
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2024-02-28
Künstler: Lukas Glinkowski
Thema: Lukas Glinkowski lässt Graffiti, Zeichentrick und Märchen miteinander verschmelzen. In seinen Werken reflektiert der Künstler eine facettenreiche Welt, die sich sowohl durch unschuldige als auch durch unheimliche, übernatürliche Elemente auszeichnet. Die Ausstellung But Then I Was Reborn As A Witch findet ihre Inspiration in der paradoxen Darstellung von Krieg und Bedrohung in Kindersendungen, insbesondere durch den Einsatz von freundlichen Charakteren zur Vermit- tlung komplexer Konzepte. Glinkowski wählt einen ähnlich freundlichen Ansatz von niedlichen und zugleich unheimlichen Elementen wie Geistern, Monstern, Vampiren und Zombies. Die Arbeiten, farbenfroh und dynamisch, entführen die Betrachtenden in eine narrative Welt, die von der kindlichen Vorstellungskraft genährt wird. Lukas Glinkowski präsentiert geschriebenen Text, der inhaltlich Zitate aus dem Horrorbereich umfasst. Hierbei betont der Künstler nicht nur die visuelle Ästhetik, sondern auch die narrativen Aspekte jenen Spektrums. Durch die Integration von lehrreichen Elementen wird die tiefere Funktion von Horror als Medium der Warnung und Selbsterkenntnis reflektiert. But Then I Was Reborn As A Witch offenbart nicht nur eine visuellen Exkurs durch die künstlerische Imagination des Künstlers, sondern stellt auch eine intellektuelle Reflexion über die vielfältigen Ebenen der kulturellen Symbolik und Sprache dar, die in seinen Werken subtil mitschwingen. Die Betrachtenden werden in einen dialogischen Raum entführt, in dem Ästhetik, Narrativität und linguistische Innovation miteinander verschmelzen.
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2023-09-09
Künstler: Clemens Behr, Bram Braam, Hannah Bohnen, Lukasz Furs, Lev Khesin, Susanne Kutter, Achim Riethmann, Torsten Ruehle, Gary Schlingheider, Lukas Troberg
Thema: Nie war die Vielfalt der Materialen in der Kunst so reich wie heute. Unterschiedliche Oberflächen, Temperaturen und Konsistenzen, aber auch handwerkliche Techniken und Herangehensweisen bestimmen die Gestalt der Objekte. Im Herstellungsprozess konturiert sich erst im Dialog mit dem Material eine Gestaltungsabsicht. Die Werke entfalten ihren Ausdruck in der materiellen Beschaffenheit und bringen eine neue Kunstbegegnung zum Vorschein. So finden sich unterschiedliche Aufforderungscharaktere wieder, die im Raum zwischen Akteur:in und Werkstoff entstehen. Im Umgang mit ihnen wird ein Handeln hervorgerufen, das gekoppelt mit der entsprechenden Wahrnehmung die Materialeigenschaften erfahrbar macht. Die Werkaussage artikuliert sich im Material – ein Medium von Intention und Intuition. Der Projektraum studio. ist ein Ort, an dem Kunstschaffende frei von kommerziellen Zwängen ihre künstlerischen Visionen erforschen und neue Wege erkunden können. Wir haben einen außergewöhnlichen Raum mit einer Gesamtfläche von 1.650 qm gefunden, der sowohl für Atelierplätze als auch für Ausstellungen geeignet ist. Ab August 2023 teilen sich sechs Künstler:innen die Atelierfläche im 1. Obergeschoss, das Erdgeschoss steht für wechselnde Exposition zur Verfügung. Dies schafft eine einzigartige Verbindung zwischen dem Schaffungsprozess an den Atelierplätzen und den kuratierten Präsentationen von Werken. Der Raum eröffnet neue Dimensionen zur kreativen Entfaltung und Publikumsinteraktion. Projektraum. studio Großer Burstah 32 20457 Hamburg
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2023-07-20
Künstler: Chiau Syuan Chai, Kyle Egret, Annika Grabold, Blanka Gyori, Sanja Henning, Paula Hoffmann, Max Kapsner, Philine Mayr, Olga Mos, Xintong Sun, Brynjulfur Thorsteinsson
Thema: Eine leichte Brise weht durch die Akademie. Sommer assoziieren wir unmittelbar mit Urlaub. Doch was bedeutet Urlaub eigentlich für Künstler:innen, die sich keine Auszeit vom Beruf nehmen, sondern immer und überall in ihrer Rolle stecken? Antworten darauf lassen sich in den Werken der Klasse Voigt finden, deren Ausstellung unter dem Titel Kurzurlaub unterschiedliche Bezugspunkte zu diesem Thema eröffnet. Dabei wird Kurzurlaub für die Künstler:innen zum Bedeutungsprisma: Für die einen heißt dies, sich der Landschaft zu widmen, sie auf eigene Art und Weise ins Bild zu setzen, sich einen ganz persönlichen Rückzugsort zu schaffen. Für andere, sich mit dem Urbanen auseinanderzusetzen, architektonische Strukturen aufzuspüren und umzuformen. Oder: in ihrer wohl elementarsten künstlerischen Form – die Bilder und Eindrücke der Welt mit dem subjektiven Blick zu kombinieren, sich der Farbe und den Strukturen hinzugeben und immer neue Übersetzungen für das Abbild unserer Wirklichkeit zu finden. Die Ausstellung lädt ein, durch Zusammenstellung unterschiedlicher Arbeiten, die Gegend der zeitgenössischen Kunst zu erkunden. Eva Schuster
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2023-06-03
Künstler: Nata Togliatti
Thema: Nata Togliattis Diplomarbeit „Genussvolle Flucht“ ist als ganzheitliche Rauminstallation konzipiert, in der die Künstlerin zwei ihrer fortlaufenden Werkgruppen in einen produktiven Dialog setzt: Entlang der Wände erstrecken sich die auf Umverpackungsmaterial angefertigten Malereiarbeiten der Serie „Cave Paintings.“ Sie weisen alle das gleiche Motiv einer ornamentalen Blüte vor. Bewusst evoziert die Künstlerin durch eine Anordnung der Malereien im Raster eine tapetenartige Ästhetik. Als Gegenpol zu den haptisch wirkenden Wandarbeiten liegen am Boden des Raums glasierte Plastiken verteilt. Sie alle nehmen die Form von Zitronenfrüchten an, die in unterschiedlichen Größenverhältnissen handgefertigt wurden. Auch diese entspringen einer seriellen Gruppe, die einzeln jeweils mit dem Titel „Dienerin“ versehen sind. (Tatjana Schaefer)
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2023-04-27
Künstler: Lev Khesin
Thema: Lev Khesin beschäftigt sich in der Serie Redundancy mit dem Wechselspiel zwischen Materiellem und Nichtmateriellem. In seiner Malerei ist es das nicht greifbare Licht, welches seine halbtransparenten Arbeiten durchdringt und von ihrer Oberfläche reflektiert wird. Die farbigen Schichten scheinen hindurch, flimmern und leuchten. Ein einziger Lichtstrahl kann eine tieferliegende Farbe zum Glühen bringen. Die Edition dokumentiert fotografisch den Prozess der Vermischung der flüssigen Farbstoffe. Später werden sie dem Silikon beigemischt, und ergeben die farbigen Schichten seiner Arbeiten. In den Lentikulardrucken wird das einfallende Licht durch ein Raster aus transparenten vertikalen Linsen gebrochen. Je nachdem welche Position vor der Arbeit eingenommen wird, ist entweder das eigentliche Motiv, ein Negativ davon oder eine Mischung aus beidem sichtbar. Das Bild bleibt nicht statisch, sondern wird interaktiv. Das Transluzente ist dabei das Greifbare – die Arbeit als Lichtleiter, der nicht mehr auf sich selbst verweist, sondern auf das Nichtmaterielle.
