
Ort: Françoise Heitsch bis: 2016-12-22
Künstler: Dora Economou
Thema: Die griechische Künstlerin Dora Economou erhält ihre zweite Soloausstellung in der Galerie Françoise Heitsch.
Ort: Françoise Heitsch bis: 2016-10-29
Künstler: Philipp Gufler
Thema: "Im Zentrum von Philipp Guflers Ausstellung steht das Schaffen des niederländischen Performance- Künstlers Ben d’Armagnac (1940-1978), das ihn bereits längere Zeit begleitet. Dessen Arbeiten lieferten Gufler den Ausgangspunkt für seinen Beitrag zur Ausstellung „You Must Make Your Death Public“ (2016) am Amsterdamer De Appel Arts Centre, einer Institution, mit der d’Armagnac in den 1970er-Jahren selbst eng verbunden war. Der Titel „een gebeuren“ – „etwas, das sich ereignet“ – verdankt sich einem Ausdruck, den d’Armagnac vor Aufkommen des Begriffs „Performance“ dafür verwendete. Ausgehend von rudimentärem Dokumentationsmaterial und Gesprächen mit d’Armagnacs Lebensgefährtin Louwrien Wijers hat Gufler d’Armagnacs Performance rekonstruiert. In seiner eigenen Version von „een gebeuren“, die sich lose an dem Ablauf von d’Armagnacs Performance orientiert, erfasst Gufler das Geschehen jedoch mit einer GoPro-Kamera. Statt das langsame Erscheinen einer Person hinter der weißen Oberfläche zu dokumentieren, wie es die Fotografien von 1975 tun, zeigt sein Video den arbeitsamen Prozess des Freilegens und Öffnens aus der Innenperspektive – ein Akt, den Gufler mit der Freilassung der Fliegen am Ende der Performance vollendet, und mit dem er d’Armagnacs Performance fortschreibt. Zugleich macht sein Video deutlich, dass der Glaube an einen Zustand jenseits medialer Erfassung 40 Jahre nach d’Armagnac zur Illusion geworden ist. Wie schon in anderen Videos, zuletzt in „Becoming-Rabe“ (2016), einer Arbeit über die Münchener Performancekünstlerin Rabe Perplexum, leiht Philipp Gufler Ben d’Armagnac für „een gebeeuren“ seinen eigenen Körper. Er nutzt ihn als Medium, um d’Armagnacs Performancebegriff und die inhaltliche Dimension seiner Aktion für die Betrachterinnen wieder ans Licht zu holen – nicht im Sinn einer detailgetreuen Rekonstruktion, sondern als freie Aneignung, in der sich d’Armagnacs und Guflers Positionen gegenübertreten können. Diese Form des Bauchrednertums oder der „indirekten Sprache“, wie Gufler es in dem Video nennt, führt zur Dislokation der eigenen Subjektposition. Seine künstlerische Praxis konfiguriert sich spektral, mit und durch andere Personen und Haltungen. Statt die eigene Position in den Vordergrund zu stellen, wählt er seine Ausdrucksweise in Resonanz mit dem Gegenüber. Und so wird Subjektivität bei Gufler zu „etwas, das sich ereignet“." Patrizia Dander
Ort: Françoise Heitsch bis: 2016-07-16
Künstler: Antje Zeiher
Thema:
Ort: Françoise Heitsch bis: 2016-03-25
Künstler: Andrea Hanak
Thema:
Ort: Françoise Heitsch bis: 2016-01-26
Künstler: Dieter Blum, Jürgen Klauke, Alfons Knogl, Alfred Kurz, Julian Neville, Susanna Schönberg, Anna Virnich, Johannes Wohnseifer
Thema: Eröffnung: Donnerstag, 19. Januar 2017, 19 Uhr Ausstellung: 19. Januar - 26. Januar 2017 Öffnungszeiten Ausstellung: Di-Fr 14-19 Uhr, Sa 12-16 Uhr Bar: Di-Sa ab 18 Uhr Der Begriff Chora χώρα gelangte in die inhaltlich bereits fast fertige Ausstellung durch einen guten Freund, der sich zu dieser Zeit unterwegs auf der griechischen Insel Lesbos befand. Jene Insel, die in den Wirren der vergangenen zwei Jahre zu einer abendländischen Aussengrenze, einer politischen und humanitären Frontlinie wurde. Im Grunde waren es zwei Begriffe, die wir am Telefon diskutierten, zwischen München und dem randeuropäischen Sandstrand der griechischen Insel: Chora χώρα und Skala Σκάλα. Beide Bezeichnungen werden, vor allem auf den Inseln, alltags- und umgangssprachlich genutzt seit der Antike. Der griechische Begriff Chora χώρα beschreibt die Hauptsiedlung einer Insel. Der Chora χώρα gegenüber steht die Skala Σκάλα, die zur Siedlung gehörende Bucht, der Hafen, eine Öffnung der die Chora χώρα als geschlossener Ort gegenüber steht, der vor Einflüssen von Aussen zu schützen ist. Die Ausstellung versammelt Werke, die sehr unterschiedlich einer Balance zwischen Öffnung und Abgrenzung, Stabilität und Freizügigkeit nachspüren. Dabei ist sie als sehr persönliche Collage angelegt, einem Gedanken folgend, der eher subjektive Witterung ist als objektive Betrachtung. Ergänzt wird die Präsentation der Werke durch eine von Künstlern entworfene Aquavit-Bar im Untergeschoss der Galerie. Die Bar ist als Installation inhaltlicher Teil der Ausstellung. Auch der Aquavit, als wichtigstes Getränk der Bar, trägt, in der Tradition seiner Reifung während einer Schiffsreise im Holzfass von Norwegen nach Australien und zurück, die Thematik der gesamten Ausstellung in sich. Der Begriff Chora χώρα gelangte in die inhaltlich bereits fast fertige Ausstellung durch einen guten Freund, der sich zu dieser Zeit unterwegs auf der griechischen Insel Lesbos befand. Jene Insel, die in den Wirren der vergangenen zwei Jahre zu einer abendländischen Aussengrenze, einer politischen und humanitären Frontlinie wurde. Im Grunde waren es zwei Begriffe, die wir am Telefon diskutierten, zwischen München und dem randeuropäischen Sandstrand der griechischen Insel: Chora χώρα und Skala Σκάλα. Beide Bezeichnungen werden, vor allem auf den Inseln, alltags- und umgangssprachlich genutzt seit der Antike. Der griechische Begriff Chora χώρα beschreibt die Hauptsiedlung einer Insel. Der Chora χώρα gegenüber steht die Skala Σκάλα, die zur Siedlung gehörende Bucht, der Hafen, eine Öffnung der die Chora χώρα als geschlossener Ort gegenüber steht, der vor Einflüssen von Aussen zu schützen ist. Die Ausstellung versammelt Werke, die sehr unterschiedlich einer Balance zwischen Öffnung und Abgrenzung, Stabilität und Freizügigkeit nachspüren. Dabei ist sie als sehr persönliche Collage angelegt, einem Gedanken folgend, der eher subjektive Witterung ist als objektive Betrachtung. Ergänzt wird die Präsentation der Werke durch eine von Künstlern entworfene Aquavit-Bar im Untergeschoss der Galerie. Die Bar ist als Installation inhaltlicher Teil der Ausstellung. Auch der Aquavit, als wichtigstes Getränk der Bar, trägt, in der Tradition seiner Reifung während einer Schiffsreise im Holzfass von Norwegen nach Australien und zurück, die Thematik der gesamten Ausstellung in sich.
Ort: Françoise Heitsch bis: 2015-06-25
Künstler: Christina Calbari
Thema: Françoise Heitsch zeigt in der Ausstellung „Suspended“ von Christina Calbari (* 1975) Zeichnungen, die um das Thema unserer dunklen und nicht verarbeiteten Kindheit kreisen. Die Bilder behandeln existentielle Themen, in denen Calbari mit einer scheinbaren Naivität versucht, das Trauma, die Angst, den Druck und den Zwang aufzulösen.
Ort: Françoise Heitsch bis: 2015-04-30
Künstler: Christopher Cozier
Thema: Françoise Heitsch freut sich Gas Men, Christopher Coziers erste Einzelausstellung in ihrer Galerie, präsentieren zu dürfen. Gezeigt werden eine Videoinstallation mit begleitenden Zeichnungen. Die Arbeit erforscht die aktuelle ökologische und sozialpolitische Problematik, die durch kommerzielle Expansion und politischen Opportunismus, repräsentiert wird. Gas Men wirft mit sehr einfachen und dennoch visuell direkten Mitteln Fragen auf, welche die Rolle Trinidads als Ölwirtschaft betreffen.
Ort: Françoise Heitsch bis: 2015-03-14
Künstler: Aliki Palaska
Thema: Gezeigt werden drei unterschiedliche Werkgruppen, broken identities, breathing space und Papierarbeiten. Neu zusammengesetzte Porzellanfiguren, Abdrücke von realen Bäuchen und Scherenschnitte: allen Werken ist ein roter Faden inhärent. So nah am Leben wie möglich, le passage du temps, die Zeit wie sie uns langsam an den Kragen geht, behutsam erzählt von Aliki Palaska. Wir und die Welt brechen langsam auseinander, manchmal gelingt es eine Stelle zu flicken, vielleicht durch ein tiefes Durchatmen. Ja, so wünscht sie es uns die Griechin Aliki Palaska. Den Verfall durch die Verwandlung aufzuhalten.
Ort: Françoise Heitsch bis: 2014-12-20
Künstler: NIKOS ARVANITIS, STEPHAN DILLEMUTH, ANJA KIRSCHNER, KAROLIN MEUNIER, ZAFOS XAGORARIS
Thema: Die Gruppenausstellung in der Galerie Francoise Heitsch zeigt die Positionen von fünf Künstlerinnen und Künstlern aus Griechenland und Deutschland. Mittels Zeichnung, Audio, Text, Video und Performance werden private wie öffentliche Räume auf deren kulturelle, historische und politische Narrative hin untersucht – und gestört.
Ort: Françoise Heitsch bis: 2014-10-31
Künstler: Eleni Mylonas
Thema: Eleni Mylonas ist eine griechische Künstlerin, die bereits in der Gruppenausstellung SYNTHESIS in unserer Galerie zu sehen war. Mit "The Town crier" hat sie nun ihre erste Einzelausstellung in München. Die gezeigten Arbeiten von Mylonas sind von den unkonventionellen und improvisierten Kopfbedeckungen inspiriert, die die Demonstranten während des arabischen Frühlings auf dem Tahir Platz in Kairo trugen. Fasziniert von den kuriosen Helmen und Hüten die sie im Internet sah, entwarf Mylonas ihre eigenen Kopfbedeckungen, die sie in Skizzen festhielt und später zu Leinwandmalereien ausarbeitete. Mylonas erklärt sich solidarisch mit den Demonstranten, indem sie sich selbst die Kreationen aufsetzt und sich anschließend in Selbstportraits inszeniert. Der aktuelle Zeitbezug der Werke machen ihre Bilder zu einem aussagekräftigen, politischen Statement.
