
Ort: Galerie Sabine Salome Schwefel bis: 2010-11-05
Künstler: Eva Leitolf
Thema: Eva Leitolf Deutsche Bilder - eine Spurensuche 2006-2008 Mit ihrem zwischen 1992 und 2008 entstandenen Werkkomplex Deutsche Bilder - eine Spurensuche setzt sich die Fotografin Eva Leitolf mit fremdenfeindlich motivierten Gewalttaten in Deutschland und dem gesellschaftlichen Diskurs zu diesen auseinander. Ihre Anfang bis Mitte der 1990er Jahre entstandenen Bilder zeigen Tatorte von Anschlägen, Sympathisanten im Umfeld und unbeteiligte Zuschauer. Als Eva Leitolf diese Arbeit 2006 wieder aufnimmt, reduziert sie die Bildinhalte auf die Orte des Geschehens und verbindet sie mit akribisch recherchierten Texten zum Tathergang sowie der juristischen, medialen und politischen Aufarbeitung. Ihre als Langzeitstudie konzipierte Arbeit hinterfragt den gesellschaftlichen Umgang mit fremdenfeindlich motivierter Gewalt und lotet zugleich die Möglichkeiten und Grenzen des Abbildbaren aus. Bei SNOECK/Köln ist ein gleichnamiges Fotobuch erschienen.
Ort: Galerie Sabine Salome Schwefel bis: 2010-11-05
Künstler: Thomas Rösch
Thema: Thomas Rösch: the atrocity exhibition!, 2010 Wenn wir unsere Arbeit nicht auch als Kritik verstehen, sind wir nur positiv und schmücken die Schlachthäuser mit Geranien. Das sinnbildliche Zitieren eines Statements von Günter Eich offenbart die Affinität des konzeptionellen Ansatzes von Thomas Rösch zu gesellschaftlich relevanten Fragestellungen und dem Wunsch nach Konsequenz. In Analogie zu konzeptionellen Positionen setzt Thomas Rösch voraus, daß ein Objekt grundsätzlich nicht wegen formaler Eigenschaften, sondern aufgrund begrifflicher Bestimmungen als Kunst gilt. Die Einzelbilder seiner Serie „the atrocity exhibition!“ konstituieren sich aus einer Vielfalt von Fragmenten – Zitaten aus Literatur, Film, Pressefotos, persönlichen Notizen – die als Bezugsfelder innerhalb des jeweiligen Bildganzen verstörend, provozierend und zuweilen auch schmerzlich wirken. So setzt Rösch bspw. bezugnehmend auf die legendäre Performance „Shoot“ von Chris Burden aus den 70er Jahren (Bild/ Textfragment) in der ein Freund Chris Burden in den Arm schoss, ein Textfragment „Shoot at Hartz IV – men only“ mit dem Hinweis wer sich in den Arm schiessen läßt, erhält € 150 – dies ist der Betrag, den Hartz IV Empfänger monatlich hinzuverdienen dürfen. In einem anderen Bild der Serie verbindet er eine Aufstellung von Daten von RAF-Anschlägen, mit Daten von Amokläufen an Schulen. Über allem kreist die Frage, wie man als Gesellschaft tiefgreifende Veränderungen mit ihren eklatanten sozialen Konsequenzen bearbeiten will, wenn man gleichzeitig nicht bereit sein will, seine Hausaufgaben zu machen – dies impliziert zuweilen in den Abgrund zu schauen - the thin line between art and reality – „ Es würde sich um eine Form handeln, die alleine dazu dient, auf politische und soziale Verhältnisse aufmerksam zu machen. Gleichzeitig würde diese Idee kommunizieren, dass Kunstwerke als Objekte wahrgenommen werden, die als Informationsstrategien der Unterhaltungsindustrie eine Logik der Fiktion besitzen, die für oberflächliche Strategien fiktiver Kunstevents offen zu sein scheinen.“ (Thomas Rösch, 2008)
Ort: Galerie Sabine Salome Schwefel bis: 2008-02-02
Künstler: Nezaket Ekici