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2023-04-27
Künstler: Julia Schewalie
Thema: Unsere Realität ist wie auch unsere Persönlichkeit nicht statisch, sondern in ständiger Bewegung und Veränderung. Nichts ist, wie es scheint. Ändert sich der Blickwinkel, ändert sich manchmal alles. Die Werke von Julia Schewalie bezaubern durch eine ihnen innewohnende ephemere Flüchtigkeit, der eine oft ungewöhnliche Materialität irritierend gegenübersteht. Die auf den ersten Blick perfekte Monochromie wird bei genauerer Betrachtung schnell aufgebrochen. Alle Arbeiten beziehen immer auch ihre Umgebung mit ein, sind abhängig von Licht, Schatten, Bewegung. Genau das macht ihren Reiz aus, verändern sie sich doch kontinuierlich in ihrem Erscheinungsbild. Die im Licht changierenden Oberflächen implizieren ein Moment von Dynamik – ausgelöst durch die Betrachtenden und ihre wechselnden Standpunkte oder durch sich verändernde Lichtverhältnisse im Raum. Zu Beginn steht immer der offene Blick der Künstlerin auf der Suche nach einer ungewöhnlichen Reflexion. Dabei sind es verschiedenste Materialien, die ihr Interesse wecken. Einfühlsam verbindet sie diese dann in einem aufwendigen handwerklichen Herstellungsprozess zu einem großen Ganzen. Einem minimalistisch-konzeptuellen Ansatz folgend, steuert Julia Schewalie zwar Material und Form, tritt jedoch hinter dem fertigen Werk als Person zurück, um es den Betrachtenden zu ermöglichen, sich ganz und gar auf einen Dialog mit diesem einzulassen. Trotz aller Reduktion zieht sich ihre individuelle Handschrift durch die Arbeiten: Sorgfältig ordnet sie in feine Scheiben gesägte und geschliffene Vinylschallplatten, aufgespannte Nylonfäden, zugeschnittene Glas- oder abgeflammte Holzstäbe in vielen Reihungen oder Quadraten an. Minimal ändert sie Stück für Stück die Winkel der Einzelteile wie in einem orchestrierten Dominospiel, in Reih und Glied und doch nicht statisch. Das einfallende Licht bricht sich in der Folge unterschiedlich und kreiert eine lebendige, sich stets verändernde Oberfläche. Schillernde Strukturen aus PVC, Asphalt und Autofolien – Julia Schewalie untersucht die ungewöhnlichsten Materialien, die ihre Beschaffenheit nicht auf den ersten Blick preisgeben. In Verbindung eines bildhauerischen Prozesses mit malerischem Charakter verbleiben die Aggregatzustände der Oberflächen oft im Ungewissen. Anna Wondrak
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2023-03-09
Künstler: LEANDRA BIGALE, MELINA BIGALE, HANNAH BOHNEN, LISA FRIEDRICHS-DACHALE, MARIA GERBAULET, NIKOLA HAUSEN, ANNEMARIE JESSEN, BENEDIKT LÜBCKE, LILIAN NACHTIGALL, ANNE NITZPAN, OSKAR SCHROEDER, LUKAS WINTERHALTER
Thema: Der Titel der Ausstellung verwaist auf die höchstmögliche Steigerung des fortefortissimo. Hinter dem fünffachen f steckt im musikalischen nicht nur enorme Energie, die beim Spielen aufgebracht werden muss, sondern das Aussprechen von fffff selbst erfordert eben jene Energie. "Beim Studium der Bildhauerei, so wie beim Kunstmachen überhaupt, handelt es sich um Befragung und Resonanz des Materials, um die Form, den Stoff und ums Tun. Und es geht immer um die Suche. Die Suche geschieht nicht geradlinig, sondern über Irrwege und Umwege. Es ist ein Experiment, das erst einmal alles zulässt und Unvereinbares miteinander verbindet. Kunst entsteht im Ursprung, schlägt Haken, lässt etwas in Erscheinung treten, das so noch nicht da war. Und wie zeigt sich nun die Kunst der jungen Generation, die heute die Bühne betritt? In großer Freiheit werden Materialien gewählt, gefunden, verwendet und wieder fallen gelassen, Materialien die aus völlig unterschiedlichen, kunstfernen oder alltäglichen Bereichen stammen, die Abfall oder auch klassisches Bildhauermaterial sein können. Angesichts der Vielfalt der Möglichkeiten geht es darum, nicht in Beliebigkeit abzudriften, sondern nach dem jeweils Eigenen zu fahnden – durch genaue Beobachtung, experimentierendes Drehen und Wenden, durch Probehandeln und Scheitern. Oft ist es fast so, als suche sich das Material seine eigene Arbeitsweise, als werde es dann im Prozess des Machens und in der Kombination mit anderen Materialien einem Verwandlungsprozess unterzogen." Elisabeth Wagner [Spechte am Meisenknödel, 2021]
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2022-12-20
Künstler: Charlie Stein
Thema: Die Geschöpfe, die die Bilderwelt der Malereien und Zeichnungen der Künstlerin Charlie Stein bevölkern, wirken in ihrer Ästhetik zeitgenössisch und modern. Sie sind angelehnt an Visualitäten sozialer Medien und popkultureller Phänomene. Mit Öl auf Leinwand oder mit Farbstift auf Papier gebracht, verleihen diese traditionellen Medien des künstlerischen Schaffens den hochaktuellen, oft futuristisch wirkenden Motiven, eine Zeitlosigkeit und regen dazu an, Fragen zu stellen, jenseits offensichtlicher jetztzeitiger Bezüge. Dieses Fragen wird belohnt – denn was auf den ersten Blick vielleicht wie ein Reproduzieren medialer Bilderfluten und Ästhetiken wirken könnte, basiert auf einer intensiven Auseinandersetzung mit philosophischen und historischen Themen und Diskursen, die Stein mit Hilfe der traditionellen Medien Malerei und Zeichnung ins Hier und Jetzt überführt und damit eine Synthese schafft, zwischen Tradition und Moderne, zwischen Technologie und Technik, zwischen Analog und Digital. Oft dienen kunst- und menschheitsgeschichtliche Verweise, als visuelle Wegweiser, als Anhaltspunkte für den Bildern inhärente epochenübergreifende Brückenschläge. Neben der thematischen Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Rolle von weiblich gelesenen Körpern, mit dem Einfluss von Technologien auf soziale Interaktion und mit anderen gesellschaftskritischen Diskursen, ist stets auch eine Auseinandersetzung mit dem gewählten Medium an sich in den Arbeiten erkennbar - mit klassischen Motiven wie dem Porträt, mit Körperformen und -posen und deren Darstellung und künstlerischer Umsetzung, sowie mit Formen der Abstrahierung, der Integration textlicher Elemente oder mit nahezu fotorealistisch anmutenden Ansätzen. Elsa Mack
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2022-10-21
Künstler: Sophie Ullrich
Thema: Die Ausstellung Heute kein WLAN führt den Betrachter durch eine Szenerie aus Langeweile und rauchenden Köpfen. Sophie Ullrich lädt dazu ein, sich analog berieseln zu lassen und in eine Welt vor dem digitalen Austausch zurückzufinden. Nachdem das WLAN aufgrund eines Anbieterwechsels ausgefallen war, wurde ein Tee aufgesetzt, das Bücherregal der Wohngemeinschaft auf der Suche nach Unterhaltungswerten inspiziert und die Indoor-Bepflanzung gründlich gegossen. Dieser Zustand sollte ganze drei Tage anhalten. Eine vergessene Kultur der Diskussion bahnte sich ihren Weg zurück in die Gemeinschaftsräume. Kein WLAN, kein schneller Faktencheck. Wo steht dein Wörterbuch? Eine comicartig stilisierte Figur charakterisiert die Bilder von Sophie Ullrich. Die meist auf Arme und Hände reduzierten Umrisslinien verbinden abstrakte Bildelemente und schematische Hintergründe mit akkurat gemalten Objekten. In diesem humorvollen Narrativ schlüpft der neutrale Protagonist in unterschiedlichste Rollen und ermöglicht die Aneignung verschiedenster Gegenstände und Konsumartikel. Auf Werbeästhetik rekurrierend, wirken ihre Arbeiten wie die malerische Befriedigung von medial vermittelten Sehnsüchten und Bedürfnissen. Zugleich beschreibt ihr künstlerischer Ansatz eine spielerische Auseinandersetzung mit den klassischen Sujets des Portraits und Stilllebens in Zeiten potenziell austauschbarer Identitäten unserer Selfie und Social Media Gesellschaft. Sophie Ullrich graduierte an der Kunstakademie Düsseldorf als Meisterschülerin von Eberhard Havekost.
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2022-10-21
Künstler: Janosch Dannemann
Thema: Die Farbstiftzeichnungen von Janosch Dannemann zeigen Fantasiegebilde, welche aus fehlerhaften Erinnerungen und Träumen entstanden sind. Sie präsentieren Bühnenbilder und Figuren, die wie ein bewegungsloses Schauspiel, Parallelen zur Inszenierung im Theater aufweisen. Der Zusatz Rolodex beschreibt eine drehbare Achse vergleichbar mit den Träumen, die gegenwärtig aber nur schwer einzufangen sind. Der Künstler erschafft sich in seinen Gebilden Erinnerungen an sich selbst. Janosch Dannemann hat an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig bei Annette Schröter studiert.
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2022-08-18
Künstler: Sebastian Maas
Thema: In seiner Ausstellung Urban Picnic interpretiert Sebastian Maas das in der Kunstgeschichte immer wieder vorkommende Thema des Picknicks neu, und collagiert es mit Eindrücken und gesellschaftlichen Merkmalen des aktuellen Zeitgeistes. Die Arbeiten konfrontieren die Betrachtenden mit der eigenen Weltsicht und überlassen es ihnen, den Bogen zwischen Unterhaltung und Gesellschaftsspiegel zu schließen. Immer wieder taucht das Selbstportrait als Motiv auf. Als Grundlage dient ein Foto, welches er vor zehn Jahren auf verschiedenen Dating Plattformen verwendet hat. Für ihn ist das Bild ausreichend durch Erwartung und Affektion aufgeladen, um es in seiner Arbeit verwenden zu können. Eine App ermöglicht es dieses Selfie mit dem Gesicht eines völlig fremden Menschen zu verschmelzen. Grund dafür war die Beobachtung, in welcher sich Frauengesichter deutlich besser eignen als Männergesichter. Der Kontrast zum Original, sowohl dem Bild der ihm fremden Frau als auch dem ihm sehr bekannten Foto, ist so hoch, dass eine neue Persona entsteht. Dass diese Persona eigentlich durch die neutrale Rechenleistung eines Algorithmus entsteht, hat im Erscheinungsbild der App einen eher humoristischen Effekt. Die Malerei erlaubt es Humor und klassische Portraitarbeit genau zu justieren und Geschlecht sowie Gesellschaft zu betrachten. Die verschiedenen Elemente der szenischen Arbeiten setzt Maas aus Fundstücken im Internet, fiktiven Elementen oder privaten Fotos zusammen. Die resultierende Komposition lässt eine Narration vermuten; aber nie eine finale Deutung. Die einzelnen Elemente nehmen eine weitgehend gleichberechtigte Rolle in der Komposition ein; dabei ist eine Farbfläche genauso wichtig, wie die daneben befindliche Figur. Zusammen soll etwas für das Auge Verführerisches und den Geist Herausforderndes entstehen.