Ort: Françoise Heitsch bis: 2014-05-22
Künstler: Philipp Gufler
Thema:
Ort: Françoise Heitsch bis: 2013-12-21
Künstler: Elias Kafouros
Thema: Nach einiger Zeit in der Wildnis, zeichnend, malend und insbesondere gestaltend, hat sich Kafouros einer kritisch genauen Prüfung unterzogen und sich diesmal, in einer karikierenden Pop Gestalt wieder gefunden. Obgleich seine Werke starke Züge der Meditation und Selbstdisziplin beinhalten, müsste man sie der Kategorie Pop zuordnen.
Ort: Françoise Heitsch bis: 2013-10-23
Künstler: Lina Bebi, Panos Charalambous, Panos Famelis, Eva Marathaki, Maro Michalakakos, Eleni Mylonas, Aliki Palaska, Nikos Papadopoulos, Poka-Yio, Valinia Svoronou, Yiannis Theodoropoulos, Athanasia Vidali, Myrto Xanthopoulou, Ioanna Ximeri, Klaus vom Bruch
Thema: In der Ausstellung Synthesis präsentiert die griechische Kuratorin Christina Petrinou vierzehn griechische Künstler, die ihre Arbeiten teilweise im Bezug auf die Tapete von Klaus vom Bruch gestalten, und dabei die Frage des Malerischen untersuchen. In dieser Bild-im-Bild-Ausstellung wird eine bourgoise Zeit evoziert, die den White Cube überwindet. Dadurch entsteht in den Räumen der Galerie Francoise Heitsch eine Kulisse, die das spielerische Kräftemessen der Künstler aushalten muss, umso mehr da die Räume durch die Präsenz der Tapete von Klaus vom Bruch geprägt sind.
Ort: Françoise Heitsch bis: 2013-05-16
Künstler: Klaus vom Bruch
Thema: Pressetext Tapeten werden schon seit einigen Jahrhunderten in Räumen auf Wände geklebt. Sie waren Ersatz für einen Mangel an Reisemöglichkeit. Sie sollten vor allem die Interieurs der Bourgeoisie repräsentativ und reizvoll gestalten. Flauberts Madame Bovary umgab sich mit teuren Tapeten und Stoffen, um der Enge ihrer Umgebung zu entfliehen. Überhaupt je reicher der Hausherr, desto üppiger und ausgefallener wurden die Wände. Teure Stoffe mit Goldverzierung wurden ausgelegt, der Ton wurde natürlich von Königen und Prinzen angegeben. Die zwei Weltkriege fegten diesen Wand- und Tapetenkult hinweg. Ab sofort mussten die Wände so weiß, so makellos wie unser Gewissen sein. Unsere Gedanken, unsere Blicke sollten wenn, dann nur auf der Kunst haften bleiben, nichts sollte uns vom Ernst und Verantwortung des Lebens ablenken. Ab und an wagten sich Künstler an das Medium Tapete. So geschah es auch, dass Klaus vom Bruch dem Reiz, den uns umhüllende Intensität einer Tapete unterlag, die er ursprünglich nur für sich, für die Ironisierung seiner eigenen vier Wände entworfen hatte. In dieser Arbeit verbindet er politische und private Gedanken durch rhythmisierte Kontrastierung disparater Topoi und Bilder. Ähnlich wie in seinen frühen Videocollagen geht er von verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Motiven aus. Die RAF-Tapete, die Sade-Tapete und andere erfüllen alle Aspekte einer fröhlichen Ausschmückung und erscheinen im sarkastischen Spiel der Bildwechsel von RAF- Steckbriefen und einer japanischen Übersetzung von de Sades Justine, die zu Klebebildern mit Rosen und Schlafmohn dekonstruiert werden. So unterhält er uns abwechselnd ,indem er Obsession und Beruhigung gegeneinander ausspielt. Er lässt uns teilnehmen an einer Sehnsucht, die so wieder neu populär wird. Der diskrete Charme der Bourgeoisie wird stachelig und scharf vorgeführt.
Ort: Françoise Heitsch bis: 2013-03-20
Künstler: Ergül Cengiz
Thema: Bei ihrer dritten Einzelausstellung in der Galerie Francoise Heitsch zeigt Ergül Cengiz eine Auswahl von Arbeiten, deren Oberfläche durch das Ausschneiden der Konturen der jeweils abgebildeten Gegenstände vielfach durchbrochen ist. Was im gegenwärtigen Kunstjargon auch gerne anglisierend als „cutout“ bezeichnet wird nimmt in den Arbeiten von Ergül Cengiz Formen an, die manchmal an Scherenschnitte, aber auch an Spitzstoffe oder Metallgitter erinnern. Der Schnitt als Grenzlinie des Abgebildeten ist folglich auch namensgebend für die gegenwärtige Ausstellung. Der Schnitt in die Oberfläche ist der wohl radikalste Schritt zur Herbeiführung einer räumlichen Tiefe im Bild, gleichzeitig bedeutet er aber auch die endgültige Abkehr von der Vorstellung des Bildes als Projektionsfläche für illusionistische Räumlichkeit. Das Bild erscheint nicht mehr als ein durch sein Format begrenztes Fenster, weil die durchbrochene Oberfläche den dahinter befindlichen Raum erfahrbar macht und es in die Objekthaftigkeit überführt. Das Anliegen, das in den Arbeiten von Ergül Cengiz formuliert wird, ist jedoch nicht einfach nur formalistischer Natur, sondern hat seinen Ursprung in einer autobiografisch begründeten Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Bildauffassungen der zwei Kulturen, in denen sich Ergül Cengiz als Deutschtürkin heimisch fühlt. Im Zuge dieser Auseinandersetzung kristallisierten sich eine Reihe emblematischer Motive heraus, die entweder stellvertretend für die abstrakt-flächige Bildauffassung des islamischen Kulturkreises, oder aber für die illusionistische Tradition der europäischen Malerei stehen und in den Bildern der Künstlerin immer wieder neu kombiniert werden. So wird die abstrakte Flächigkeit ihrer Ornamentbilder immer wieder gestört, etwa indem räumliche Tiefe durch perspektivische Verzerrung des Ornaments angedeutet oder das Ornament durch Zitate aus Stilllebenmalereien, der illusionistische Plastizität rudimentär erhalten bleibt, durchbrochen wird. In diesem Sinne sind die neuen Objektbilder von Ergül Cengiz mit ihren durchbrochenen Oberflächen der nächste logische Schritt, der sich aus dem Spiel mit Bildraum und Bildfläche ergibt, indem dieses auf die Präsenz des Bildes als Objekt im Raum erweitert wird. Moritz Altmann
Ort: Françoise Heitsch bis: 2013-02-05
Künstler: Andreas Savva
Thema: Das Erfassen von politischen Phänomenen und Ereignissen ist ein zentrales Thema im Werk des zypriotischen Künstlers Andreas Savva (1970). In seiner neuesten Installation bei Françoise Heitsch befasst er sich mit der aktuellen Lage in der europäischen Polit-Szene, angeregt durch die Situation um Griechenland. Mit den für ihn typischen Materialien wie Seile und alltägliche Gebrauchsgegenstände verarbeitet er die Zusammenhänge und die gegenseitige Einwirkungen zwischen den Staaten in der europäischen Union. Der angespannte Schwebezustand, in dem sich gegenwärtig die europäische Politik befindet, dominiert auch Savvas Arbeit – 12 Stühle, stellvertretend für die einzelnen Sterne der Europaflagge, werden in ein raumgreifendes Geflecht aus gespannten Seilen eingefasst. Die Sitzmöbel, deren ursprüngliche Funktion Standfestigkeit und Ruhe suggeriert, werden zweckentfremdet, schweben in Ungewissheit, gefangen in einer gefährlichen Lage wie im Spinnennetz. Und genau so mühselig und arbeitsaufwendig, wie die Spinne ihr Netz aufbaut, ist das Aufstellen dieses Werks für den Künstler. Der handwerkliche Akt des Webens und Bindens, der genaue Berechnungen und Messungen erfordert, versinnbildlicht nicht nur den bisherigen Weg der Gemeinschaft, sondern auch die Anforderungen an der Politik bei der Suche nach einer Lösung. Das Konstrukt ist zugleich ein System, in dem jedes Element seinen funktionellen Platz hat und zum Erhalt des gesamten Mechanismus beiträgt. Ergänzend wird eine weitere installative Arbeit Savvas präsentiert, bei der purpurrote Samtschleifen in einem Stahlrahmen gebunden werden. Hier führt uns der Künstler die Dualität materieller Dinge vor Augen. Der Samt als edler, glanzvoller Stoff ist wunderschön, jedoch nur von Vorne. Seine Rückseite ist karg und unscheinbar gewöhnlich. Mit seinen metaphorischen Parabeln hält Andreas Savva Wahrheiten fest, die im Leben nicht selten hinter dem Glanz einer konstruierten Oberfläche zu schwinden beginnen.
Ort: Françoise Heitsch bis: 2012-10-27
Künstler: Lila Polenaki
Thema: Lila Polenaki spielt in ihren Arbeiten des Öfteren mit stofflichen Materialitätetn, die ihre Malerei zu Collagen formieren. Die Künstlerin integriert die Stofflichkeit aus ihrem Fundus, beladen mit einer ganz eigenen und geheimnisvollen Emotionalität, als ob man den Stoff zu lange versteckt hielt und er nun der Verborgenheit entfliehen kann. Plötzlich entlädt er seine gesamte Farbigkeit, Verletzlichkeit und sein Geheimnis - stellvertretend für das Weibliche, als wären Stoff und Weiblichkeit unzertrennlich verbunden. In einer explosionsartigen Entladung fliegen die Fetzen auf der Leinwand und manchmal bleibt nur ein Gesicht übrig, welches man aus einer Teilabstraktion heraus erahnt. Eine Erinnerung, die uns wie im Traum zurückgegeben wird, um sie im nächsten Moment wieder an die Abstraktion zu verlieren. Sinnlich furios und bewegt sind diese Bilder und sie erschüttern uns durch ihre sonderbare Kraft, die sie aus diesem Spiel zwischen Gegenständlichem und Ungegenständlichem gewinnen.
