Kunstbetrug - was dem Kunsthändler Michael Schultz vorgeworfen wird
Der Kunstmarkt hat wohl seinen nächsten Fälscherskandal. Dem Berliner Galeristen und Händler Michael Schultz wird massiver Kunstbetrug vorgeworfen.

gefälschter Gerhard Richter und mehr

Die ehemaligen Galerieräume in der Mommsenstraße 34 sind leer und verweist. Ein Makler sucht bereits Nachmieter für die Räume in denen bis vor wenigen Wochen noch ein Urgestein der Westberliner Galerieszene residierte, Michael Schultz. Doch nun steht der Galerist unter Betrugsverdacht.

Letzte Woche Donnerstag wurde Michael Schultz vom LKA in seiner Wohnung in Charlottenburg festgenommen. Die Ermittler durchsuchten daraufhin sechs weitere Wohn- und Geschäftsräume in Berlin und Brandenburg. Es wurden Vermögenswerte gepfändet und Beweismittel sichergestellt. Aufgrund des schlechten Gesundheitszustandes von Michael Schultz ließ der Haftrichter den Kunsthändler jedoch unter Auflagen wieder frei.

Was Kunsthändler Michael Schultz vorgeworfen wird

Dem prominenten Galeristen wird der Handel mit Kunstfälschungen sowie der Verkauf von Kunstwerken mit gefälschten Zertifikaten für Millionensummen vorgeworfen. Zudem soll er bereits verkaufte und bezahlte Werke nicht geliefert haben. Dabei handelte es sich klassische Gemälde, Zeichnungen, Radierungen und Skulpturen.

gefälschter Gerhard Richter

Skurillster und prominentester Fall, dürfte ein vermeintlich echtes Bild von Gerhard Richter sein. Laut SZ (Süddeutscher Zeitung) soll es sich dabei um das Richter Werk "Abstraktes Bild (705-2)" von 1989 handeln. Das Werk gelangte in die Hände eines Sammlers, der zuvor dem Galeristen Geld geliehen hatte. Michael Schultz konnte wohl die geliehene Summe nicht zurückzahlen und gab dem Sammler stattdessen das vermeintlich echte Richter Werk "Abstraktes Bild (705-2)".

Als dieser dann das Werk im vergangenen Frühjahr bei Christie's in New York versteigern lassen wollte, stellte das Auktionshaus Nachforschungen an. Man wendete sich an das Gerhard-Richter-Archiv der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, speziell an Dietmar Elger. Der Gerhard Richter Experte war relativ erstaunt als er das Bild sah, welches er sofort als Fälschung identifizierte.

"Ich konnte kaum glauben, dass jemand sich hinsetzt und so ein abstraktes Bild fälscht, das ja im Bildaufbau und in der Struktur sehr komplex ist."
Dietmar Elger Zitat gegenüber der SZ

Gerhard Richter Bild Abstraktes Bild 705-2
Foto: Screenshot Webseite Werkverzeichnis von Gerhard Richter's Bild Abstraktes Bild 705-2, gerhard-richter.com 2019

Durch Richter's Rakeltechnik, die er bei seinen abstrakten Bildern anwendet, gelten die Werke des Künstlers als nahezu fälschungssicher. Das 40 x 50 cm große Ölbild ist zudem im Werkverzeichnis, übrigens für jeden online einsehbar, detailliert mit Fotos von Bildausschnitten dokumentiert. Es ist schon seltsam das der bisher anonyme Geldgeber und Sammler diese Quellen nicht genutzt hat. Immerhin handelt es sich um ein Werk, das 800.000 Euro bis 1 Million Euro wert sein könnte. Wir sprechen hier natürlich vom Original.

Wo ist das Richter Original Abstraktes Bild (705-2)

Der Richter Experte erwähnte gegenüber der SZ, dass er das Original Abstraktes Bild (705-2) zuletzt 2015 bei einer Ausstellung in der Galerie von Michael Schultz gesehen hatte. Doch wo sich das Werk jetzt befindet, ist völlig unklar. Hier könnten die Ermittlungen Aufschluss geben. Ob diese dazu führen, mehr Erkenntnisse über den eigentlichen Fälscher herauszufinden, bleibt abzuwarten. Und welche Rolle Michael Schultz's Kontakte und Niederlassung in Asien spielen, dürfte ebenfalls von Interesse für die Staatsanwaltschaft sein.

Jahrelanger Kunstbetrug im großen Stil, heißt es aus Ermittlerkreisen. Stand jetzt, ist das Ausmaß noch völlig unklar. Seit August 2019 wird gegen Michael Schultz ermittelt. Doch die Unschuldsvermutung gilt nach wie vor.

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Foto: Berlin Charlottenburg Mommsenstraße Schultz Contemporary, Fridolin freudenfett, wikipedia

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