Berliner Kunstfälscher begeht nach Geständnis offenbar Selbstmord
In der Hauptstadt zeichnet sich ein neuer und zugleich tragischer Kunst-Skandal ab. Es geht um Werke der Künstlerin Lou Albert-Lasard (1885-1969), ein Geständnis und einen Suizid.

Fälschungen von Lou Albert-Lasard Werken

Wie die Berliner Polizei heute mitteilte, hat sich der 73-jährige Studienrat und Kunstlehrer aus Berlin-Schöneberg, Detlev G., vermutlich das Leben genommen. Alles fing mit Hinweisen aus dem Kunsthandel an. Der Verdacht, Detlev G. handelt mit Fälschungen im Stile der deutsch-französischen Künstlerin Lou Albert-Lasard (1885-1969). Am 12. November 2013 durchsuchte die Polizei die Räumlichkeiten des Beschuldigten. Zwei Tage später, am 14.November 2014, stellte sich Detlef G. den Ermittlern und gab ein umfassendes Geständnis ab.

Einen Tag später meldet die Ehefrau des Tatverdächtigen ihren Mann bei der Polizei als vermisst. Detlef G. wurde schließlich am vergangenen Sonntag in einem Waldstück bei Trebbin (Brandenburg) leblos in seinem Fahrzeug aufgefunden. Die Ermittlungen dazu laufen.

Fälschung Lou Albert-Lasard
Fälschung von Lou Albert-Lasard

Mindestens 100 Fälschungen von Lou Albert-Lasard

Bei der Durchsuchung stellte die Polizei auch einen Nachlassstempel sicher. Gegenüber Käufern der Kunstfälschungen, versicherte Detlef G. das es sich bei den Arbeiten der Künstlerin um Werke aus dem Nachlass von Lou Albert-Lasard handelte. Die Polizei geht momentan von rund 100 Fälschungen, darunter Aquarelle, Gouachen und handcolorierte Lithografien aus.

Laut FAZ wurden zwei Aquarelle für je 25.000 Euro (Schätzpreis je 2.000 - 3.000 Euro) bei einer Auktion der Villa Grisebach versteigert. Als dem Auktionshaus danach ähnliche Arbeiten erneut angeboten wurden, wurden die Verantwortlichen stutzig und zogen den Rat einer zusätzlichen Expertin hinzu. Schnell stellte sich heraus, dass irgendetwas mit den Bildern nicht stimmen kann. Darauf informierte das Auktionshaus das Berliner Landeskriminalamt. Auch vom Münchner Auktionshaus Ketterer wurden den behörden drei weitere Blätter übergeben.
- zum FAZ-Bericht "Die Kunst des Studienrats"

Nachlassstempel
Abbildung des Nachlassstempels von Lou Albert-Lasard

Polizei bittet um Mithilfe

Das Fachkommissariat für Kunstdelikte sucht weitere Käufer der genannten Fälschungen, die mit dem Nachlassstempel versehen sind. Betroffene sich mit der Dienststelle im Tempelhofer Damm 12 in Berlin-Tempelhof unter der Telefonnummer (030) 4664 - 945 400 oder einer anderen Dienststelle in Verbindung zu setzen.

Lou Albert-Lasard war eine deutsch-französische Malerin der Moderne. Nach einem Kunststudium in München ging sie in die französische Kunstmetropole Paris. In ihrer Berliner Zeit schloss sie sich der Künstlervereinigung "Novembergruppe" an und hatte u.a. eine Ausstellung in der berühmten Galerie von Alfred Flechtheim (1925). Im Juli 1969 verstarb die Künstlerin in Paris.

Kunstfälschungen gehören immer wieder zum Alltag im Kunstmarkt. Der wohl größte Kunstfälscher-Skandal der Nachkriegsgeschichte war der um den Fälscher Wolfgang Beltracchi.

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