Ort: Françoise Heitsch bis: 2012-07-22
Künstler: Shirin Damerji
Thema: In ihrer aktuellen Ausstellung zeigt Shirin Damerji Arbeiten, die aus einem Treffen der Künstlerin mit jungen Irakerinnen während ihres Urlaubs 2005 in Jordanien hervorgingen. „Girls from Ghazalija“ ist eine Geschichte, die aus dem Zusammenspiel zwischen der Welt des Offensichtlichen auf der einen und der Welt des Verborgenen auf der anderen Seite entstand. Anfangs sieht man den Protagonistinnen beim allabendlichen Zurechtmachen zu. Eine scheinbar gewöhnliche Situation, wie sie sich in gleicher Weise an vielen Orten auf der Welt abspielt. Die dabei entstandenen Fotos durften jedoch auf Geheiß der Frauen nicht öffentlich gezeigt werden: ein Bilderverbot, aus dem die Künstlerin schöpfte, wodurch das erste Kapitel der Ausstellung entstand. Damerji übersetzt die Fotovorlagen in großformatige Graphitzeichnungen, die eine neue Einheit formen und zugleich auf ihre fotografischen Wurzeln verweist. Die Werke entstanden aus den Fotos, ohne diese zu kopieren, aber auch ohne die fotografische Herkunft zu verstecken, der Entstehungsprozess kommt eher einer Genesis als einer bloßen Replikation gleich. Eine Umwandlung, die das Bildmotiv ins Abstrakte führt. Gesten und Blicke, die aus der universellen Ausgangssituation heraus entstehen und auf dem Foto locker und gelassen wirken, verschieben sich und erstarren in der Zeichnung, schwenken um und werden ernst. Das zweite Ausstellungskapitel bildet ein Video, das die jungen Frauen später am Abend beim Flanieren auf der Promenade zeigt. Hier wird ein gewisser dokumentarischer Ansatz deutlich, der dem Thema und dem Aufbau der Ausstellung zugrunde liegt. Die Mädchen aus Ghazalija, einem vornehmen Bagdader Stadtviertel, das zum Schauplatz des Irakkriegs wurde, machen Urlaub, nehmen eine Auszeit vom Alltag. Doch unter der Oberfläche unbeschwerter Lässigkeit ist die Allgegenwart des Krieges deutlich spürbar. Die Unsicherheit, die Angst und die Gefahr sind stets präsent in Gedanken und Gesprächen. Die einzelnen Ausstellungsabschnitte sind durch die chronologische Linearität der Erzählung verbunden und stehen aufgrund ihrer formalen Unterschiede gleichzeitig in einer kontroversen Relation zueinander. Dieser Kontrast hebt das Spannungsfeld hervor, in dem sich die Arbeiten bewegen. Somit setzen Damerjis Werke an dem Konfliktpunkt zwischen dem alltäglichen Ereignis und seiner tieferen emotionalen Bedeutung an, also dort, wo die verschiedenen Wirklichkeitsebenen aufeinander prallen.
Ort: Françoise Heitsch bis: 2012-05-26
Künstler: Misheck Masamvu (Zimbabwe)
Thema: Eine Ausstellung der Galerie Francoise Heitsch und von Kulturallmende g UG - zwei Ausstellungsorte: Amalienstraße 19 und 81, München
Ort: Françoise Heitsch bis: 2012-04-14
Künstler: Ali Taptik, Suat Ögüt, Volkan Aslan
Thema: Die drei türkischen Künstler Ali Taptk (1983, Istanbul), Suat Öğüt (1985, Diyarbakir) und Volkan Aslan (1982, Ankara) setzen sich in ihren Arbeiten mit dem universalen Menschen und seinem spezifischen Umfeld auseinander. Witnessing Negotiation Stability als Konzept der Ausstellung beschreibt das Verständnis der Fotografien von Ali Taptk, der mixed media Arbeiten von Suat Ögut und der Zeichnungen von Volkan Aslan. In dieser Zusammenarbeit konnte man die drei jungen Künstler das letzte Mal in München 2010 in der Gruppenausstellung Cityscale in der Lothringer 13 München sehen. Dieses künstlerische Austauschprojekt zwischen Istanbul und München, u. a. kuratiert von Francoise Heitsch, war offizieller Beginn der fortlaufenden Kooperation zwischen den Ausstellungsteilnehmern aus Istanbul und der Galerie Françoise Heitsch. Ali Taptk täuscht in seinen Fotografien einen Hang zur Dramatik vor, die auf dem zweiten Blick einer schürfenden Tristesse weicht und sich durch Komponenten wie Lichtführung, Farbigkeit, Thematik und scheinbarer willenloser Inszenierung durch das gesamte Werk Ali Taptks zieht. Seine Bildwerke werden diese traurige Ohnmacht nicht los – Stille, Offenbarung und Direktheit – seien es Stadtaufnahmen, Objekte oder die Menschen, die uns zum Zeugen des nüchternen Blickes des Fotografen werden lassen. In der Ausstellung konfrontiert uns Ali Taptk mit der Ehrlichkeit. Jedes Bild beschäftigt sich mit einem nackten Menschen, mit der Wahrheit des Menschen, die der Künstler nicht ins rechte Licht zu rücken versucht: Weder Beschönigungen, noch Verschönerungen, keine Eitelkeiten haben hier Platz, weder die des Fotografen, noch die des Porträtierten. Wir werden zwar nicht zu Voyeuren, dennoch weiß man von dem Gefühl des „Unbeobachtetseins“, das die Hauptperson beschleicht haben muss. Die Ästhetik ist vorhanden, jedoch nicht die des vermeintlichen Ideals, sondern die der Natürlichkeit, eine Ästhetik der menschlichen Geheimnisse, die Ali Taptk ohne zu bedrängen zu entblößen vermag. Diese Entblößung von tief Verborgenem des jeweiligen Individuums verlangte einen Dialog zwischen Künstler und Porträtiertem. Sind doch Wahrheiten entstanden, die die Hauptperson teils nicht öffentlich machen wollte. Den Weg vom intimen Blick Ali Taptks im fotografischen Zwiegespräch bis hin zum fremden Gegenüber in einer Ausstellung dokumentiert der Künstler erstmals als wichtigen Bestandteil seiner Arbeit. Suat Öğüt beschäftigt sich überwiegend mit dem Menschen in der Großstadt, mit dem Menschen in einem System, das System seiner Heimat. In seinen mixed media Arbeiten bewegt sich das Individuum in seiner alltäglichen, dynamischen Situation – im Straßenverkehr, als Fußgänger, zwischen Geboten und Verhaltensregeln, in einer Welt aus Metaphern. Das Chaos steht der Ordnung gegenüber, einer Ordnung, die durch Regeln, Kapitalismus, Justiz und gar Unterdrückung fiktiven Bestand hat und nach Außen nur das Beste für einen jeden möchte. In seiner Zeichnung „Hello to nationalism“ parodiert der Künstler den Machtverlust des Militärs in seinem Land. Der salutierende Offizier wird auf einem Moped chauffiert, ohne jegliche repräsentative Erhöhung seiner Person bzw. seines Standes. Suat Öğüt interessieren die Veränderungen und die langsamen oder rasanten Bewegungen, die daraus entstehen. Er verinnerlicht sich den Moment der Neuerung, der ihn in seinen Arbeiten inspiriert. Wie ein aufmerksamer Zuschauer beobachtet er die Bühne der wandelnden Strukturen und stellt dabei gerne das Vorher und Nachher gegenüber. In seiner Zeichnung „Competition“ spielt er genau mit dieser Simultanität der Varianten: Von vorne betrachtet werden Demonstranten friedlich von einem Polizeiwagen ins Ziel eskortiert. Von der Rückseite gesehen beleuchtet die Szene jedoch eine altbekannte Situation – Demonstranten werden von einem Polizeiauto verfolgt und in Schach gehalten. Der Künstler kritisiert bzw. offenbart Situationen, die zwar banal zu sein scheinen, dennoch bedacht und überdacht werden sollten. Wie alles funktioniert, alles einen bestimmten Zweck erfüllt, wie die Menschen funktionieren, gehorchen und Regeln befolgen, die auf sie und das gewisse Lebensziel abgestimmt sind und dennoch traut sich Suat Öğüt die Frage zu stellen, ob Sinn und Zweck gerechtfertigt und legitimiert werden können. In seinen kleinformatigen Zeichnungen spielt Volkan Aslan unter dem Begriff der Beständigkeit mit der Thematik des Raumes und dem Individuum in ihm. In der Abstraktion des Raumes finden sich hier und da gesichtslose Personen wieder, die sich als fotomontierte Silhouetten an dem undefinierbaren Ort versuchen zurecht zu finden und dabei völlig unbeholfen ihren willkürlichen Platz einnehmen. Es sind die Umrisse ihrer Konturen, abgezeichnet von fotografierten Persönlichkeiten, die plötzlich in den Zeichnungen namenlos und anonym platziert sind – es könnte ein jeder sein, vielfach wiederhol- und kopierbar.