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2022-08-18
Künstler: Robert Vellekoop
Thema: Straßen, Autobahnkreuze, Fabrikhallen, magisch leuchtende Laternen, Wüstenpflanzen, ein Arrangement aus Flaschen auf einem Tisch und immer wieder nächtliche Szenen. Die Motive auf den Bildern des Hamburger Künstlers Robert Vellekoop wirken filmisch: Einerseits triggern sie mögliche Erzählungen, andererseits bergen sie jede Menge Geheimnisse und verweigern eine allzu eindeutige Lesart. Auffallend ist die Omnipräsenz von mit großer Akkuratesse im Bildraum platzierten künstlichen Lichtquellen. Motive im Tageslicht wechseln sich ab mit nächtlichen Szenen, die von artifiziellem Licht ausgeleuchtet werden. Leere Straßen und Landschaften sind gesäumt von gelb, orange oder pink leuchtenden Laternen, die einen milden, unaufdringlichen Lichtschein verbreiten. Das Licht wird hier geradezu materiell, bildet sich doch um die Lichtquellen herum stets eine Korona, ein kreisförmiger Lichteffekt, der durch Reflexion beziehungsweise Brechung des Lichts an kleinen, in der Luft schwebenden Partikeln wie etwa Wassertröpfchen, Eiskristallen oder Wüstenstaub entsteht. Neben ihrer formalen Eleganz verhandeln Robert Vellekoops Bilder daher unter der Oberfläche durchaus auch gesellschaftliche Themen, wie etwa die Frage nach dem Determinismus, der von geplanten und gebauten Strukturen ausgeht. Nicole Büsing und Heiko Klaas (Auszug aus Katalogtext)
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2022-06-16
Künstler: Bram Braam, Jessica Buhlmann, Pia Ferm, Olga Jakob, Julia Schewalie, Lena Schmidt
Thema: Nie war die Vielfalt der Materialen in der Kunst so reich wie heute. Unterschiedliche Oberflächen, Temperaturen und Konsistenzen, aber auch handwerkliche Techniken und Herangehensweisen bestimmen die Gestalt der Objekte. Im Herstellungsprozess konturiert sich erst im Dialog mit dem Material eine Gestaltungsabsicht. Die Werke entfalten ihren Ausdruck in der materiellen Beschaffenheit und bringen eine neue Kunstbegegnung zum Vorschein. So finden sich unterschiedliche Aufforderungscharaktere wieder, die im Raum zwischen Akteur:in und Werkstoff entstehen. Im Umgang mit ihnen wird ein Handeln hervorgerufen, das gekoppelt mit der entsprechenden Wahrnehmung die Materialeigenschaften erfahrbar macht. Die Werkaussage artikuliert sich im Material – ein Medium von Intention und Intuition.
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2022-05-06
Künstler: Cigdem Aky
Thema: Malerei als Wissenschaft, also abzüglich allem was hineininterpretiert werden könnte. Nichts Gegenständliches, nichts, was Assoziationen beim Publikum auslösen könnte, keine Metaphysik, dafür volle Kontrolle. Nur Form und Farbe und Licht(verhältnisse). Malerei als Versuchsanordnung. Strikt nach einem einmal festgelegten Konzept: In der Mitte ein scharf abgegrenzter aufrechtstehender Balken, ringsherum breite emphatisch ausgeführte Pinselstriche. Das Nüchterne umgeben vom Gestischen; das Besonnene neben dem Impulsiven. Das Zeitlose trifft auf das Flüchtige und geht eine dauerhafte Bindung ein. Ein Moment wird Ewigkeit und öffnet so die Möglichkeit zu untersuchen, wie die beiden Antagonisten korrespondieren. Malerei unter Laborbedingungen. In Acryl und Öl auf Baumwolle kombiniert die Malerin Çiğdem Aky die drei Elemente Tiefe, Struktur und Farbton und schafft so autonome Farbräume, die gerade wegen der Abwesenheit jeglicher Referenzmöglichkeiten in ihrer Wirkung präzise sind. Bezugslosigkeit führt hier zu Eineindeutigkeit, jedes Werk vermittelt ein exakt bestimmtes Gefühl. Die Kombination eines gesetzten geometrischen Elements mit gestischen Komponenten führt zu einer Reihe von unvorhersehbaren Dialogen. Jede Arbeit ist ein Versuch mit offenem Ergebnis. Mit ihrem Farbauftrag setzt Aky einen Prozess in Gang, deren weiterer Verlauf sie nicht kontrollieren kann und möchte. Sie überlässt Farbtöne sich selbst, die sich dann gegenseitig studieren, evaluieren und fortschreiben. Hansjörg Fröhlich (Auszug)
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2022-05-06
Künstler: Paris Giachoustidis
Thema: Wer ein Gemälde oder eine Zeichnung zum ersten Mal betrachtet, entdeckt nur ausnahmsweise das Besondere daran. Noch schwieriger ist es, die Intentionen des Künstlers, den Ausgangspunkt der Arbeit oder die Themen, mit denen er sich zum Zeitpunkt der Entstehung beschäftigt, zu „lesen“ und somit zu verstehen, worin die Bedeutung der Arbeit für den Künstler liegt. Bei intensiverer Auseinandersetzung ist es meist schwer, zu einer „naiven“, unvoreingenommenen Analyse zurückzukehren: Wir betrachten das, was in der individuellen Perspektive als hervorstechend oder herausragend wirkt oder uns besonders anspricht; andere Aspekte vernachlässigen wir meist. Paris Giachoustidis macht es uns in der Regel nicht leicht, einen Schlüssel zu seinen Arbeiten zu finden. Wir entdecken ein Neben oder Übereinander von technisch brillanten Schichten, Motiven oder Aspekten, durchaus meist mit einem hohen Anteil an „Malerischem“, gepaart mit technisch unreif oder einfach anmutenden Gesten. Figurative und abstrakte Elemente stehen neben- oder übereinander, Tiefe und Fläche stehen ebenso im vermeintlichen Widerspruch wie klassische Malerei und naive oder Volkskunst. Die Zurschaustellung von Mal- oder Zeichentechniken als Element vieler Arbeiten hat nicht zum Ziel, ein Motiv an sich photorealistisch darzustellen, sondern ist in der Regel eine eigene Perspektive auf im Internet oder im Alltag gefundene Photographien, also eine Form der malerischen oder zeichnerischen Aneignung. Sie werden andererseits durch vermeintlich einfache Striche, Formen und Figuren – stets in einer anderen Technik – „zerstört“, könnte man meinen. Neben einem hohen Risiko des Scheiterns – also einer Vernichtung mühevoller Vorarbeiten in einem künstlerisch gesehen quasi suizidalen Akt – als Ausdruck von Grenzen-Auslotung und persönlicher Implikation des Künstlers, geht es ihm darum, eine eigene Ästhetik zu entwickeln, unsere Sehgewohnheiten zu hinterfragen, uns an die Hand zu nehmen, über Malerei und Zeichnung an sich nachzudenken. Peter Ungeheuer (Auszug)
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2022-03-18
Künstler: Clemens Behr, Anina Brisolla, Brad Downey, Hannah Hallermann, Karsten Konrad, Katharina Trudzinski, Marta Vovk
Thema: Kuratiert von Jan Kage Alles Schöne kommt vom Spiel. Die Form ist Resultat. Spiel ist eine der ureigensten menschlichen Betätigungen. Ihm sind wesentliche und grundsätzliche Erkenntnisse und Erfindungen zu verdanken. Das gilt für Philosophie und Technik und zuvorderst für die Künste, die neue Wege öffnen. Das Rad wurde nicht erfunden, um damit Lasten zu transportieren, sondern seiner reinen Schönheit wegen. Weil es die Sonne als Urform imitiert. Es war Kultobjekt. Aus der runden Form wurde später seine Funktion abgeleitet: rollen und bewegen. Form follows function, sicher doch, aber zuerst folgt die Funktion dem Spiel. Forschen heißt probieren, ableiten, sich auch spielerisch versuchend nach vorne tasten. Der Mensch findet absichtsvoll in der Suche. Und zufällig im Spiel. Neue Formen, Kombinationen, Farbkonstellationen, Assoziationen – all sie werden auch spielerisch gefunden. Und da sie vom Spielenden gefunden und als schön erkannt werden, sind die Ergebnisse stets individuell geprägt. Schönheit liegt auch immer in der individuellen Abweichungen zur gängigen Norm. Das ist die ureigene Qualität von Kunst. FORM SPIEL ist eine Sammlung verschiedener, aktueller, meist plastischer Positionen von in Berlin lebenden und arbeitenden Künstler*innen, zusammengestellt von Jan Kage, Leiter des Kunstraums SCHAU FENSTER und der Galerie Kanya&Kage.
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2022-01-31
Künstler: Steffen Kern
Thema: Räume im Licht der Nacht und der Dämmerung, menschenleer, rätselhaft, geheimnisvoll. Man meint sie zu kennen, diese Orte und doch gehören sie nicht zum Gewohnten und Alltäglichen. - Sie sind perfekt. Ohne Spuren des Gebrauchs und ohne den Abdruck der Zeit werden sie zu Modellen, zu Prototypen unseres Vorstellungskosmos. Das kollektive Gedächtnis der westlichen Welt, ihr Traum von Effizienz und Makellosigkeit konstituieren den Bilderschatz, den die Kunst Steffen Kerns reflektiert. „Die Bild- und Filmproduktion der 50er und 60er Jahre spielte eine Schlüsselrolle in der TV-Medienrevolution der Nachkriegszeit. Die Ausstattung der meisten westlichen Haushalte mit Fernsehgeräten führte dazu, dass viele Menschen mit sehr ähnlichen oder den gleichen Bildern konfrontiert wurden, und läutete eine Globalisierung der Bilder ein.“, sagt er und erklärt damit auch, warum seine Bilder nicht von Fotografien ausgehen – oder zumindest nicht direkt. Die Flut der immergleichen Bilder, die uns in Filmen und Fotografien tagtäglich begegnen, sind nur der letzte Abglanz von Grundmodellen, die durch diese ständige Repetition abgeschliffen und einander angeglichen werden. Cathrin Klingsöhr-Leroy Die Ausstellung und Publikation wird durch die Neustart Kultur Initiative des Bundes von der Stiftung Kunstfonds gefördert.
