Agnieszka Polska gewinnt Preis der Nationalgalerie 2017
Bereits am Abend des 20. Oktobers 2017 wurde die Preisträgerin für den Preis der Nationalgalerie in einer feierlichen Preisverleihung im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin bekannt gegeben.

wichtiger Kunstpreis geht an polnische Künstlerin

Die in Berlin lebende polnische Künstlerin Agnieszka Polska ist mit dem Preis der Nationalgalerie 2017 ausgezeichnet worden. Die 5-köpfige internationale Jury nannte als Begründung u. a. Folgendes:
"In ihrem scharfsinnigen Werk behandelt Polska einige der dringendsten Fragen unserer Zeit"

Nominiert für den diesjährigen Kunstpreis waren Sol Calero (geb. 1982 in Caracas), Iman Issa (geb. 1979 in Kairo), Jumana Manna (geb. 1987 in Princeton) und Agnieszka Polska (geb. 1985 in Lublin).

Dem Preis der Nationalgalerie folgt kein Preisgeld, sondern eine Ausstellung in den Häusern der Nationalgalerie und ein begleitender Katalog. Der Kunstpreis gilt als Karriereschub für Künstler / innen. Die letzte Siegerin, Anne Imhof (2015), erlebte nach ihrer Auszeichnung einen wahren Hype. Zur diesjährigen Biennale in Venedig gestaltete sie den deutschen Pavillon mit ihrer Performance. Die Arbeit erhielt zudem den Goldenen Löwen der Biennale als bester nationaler Beitrag.

Der mit 10.000 Euro dotierte Förderpreis der Nationalgalerie für Filmkunst ging an die Österreicherin Sandra Wollner für ihren Film "Das unmögliche Bild".

Begründung der Jury zur Gewinnerin Agnieszka Polska

Sandra Wollners ruhige Meditation über den Zyklus des Lebens scheint zwischen Dokumentarfilm und Fiktion zu schweben. Es ist ein Film über Leben und Tod auf vielerlei Ebenen und es ist ebenso – und noch grundsätzlicher – ein Film über Wiederholung: über die Wiederholung des Schicksals, über das Wiederkehren von Erinnerungen und ihre Ähnlichkeit zum Medium des Films als einem Bewahrer des Lebens in Form einer konservierten und wiederholbaren Erinnerung. Der Film, der in einem geräumigen Haus im Österreich der 1950er Jahre spielt, nutzt die Ästhetik und Atmosphäre von Archivmaterial. Die Kameraführung und die Art und Weise, wie Inhalte erzählt werden, haben den Anschein einer dokumentierten Vergangenheit, die uns die Erzählerin aus erster Hand nahebringt. Ab und zu nimmt sie auch buchstäblich den Platz hinter der Kamera ein. Sie erzählt und zeigt uns Szenen aus ihrem Leben, die aus den Tiefen ihrer Erinnerung kommen und von einem Standpunkt jenseits ihrer eigenen Lebenszeit aus betrachtet werden. Der Zuschauer kann sich kaum des Gefühls erwehren, dass sie uns tatsächlich einen Einblick in ihre eigene, selbst erlebte Geschichte und die ihrer Familie gewährt.

Sandra Wollner überzeugte die Jury mit ihrer virtuosen Beherrschung der filmischen Sprache, die sie mit großer Genauigkeit, mit Kreativität und Leichtigkeit einsetzt. Sowohl in den sorgfältig orchestrierten als auch in den scheinbar beliebigen Momenten, zeichnet sich der Film immer durch enorme Präzision aus. Er ist ein zyklisches Puzzle, in dem sich jedes Teil zusammenfügt. Seine Teile sind auf vielerlei Arten miteinander verbunden und konstruieren eine narrative Struktur, die über eine lineare Erzählung weit hinausgeht. Die Grenzen zwischen einem experimentellen Kunstwerk, einem Dokumentarfilm und einem Spielfilm verschwimmen. Zudem scheint Wollners Arbeit die Stärken eines Romans, eines Gemäldes und einer musikalischen Komposition miteinander zu verbinden und Elemente zu verwenden, die nicht inhärent oder notwendigerweise filmisch sind. Das Ergebnis ist ein Kunstwerk, das sich schwer mit Worten beschreiben lässt.

Bis zum 14. Januar 2018 sind die Werke der vier nominierten Künstlerinnen im Hamburger Bahnhof noch zu sehen sein. Ab dem 21. Oktober 2017 parallel dazu auch der ausgezeichnete Film.

Agnieszka Polska, Gewinnerin des Preis der Nationalgalerie 2017, und Sandra Wollner, Gewinnerin des Förderpreis für Filmkunst 2017 / Foto: offenblen.de

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