Ort: Françoise Heitsch bis: 2012-02-04
Künstler: Gülçin Aksoy, Gözde İlkin, Yasemin Nur
Thema:
Ort: Françoise Heitsch bis: 2011-10-29
Künstler: Philipp Gufler, Thomas von Poschinger, Björn Wallbaum
Thema: In der Vereinsamung der Gesellschaft überlebt der Einzelne tagtäglich den Kampf seines Daseins, mit dem Ziel des Sieges seiner Individualität; der Krieger bemüht sich im kämpferischen Spiel um Akzeptanz, Anerkennung und Integrität. Als ein einzelner (Gesellschafts-)Krieger, tapfer und stur, durchforstet er stolz die Grenzen der Machbarkeit und Möglichkeit, auf der Suche nach der Unberührbarkeit der Welt und erkämpft sich im Alleingang die formbare Normalität seiner Selbst. In der Konzeptualisierung begreifen wir die verschleierte Sicht der unausgesprochenen Dinge und die Anschauung der Welt ist plötzlich erfüllt von der Offenkundigkeit des stetig geforderten und furchtlosen Kämpfers in uns. Strammstehend wie ein Krieger zwingt uns die lebensgroße Säule von PHILIPP GUFLER zum Dialog. Magnetisiert von der Anziehungskraft des Irritierenden nähert sich der Betrachter der fiktiven Person, die sein Gegenüber in Größe und Erhabenheit scheinbar zu provozieren versucht. Lichter spiegeln sich darin, die Farben reflektieren, Mattigkeit überzieht die Fronten mit einem Film der Poetisierung. Das Gegenüber antwortet mit einem Spiegelbild, ein Bild, das sich – verwundert über die unebene Fläche mit Abdrücken, Schlieren und Verletzungen der Schicht – dennoch wieder erkennt, sich selbst und den ihn umgebenden Raum. Die Statue erstrahlt friedlich in allen Farben und jegliche Verwunderung des Ausdrucks ihres „Kontrahenten“ über die bunte Reflexion scheint sie in ihrem polemischen und unumgänglichen Zwiegespräch zufrieden zu stellen, ohne dabei eine Antwort zu erwarten. Vielmehr verkündet sie standfest und stolz von den Menschen am „Spiegelrand“ und den gesellschaftlichen Besonderheiten, die sie schillernd und dennoch trüb in den Farben des Regenbogens überträgt, auf die sogenannte „gayprideflag“ anspielend, der sich der Betrachter in Verzückung und gleichzeitiger Zurückhaltung stellt. Der Spiegelsäule „Pride III“ steht ein Tisch gegenüber, auf dem der Künstler eine Sammlung von selektiert persönlichen Reliquien, Siebdrucken, Texten, Ideen und Vorstellungen andächtig dem Betrachter offenbart, gleich einer Verkündigung des Gewissens und Bewusstseins. Die Menschen in den Fotografien von THOMAS VON POSCHINGER empfangen den Betrachter in ihrem alltäglichen Milieu. Gleich einem Zeitzeugen durchlebt er den Moment, dem er wie zufällig und ungestört beiwohnen darf und fühlt sich dabei als willkommenes Mitglied der Gesellschaftsszenerie. Die Protagonisten nehmen den „Bildermacher“ zwar wahr, richten ihr Dasein und Bewusstsein aber ganz auf ihr eigenes Daseinsmoment. Der Schauplatz des Augenblicks ist allen vertraut, doch der Ausschnitt bzw. Beschnitt der Szene, die Darstellung von Zwischenräumen, in denen sich die Helden kurzzeitig aufhalten – teils dem Moment wieder entschwunden, oder im Begriff, den Schauplatz unbewußterweise zu verlassen – erhöht das Erfasste zur Inszenierung und man spielt kurzfristig mit der Mutmaßung, das Ganze gleiche einer theatralischen Inszenierung, in denen die Figuren ihre ihnen zugewiesene Rolle spielen. Thomas von Poschinger schafft in wieder erkennbaren Umfeldern mit vertrauten Menschen eine unideologische Bühne von unbedeutend wirkenden Szenarien, die allerdings bei genauerem Betrachten eine exotische Vielschichtigkeit betonen und die Frage nach (sozialer) Herkunft und (gesellschaftlichem) Ziel thematisieren. In der Collagierung der Gegebenheiten stellt sich BJÖRN WALLBAUM der Polemisierung der Welt und verführt den Betrachter zur Parodie seiner Wesenszüge und Anschauungen. Seine konzeptuellen „Krieger“ wirken in ihrer Stringenz und ordentlichen Erscheinung beinahe ironisch, dennoch spüren wir in ihrer Geradlinigkeit den Hang zur Monumentalität und Stille, wie es nur ein passiver Gedankenkrieger zustande bringen würde. Das zweilagige Stoffdreieck erinnert an einen Wimpel, an einer Kordel hängend, die in ihrer Gleichförmigkeit das Negativ beschreibt bzw. den Wimpel zur Raute vollendet. In Reihung gleichen diese „Krieger“ einer Armee in Position, bereit zum Angriff, ohne den Verlust ihrer Erhabenheit einbüßen zu müssen. Im Untergeschoß vollführen zwei Alltagsgegenstände einen Tanz von Zwischenmenschlichkeiten, deren Symbolträchtigkeit den Betrachter die Offensichtlichkeit der Tatsachen bestaunen lässt. Ein Kühlschrank und eine Matratze umarmen sich, sind aneinander gekettet, spiegeln sich auf ihrem Untergrund, der eine im anderen, kein Tanzpartner kann ohne den anderen, sie begründen und ermöglichen sich gegenseitig und bedeuten in einer Klarheit die einzigen zwei elementaren Notwendigkeiten des Lebens. Thematisch dem gegenüber steht der Einzelkämpfer in „It´s a fucking hard life“, der die Unmöglichkeit akzeptieren muss, die zwei mit Beton gefüllten Aldi-Tüten zu bewegen, geschweige denn sich aus ihrer Schwere zu befreien. Im Alleingang stellt sich der Einzelne der Ironie seines Schicksals, kämpft sich voran, überlebt in einer Umarmung aus humorvoller Gesellschaftlichkeit und gleichzeitiger Hilflosigkeit, sich aus dem kriegerischen Getümmel loszureißen und das Gewicht der Unterwürfigkeit und Klassifizierung plötzlich ermutigt und tapfer stemmen zu können. OPEN ART: 9./10./11. Sept. 2011. Kunstwochenende München. Sa-So: 11.00-18.00 Uhr www.openart.biz
Ort: Françoise Heitsch bis: 2011-07-30
Künstler: Ergül Cengiz, Henrieke Ribbe, Katrin Wolf
Thema: Im Zusammenspiel von transparenter Leichtigkeit und versteckter Raumtiefe wandert der Betrachter in der Rolle des Entdeckers um großformatige, dreilagige Papierarbeiten durch den Raum und erkennt nach und nach die Ganzheit als symbiotischen Einklang dreier eigenständig arbeitender Künstlerinnen, die sich 2004, in Hamburg lebend zu dem Künstlertrio „3 Hamburger Frauen“ vereinten. Zuletzt zeigten Ergül Cengiz (1975), Henrieke Ribbe (1979) und Katrin Wolf (1974) in der Ausstellung „Captain Pamphile“ in den Deichtorhallen Hamburg eine ihrer großformatigen, temporären Wandarbeiten. Bei Françoise Heitsch arbeiten die drei Künstlerinnen mit Papier und Folien, die übereinander gelagert frei von der Decke hängen. Sie zeigen erstmalig keine ephemeren Arbeiten an der Wand. Figuration, Ornamentik und Papierschnitt, drei Schichten, drei Protagonistinnen, die sich immer wieder selbst in ihren Bildern inszenieren. Die Selbstporträts der Künstlerinnen in diesen neuesten Arbeiten sind überraschend leise und entrückt, erfahren sie doch durch die ornamentalen und farbig abstrakten Schichten eine stille Ferne und Entfernung zum Betrachter. Im Vergleich zu ihren inszenierten Selbstporträts im Rollenspiel als Königinnen, Bräute in Weiß, aufreizend angezogene Bardamen, Vamps, Akrobatinnen, oder gar als voll tätowierte „Seeweiber“ zeigen sich die „3 Hamburger Frauen“ bei Françoise Heitsch authentisch und gar nachdenklich. Abb.: 3 Hamburger Frauen, o. T., 2011, Serie, 29,7 x 42,1 cm
Ort: Françoise Heitsch bis: 2011-05-21
Künstler: Siyoung Kim, Julie Ziegler
Thema: +SIYOUNG KIM*##Die Technik der Collage zieht sich durch das gesamte Werk der koreanischen Künstlerin Siyoung Kim (1976, Berlin). Das Zusammenfügen figürlicher Motive aus unterschiedlichsten Quellen dient ihr dazu, das Spektrum menschlicher Eigenschaften und kultureller Strukturen aufzufächern und zu kontrastieren. Der Mensch als kulturelles Wesen und Produkt der medialen Welt, zwischen Fremdbestimmung und Selbstfindung, zivilisatorischem Impetus und animalischen Triebtaten, ist der Gegenstand ihrer Arbeiten. Die Fragilität kultureller Definitionen ist ihre erklärte Aussage, und, dass man durch die Vielschichtigkeit der menschlichen Existenz voneinander lernen kann. Die Collage macht diese Vielschichtigkeit sichtbar und eine Identifizierung des Betrachters mit dem Dargestellten möglich. Noch stärker als in ihren Papierarbeiten ist dies in ihren Videos spürbar, die sie als Erfahrungswege eines Einzelnen durch seine Umwelt inszeniert. Ihre Videos und auch die, teilweise interaktiven, Roboter-Skulpturen sind aus ihrem formalen Hauptwerk heraus entstanden, der dreidimensionalen Fotocollage: Funde aus öffentlichen Printmedien werden in Größe und Form bearbeitet, mit Styropor oder anderen Materialien verstärkt und kombiniert. Durch die räumliche Staffelung der Elemente oder Figurengruppen schafft Siyoung Kim eine dreidimensionale, narrative Szenerie. So entstehen Bildobjekte an der Wand, freie Rauminstallationen oder Zwischenformen, mit und ohne Bildgrund, bisweilen ganz reduziert auf eine Figur.##+JULIA ZIEGLER*##Im Werk der Berliner Künstlerin Julia Ziegler (1963, Frankfurt am Main), das Malerei, Installation, Mixed-Media-Objekte und Zeichnung umfasst, spielt die Zeichnung eine besondere Rolle. Direkt mit Farbe auf der Wand – mit Fäden im Raum – mit der Schreibmaschine auf A4 Papier oder – wie hier – großformatig und mit Schwung – die Präzision der Linie gestaltet den Raum. 2004 zeigte Françoise Heitsch mit der Arbeit „Grammatik“ die Vorläufer der hier vorgestellten Serien. „Chorus“ und „Wolken“, zwei Serien hängen einander gegenüber. Es sind großformatige Filzstiftzeichnungen auf lackiertem Papier. „Chorus“ zeigt Porträts der Mitglieder eines Chores beim Singen. Die überdimensionalen Gesichter setzen sich zusammen aus Schraffuren, die an die vergrößerten Strukturen einer Radierung erinnern. Durch ihre Größe und die dynamische Linienführung wirken sie präsent, durch den gesenkten Blick abwesend zugleich. Aus der Nähe betrachtet lösen sich die Züge auf, um in Muster und Rhythmus überzugehen. Mit Abstand betrachtet entsteht ein Ensemble unterschiedlicher Charaktere. Reduktion und Vereinfachung, abgeleitet aus genauer Beobachtung, mit ein bisschen Erfindung, sind auch Kennzeichen der Wolken-Zeichnungen. In der gleichen Technik wie die Chorus-Bilder gefertigt, spielen auch sie mit der Spannung zwischen nah und fern, Transparenz und Körper, Zustand und Veränderung.