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2022-01-31
Künstler: Jonas Grubelnik
Thema: Jonas Grubelnik arbeitet in Schichten. Die Materialien, die er übereinanderlegt, distanzieren sich von den klassischen Malmitteln. Die optischen Eigenschaften, Materialität, Form und Farbe, werden neu gedacht. Sie erzählen ihre eigene Geschichte und integrieren in sich zeitliches und räumliches Empfinden. In Grubelniks Arbeiten treffen die Substanzen Lage für Lage aufeinander. Ihnen gehen oft umfangreiche Materialstudien voraus – Untersuchung von chemischen Eigenschaften oder kulturelle Zuschreibungen und Analogien. Es entsteht Konversation durch Kombinationen und kognitive Assoziation bei den Betrachtenden. Die einzelnen Werke wollen nicht kategorisiert werden, ob Malerei, Objekt oder Installation, spielt für diese keine Rolle. Sie wollen insbesondere von der Seite betrachtet werden. Der gewöhnliche Blick, die geübte Kunstbegegnung, wird gebrochen.
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2021-11-24
Künstler: Lev Khesin
Thema: Fasziniert von dem Phänomen, dass aus Energie Materie entsteht, benennt Lev Khesin seine Einzelausstellung Genesis. Seine Begeisterung für den Ursprung aller Dinge findet sich in der Beschaffenheit seiner Arbeiten wieder, deren außergewöhnliche Materialität und Technik ihre Entstehungsgeschichte verhüllt. Form und Farbe fließen ineinander und verstärken die organische Anmutung, die Intensität der wechselnde Oberflächenbeschaffenheit lösen eine optische Vibration aus. Die Tiefe der Bilder, die sie durch vielfache Farbschichten erhalten, laden zu einem Eintauchen ein. Die Dynamik aus Energie und Moment erzeugt vor den Augen der Betrachtenden eine Farbexplosion.
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2021-11-24
Künstler: Elisabeth Moch
Thema: Elisabeth Mochs Arbeiten spielen mit der Rolle der Volkskunst als auch der Häuslichkeit innerhalb einer digitalen, vernetzten und hyperkulturellen Welt. Glätte und Chaos, maschinelle Herstellung und Handwerk, Visionäres und Nostalgisches, als auch das Verhältnis des Individuums zur Gemeinschaft materialisieren sich in ihren Arbeiten. Im Umgang mit kunsthandwerklichen Techniken und Genres, wie dem Weben, Schnitzen und einer eigens entwickelten Form der Hinterglasmalerei, erschafft sie skulpturale Bildobjekte, inszeniert Räume und mischt dafür bewusst organische mit anorganischen Materialien. Im LAB zeigt die Künstlerin Bildobjekte, die sie mittels einer Hinterglasmalerei-ähnlichen Technik, wie in einem Monotypie-Verfahren, auf einer Glasplatte aufträgt und abformt. Hier trifft die technisch-männliche Konnotation des Materials Glasfaser, das industriell für den Schiffs- und Flugzeugbau, die Raumfahrt und Digitalisierung genutzt wird und einen Grundbaustein der modernen Vernetzung darstellt, auf klischeebedingt weiblich konnotierte, an Dekoration und Häuslichkeit erinnernde Symbolik.
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2021-10-15
Künstler: Lukas Glinkowski
Thema: Hirofumi Fujiwaras in Ton vormodellierten Bronzefiguren stehen und sitzen im Raum der sie umgibt, in sich ruhend, ihre Körper wirken lebendig, ihre Gesichter delikat. Es ist sind seine ersten Bronzearbeiten und im Entwicklungsprozess war es Fujiwara besonders wichtig, in jeden Schritt involviert zu sein, um seinen Figuren genauso viel Liebe geben zu können wie seinen Kunststoffunikaten. Die hellgraue Patina der Bronzen hat Fujiwara jeweils selbst aufgetragen – ein malerisch anmutender Prozess, der jede der Figuren in Nuancen unterschiedlich aussehen lässt. Fujiwaras Skulpturen, Erde und Wind, sind Schwärmer; sie zeugen von einer romantischen Sehnsucht nach Unerreichbarem, sie bewegen sich zwischen den Welten. Ihr kontemplativer Blick ins Unbestimmte gerichtet, tragen sie Referenzen des japanischen wie auch europäisch-westlichen Kulturkreises in sich. Sie scheinen jugendlich und doch alterslos, androgyn und losgelöst von jeglichen Stereotypen – isoliert vom Diesseits, aber doch ganz im Moment, im So-Sein verankert. In unserer sich immer schneller bewegenden, stets nach Modifikation ausgerichteten Gesellschaft verkörpern Fujiwaras Erde und Wind zugleich Sehnsucht und Ideal. Miriam Schwarz
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2021-10-15
Künstler: Michael Peltzer
Thema: Michael Peltzer öffnet seinen Plattenkoffer und präsentiert seine neue Bilderserie. Die Schallplatten-Cover von Klassikern erstrahlen durch seine typische Technik in neuem Glanz und werden von ihm so in den Ikonenstatus erhoben. Bereits in jungen Jahren war der Künstler ein großer Fan von Vinyl, eine Leidenschaft und Faszination, die er so schnell nicht aufgegeben hat – bis heute sammelt er Schallplatten und mischt als DJ das Kölner Nachtleben auf. In seinen neuen Arbeiten präsentiert er einen kleinen Querschnitt durch die Popkultur – vier Jahrzehnte von den Beatles bis hin zu Dr. Dre – diese Hits dürfen in keinem Schallplattenladen fehlen. Die Verbindung der Leinwände zu ihrem Original bildet der Titel, der sich auf die Katalognummern der einzelnen Platten bezieht. Lets boogie!
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2021-09-15
Künstler: Enikő Márton
Thema: Die in Ungarn geborene Künstlerin Enikő Márton scheint durch Farblehren definierten Spektren überwinden zu wollen. Jeder Normierung stellt sie eine phantastische Welt von Beugungen und Brechungen entgegen. Doch sind es keine Farb-Explosionen, die dabei entstehen, sondern genau kalkulierte und räumlich strukturierte, zwischen Harmonie und Dissonanz gespannte Projektionen der eignen inneren Ahnungen und Hoffnungen, niemals zu trennen von der Erfahrung des ganz Unmittelbaren. Es geht ihr um die Darstellung von Gefühlen, die sich ihr selbst im Prozess des Malens direkt als offen und wandelbar darstellen. Sie erkennt im eigenen Bild widerstreitende Momente, die erst bewusst werden, weil sie sich selbst offenbaren. Das reicht bis zu dem Empfinden, dass die Arbeiten im Entstehen ein Interesse bekunden, sich ihr zu erklären. Solche Bilder, in denen wir eigene Konflikte erkennen und – von daher – sogar lösen können, lässt sie wie ein Raum erscheinen, in dem man sich trifft und findet. Diese vielleicht kühn erscheinende Herleitung wird verständlicher im warmherzigen Umgang der Künstlerin, denn diese spricht nicht nur davon, dass man heute mehr als je Heimat braucht und sucht, sondern scheint auch immer in ihrer Umgebung eine besondere Atmosphäre der Geborgenheit zu schaffen, mit sich selbst als Windrose, die Farben zu Düften faltet. Ralf Bartholomäus
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2021-09-15
Künstler: Marion Fink
Thema: Die in Ungarn geborene Künstlerin Enikő Márton scheint durch Farblehren definierten Spektren überwinden zu wollen. Jeder Normierung stellt sie eine phantastische Welt von Beugungen und Brechungen entgegen. Doch sind es keine Farb-Explosionen, die dabei entstehen, sondern genau kalkulierte und räumlich strukturierte, zwischen Harmonie und Dissonanz gespannte Projektionen der eignen inneren Ahnungen und Hoffnungen, niemals zu trennen von der Erfahrung des ganz Unmittelbaren. Es geht ihr um die Darstellung von Gefühlen, die sich ihr selbst im Prozess des Malens direkt als offen und wandelbar darstellen. Sie erkennt im eigenen Bild widerstreitende Momente, die erst bewusst werden, weil sie sich selbst offenbaren. Das reicht bis zu dem Empfinden, dass die Arbeiten im Entstehen ein Interesse bekunden, sich ihr zu erklären. Solche Bilder, in denen wir eigene Konflikte erkennen und – von daher – sogar lösen können, lässt sie wie ein Raum erscheinen, in dem man sich trifft und findet. Diese vielleicht kühn erscheinende Herleitung wird verständlicher im warmherzigen Umgang der Künstlerin, denn diese spricht nicht nur davon, dass man heute mehr als je Heimat braucht und sucht, sondern scheint auch immer in ihrer Umgebung eine besondere Atmosphäre der Geborgenheit zu schaffen, mit sich selbst als Windrose, die Farben zu Düften faltet. Ralf Bartholomäus
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2021-07-31
Künstler: Lukas Glinkowski
Thema: In seiner Einzelausstellung beschäftigt sich LUKAS GLINKOWSKI ausschließlich mit dem Spiegel als Material und Projektionsfläche. Präsentiert wird ein visuelles Mash-up: plakative Zitate aus Musik, Kunstgeschichte, Comics und dem urbanen Raum finden sich auf dem ungewöhnlichen Bildträger wieder. Bei oberflächlicher Betrachtung könnten die grellen Farben im Kontrast mit dem glatten Material an die Überreste einer Berliner Party-Nacht erinnern. Der intensive Blick in den Spiegel und auf die Motive konfrontiert die Betrachtenden hingegen mit sich selbst und den Fragen des Lebens, die der Künstler in Wortfetzen und Symbolen auf dem reflektierenden Malgrund andeutet. Glinkowskis Kunst ist nah am Leben; sie schafft Raum für ein Spiel mit Seh- und Denkgewohnheiten. Auch, wenn sich mit jedem Werk eine eigene Idee des Künstlers verbindet, darf und soll doch jeder Sinnzusammenhang vom Betrachter ganz individuell für sich erschlossen werden. Der Katalog (Hatje Cantz Verlag) gibt einen ergänzenden Einblick in seine Bilderwelt. Das Projekt wurde durch die Förderungen Neustart Kultur und Stiftung Kunstfonds unterstützt.
