadeberg am Museum für Gegenwartskunst, Siegen, das Schaffen Morandis in einen engen Bezug zu den Meistern des Trecento und Quattrocento. Ergänzend legt Neville Rowley, Kurator frühitalienischer Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin, Morandis künstlerisches Selbstverständnis anhand einer besonderen Begebenheit offen.

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