Ort: Françoise Heitsch bis: 2011-03-26
Künstler: Klaus vom Bruch
Thema: Klaus vom Bruch (1952, Köln) spielt in seiner zweiten Einzelausstellung bei Françoise Heitsch mit Selbstironie, Wahrnehmung und Illusion. Er installiert parterre eine Art filmisches Spiegelkabinett, das den Besucher durch Reflexionen und Täuschung in seiner Auffassung von Wahrnehmung und Empfindung verwirren oder gar „in den Wahnsinn“ treiben soll. Das Thema der „Männer am Rande des Wahnsinns“ setzt sich im unteren Raum fort. Es sind Familienporträts des Künstlers zu sehen, die humorvoll und selbstkritisch den Bezug zum Ausstellungsthema herstellen. Gleichzeitig treten diese in der akustischen Untermalung von Iwan Turgenjews „Väter und Söhne“ (1861) als beispielhafte Männer in diesen virilen Phantasien auf und schaffen eine narzisstisch gespiegelte Reflexion von Herrschaftsmodellen. ##Abb.:K.v.B. & Bild Kunst Bonn 2011
Ort: Françoise Heitsch bis: 2011-01-29
Künstler: Alexiou
Thema: Das Werk des griechischen Künstlers Nikos Alexiou gründet sich auf der manuellen und körperbezogenen Umsetzung mathematischer Konzepte. Fraktale, Strings und weitere, hypothetische physikalische Modelle, die die grundlegenden kosmologischen Gesetze und physikalischen Fundamentalkräfte bestimmen, werden in die Sphäre der alltäglichen, menschlichen Erfahrung übertragen. Mit Papier, Bambus und Computergraphik, die die Hauptmedien des Künstlers zu sein scheinen, werden Objekte einer zyklischen und sich wiederholenden Schönheit erschaffen. Sie verweisen nun haptisch auf diese kosmologischen Konstanten. Die Entdeckung des Künstlers war, dass solche grundlegenden mathematisch-physikalischen Konzepte zugleich als Musterübertragung in wichtigen Hochburgen westlicher Zivilisation zu finden sind. Abbilder des Universums, die als kosmos verstanden werden – was im Altgriechischen Schmuck bedeutet – finden sich in antik griechischen und byzantinischen Bodendekorationen (wie in der Basilika vom Heiligen Markus in Venedig oder im Katholikon des Klosters Iviron auf dem Berg Athos – eine der wichtigsten Werkzyklen des Künstlers, mit dem er den Griechischen Pavillon auf der Biennale von Venedig 2007 bespielt hat). Solche Muster zeugen von der zugrunde legenden und tief in unserer Erfahrung verwurzelten Poesie der Welt. Nikos Alexiou weckt diese oft vergessene oder verdrängte Erfahrung wieder auf. Der Betrachter teilt gern die kaleidoskopische Welt der schönen und mathematischen Komplexität von Nikos Alexiou. Er scheint sich oft an der Stelle des Hauptdarstellers in der bekannten letzten Szene, die so genannte star gaze sequence in Stanley Kubric’s Film "2001: A Space Odyssey" zu befinden, in der ihm die Geheimnise der Welt mit einem Blick offenbart werden. Die Wirkung der Werke von Alexiou ist ebenfalls kaleidoskopartig und labyrinthisch, wie in seinen höchst fragilen Gitterkonstruktionen aus Bambus und feinen, semitransparenten, spitzeartigen Geweben aus Papier. Die Endlosigkeit der Welt (man sollte in diesem Zusammenhang ruhig das Wort „Schöpfung“ benutzen) spiegelt sich in dem zeitaufwendigen, sich wiederholenden und handwerklichen Arbeitsprinzip des Künstlers wider. Nikos Alexious Werk ist ein Versuch, die Welt in einer Art Kartographie voller assoziationsreicher Deutungen zu erfassen. Licht und Raum in der Galerie werden von den endlosen Linien und semitransparenten Ebenen des Werks von Alexiou neu gestaltet. ##Text von Dr. Sotirios Bahtsetzis##Abb.: Nikos Alexiou, Atelier, Foto von Panos Kokkinias
Ort: Françoise Heitsch bis: 2010-10-30
Künstler: Carmela Uranga
Thema: OPEN ART: 10.-11.-12. September 2010. Das Kunstwochenende in München.##Der Betrachter der Installation von Carmela Uranga (1968) wird mit dem Betreten der Galerie Françoise Heitsch Zeuge einer stillgelegten Momentaufnahme einer wütenden Naturgewalt, die uns mit einem Bild der Verwüstung konfrontiert. Als wären die Räume überschwemmt, verteilen sich halbierte Möbelstücke und Objekte im Raum, die vom grauen Boden wie im Wasser schwimmend getragen werden. Auf den Regalen befinden sich instabil wirkende Objekte, die sich, wie im Sturz aufgehalten, nach unten biegen, als befände man sich in einem Raum, der plötzlich und überstürzt verlassen werden musste. Geht man aus dem "Raum der Überschwemmung" ins Untergeschoß, erschleicht den Betrachter auch hier ein unangenehmes Gefühl der Beklemmung, denn es scheint, als stünde man unter der Erde, wo man die Wurzeln der schwimmenden Objekte im Erdgeschoß an der Decke wieder erkennt. Hier hängen die Unterteile der halbierten Möbelstücke, die im Erdgeschoß "aus dem Wasser ragen" und man hält sich nur ungern unterhalb der Tischbeine, der Schrankhälften und Stuhlfüße auf, die so bedrohlich über unseren Köpfen hängen. Die umgekehrte Wahrnehmung der "Flutkatastrophe" im Erdgeschoß forciert das Gefühl, dass wir uns in Sicherheit bringen sollten. Carmela Uranga schafft ein skulpturales Projekt des sich über Wasser Haltens bzw. des überschwemmt seins und lenkt so die Aufmerksamkeit auf all jene Naturkatastrophen und katastrophalen Weltgeschehnisse, die uns aus unserer Ich-bezogenen alltäglichen Routine herausreißen und dazu drängen, weitsichtige Maßnahmen zu ergreifen, um nicht unter zu gehen.##Abb: Carmela Uranga, Afloat, Installationsskizze, 2009
Ort: Françoise Heitsch bis: 2010-07-17
Künstler: Zafos Xagoraris
Thema: +ZAFOS XAGORARIS# BLUMENVERKAUF-AKTION am Samstag, den 19. Juni 12.00-16.00 Uhr, Glyptothek München, Treppenaufgang*## Zafos Xagoraris (1963, Athen) initiiert für einen Tag eine Blumenverkauf-Aktion am Treppenaufgang der Glyptothek in München als Bestandteil seiner Ausstellung Agora bei Francoise Heitsch (21. Juni-17. Juli 2010). # Diese Aktion kann mit seinen früheren Installationen und Projekten in Verbindung gebracht werden, in denen er versuchte, gesetzliche Vorschriften oder andere Verordnungen und Handhabungen, die das städtische Zusammenleben reglementieren und definieren, zu verwandeln und für wenige Momente zu Neuem und Ungewohnten zu transformieren. In diesem Fall verändert die temporäre Erlaubnis, am Eingang einer Institution wie die Münchner Glyptothek Blumen zu verkaufen, das Bild des Museums und sogar der Stadt selbst. Die Blumen, die Kränze, die Fässer, die Verkäufer und die Besucher auf der Eingangstreppe des Museums schaffen eine bewegte, chaotische, lebendige, klangvolle und ungezwungene Situation, die im Kontrast zu dem Gebäude und seinen verschiedenen Bedeutungen steht. Der Besucher des Blumenmarktes erlebt einen bekannten Ort und gängige Handlungen in einem neuen Umfeld und Zusammenhang, er wird der Träger der Installation, indem er die angebotene Ware kauft und er so das Markttreiben entstehen lässt. Die ewigen Statuen stehen nun wieder in einer Verbindung mit dem bunten Treiben eines Marktes, er ist in seinem Ursprung, ein Platz, auf dem das städtische Leben zusammenfindet, umgeben von antiken Plastiken, die sich vormals in Außenräumen und auch auf der Agora befanden. Dadurch wird ein direkter Zusammenhang zwischen der Antike und der Gegenwart hergestellt. So wie der Besucher „Bestandteil“ dieses Ensembles wird und mit dem Kauf der Blumen einen Teil der Installation und des Empfindens mit nach Hause nimmt, so wird die Institution Teil einer alltäglichen Handlung und vom Besucher in einem völlig neuen Kontext erlebt und wahrgenommen. Zafos Xagoraris filmt diese Aktion mit einer Handkamera und wird die Aufnahmen während seiner Ausstellung in den Räumen von Françoise Heitsch zeigen, so dass die Handlungen projiziert fortgeführt werden und der Galeriebesucher den Blumenmarkt auf der Agora visuell nachempfinden kann. Außerdem zeigt Zafos Xagoraris in den Galerieräumen einen 14 Meter langen, an einen Mäander erinnernden Papierfries, der Szenen aus dem urbanen Leben darstellt.#Abb: Zafos Xagoraris, o. T., 2009, Acryl, Tinte auf Papier, 80 x 100 cm###+Die Galerie ist in den Sommerferien geschlossen*
Ort: Françoise Heitsch bis: 2010-06-05
Künstler: Susanne Pittroff
Thema: In Susanne Pittroffs Ausstellung metamorphosen bei Françoise Heitsch zeigt die Münchner Künstlerin (1959) Objekte und Zeichnungen aus den letzten drei Jahren, die mit architektonischem Formelrepertoire spielen, um Örtlichkeiten und deren soziale Bezüge aufzuzeigen. Es sind einfache Formen, die durch Faltungen verändert, an der Wand und am Boden installiert werden, wobei Susanne Pittroffs Herangehensweise an Form und Medium eher instinktiv erfolgt, ähnlich einem Feldforscher mit dem Ziel, normative Zwänge sichtbar zu machen. Dabei löst sie Geometrien und Strukturen auf, setzt sie neu zusammen oder “faltet“ sie auf. Die Entwicklung der entstehenden Objekte ist folglich weder determiniert noch vorhersehbar, sondern die Formen erleben im fortlaufenden Arbeitsprozess eine zunehmende Konkretisierung. Wenngleich die Formgebung nicht für architektonisches Planen steht, entspringt sie dennoch unserem städtischen Umfeld. So zeigt die Künstlerin in der Galerie Wandobjekte mit dem Titel “metamorphosen“, die aus dem Grundriss eines Oktagons hergeleitet sind. Diese Form verändert sich mehrfach minimalistisch. Auch die installative Arbeit “public shelter“ bezieht sich auf Verortung – Privatraum oder öffentlicher Raum? Drei Matten lehnen an der Wand, wobei die unterschiedliche Ordnung und Farbigkeit der Hüllen, sich je nach Standort zu Mustern zusammenfügen. Befasst man sich mit den Begrifflichkeiten in ihren Objekten und Installationen gerät man häufig in ein Dilemma der Zweideutigkeiten, die uns aus fest gefügten Rastern hervorlocken wollen. So verhält es sich beispielsweise mit ihrer überdimensionierten Halskette „bound to be wild“ aus dem Jahre 2007. Es sind kombinierte Differenzen bzw. gegensätzliche Realitäten, die überwunden und in einem harmonischen Zusammenspiel erdacht werden müssen. Susanne Pittroff schafft bewusst diese Schnittstellen und gibt uns einen Denkanstoß diese zu entziffern. Diese doppeldeutigen Verbindungen spiegeln gesellschaftliche Strukturen wieder. Man befindet sich auf einem Gebiet, in dem die herkömmliche Sprache von der Formensprache abgelöst wird, die Kunst wird zur Sprachenform.##Susanne Pittroff, public shelter, 2008, Schaumstoff, Baumwolle, Polyester, je 180 cm x 80 cm
Ort: Françoise Heitsch bis: 2010-04-16
Künstler: Joe Barnes
Thema: PAINTING, FOR ME, IS AN EXPRESSION OF THE SPIRITUAL. IT IS A MEDITATIVE PROCESS, WHICH TAKES ME INTO THE WORK AND ALLOWS ME TO WANDER AN ENDLESS PATHWAY. ALTHOUGH I DO MAKE CONSCIOUS CHOICES AS TO COLOUR, SIZE AND MATERIAL, THE REST IS AN EXERCISE IN TRANSCENDING THE EGO....A MEDITATION.(Joe Barnes)##Abb: Ausstellungsansicht + colour moods*, Françoise Heitsch, München##Foto: Andreas Acktun
Ort: Françoise Heitsch bis: 2010-01-23
Künstler: Ergül Cengiz