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2021-04-21
Künstler: Franziska Reinbothe
Thema: ska Reinbothe bleibt dicht am herkömmlichen "Tafelbild" und bricht - im Wortsinn - gleichzeitig mit diesem stark. Ihre Arbeiten werfen die Frage danach auf, was ein Bild ist. So interessiert Sie sich in der Malerei für die Rückseite eines Bildes und seine Ränder. Um diese sichtbar zu machen, staucht sie Leinwände zusammen, legt Keilrahmen frei oder verzichtet ganz auf sie. Sie dehnt, faltet, zerbricht, durchschneidet oder vernäht ihre Bilder nach Beendigung des Malprozesses. Die Umformung ist vollbracht und die Arbeit vollendet. Mit dem Titel precisly repaired spielt die Künstlerin augenzwinkernd auf ihre Bearbeitung der Materialien hin. Für sie sind die Arbeiten aus ihren ursprünglich starren, rechtwinkligen, flachen Erscheinungen befreit. Die Leinwände sind nicht, wie man auf den ersten Blick annehmen könnte, wild zusammengehämmert, sondern präzise repariert. Reinbothe konfrontiert Chaos mit Präzision und Zerstörung mit Reparatur.
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2021-04-21
Künstler: Laura Sachs
Thema: Über die zweidimensionalen Grenzen der Leinwand hinausgehend, dehnt Laura Sachs den Malereibegriff und verbindet stoffliche Leichtigkeit mit industrieller Härte. Sie strapaziert die Materialen mit Staubpartikeln und Farbresten, verwendet die Leinwandrückseite als Bildmotiv und integriert dünne Metallschienen, die über den Rand des Bildträgers hinauslaufen. Als ehemalige Meisterschülerin von Gregor Schneider, demjenigen der den Raum als Sujet in der Kunst beim Wort nimmt, überträgt sie die räumliche Wahrnehmung in die Malerei. Durch ihre Technik des Farbauftrags nimmt die Künstlerin auf den Ort der Entstehung Bezug, mit ihren Stoff- und Metallelementen tritt ihre Malerei näher an den Betrachter heran und kreiert durch die kräftigen Linien neue Bildräume. Wie Teile eines schlichten Bilderrahmens bahnen sich die Leisten über die farbreduzierten Flächen und bieten so eine neue Interpretation geografischen Ausdrucks.
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2021-03-12
Künstler: Johannes Kersting
Thema: Seit 15 Jahren beschäftigt sich Johannes Kersting mit der Fotografie und deren malerischem Potential. Nun schlägt das Pendel zurück und Kersting, der Malerei bei Hans-Peter Reuter studiert hat, widmet sich wieder ganz der Arbeit mit dem Pinsel. Dieser Turn lässt die Beschäftigung mit beiden Medien als sich gegenseitig befruchtendes Wechselspiel erscheinen. Es sind nun erstmalig neue Arbeiten aus dieser intensiven, durch den Lockdown befeuerten Befragung der Malerei zu sehen. Die gezeigten Arbeiten sind dabei inspiriert durch mehrere Projektreisen und Roadtrips durch die USA, deren romantisches Potential nicht zuletzt durch den Sehnsuchtsmotor aktuell eingeschränkter Reisefreiheit zusätzlich unterfüttert wird. Menschliche Relikte werden zu vergessenen, völlig überdrehten Skulpturen im Nirgendwo. Die Bilder changieren zwischen Abstraktion und Wirklichkeit. Urbane Szenen, Motelsigns, ihrer Bedeutung und jeglicher Schrift entledigt, zelebrieren die formale Exaltiertheit unseres Gestaltungswillens.
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2021-03-12
Künstler: Sebastian Maas
Thema: Im lab I/2021 zeigen wir neue Arbeiten von Sebastian Maas, der seine außergewöhnlichen Technik, Malerei auf Plane, in Glaskästen präsentiert. Seine neue Serie portraitiert verschiedene Affenarten. Diese haben die Menschen ausfindig gemacht, beobachtet, beschrieben, untersucht, klassifiziert und katalogisiert. Alles braucht seine Ordnung - oder auch bekannt als Schubladendenken. Die Menschen suchen das Typische. Übersetzt man dies in die Kunst, stößt man beim Portrait auf Widerspruch. Hier zählt nur das Individuum und das Festhalten seiner einzigartigen Persona. Sebastian Maas kombiniert diese beiden menschlichen Eigenarten, das Typisieren und den Drang nach Individualität, und setzt sie in die Malerei um. Sein Ziel ist es jeden Affen, als einzigen Vertreter seiner Art, zu portraitieren und so Gruppe und Individuum zu vereinen.
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2021-01-31
Künstler: David Borgmann, Lev Khesin, Penny Monogiou, Torsten Ruehle, Robert Sturmhoevel, Ekkehard Tischendorf
Thema: Ein intensives und herausforderndes Jahr 2020, sowohl für unsere Künstler*innen als auch für uns, ist fast geschafft. Mit der Ausstellung Nachts allein im Atelier #7 repräsentieren wir zum wiederholten Mal am Jahresende das breite Spektrum künstlerischer Positionen. Die Künstler*innen stellen ihre neusten Arbeiten vor und greifen spielerisch die Wechselwirkung von Kunst und Raum auf. Diesem Konzept nähern sie sich mit individuellen Strategien und Herangehensweisen; mit Malerei, Skulpturen, Lichtinstallationen. Der Diskurs um Materialität, Form, Bewegung und Licht spielt bei dieser Ausstellung ebenso eine entscheidende Rolle, wie der Raum selbst, denn so ist es doch der Galerieraum, der das ganze Jahr der Kunst als Instrumentarium dient. Nachts allein im Atelier #7 stellt diesen Raum, ins Zentrum und bietet den Künstlern die Möglichkeit, ihn als Atelier zu transformieren, sich grenzenlos auszutoben und innovative Konzepte für Wand und Raum zu verwirklichen. Gemeinsam mit ihnen und unseren Künstler*innen feiert die Galerie den Abschluss dieses komplexen Kunstjahres, in dem so vieles anders war. Wir freuen uns auf neue und vielversprechende Projekte im kommenden Jahr.
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2020-11-22
Künstler: Kate Bellm, Oliver Blohm, Hans-Jürgen Burkard, Asja Caspari, Marieli Fröhlich, Ruediger Glatz, Esther Haase, Peter Hönnemann, Anatol Kotte, Bob Leinders, Bartosz Ludwinski, Jan-Holger Mauss, Andreas Mühe, GABO, Jesus Pastor, Walter Schels, Jacques Schumacher, Maša Stanic, Alfred Steffen, Karin Székessy, Ivo von Renner, Carsten Witte
Thema: Fotograf*innen aus fünf Jahrzehnten zeigen in der Evelyn Drewes | Galerie ihre Interpretationen von Erotik in der Fotokunst. Das Spektrum an künstlerischer, medialer und sexueller Darstellung wird in FSK ab 18 in einem interessanten Dialog gegenübergestellt. Das Ausstellungskonzept beinhaltet die Anonymisierung der Fotoarbeiten, sodass den Besucher*innen nicht ersichtlich ist, hinter welchen Bildern sich welche Künstler*innen verbergen. Auf diesem unüblichen Weg wird die Betrachtungsweise angeregt, insbesondere im Hinblick auf die Versuche der Zuordnung der Fotografien. Der Wandel der Erotikfotografie, besonders der Umgang mit nackter Haut, Schönheitsidealen, Humor, Reiz und Verführung wird in der Gruppenausstellung behandelt. FSK ab 18 weckt das Bewusstsein für die vielseitige, zum Teil komplexe Bedeutung der pornografischen Kunst. Die Ausstellung soll den Betrachter*innen eine intensive Begegnung ermöglichen, jenseits von Gender und sexueller Orientierung. Die Unterscheidung zur Pornografie ist oft weitgehend subjektiv; die erotische Fotografie steht immer im Spannungsfeld zwischen künstlerischer Freiheit, Ästhetik, Kitsch, Provokation und dem Verstoß gegen „die guten Sitten“. Die Grenzen sind fließend, dasselbe Foto lässt sich oft unterschiedlichen Kategorien zuordnen.
