Galerie Börgmann
47798 Krefeld
Südwall
Fon: 02151-7810990
Stadtplan
Ausstellung: 20.01.2012 - 11.03.2012
Künstler: Roger Wardin
Solo Exhibition im Kunstverein Peschkenhaus e.V.,
Moers
20.01.2012 - 11.03.2012
Eröffnung am 20.01.2012, 19.00 Uhr
KV Peschkenhaus, Meerstr.1, 47441 Moers


Absent without leave! - Eigenmächtig abwesend
Zu aktuellen Arbeiten von Roger Wardin

Christopher Wool veröffentlicht 1993 seine
Sammlung flüchtig aufgenommener, teils un-
scharfer s/w-Fotografien. In ihnen hält er abseitige
Orte und Situationen fest, die ihm auf seinen Reisen
begegnen. Fotografische Dokumente
unbedeutender Details, an denen er später jedoch
gewissenhaft Kompositionen und Strukturen
studiert. Titel: Absent without leave! - Eigenmächtig
abwesend: Dies lässt sich auch zum Leitmotiv der
Malerei von Roger Wardin erklären und überschreibt
vielfach erkannte Tendenzen von Auflösung,
Versprengung und Zerfließen in seiner Malerei.

In aktuellen Arbeiten gelangt Wardin über die
Vereinfachung des Bildaufbaus und in der
wiederholten Variation einer Bildanlage zu einer
konzentrierten Untersuchung von Bildraum und
Materialität. Die bloße Verortung der Bildelemente
vermittelt zumeist den Eindruck einer aufgelösten
Landschaft; eine perspektivische Anordnung kann
nicht eindeutig ausgemacht werden und dennoch
steht die Komposition sicher. War für frühere Werke
ein konkretes Bildmotiv Ausgang der Konzeption,
wird dieses nun oftmals für die Umsetzung einer
Bildidee obsolet. In den Arbeiten von 2006 bis
2009/2010 sind es häufig ruinöse Gebäude oder
vereinzelte Baumgruppen in scheinbar verlassenen
Gegenden, die in die eigene Bildsprache überführt
wurden. Ihr eigen ist eine reduzierte, vielfach
gebrochene Farbpalette, die in ver-schiedenen
Schichten und Lasuren aufgetragen und nicht selten
aufgerissen oder gar wieder weggenommen wird.
Die in gleißendes Licht getauchten Szenerien
schaffen atmosphärisch aufgeladene
Zwischenwelten, von denen eine erstaunliche
Irritation und Anziehung gleicher-maßen ausgeht.

Aspekte, wie der Einsatz von Licht und gebrochener
Farben sowie eine gewisse Ästhetik des Zerfalls
charakterisieren auch aktuelle Arbeiten Wardins. Die
Autonomie der Farbe bestimmt den Bildraum, wird
vielmehr zum Farbraum. Durch einen pastosen,
vielschichtigen Farb-auftrag und der Verwendung
anderer Stoffe, wie Aluminiumfolie, besitzen die
Arbeiten eine zusätzliche Dimension, gewinnen an
Struktur und erreichen physische Qualitäten.
Dennoch scheint das Prinzip der Bildfindung
"Reduktion" zu lauten: Tatsächlich wird die
sprichwörtliche Auslöschung von Formen und Linien
zum zentralen bildnerischen Mittel. Die vielfachen
Über-lagerungen und (Zer-) Störungen in der
Bildwelt der früheren Arbeiten erscheinen in der
jetzigen Konzentration auf die Bestimmung eines
spezifischen Farbraumes geerdet, ja sogar
beherrscht. Roger Wardin erfährt im Einlassen auf
den prozessualen Charakter der Bild-findung, dass
dem Medium Malerei immanente Potential von
Komposition und Farbe. In der Betrachtung dieser
Entwicklung kann man zu der Aussage gelangen,
dass sich die Malerei von Roger Wardin in einem
Übergang zur Abstraktion befindet, ja allenfalls zu
einer Öffnung im Einsatz der bildnerischen Mittel
führt - der Verlauf dieser neuen Richtung ist zu
diesem Zeitpunkt unbestimmt - dies bleibt mit
Spannung zu erwarten.

In dieser Arbeitsweise ist Roger Wardin übrigens
dem eigens erwähnten Künstler Christopher Wool
nicht unähnlich. Beide nutzen Techniken der
Reduktion und Destruktion, wie bspw. den
experimentellen Farbauftrag, das
Übereinandertragen und Wiederauslöschen von
Farbschich-ten, das Verkehren des Positivs ins
Negativ, das gesteigerte Interesse an der
Komposition im Allgemeinen und den bewussten
Einsatz von Ornamenten und Strukturen, die
alltäglichen Zusammenhängen entnommen wurden
- Wardin überträgt dies souverän in den eigenen
Bild-kosmos.

Die Frage, ob dieser Arbeitsweise auch ein
verändertes Selbstverständnis als Maler zugrunde
liegt oder vielmehr von Weiterentwicklung und
Konkretisierung gesprochen werden kann, vermag
nur ein umfangreicher Blick auf seine Arbeiten zu
klären. Eine Ausstellung, in der aktuelle Arbeiten
und Werke der vergangenen fünf Jahre vereint
werden, ermöglicht Einblick und Erkenntnis. Eine
Zusammenführung und Auswahl von groß- und
kleinformatigen Lein-wänden sowie einige seiner
plastischen Arbeiten werden sich diesen Fragen
stellen und sicher neue aufwerfen. Für diese
Betrachtung sei noch einmal Christopher Wool auf
den Weg gegeben: "Abstrakten Bildern wohnt ein
Paradox inne: Es geht um Kommunikation - und
gleichzeitig um ihre Unmöglichkeit."

von Jana Sperling (September 2011)

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