Thema: Ergül Cengiz (1975) zeigt in ihrer zweiten Einzelausstellung bei Françoise Heitsch in München ihre neuesten Leinwandarbeiten, die eine Intensität von Ästhetik und Identität zum Vorschein bringen. Motivisch verbleibt die Künstlerin bei Figuration und flächiger Erzählstrukturen, die sich in florale und arabeske Ornamentik einbetten und dadurch eine kennzeichnende Verbindung zu Persönlichkeit und kulturellen Ursprung herstellen und der Wahrnehmung einen weitläufigen Blick über die bildlichen Grenzen hinaus erlauben. Ihre kulturelle Prägung und ihr Studium orientalischer Formensprache verweben sich mit abendländischen Bildkomponenten und entführen den Betrachter in eine kulminierte Welt ihrer globalen Sichtweise. Menschenmassen, Vögel, Blumen oder Tiere durchstreifen eine tragende Komposition ungegenständlicher Bildflächen, wie dominante Ornamentierungen, orientalische Kachel- und Teppichmuster, oder aber abstrakte illusionistische Muster, die ein Zitat der Optical Art aus den 60er Jahren erahnen lassen. Ergül Cengiz verbindet zwei kulturelle, künstlerische (Bild-)Welten miteinander und ermöglicht eine Symbiose zweier Thesen, indem sie sie gleichwertig durchdringt und uns somit nicht vor die Wahl zwischen These und Antithese stellt. Ergül Cengiz ist auf der Suche nach dem Gleichgewicht der Sehgewohnheiten zwischen Orient und Okzident und bewegt sich dabei wie ein leises Metronom, das stetig und gleichmäßig zwei weit entfernt voneinander liegende Zentren bindet.##Ergül Cengiz, Jangula, 2009, Öl auf Leinwand, 110 x 150 cm
Ort: Françoise Heitsch bis: 2009-12-03
Künstler: Maria Zervou
Thema: Für die Arbeiten von Maria Zervou (1977), die meist eine emotionale Verletzlichkeit betonen, ist der Ausdruck ihrer persönlichsten Art zu fühlen sehr charakteristisch. Ihre Geschichten beruhen stets auf Metaphern und nehmen – als mentale Bilder geboren – verschiedene Formen ein. Maria Zervou untersucht in ihren Videos, Zeichnungen und Installationen oftmals die doppelseitige Natur der Dinge und benutzt alltägliche Szenerien, die mit fremdartigen Dingen oder Paradoxien im unerwarteten Kontakt stehen. In ihrer Videoarbeit „Traveler“ konzentriert sich die Künstlerin auf die Erforschung der doppelten Sichtweisen unserer Realität – die unserer sichtbaren Welt und die, die wir mit unserem inneren Auge wahrnehmen, die Realität unserer eigenen Fantasiewelten. Ihr Ziel ist es, die Erwartungen des Beobachters umzukehren, indem sie die absurden Elemente der Realität betont. Eine ihrer Methoden, um den doppelten Blick auf die Wirklichkeit zu erforschen, liegt in dem Zusammenführen verschiedenster Elemente, die sie einander gegenüberstellt und somit in einen Dialog zwingt. Dieser Dialog steht häufig mit der Neupositionierung des Individuellen in wohlbekannte soziale, persönliche oder politische Strukturen in unmittelbarer Verbindung. Maria Zervou verwandelt das Banale in das Unerwartete und vollführt in ihrer Ausstellung POINT OF DEPARTURE eine interaktive Beziehung zwischen Raum und Zeit, zwischen Innen- und Außenraum und lässt den Betrachter neu definierte Grenzen erahnen.##Maria Zervou, Traveler, 2009, HDV transfered to DVD, 8 min
Ort: Françoise Heitsch bis: 2009-10-17
Künstler: Rosenberger
Thema: Die Welt mit ihrer visionären Perfektionierung von Technik und Waffen wird bei Sabine Rosenberger aus ihren Fugen gerissen und entfremdet. Materielle Repräsentanten der Macht und Stärke werden zu Vertretern von endlicher Fragilität und festlicher Leichtigkeit. Sabine Rosenberger reizt die vollkommene Form einer zerstörerischen Materialität, sie bringt die ursprüngliche Ordnung aus dem Gleichgewicht, indem sie ihre Urbestimmung über eine ornamentale Ästhetik subversiert und dem Objekt an sich Zweck und Sinn raubt. In majestätischer Würde präsentieren sich die feierlich geschmückten Kampfflieger, stolz wie eine prachtvolle Königin, von der man seinen Blick nicht abwenden möchte, scheinen sie in ihrer neuen Ordnung die positive Erhabenheit regelrecht zur Schau stellen zu wollen. Vergessen ist ihr ehemaliges Reich der Geheimnisse und Undurchsichtigkeiten. War die hoch entwickelte Stealth-Technologie zuvor noch ein Mittel des unentdeckbaren Angriffs, fast unbesiegbar und am Radar nicht wahrzunehmen, präsentieren sich nun die zweckentfremdeten anmutigen Kampfflieger als neuartige Objekte voll ästhetischem Stolz und dem stillen Begehren, der Welt vorgeführt werden zu wollen. In ihren Skulpturen aus Glas wird selbige Thematik der verdrehten Ordnung wieder aufgegriffen. Technische Formen, Raketen und Düsenflieger aus „unsichtbaren“ und zerbrechlichen Glas runden die absurde Subversion ursprünglicher Funktionalitäten in Sabine Rosenbergers Werk ab und werden gleichsam zu Bewohnern des ästhetischen Reichs ihrer Luftschlösser. ##Abbildung: Sabine Rosenberger, F A 37 Talon 2, 2009, Öl auf Fotografie, Alu-Dibond, 29,0 x 41,5 cm
Ort: Françoise Heitsch bis: 2009-07-25
Künstler: Ben Cottrell, Matthias Dornfeld, Ole Hartmann, Maja Körner, Katrin Rother, Paul Shottner
Thema: Wie ist der Titel der Ausstellung ‚Implikation des Portraits 2009’ zu interpretieren?## „Setzt man den umgangssprachlichen Begriff von Implikation voraus, kann der Titel zunächst im Sinne einer aktuellen Folgerung aus dem historisch entwickelten Konzept des Portraits verstanden werden. In einem engeren durch die formale Logik definierten metasprachlichen Sinn ist die Implikation eine Relation zwischen Satzkonstanten: Die Sätze A1 bis An implizieren den Satz B genau dann wenn, A1 bis An ist wahr dann ist auch B wahr. Die historisch eng mit der Gattung verknüpften Forderungen der Authentizität und Wirklichkeitstreue rücken das Portrait in die Nähe des semantischen Begriffs der Wahrheit. Generell finde ich die Frage interessant, ob sich semantische Konzepte wie der wahrheitsfunktionale Begriff der Implikation auf das Portrait als eine Gattung der ‚Sprachen der Kunst’ übertragen lassen. Inwiefern kann heute ein Portrait nach Kriterien der Übereinstimmung beurteilt werden und welche Folgerungen können sich aus einzelnen Bildnissen sowie der Gattung ergeben?“ (Ben Kaufmann)# Werfen wir zunächst einen Blick auf die Bildgattung. Sicherlich ist ein Portrait nicht immer nur eine wahrheitsgetreue Abbildung des Äußeren bzw. des Wesens der dargestellten Person oder Personengruppe, eingeordnet nach dem Ausschnitt der Figuren, die man sieht. Hinzu kommen Euphemismen, oder der Ausdruck der jeweiligen Künstlerintention./ Die Entwicklung vom ägyptischen Mumienportrait über den wahrheitsgetreuen Realismus ab dem 14. Jahrhundert bis hin zur Neuinterpretation eines Bacon oder Warhol führt zu mehr als das, was man naiv betrachtet von einem Abbildhaften Bildnis erwartet. Wohin führt uns in Zukunft dieser Weg, reicht die Hommage an sich?# „Ich persönlich sehe das Portrait viel abstrakter bzw. universeller, nicht ausschließlich in der kunsthistorischen Einbettung. Mit dem Begriff Hommage ist ein guter Punkt getroffen, da wir auch im Titel das Wort Portrait mit ‚ai’ geschrieben haben, was schon eine nostalgische Sicht vermuten lässt. Im Titel befindet sich aber auch die Jahreszahl 2009, d.h. die Gegenwart. Ich denke, dass diese zwei Eckpunkte in Kombination mit ‚Implikation’ das Spielfeld sowie die Spielregeln der Ausstellung ‚Implikation des Portaits 2009’ darstellen.“ (Ben Kaufmann)# Klar ist zumindest, dass auch bei diesen ‚Portraits’ (ob sie nun figürlich auszumachende Gesichter zeigen oder nicht) die Vorstellung des Spiegelbildes verkörpert wird. Seit jeher ist der Spiegel eine der Metaphern in der Geschichte der abendländischen Kultur und lässt eine ganze Reihe an Bezügen zu. Nicht ohne Grund gibt es zahlreiche abergläubische Redensarten über den Spiegel, wie zum Beispiel der zerbrochene, welcher uns sieben Jahre Unglück beschert, weil er unser Doppelgänger ist und als Verletzter auch uns verletzt. Glauben Sie daran? Oder an die Vorstellung, er enthülle Selbsterkenntnis und Wahrheit, aber auch Eitelkeit und Wolllust? Zumindest dachten die Menschen in der Antike, ein Spiegel könne die Seele eines Menschen einfangen und festhalten. Der Betrachter selbst wird zum Gefangenen des observierten (Spiegel-) Bildes.# Die Ausstellung hat wohl mehr zu bieten als die Durchdeklinierung der Spiegelmetapher. Viele Werke finden ihren Schnittpunkt in einer möglichen interpretatorischen Idee: die Inszenierung zu einem Gesamtgefüge, das man mit einer Theatervorstellung vergleichen kann. Allein das große Schaufenster der Galerie gibt dem Besucher, schon bevor er die Ausstellung betritt, das Gefühl von einem beobachtet werden wollenden Spektakel. Dies erinnert an die 1938 von André Breton und Paul Eluard organisierte Ausstellung „Exposition Internationale du Surréalisme“ in der Galerie Beaux-Arts in Paris. In der von Man Ray unter dem Titel „Resurrection des Mannequins“ dokumentierten Aktion wurde jedem der 15 Künstler, unter ihnen Dalí, Duchamp, Ernst, Masson, Miró und Ray eine Schaufensterpuppe zur Verfügung gestellt, welche sie nach Belieben umgestalten konnten. / Darüber hinaus versinnbildlicht das Schaufenster mit der dazugehörigen 'Dekoration' die offensichtliche Fiktion einer vierten Wand. Während sich die Schauspieler auf der Bühne ihrer Beobachtung durch das Publikum bewusst sind, wissen die von ihnen gespielten Figuren nicht um ihre observierte Präsenz. Sie fühlen sich in ihren Handlungen wie hinter einer Wand, abgeschirmt von der Außenwelt und neugierigen Augenpaaren. Ebenfalls ist sich das Bildpersonal seiner Beobachtung durch den Betrachter nicht bewusst, jedoch durchbricht der Künstler die vierte Wand und macht das Bild als Bühne zugänglich - die vierte Wand als eine Art der Inszenierung.# Ist die Ausstellung gedacht als eine Antwort auf die 2005 von Nicolaus Schafhausen kuratierte Ausstellung ‚Bühne des Lebens- Rhetorik des Gefühls’ im Lenbachhaus, München?# „Nein, ich sehe das nicht als Weiterführung, auch wenn es bei der lichttechnischen Umsetzung Parallelen gibt, die einer Inszenierung ähnlich sind. Die Frage ist vielmehr, welche Show die bessere ist!“ (Ben Kaufmann)# Luise Kuhn
Ort: Françoise Heitsch bis: 2009-05-23
Künstler: Andreas Savva