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2020-10-20
Künstler: Robert Vellekoop
Thema: Leere Straßen, trübes Laternenlicht, der Blick aus dem Fenster – Robert Vellekoop arrangiert die Objekte in seinen Bildern wie Kulissen auf einer Bühne. In seinen Arbeiten widmet er sich abstrahierten Darstellungen urbaner Umgebungen und minimalistischer Stillleben. Straßen treffen auf schematische Landschaften, Lampen beleuchten mit diffusem Licht die fiktiven Szenerien. Die Elemente dieser Stillleben erinnern an schlichtes Bauhausdesign, wobei ihre Darstellungsweise die Bedeutung ihrer ursprünglichen Funktion als Alltagsgegenstand überhöhen. Der Ursprung von Vellekoops Arbeiten liegt in der Wahrnehmung seiner nächsten Umgebung, sowie der zeichnerischen Rekonstruktion aus dem Gedächtnis. Die Sujets seiner Arbeiten befinden sich in einem stetig wandelnden Prozess, den der Künstler ganz bewusst als ein Herantasten ohne starres Konzept versteht. Die Arrangements entziehen sich einer genauen Verortung, so wie Vellekoop als Maler, der sowohl auf abstrakte als auch gegenständlich Ausdrucksformen zurückgreift. Als Bildträger wählt der Künstler keine übliche Leinwand, sondern Tischlerplatten, die durch das aufwendige Auf- und Abtragen von Acrylfarben sowie immer wieder Abschleifen und Lasieren eine besondere Textur annehmen. Diese Verfahrensweise sorgt für eine ganz bestimmte Farbstruktur welche seinen Bildern etwas Zufälliges und Eigenständiges verleiht. Seine Skulpturen in der Funktion von Lampen korrespondieren mit den Motiven seiner Gemälde und bieten so die Möglichkeit, in Vellekoops rätselhafte Bildwelten einzutreten.
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2020-10-20
Künstler: Moritz Neuhoff
Thema: In seinen großformatigen Bildern lotet Moritz Neuhoff ein weites Spektrum abstrakter Malerei aus. Wie in einem Experimentallabor bringt er sehr verschiedene Umgangsweisen mit Farbmaterial zur Aufführung und verschränkt sie in eigenartigen Konstellationen miteinander. Das geschieht auf eine souverän distanzierte Weise. Zwar scheinen die Impulse eines Körpers, die Virtuosität einer malerischen Hand, das Ungestüme eines emotionalen Gemüts die Bildwelt in ihrem Bewegungsdrive aufzubauen, zugleich aber ist ein abgeklärter Intellekt am Werk, der geheimnisvolle Regelsysteme aufbaut, sodass der Betrachter sich fragt, ob das bewegte malerische Leben gar nicht von Menschenhand, sondern von einer komplexen Maschine erzeugt worden ist. Was aus der Ferne wie eine gewaltige Aufwallung von Farbmaterial wirkt, ist aus der Nähe betrachtet flach, fast nur eine zarte Färbung der Leinwand. Alles Haptische erweist sich als Illusion komplexer Schatten- und Lichtspiele, die fast ungreifbar in die Leinwand eingedrungen sind. In diesem Hin und Her der Augentäuschungen verliert der Betrachter die Sicherheit über sein eigenes Sehvermögen. Die scheinbar haptische Malerei transformiert sich zu einem virtuellen Geschehen, das auf mediale Erfahrungen unseres letzten Jahrzehnts zurückgreift und sie bildlich verarbeitet. Nicht nur die Farben in ihren Buntwerten und Tönen, auch das Licht und der Raum werden ungreifbar oder unbestimmbar. Die malerischen Bewegungen mit ihren vielschichtigen Überlagerungen und Wechseln von Ebenen, das irisierend wandernde Licht und die nicht benennbaren, flackernden Farben erzeugen ein bildliches Geschehen, das wie die Erscheinung eines fremden Kosmos anmutet, von dem wir nicht wissen, in welchen Dimensionen er sich erstreckt. (Rolf Hengesbach)
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2020-09-09
Künstler: Chimera Collective, Lukas Glinkowski, Christian Holtmann, Florian Huber, Penny Monogiou, Franziska Reinbothe
Thema: Die Ausstellung Umformung ist eine Reaktion auf die aktuellen Ereignisse. Die Zeit reflektierend, die unser Leben auf unterschiedliche Weise beeinflusst, präsentieren wir Kunstwerke die durch diese geprägt oder auf sie anwendbar sind. Die Ausstellung thematisiert einen noch nicht abgeschlossenen Prozess, der in Mitten der Veränderung und Entwicklung steht. In der Arbeit von Lukas Glinkowski werden Fragmente der Menschenrechte verarbeitet, dabei zitiert er den Bahnhof Westhafen in Berlin. Im Herbst 2000 hat die belgische Künstlerin Francois Schein die hohen Wandflächen hinter den Gleisen mit 20 Kapiteln der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte beschriftet. In 2017 haben Graffitisprayer die Kacheln teilweise übersprüht, was den Anlass für Glinkowskis Arbeit darstellt. Der grundlegende Gesetzestext tritt in den Hintergrund, wie es in der Gesellschaft ebenfalls zu beobachten ist. Christian Holtmann thematisiert den Wandel der Zeit. Spielerisch greift er die Ankündigung „The New Times“ heraus und findet sowohl im geschichtlichen Bezug als auch in der aktuellen Debatte Anklang. In seiner Anspielung legt er den Fokus auf die USA, wo dieser Kampf für einen Umschwung in Aufständen und Demonstrationen ersichtlich ist. Stellen sie wirklich einen Wendepunkt dar und wenn ja, wohin führen uns „The New Times“? Haben sie die Kraft uns den Spiegel vorzuhalten und alles auf den Kopf zu stellen? Gesellschaftskritik ist der thematische Kern der Arbeiten von Florian Huber, der insbesondere durch das Hinterfragen der Vergänglichkeit einen aktuellen Bezug findet. Doch auch wenn die Materialien der Werke und ihre Erscheinung so unterschiedlich sind, bleibt sich der konzeptionell arbeitende Künstler in seiner Wahl der Themen stets treu. Florian Huber widmet sich der Umformu(lieru)ng anhand der Frage, wann ein Ding nicht mehr bloßer Gegenstand ist, sondern Teil eines Kunstwerks. Bei den auf Flaggen Bezug nehmenden Arbeiten von Penny Monogiou handelt es sich bei genauerem Hinsehen um Ansammlungen kleinteiliger Gegenstände. Politische und gesellschaftliche Missstände finden hier Interpretationsspielraum, wie beispielsweise die in Wellen angeordneten Gummibärchen als Thematisierung der Flüchtlingskrise. Franziska Reinbothe nutzt den Begriff der Umformung für ihre Arbeiten, die im Prozess eine neue Gestalt finden. Die klassische Leinwand wird gedehnt, gefaltet, gebrochen und zerschnitten um letztlich eine neue Erscheinung zu erhalten. Die Beschreibung Acryl auf Leinwand erhält plötzlich eine ganz neue Bedeutung. „Das Gefühl etwas verpasst zu haben“ beschäftigt das Künstlerkollektiv Chimera. Dabei geht es insbesondere um die soziokulturelle Veränderung durch die Maßnahmen der letzten Zeit. In Form von Leuchtschrift weisen sie auf das Ausbleiben von Treffen, Reisen oder Veranstaltungen und erschaffen so einen Moment des Innehaltens – Haben wir etwas wirklich verpasst? Die Arbeiten der Künstler*innen haben die Funktion eines Kommentars über die Umformung, die wir durchleben.
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2020-07-29
Künstler: Li-Wen Kuo
Thema: Die Ausstellung Als Phantom hatte ich mich recht gut eingelebt von Li-Wen Kuo bietet einen Einblick in ihr bisheriges Werk. Aktuell ist die Künstlerin in den Deichtorhallen zu sehen und repräsentiert im Rahmen der Ausstellung Jetzt! eine Position aktueller Malerei in Deutschland. Die Einzelausstellung in unseren Räumlichkeiten vertiefen die Anregungen und Eindrücke der Museumsausstellung und ermöglichen einen breiten Zugang zu ihren mystischen Bilderwelten. In Abwandlung eines Nietzsche-Wortes könnte man sagen, ein Bild muss noch Chaos in sich tragen, wenn es eine Welt gebären will. In vielen der neueren Arbeiten Kuos scheint genau der Moment eingefangen, in dem das Chaos beginnt, Gestalt anzunehmen. Dieses Gleichgewicht, dieser Balanceakt, der genau den Punkt trifft, an dem sich eine Ordnung zu formieren beginnt, verdankt sich äußerster Präzision. Aber die sichtbar werdende Dynamik gehorcht keinem deterministischen Programm, keinem Schöpfungsplan. Eher hat man den Eindruck, als organisiere sich die Materie selbst. Die dunklen Töne in Bildern wie Welt, Metanoia, Ancestor, In einem dunkeln Wort deuten die Tiefe des Raumes an, in dem sich diese multiple Genesis vollzieht. Wenn Titel wie Wilde Ontologie oder Vorzüge eines Hammers auch für ironische Brechungen sorgen, finden die größeren Formate doch ihre Entsprechung in der größer dimensionierten Thematik. Zu sehen sind diese Arbeiten in der Ausstellung, die in den Räumen von Evelyn Drewes parallel zur „Jetzt!“-Ausstellung in den Deichtorhallen gezeigt wird.