Thema: Ausstellung im Rahmen von „30 Jahre Kunststiftung Baden-Württemberg“ – Galerien in Baden-Württemberg zeigen Stipendiaten der Kunststiftung Baden-Württemberg / 20.00 Uhr Zur Eröffnung spricht Petra von Olschowski, Kunststiftung Baden-Württemberg / 20.30 Uhr Live-Performance von Nezaket Ekici Femme Fatale - Schönheit, Verlockung, Leidenschaftlichkeit, die sich nähren und gegenseitig bedingen durch Attribute wie Selbstbewusstsein, Unabhängigkeit und Unangepasstheit. Nezaket Ekici beschäftigt sich in ihren aktuellen Arbeiten mit dem Bild der Femme Fatale im Spannungsfeld eines Weiblichkeitstypus, der Anfang des 20. Jahrhunderts zur Kunstfigur stilisiert worden ist. Sie fragt damit nach einem Realtypus des Weiblichen als Ressource und Kraftfeld innerhalb ihrer eigenen, individuellen künstlerischen Befindlichkeit und Arbeit. Zum Auftakt der Ausstellung, in deren Zusammenhang wir Ihre Foto- und Videoarbeiten zum Thema „Femme Fatale“ zeigen, wird Nezaket Ekici eine Performance zeigen. Das Interesse von Ekici gilt auch hier dem Erzeugen von Bildern, die eine starke ästhetische Eigenmächtigkeit implizieren. Die Arbeiten regen den Betrachter an, Bezüge zu Werken der abendländischen Kunstgeschichte herzustellen und wecken Assoziationen an religiöse und mystische Handlungen. Insbesondere gilt dies für die Performances von Ekici - Meisterschülerin von Marina Abramovic.
Ort: Galerie Sabine Salome Schwefel bis: 2007-11-10
Künstler: Judith Samen, Wiebke Loeper
Thema: Die Fotokünstlerin Judith Samen (*1970 in Gladbek) studierte zunächst an der Kunstakademie Münster später in Düsseldorf, wo sie Meisterschülerin von Fritz Schwegler wurde. # „Mich interessiert Photographie nicht als Technik, deren Möglichkeiten es auszureizen gilt. Ich benutze sie, um meine Bilder zu machen. Mich interessiert das Bild. Ich habe, wenn ich anfange zu arbeiten, einen bildnerischen Einfall, so etwas wie ein inneres Bild.“ beschreibt die Künstlerin ihren Zugriff. # „Judith Samens Inszenierungen bleiben in jedem Moment als solche erkennbar, Kostüm und Bildraum werden sparsam eingesetzt. Samen führt die großen Themen und Gesten so nah ans Vertraute und Alltäglicher heran, dass diese plötzlich ins Absurde kippen. ( ) Alter, Geburt und Tod, der große Kreislauf aus Werden und Vergehen – nichts Geringeres verhandelt Judith Samen. Und doch ist die vorgebliche Unmittelbarkeit und Eindringlichkeit ihrer Fotoinszenierungen eingebettet in ein komplexes Geflecht gesellschaftlicher und ästhetischer Diskurse.“ (M. Kröner) # Judith Samen wird die Galerie mit Kinderbildern bespielen – Kinderportraits, Mutter-Kind Konstellationen – die von einem differenzierten, äußerst subtilen Umgang mit dem Medium Fotografie geprägt sind. Ihre Werke loten den Status von Fotografie als visuell geprägtem Bedeutungssystem aus, das ambivalente ästhetische Zeichen produziert. Gerade die in ihren Kompositionen vermeintlich eingeschriebene Klarheit erweist sich dabei als Irritation existenter Klassifikationssysteme, die Bedeutung dort entstehen lässt, wo sich verschiedene Zeichen überlagern – bspw. der Archetypus Mutter und Kind im Focus aktueller Ideologiebildung. # Wiebke Loeper, studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Arno Fischer, später Meisterschülerin bei Joachim Brohm. Sie arbeitet als freie Fotografin in Berlin. Neben einer aktuellen Arbeit zeigen wir im Schwerpunkt Fotos der Serie "Lad", Berlin 1996/1997 und "Moll 31", Berlin 1995. # Die Themen der in Ostberlin geborenen Fotografin Wiebke Loeper (*1972) kreisen stets um autobiographische Fragen. Fotografie war für sie bisher vor allem das Medium, sich der eigenen Familiengeschichte und damit der eigenen Identität nicht nur zu vergewissern, sondern sich ihrer gewissermaßen auch zu