Thema: 2004 zeigte Andreas Savva (1970) in der Gruppenausstellung ausderferne ausdernähe ausdermitte im Europäischen Patentamt München ein raumgreifendes skulpturales Geflecht aus Seilen und Stühlen, die sich – wie im Netz einer Spinne gefangen – versuchten im Raum zu befreien und sich zugleich durch das „geflochtene“ und „verflochtene“ Gefasstsein definierten. 5 Jahre später präsentiert uns der zypriotische Künstler bei Françoise Heitsch erneut ein dreidimensionales Objekt, das sich durch seine Dimension, Intention und durch das Ausmaß der Oberflächlichkeit und Materialität erklärt, das aber insgeheim eine tiefe Verbindung zwischen Persönlichkeit und Kunst an die Wand projiziert und uns vom entfernten Beobachter zum involvierten emotionalen Partizipant werden lässt. Andreas Savvas großflächige Wandarbeit aus dem stets vor Ort installiertem Zyklus „Anti-funeral-gifts“ besteht aus materiellen Zeitzeugen unseres Daseins. Keine Dinge, die ein Mensch mit ins Grab nehmen würde, mit denen er dennoch lebt, die er benutzt, die ihn begleiten und so ein Teil von ihm und seiner Persönlichkeit wurden. Der Mensch im Mittelpunkt der ihn umgebenden Materialität, die wie ein unentbehrlich gewordener, unauffälliger Satellit um ihn kreist. Bedeutend gewesene Gegenstände, beinahe vergessen, winden sich – zusammengepfercht in eine geschnürte Wellenlinie – über die Fläche, breiten sich wie eine gewaltige Schlange auf der Wand aus und verformen ihre willkürlich anmutende Route in ein visuell gewordenes Abenteuer unseres Daseins. Ihr Verlauf ist ein Weg, unvorhersehbar richtungsändernd und ungewiss fragil.# Andreas Savva offenbart Tatsachen, erklärt Missstände oder verbildlicht politische Zustände, indem er nicht nur an unser metaphorisches Verständnis appelliert. Äste und Steine werden zu Gleichnissen eigenen Ursprungs, erzählen zugleich von Vertreibung und Besetzung und versinnbildlichen als Wurzeln das eigene Empfinden von Zugehörigkeit. Mit Klebebändern installierte Plastiken, die „Überlebenspakete“, stellen eine Parallele zu den Paketen persönlicher Gegenstände und Geschenke her, die Emigranten an Menschen in ihrer Heimat schicken. Eine Installation aus Mullbinden, kuratiert von Ruth Noack, auf dem Kodra-Gelände in Thessaloniki – ein Ort, an dem die aus der Türkei vertriebenen Griechen als auch die vertriebenen Türken aus Griechenland gebracht wurden – verbildlicht den Schmerz und prophezeit im gleichen Zuge die Heilung dieser historischen Problematik. Mit einem Werk voller Symbolik versucht uns Andreas Savva teilhaben zu lassen, am Zeit-geschehen, am eigenen Erlebten und an seiner Geschichte.
Ort: Françoise Heitsch bis: 2009-03-07
Künstler: Nigin Beck
Thema: Die deutsch-persische Künstlerin Nigin Beck (1984) zeigt in ihrer ersten Einzelausstellung Arbeiten, die ein emotionales Wechselspiel von Nostalgie, Erinnerung und „Fabel-haften“ in uns hervorrufen. Ihr Repertoire an inneren Bildern, Phantasien und Vorstellungen und dem Bewusstsein einer eigenen Endlichkeit übersetzt sie in gestickten Motiven auf gesuchten Seiden- und Taschentüchern und verwandelt sie auf diese Weise zu persönlichen wie universalen Reliquien fast Vergessenen – Nigin Becks Arbeit besitzt die intime Qualität einer Miniatur, die den Blick nach Innen wendet. Die Komposition ihrer Arbeit ist das Spiel der Muster mit offen metaphorischen Allegorien. Das feminine Handwerk der Stickerei kombiniert mit neu belebten Tüchern aus der Vergangenheit erzählt von einer flüchtigen Sentimentalität des Vergehens und erweckt in seiner Zartheit und Fragilität den Eindruck, bereits schon im nächsten Moment wieder zu verschwinden. Je mehr man sich den ausgestreuten Bildern nähert, umso emotionaler wird dieses Verständnis; die assoziative Form der Muster und Anordnung lässt den „kalkülen Blick“ mit zunehmender Nähe zu einem gekannten Gefühl avancieren. Der Blick wird gebrochen und man findet sich in der uns vertrauten plakativen Brutalität wieder, da wir mit Versatzstücken aus der jetzt erlebten Umwelt konfrontiert werden – Slogans und gestickte Feinheiten verändern aus der Ferne harmlose Bildmotive zu zeitgenössischen fordernden Bildsprachen. Nigin Beck verlangsamt die zeitliche Schnelligkeit und erweckt bereits Vergangen und Vergängliches in ihren Arbeiten zum Leben, so dass sich der Kokon ihrer persönlichen Bildersprache zu einem Spiegel unserer eigenen, mancherorts bedrohten Geschichte entpuppt.
Ort: Françoise Heitsch bis: 2008-12-20
Künstler: Nikos Alexiou, Louise Bourgeois, Klaus vom Bruch, Ergül Cengiz, Seung-Il Chung, Nina Dietrich, Mandira C. Helmich, Hao Fu, Anja Münch, Martina Salzberger, Petros Sianos
Thema: +hediye: (türk.) Gabe, Geschenk*/Die Kunst ist eine Gabe. Jedes Geschenk belebt die Seele, so dass wir die Kunst, die uns etwas bedeutet und uns bewegt, als Gabe empfangen. Der Künstler, der das Werk hervorbringt besitzt die Gabe des Talents, denn kein Geschenk kann aus eigener Anstrengung heraus erlangt werden, weder durch willentliche noch durch finanzielle. Man besitzt eine Gabe, um sie zu geben, so dass das Schöpferische und Kreative, das Werk eines Künstlers, der Gabensphäre angehört, die uns bereichert, bewegt und inspiriert. Das ist das Geschenk der Kunst. Sie verlangt in dieser Sphäre keine Gegenleistung und fügt sich somit in den positivsten und höchsten Wert des Schenkens.#Elf unterschiedlichste Künstler werden unter diesem Begriff hediye vereint. Die Papierobjekte von +Nikos Alexiou*, 1960, die sich in seinen Werkkomplex The End einreihen, dokumentieren seine jahrelange Auseinandersetzung mit Leben und Kunst im Kloster von Iviron auf dem Berg Athos. Das Werk der französischen Künstlerin +Louise Bourgeois*, 1911, ist Ausdruck eines radikalen, persönlichen Symbolismus´, der gleichwohl die Grenzen des privaten durchbricht im Hinblick auf eine Objektivierung elementarer Gefühle und psycho-physischer Befindlichkeiten. Der Medien- und Videokünstler +Klaus vom Bruch*, 1952, kombiniert recherchiertes und archiviertes Bildmaterial aus Filmklassikern, aus Internet- und Fernsehaufnahmen zu konzeptionellen Fotomontagen, die den Betrachter im Zeitalter der Medien eine differenzierte Wahrnehmung abverlangen. Die Motive der in Hamburg lebenden Malerin +Ergül Cengiz*, 1975, bewegen sich zwischen der Kunsttradition des Westens und der der islamischen Welt. Figürliche und ornamentale Malerei treffen aufeinander und verdichten sich zu collagierten Bildkompositionen, in denen die Künstlerin so weit wie möglich auf die narrative Wirkung verzichtet, indem sie den Vorder- und Hintergrund ihrer Bildmotive zugunsten einer flächigen Lesbarkeit in eine Ebene projiziert. +Seung-Il Chung*, 1979, zeigt eine Fotoserie, die in NYC entstand. Die Fotoarbeiten zeigen Umrisse einiger monumentaler Bauwerke in NYC – die Umkehrung der Objekte bewirkt eine Abstrahierung der Form und es bleibt eine Silhouette der Architektur. +Nina Dietrich*, 1982, zoomt zweimal auf ein bekanntes Porträt von Caravaggio – einmal, um es auf der Landkarte von Italien ausfindig zu machen und ein zweites Mal, um es narzisstisch neu mit ihrem eigenen Porträt als erotische Person anstelle des Jünglings zu besetzen. +Mandira C. Helmich*, 1962, ist eine Künstlerin, die mit allem arbeitet, was ihr begegnet; ihre Materialbilder und Objekte sind Topos ihrer Sicht- und Lebensweise und fordern den Betrachter auf verschiedenen sinnlichen Ebenen. Die Kunstwerke von +Hao Fu*, 1973, entstehen aus dem Verständnis der orientalischen Künste, dem Wissen über die Farbenlehre und die Ästhetik. Die 1982 geborene +Anja Münch* setzt Sequenzen menschlicher MERK-würdigkeiten subtil in Szene und konfrontiert den Betrachter oftmals mit einem Rollenwechsel bekannter Gesellschaftsphänomene. Ihre entworfenen Figuren sind wie aus einer verfremdeten Kindheitserinnerung herausgeschält. Als Vorlage benützt Sie Teilaspekte der konkreten Wirklichkeit um sie dann in ihre eigene Phantasiewelt zu appropriieren. Die Photoarbeit und Installation von +Martina Salzberger* visualisiert den Verlauf eines Kinderspiels, bei dem mit farbigen Gummihandschuhen jede Spiel- bzw. Gewinnmöglichkeit festgehalten wird. +Petros Sianos*, 1971, schafft ikonenhafte Welten aus Epoxidharz und führt das Kultbild orthodoxer (Ost-)Kirchen als Kunstbild in die Gegenwart. Die Elemente der so genannten Sianos-Ikonen vermischen sich in einer konservatorischen Darstellung auf mehreren Ebenen, so dass seine akribischen Miniaturwelten geradezu vor persönlichen Elementen des Künstlers sowie der Betrachter strotzen und mittels goldener sowie bernsteinfarbener Effekte fühlbar strahlen.##Klaus vom Bruch, Wedding Night, 2005, Diasec auf Dibond-Aluminium, 160 x 121 cm, Ed. 4./© Françoise Heitsch
Ort: Françoise Heitsch bis: 2008-11-15
Künstler: Martina Salzberger
Thema: „Liebe ist nur ein Wort“ sagt ein Roman über eine Liebe, die im Selbstmord eines jungen Mannes endet, der in der Halt- und Ziellosigkeit seiner jugendlichen Existenz um eine große Liebe ringt; es erweist sich, dass selbst und gerade die große Liebe gegen äußere Zwänge und Hierarchien chancenlos ist.# Martina Salzberger setzt an, uns in Ihren jüngsten Arbeiten (Video, Zeichnung und Skulptur) das Gegenteil zu beweisen. Nicht als Frosch in der Milch, dem, in der Hoffnung auf Rettung, langsam die Atemwege verkleben. Auch Ihr Handeln geschieht aus Haltlosigkeit heraus. Doch um die Liebe wird gerungen und gestrampelt und zwar wortwörtlich. Dies ist die Anweisung an den analphabetischen Hampelmann in jedem von uns: LOVE# Salzberger interessiert sich in diesen Arbeiten nicht für das Atmosphärische, sondern für das Handeln. Während in Ihren Zeichnungen die Qualität, die Beschaffenheit einzelner Aktionen hervortreten und die Befindlichkeit des Körper-Ichs in unterschiedlichen Zeit- und Raumanordnungen, dient das Video (in der Serie der „Liebhaberpuppen“ 2005,2007 war es die Fotografie) Salzberger in erster Linie der Beweisführung: Für all das imaginäre Strampeln und Spreizen von Geist und Körper, auf dass das Blut endlich aus dem Kopf raus und in die Glieder schießt – Auftakt zum „Saldo Mortale“. Es zählen die Millisekunden der absoluten Spannung; die werden herausgeschnitten und inszeniert: Sonst kommt L O V E nicht zustande.##Martina Salzberger, Love, 2008, Videostill
Ort: Françoise Heitsch bis: 2008-07-30
Künstler: Klaus vom Bruch
Thema: Die Versuchung und ihre Strukturen – Klaus vom Bruch (1952), Pionier der deutschen Medien- und Videokunst, verarbeitet in Photo- und Videoinstallationen den universalen Begriff der Versuchung, der zur gesellschaftlichen Projektion erhoben wird. In einem 24-teiligen Phototriptychon sind aus Filmstills, eigenen Kamerabildern und Internetressourcen Folien für die Beispiele der Strukturen entstanden. Es sind moderne Heroen – der Kunst, der animierten Pornografie, der soziokulturellen und politischen Zeitgeschichte – die sich aufeinander beziehen und in dieser Zusammensetzung eine narrative Wirkung erfahren. Kunst, Sex und Politik, die unter der projizierten „Versuchung Macht“ stehen. In seiner neuesten Videoinstallation „turn turn turn“ offenbart der Künstler zum Teil eine gesellschaftliche Erwartungshaltung und die Klischees der Schönen anhand von Filmsequenzen außerhalb der eigenen Biografie. Mit diesen Projektionsflächen der Vorstellung ordnet Klaus vom Bruch die Welt und ihre Phänomene in ein eigenes strukturalistisches Blicksystem und konfrontiert den Betrachter mit dem Kalkül von Projektion und Wirklichkeit.##Klaus vom Bruch, Die Versuchung des Hl. Antonius, 2007, Diasec auf Dibond-Aluminium, 152 x 110 cm, Ed. 4.