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2020-07-29
Künstler: Simon Schede
Thema: In unserem Ausstellungsformat lab II/2020 stellen wir Simon Schede vor. Der diesjährige Absolvent der Hamburger Hochschule für Bildende Künste beschäftigt sich in seiner Malerei mit dem Auflösen des Gegenständlichen. Wie ein roter Faden zieht sich durch all diese Arbeiten Schedes Interesse an der Wirklichkeit, beziehungsweise Objekthaftigkeit der Malerei in Bezug zur Darstellung, beziehungsweise zur inhaltlichen Referenz. Damit adoptiert er für sich den Kunstbegriff der Moderne, wonach Form und Inhalt eine nicht auseinander zu dividierende Einheit bilden müssen – entgegen der heute vorherrschenden Tendenz, sie eher separat zu behandeln, wodurch Kunst auf die Rolle der Illustration ihr äußerlicher Inhalte reduziert wird. Diese Absetzung vom Hauptstrom verleiht Schedes Arbeit eine sehr aktuelle Brisanz.
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2020-04-16
Künstler: Andreana Dobreva, Alexandre Karaïvanov
Thema: Die Künstler Andreana Dobreva und Alexandre Karaïvanov betiteln ihre gemeinsame Ausstellung mit einem Zitat des amerikanischen Malers und Moderatoren Bob Ross „Happy painting and God bless”. Dobreva und Karaïvanov könnten in ihrer Technik, Motivik und Thematik nicht unterschiedlicher sein. Von abstrahierten verträumten Portraits hin zu menschenleeren fotorealistischen Detaildarstellungen überdecken sie grundverschiedene Bereiche der flächigen Kunst. Ihre Gemeinsamkeit finden sie in ihrer Freude an der Kreation. Wie Bob Ross im Titel seiner TV-Show The Joy of Painting verrät, ist der Spaß und die Freude am Malprozess ihm von höchster Bedeutung, eine Eigenschaft, die auch die beiden Künstler ausmacht und verbindet. Ross‘ Verabschiedungsfloskel „I’d like to wish you happy painting and God bless, my friend!“ fungiert somit neben dem Titel, auch als Mantra der Ausstellung und betont das positive Gefühl der Künstler bei ihrer Arbeit. Dunkle Hintergründe, düstere Gesichtszüge, dann plötzliche grelle Farben. Verzerrte Minen, rätselhafte Blicke, geheimnisvolle Szenerien. Andreana Dobrevas Arbeiten existieren in einer ganz eigenen Welt, die ihren individuellen Regeln zu folgen scheint. Der Betrachter braucht einige Augenblicke, um das Sichtbare einzuordnen. Die Künstlerin fängt Momente ein, die mal alltäglich, mal skurril anmuten oder auf eben dieser Grenze oszillieren. Ihre Portraits sind bestimmt von einem eigenen Farbschema, welches erdige dunkle Nuancen mit rosagelblichen Akzenten auf verstörende Art und Weise mischt. Nicht zu vernachlässigen ist auch die teilweise vorkommende ironische Komponente, welche den Werken eine völlig neue Bedeutungsebene zukommen lässt. Das Werk besticht durch eindringliche Darstellungen, wobei sich der Aktionsradius der Künstlerin in dieser Ausstellung auf männliche Protagonisten, deren Alter und Herkunft nicht eindeutig festzulegen sind, beschränkt. Ebenso lässt die Künstlerin offen, wie sich die Szene zeitlich und räumlich verorten lässt. Kontrastierende Bildelemente erzeugen ein geheimnisvolles Moment. Die Künstlerin lässt den Betrachter willentlich im Unklaren. So werden wir zurückgelassen mit einer rätselhaften Faszination. Alexandre Karaïvanov zieht ziemlich trashige Fotos als Vorlage heran: ausschnitthafte und zugleich voyeuristische Blicke in schmuddelige Zimmerecken, auf Nachttische, S-Bahn-Sitze, unter Waschbecken, in Geschirrspüler, Pissoirs. Manche Motive lassen an Tatort- oder Schadenfotos denken. Immer wird der Blitz draufgehalten und lässt das ohnehin Desolate in einem schalen und zugleich schonungslosen Licht erscheinen. Es stellt sich die Frage, ob solche motivische Schäbigkeit die Adelung durch den Aufwand und die Akribie, welche der Fotorealismus dem Künstler abverlangt, überhaupt verdient. Vertritt man anderseits die Ansicht, dass der Fotorealismus eine heikle Sache ist, weil die bis zur Manie reichende Fixierung auf das Handwerkliche den Künstler verleitet, sich um jeglichen Inhalt herumzumogeln, muss man Alexandre Karaïvanov eine arglistige Verdopplung von Inhaltsleere unterstellen. Dahinter kann aber nur ein künstlerisches Konzept vermutet werden. In den Buntstiftbildern erscheinen zwei Künstlertypen zugleich, derjenige, der uns die hässliche Seite vor Augen führt, unseren Blick auf das stößt, was wir lieber verdrängen oder im Verborgenen halten und derjenige, der sein Können unter Beweis stellen will, in einem hehren, traditionellen Sinn. Zwei gegensätzliche Kunstauffassungen prallen jäh aufeinander und werden doch auch vereint.
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2020-04-16
Künstler: Thorben Eggers
Thema: Der Maler Thorben Eggers greift in seinen Arbeiten auf vorgefundenes Bildmaterial zurück, welches er in einen analogen, malerischen Kontext in die Ewigkeit überführt. Thorben Eggers plant seine Kunstwerke am Computer. So transformiert er ein Thema vom Digitalen ins Analoge. Dabei verweist Eggers auf die Vergänglichkeit der Bilder und des jeweiligen Mediums im digitalen Zeitalter. Ihre Inhalte und Logiken sind tief verwurzelt in der Digitalität und dem Schönheitsideal unserer heutigen Zeit. Thorben Eggers malt mit Öl auf geformten Leinwänden, die er eigenständig konstruiert. Diese Zersplitterung der Formen betonen die Figuren und erzielen eine plastische Ebene im White Cube. Die Malereien befinden sich somit an der Schnittstelle zwischen Malerei und Plastik. Thorben Eggers analysiert in seinen Malereien das digitale Bildmedium in seiner Wirkung und Relevanz. Dem flüchtigen Digitalen kontrastiert das Analoge der Ölmalerei. Das fotorealistische Motiv verschmilzt mit dem Unscharfen und der geformten, zugeschnittenen Leinwand zu einer eigenwilligen, kühlen Dynamik. (Wilko Austermann)
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2020-03-18
Künstler: Michael Peltzer
Thema: Zur Eröffnung der neuen Galerieräume zeigt Michael Peltzer eine neue Werkreihe. In "Drive me crazy“ thematisiert der Maler ikonische Autos der Filmgeschichte. Von Herbie (1968) dem VW Käfer bis zum Batmobil (1966) – Peltzer hegt seit langem eine Faszination für die motorisierten Vierräder aus Kultfilmen. Wer sein Werk kennt, weiß um das wiederkehrende Motiv des Filmstills im Allgemeinen als Vorlage für seine Arbeiten. Aber auch Modellzeichnungen dienten dieses Mal als Recherche für Bilder wie Twinkle Little Star, welches den beunruhigend rot leuchtenden Plymouth Fury aus Stephen Kings Christine (1983) zeigt. Anders als bei den Filmstills von Cindy Shermann geht es Peltzer nicht um das Herunterbrechen visuell pointierter filmischer Realitäten, sondern im Gegenteil um die Überspitzung ihrer Ikonizität. Das Automobil als Protagonist in der Kunst kann man in Anbetracht der aktuellen Klimadebatte thematisch nicht zeitgemäß finden – für Michael Peltzer ist es jedoch der passende Zeitpunkt sich mit diesem Sujet auseinanderzusetzen. Die Autoindustrie ist im Wandel, es geht um Perspektivenwechsel und Innovation. In der Shareconomy verliert das Auto schon jetzt seine Bedeutung als Statusobjekt, doch in den Herzen der Oldtimerliebhaber wird es seine Rolle als Ikone wohl niemals verlieren. Michael Peltzer rückt ausgewählte Modelle ins Spotlight und widmet ihnen einzigartige Portraits.
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2017-11-17
Künstler: Sabine Banovic, Fritz Bornstück, Mariechen Danz, Lea Gilloire, Lennart Grau, Leiko Ikemura, Rona Kobel, Kevin Kopacka, Robert Lanz, Elke Markhöfer, Helena Petersen, Christian Pilz, Achim Riethmann, Zurab Sheqelashvili, Michael Wutz
Thema: Leiko ikemura gilt als eine der bedeutendsten Künstlerinnen unserer Zeit mit internationaler Anerkennung. Bereits seit den 1980er Jahren ist sie fester Bestandteil bei renommierten Biennalen und Ausstellungsprojekten in namenhaften Museen und Kunstinstitutionen. Ihre Werke sind in den öffentlichen Sammlungen, wie Centre Pompidou, Kunstmuseum Basel, Museum Kunst Palast Düsseldorf und im Nationalmuseum für Moderne Kunst in Tokyo vertreten. Mehr als 20 Jahre war Leiko Ikemura als Professorin an der Universität der Künste in Berlin tätig. Im Oktober kommt die Künstlerin für ein gemeinsames Ausstellungsprojekt mit einer Auswahl ihrer Meisterschüler der vergangenen Lehrjahre nach Hamburg. In der von ihr kuratierten Gruppenausstellung „Wir Magier“ werden sowohl Werke von ihr als auch ihren ehemaligen Studenten gezeigt.