Ort: Françoise Heitsch bis: 2008-06-14
Künstler: Ergül Cengiz
Thema: Ein häufiges Motiv der Gemälde der in Hamburg lebenden Malerin Ergül Cengiz sind große Menschenmengen und das unübersichtliche Gewimmel umherstreunender Tieren wie Hunde, Katzen, Ratten oder Vögel. In dem sie bei der Organisation dieser Bilder durch Reihung und Verzicht auf tiefenräumliche Perspektivenwirkung die einzelne Figur in die Anonymität des Rapports überführt, verdichten sich die häufig in düsteren Ölfarben gemalten Motive von Ergül Cengiz zu abstrakten, wie ornamentale Arabesken über die Bildfläche rankenden Muster, in denen sich Figuration und Abstraktion harmonisch verbinden. Geprägt durch ihre türkische Herkunft und durch ihre langjährige intensive Auseinandersetzung mit der islamischen (Nicht-)Tradition der figurativen Malerei, positioniert sich die Künstlerin mit diesen Gemälden bewusst zwischen der Kunsttradition des Westens und der der islamischen Welt. Denn dort, wo im Westen traditionell mit narrativen Bildfolgen die Heilsgeschichte illustriert wird, steht in der osmanischen Moschee das Ornament als abstrakte Versinnbildlichung der Suren des Korans. In den in letzter Zeit vor allem in kleinen Formaten entstandenen Bildern verbindet Ergül Cengiz persönliche Eindrücke, eigene fotografische Vorlagen sowie Motive aus Büchern wie etwa dem Bildband „50 Jahre Pressefotografie“. Indem sie den Vorder- und Hintergrund ihrer auf diese Weise wie collagiert wirkenden Bildmotive in eine Ebene projiziert, verzichtet sie so weit wie möglich auf die narrative räumliche Wirkung ihrer Vorlagen zugunsten einer flächigen Lesbarkeit der in einem permanenten Schwebezustand gehaltenen Bildkompositionen, die sowohl als abstraktes Ornament als auch als figürliches Bild wahrgenommen werden können. Dass Muster und Grund sich dabei häufig malerisch überlappen und durch Leerstellen in der pastosen Textur der Maloberfläche einen flimmernden Effekt erzeugen, verstärkt den Eindruck der Rätselhaftigkeit und inneren Ge-bzw. Verschlossenheit dieser Bilder. #Philipp Ziegler##+www.3hamburgerfrauen.de*#Bild: Ergül Cengiz, Mustertauben, 2007, Öl auf Nessel, 24 x 30 cm.
Ort: Françoise Heitsch bis: 2008-04-04
Künstler: Lila Polenaki
Thema: Lila Polenaki, 000, 2001, textile, paper and acrylic on canvas, 210 x 190 cm.#www.lilapolenaki.com
Ort: Françoise Heitsch bis: 2007-12-22
Künstler: Mette Tronvoll
Thema: +Mette Tronvoll*/Photographie#Zur Eröffnung der Ausstellung laden wir Sie am Donnerstag, den 8. Nov 2007 um 19 Uhr ein.#Mette Tronvoll, Mongolei, 08.11.-22.12.2007# Auch in ihren neuen Bildern stellt uns Mette Tronvoll Menschen aus der Peripherie gegenüber. Mongolische Mütter, Eheleute, Kinder und Jugendliche. Sie positionieren sich in heimatlicher Landschaft vor einem weiten, unverstelltem Horizont frontal zur Kamera. Unberührte Steppen und Berge bilden eine arkadische Folie für verwehte Mythen, die von romantischer Freiheit und heroischen Eroberungszügen erzählen. In ihrer unberührten Naturschönheit festgehalten werden sie zu Wunschbildern eines abgelegenen Ortes, der fernab unserer Zentren und unseres Zeitbegriffs liegt.# Die Mongolei, immer ein eigenständiger Staat mit nomadisierenden Staatsbürgern, die ihre Gers (Jurten) aufstellen wie zu Zeiten Djenghis Khans, war im 20. Jahrhundert geopolitisch zwischen den Supermächten der Volksrepublik China und der ehemaligen UDSSR eingeschlossen. Von beiden zwar abwechselnd beeinflusst, hat das Land doch seine Identität dauerhaft bewahren können.# Stilistisch sind ihre Bilder statisch gebaut und zeigen keine Schnappschüsse. Zudem sind sie situativ und vermeiden das Narrative. Ob sie nun Einzelporträts alter und junger Frauen einander gegenüberstellt, wie in der Werkgruppe Age (1994), oder ob sie wie in Double Portraits (1998) zwei nahezu identische, kurz nacheinander geschossene Aufnahmen von ein und derselben Person nebeneinander präsentiert, ihr Thema umkreist immer wieder das Zeitliche. Mit den Einzel- und Gruppenporträts von Badenden in Grönland, Isortoq Unartoq (1999), überträgt sie dieses Thema auf subtile Weise. Auch hier in der Bilderserie aus der Mongolei versteht sie es, den Raum im Mythologischen aufzulösen und die Figuren und die Gers wie in Stein gehauene Büsten wirken zu lassen. Hier entschwindet das Zeitliche ins Ewige und wird durch die anwesenden Spuren der Zivilisation gleichwohl ins Zeitliche zurückgeholt.
Ort: Françoise Heitsch bis: 2007-11-03
Künstler: Nikos Alexiou
Thema: Die Kunst des 1960 in Athen geborenen Künstlers Nikos Alexiou zeichnet sich durch eine einzigartige und kontinuierliche Formensprache aus – in seinen Installationen, Zeichnungen sowie Skulpturen. Seine unverkennbare Handschrift liegt unter anderem in der Verwendung meist fragiler Naturmaterialien wie Papier, Bambus, Stroh oder Holzspäne, die er in handwerklicher Manier zu einem Gesamtkunstwerk verarbeitet. Er erforscht entfernte Vorzeiten, um Mosaikböden aus byzantinischen Klöstern in neuer Form digital zu verarbeiten. Sie werden als Projektion über großformatige Computerprints, gigantische Papierschnitte, nachempfundene gummi arabicum-Zeichnungen des frühen 18. Jahrhunderts fließen, oder als ordentlich gerahmte Quadrate in Augenhöhe hängen. Eine Welt der Assoziationen öffnet sich vor unseren Augen. Die Erinnerung wird eingeschaltet. Auf dieser Ebene des Sichtbarwerdens und der Artikulation hat sich uns eine neue Wirklichkeit erschlossen. / The End ist der Titel dieser Arbeit auf der diesjährigen Biennale in Venedig, wo Nikos Alexiou Griechenland vertritt. # Arbeit: Nikos Alexiou, The End, 1995-2007, digital print, 70 x 70 cm # www.nikosalexiou.com
Ort: Françoise Heitsch bis: 2007-09-05
Künstler: Christian Hahn
Thema: Die Bilderwelt von Christian Hahn setzt sich aus abstrahierten Formen und Elementen zusammen, die sich grenzenlos überlagern und durchdringen. Seine Welt ist die des Menschen, der sich auf den Weg begibt, Herr über die Dinge zu werden, die ihn umgeben. Er ist auf der Suche nach dem Eigentlichen, dem Wirklichen. Auf seinem Weg dorthin begegnen ihm Raupen, Blumen, Insekten und Science-Fiction-Bilder in Überfluss, wie in einer Traumsequenz; nur bunter, wie wenn der Regenbogen selbst den Pinsel führen würde. ECHOLOT nennt er seinen letzten Arbeitszyklus – Echolot ist das Gerät, das Wassertiefen bzw. Flughöhen nach dem Echoprinzip misst. Was für ein idealer Ausstellungstitel. Denn mit der Wandmalerei wird der Hintergrund zur Kulisse für das Spektakuläre, was sich davor abspielen wird – sozusagen das wahre Leben. Der Mensch, Sie, ich, der Ausstellungsbesucher, der vor diesem Ornament steht, wird zum Wesentlichen. Von der bemalten Wand zu uns und wieder zurück errechnet sich das Ausmaß, die Reichweite des Bildes, wie in Schallwellen erfolgt der Dialog, der Schallkreis schließt sich.