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2013-11-05
Künstler: Johann Büsen
Thema:
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2012-01-31
Künstler: Anna Fiegen – Radierung Ingrid Floss – Monotypie Christian Holtmann – Öl und Filzstift auf Papier Andreas Peltzer – Acryl auf Papier Robert Sturmhoevel – Bleistift auf Papier Nadine Wölk – Mischtechnik auf Papier
Thema: 6 verschiedene Künstler, 6 verschiedene Arten zu arbeiten - was sie gemeinsam haben ist: Sie arbeiten alle auf Papier. Für viele Künstler hat das Arbeiten auf Papier stark erxperimentelle Züge und dienen nicht selten zur Überprüfung und Erweiterung des künstlerischen Selbstverständnisses. Auf und mit dem Medium lässt sich vielfältig und günstig arbeiten. So entstehen Öl- und Acrylbilder, Zeichnungen, Collagen, limitierte Drucke, ja selbst Plastiken, wenn man einmal an die kunstvollen Scheinwirklichkeiten von Thomas Demand denkt. Mit der Ausstellung "Nachts im Atelier" geben wir einen Einblick in das Werk der beteiligten Künstler und zugleich einen breiten Überblick über die technischen und inhaltlichen Möglichkeiten dieses vielseitigen Materials: Papier.
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2011-12-07
Künstler: Frederic Spreckelmeyer
Thema: Empire Frederic Spreckelmeyer formuliert einen Bildkosmos der ganz eigenen Art. Auf der einen Seite zelebriert er eine Hommage an die Geschichte der Kunst, auf der anderen Seite behauptet er mit schrankenloser Unabhängigkeit die individuelle Verortung seiner Bilder in der Gegenwart - mit erstaunlicher Unabhängigkeit und einer individuellen Geste, die eine genaue Kenntnis der Themen, die er zitiert, verrät. Dieser scheinbare Widerspruch ist eine Voraussetzung seiner Kunst, deren oberstes Ziel es ist, Historisches in einen technoid und surreal anmutenden Bildkontext zu transformieren. Vergangenes transportiert er in die Gegenwart, er bestimmt Sinn- und Handlungskontexte neu, logisch, kausal, oder lässt sie, nur formal verbunden, nebeneinander bestehen. Und zwar so, dass kein Bruch, sondern allenfalls logische Leerstellen entstehen, die der Betrachter mit eigenen Botschaften füllen kann. Wer das nicht will, belässt sie wie sie sind und genießt den formalen Reichtum der Bilder: die leuchtende, aber wohl dosierte Farbe, den schwungvollen und dennoch disziplinierten Bildaufbau oder das Wechselspiel von Fülle und Leere, das spielerischen Freiraum verspricht und den Betrachter vor didaktisierendem Zugriff schützt. Nicht zu verkennen ist des Künstlers Begeisterung für die Genres und Stilmittel des Barock. Historienbild und Repräsentationsportrait, christlich religiöse und antike Fragmente gehen Cross-Over Verbindungen mit technoiden und nostalgischen Sammlerstücken ein. Individuell subjektive Setzungen für historische Zusammenhänge stellen beide Komponenten dar: die kunsthistorische und die phantastisch erscheinende Seite im Spreckelmeyerschen Bilderkosmos. Die Verschmelzung von Hoch- und Alltagskultur, ein Zeichen der Postmoderne, die angesichts globalisierter massenmedialer Vernetzung trennende Wertungen beiseite fegt, ist ein integrierter Bestandteil in Spreckelmeyers Kunst, so dass ein schwebender Reiter kombiniert mit knalligen Neonelementen durchaus keinen Gegensatz darstellt, sondern eine so selbstverständliche Verbindung eingeht, wie die Begegnung von Regenschirm und Schreibmaschine auf dem Seziertisch der Surrealisten. Anthropomorph technoide Objekte, Schriftzüge als Reminiszenzen an die Graffitiszene, heraldische Embleme, Weltkugeln mit Neonröhren bekränzt balancieren in fragilem Gleichgewicht. Mythologische Gestalten, die verstoßenen Rebellen treten dazu: Sysiphos, dem Tod geweiht, Prometheus in Ketten, lebenslang zu unmenschlicher Pein verdammt. Über allem schwebt ruhig ein Firmament: Wolkenberge, Sternenhimmel, Galaxien oder einfach ein unfassbar unendlicher Raum, angedeutet in Schichten lasierender Ölfarbe, transparent, präzise, penibel, bisweilen hingewischt oder flüchtig skizziert. Illusionistisches steht neben dem Fragment und die Malweise skandiert im Grad der Präzision die Relevanz des Motivs. Mit Meisterschaft zieht der junge Künstler die Register der konventionellen und modernen Malerei. In arabesken Standbildern verharren Figuren, bereit zu Himmelfahrt und Höllensturz. Brilliant betont die Farbe die Wertigkeit kostbarer Materialien, während der Lichteinsatz Dramatisches verheißt. Doch bevor die Welt zur Hölle fährt, verleiht Spreckelmeyer ihr einen leicht ironischen Unterton. Um die Gegenwart, auf die er mit seinen Bildern zielt, zwar als gefährdet zu deklarieren, ohne sie jedoch der Verdammnis preisgeben zu wollen. Opulent mutet diese Bildsprache an, und das ist sie auch, ohne sich jemals in narrativem Pathos zu verlieren. Denn Spreckelmeyer ist ein großer Erzähler tradierter Themen und zeitgenössischer Geschichten, die sich aus leer gemalten und neu konstruierten ikonografischen Fragmenten speisen. Christiane Dressler
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2011-10-14
Künstler: Sandra Lange
Thema: Giorgio Vasari, Vater der Kunstgeschichtsschreibung, hatte 1568 in Tizians Malweise eine "linguaggio di macchia", die Sprache der Flecken entdeckt. Damit meinte er, dass sich dessen Gemälde in eine Ansammlung unförmiger Farbflecken auflösten, wenn man ihnen zu nahe käme. Diese Flecken schlössen sich wieder zu den lebendigsten Bildeindrücken zusammen, sobald man in den rechten Abstand zurückkehre. Die Leinwände von Sandra Lange sprechen diese linguaggio di macchia, sie spielen mit den Veränderungen des Bildes durch Distanzvariation. Die gewaltige Farbkraft der Bilder fordert den Betrachter auf, zurückzutreten und die Fernwirkung zu erproben. Und gleichzeitig locken uns die prachtvollen Leinwände mit delikaten Oberflächen und kostbaren Feinheiten ganz nah heran. Diese Kunst muss geradezu erwandert werden. Sandra Lange macht aus der Malerei eine Zeitkunst, sie fixiert nicht, sie dynamisiert. Wie gelingt der jungen Berliner Malerin dieser erstaunliche Kunstgriff? Verantwortlich ist weniger eine formulierte Konzeption, als vielmehr die raffinierte Bildtechnik. Amorphe Farbgüsse, verlaufende Pigmente und unkontrollierbare Spritzer stehen in markantem Gegensatz zu scharf begrenzten geometrischen Strukturen, linearen Geraden und perspektivischen Konstruktionen. Diese formale Polarität spiegelt sich in den Materialien wieder, die Sandra Lange verwendet. Sie bindet ihre Pigmente sowohl mit Akryl als auch mit Öl, sie verwendet Lack oder Tusche und kombiniert diese heterogenen Malmittel miteinander. Schicht um Schicht baut sie so die Arbeiten auf. Kompositionelle Entscheidungen müssen durch diese Arbeitsweise immer wieder revidiert, angepasst oder gegen die Farbe durchgesetzt werden. Ständig reagieren die Substanzen auf unvorhersehbare Weise miteinander. Wässrige und fette Binder stoßen einander ab, Tuschen saugen sich in das Gewebe der Leinwand, um sich an anderen Stellen wieder nach oben zu arbeiten, Lasuren lassen tiefer liegende Farbschichten durchscheinen, durch krakeleeartige Bruchlinien leuchten überdeckte Farbschichten auf wie Magma durch eine erkaltende Lavadecke. Mal arbeitet Sandra Lange ganz klassisch an der stehenden Leinwand, mal liegt der Bildträger auf dem Boden, wie bei den abstrakten Expressionisten. Im Vergleich zu dieser New Yorker Schule der Nachkriegszeit ähnelt ihre Malweise eher dem „Pouring“ von Helen Frankenthaler als dem „Dripping“ von Jackson Pollock. Das Dripping ist an die Geste des Malers gebunden, es bildet dessen Körpermotorik ab, seine Bewegungen im Akt des Malens. Das Pouring, das Gießen von Farbe auf die liegende Leinwand aber verzehrt jede Gestik. Allein die Interaktion von Farbmaterial und Leinwand lässt die Strukturen entstehen. Sowohl die Farbschüttung als auch die geometrische Konstruktion vermeidet die unmittelbare Spur der malenden Hand: Das ist der Grund, aus dem diese Kunstwerke von nah und fern wirken. Durch diesen Verzicht auf Gestik bleiben die Werke von Sandra Lange bei aller energetischen Aufladung von vornehmer Zurückhaltung. Daher sind sie von solch großer visueller Kraft und zugleich kostbare Pretiosen. Sandra Lange beherrscht die Sprache der Flecken fließend.
Ort: Evelyn Drewes Galerie bis: 2011-09-03
Künstler: Sandra Lange, Robert Morris, Oliver Ross, Christian Haake, Andreas Amrhein, Cordula Ditz, Martin Assig, Dirk Stewen, Joachum Gommek, Peter M. Heikenwälder, Amina Broggi, Naomi Schenck, Svenja Maass, Michael Campeau & Werner Amann, Joseph Beuys, Philipp Zaiser, Hoda Tawakol, Noboyuki Osaki, F.C. Gundlach & Hoda Tawakol, Marc Bijl & The B-Men, Judy Linn
Thema: Fleetinsel und Kontorhausviertel - 22 Galerien laden ein FREITAG, 02. September, 18.00 - 23.00 Uhr SAMSTAG, 03. September, 12.00 - 20.00 Uhr Ein Bustransfer zwischen den Galerien ist eingerichtet. Detaillierte Informationen zu allen Ausstellenden auf http://rundganghamburg.de/