bemächtigen. So manches Bild wurde dabei ein Beweis für Vergangenheit und gelebtes Leben. Aus der bewussten Wahrnehmung ihres sich seit Jahren im Umbruch befindlichen Zuhauses "Berlin-Mitte" (Cl. Stein). # Lad - als titelgebender Begriff der Fotoserie – ist der plattdeutscher Ausdruck für Truhe auf Rädern, ist Aufbewahrungsort für den allerwichtigsten Teil des Hausrates, wie Dokumente, Wertgegenstände, Erinnerungsstücke, Geschirr, Wäsche. Sie kommt in existentiellen Situationen des Lebens zum Einsatz, respektive auf der Flucht infolge von Brand, Hochwasser und Krieg. Die Künstlerin fotografiert Orte ihrer eigenen Kindheit in Ost-Berlin, rund um das Hochhaus in der Nähe des Alexanderplatzes, indem sie mit ihrer Familie lebte. Diese Sammlung individueller Einblicke der Künstlerin bleibt nicht primär Rekonstruktion des eigenen, subjektiven Empfindens und Erinnerns und damit letztendlich eines Entwurfs von Heimat, sondern entwirft das Bild stellvertretend für eine ganze Generation zwischen Sehnsucht und Wirklichkeit in einem Teil eines lange geteilten Landes. # „Die Erinnerung bedarf derer, die sie festhalten, sonst gibt es sie nicht. Ein Haus aus Beton. Ein Haus aus Luft. Ein Haus aus Papier." # Das Buchprojekt „Moll 31“ (in der Ausstellung als Diaserie gezeigt und als Buch erhältlich) visualisiert zwei Zeitebenen. Wiebke Loeper greift auf eine Sammlung von Dias ihres Vaters zurück, die Momentaufnahmen privater Familiensituationen in den 70iger und 80iger Jahren zeigen. Die Familie lebte in einer Experimentalwohnung mit flexiblen Wandsegmenten und raumbildenden Möbeln, die der Vater als Mitglied einer Architektengruppe mitentwickelt hatte. Mit der gleichen Fotoausrüstung, wie ehemals der Vater, sucht die Künstlerin dieses mittlerweile leerstehende Hochhaus kurz vor dem Abriss 20 Jahre später auf und rekonstruiert die Bilder des Vaters.
Ort: Galerie Sabine Salome Schwefel bis: 2007-09-08
Künstler: Bruno Wank, Nik Kern
Thema: Die schöne Bergwelt ist das Bild auf meinem Joghurtbecher. Die Ausstellung kreist um den Begriff Heimat: Die Philosophin Hanna Arendt sieht in der Bedingung des Menschseins, zunächst „nicht heimisch zu sein“. Das heißt, der Mensch muss sich eine Wohnstatt herstellen. Im übertragenen Sinn bedeutet das auch, er braucht feste Bezugspunkte, um sich in der Welt zu beheimaten. Was ist Heimat? Interessanterweise ist das Wort Heimat auf das deutsche Sprachgebiet beschränkt. Im Englischen zum Beispiel gibt es nur ähnliche Wörter: home, native place oder country. Heimat ist nicht an einen Ort gebunden. Wer möchte schon da leben, wo er aufgewachsen ist? Heimat ist mehr eine Art Utopie, im Sinne von u-topos, der Nirgend-Ort, den man finden möchte und womöglich nie erreicht. Ausgerechnet der marxistisch denkende Philosoph Ernst Bloch hat den Begriff Heimat in seinem Denken verankert. Für ihn bedeutet Heimat einen Zustand, wo Entfremdung aufgehoben ist und Freiheit herrscht, wo es menschlich zugeht und wo es möglich ist, in Übereinstimmung mit sich selbst zu leben. Auch wenn man noch nicht genau weiß, wo nun dieser Ort liegt, hat man eine Vorstellung davon, eine Ahnung davon, wo Herkunft und Ankunft aufeinander treffen. Erst durch einen mehr oder weniger langen Weg durch das Fremde kehrt man zu sich selbst zurück. Der Ort der Rückkehr war aber zunächst nicht bekannt, er ergibt sich erst durch das Unterwegssein. Bloch umschreibt dieses In-Aussicht-gestellt-Sein der Ankunft mit den Worten: „etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.“ Insofern hat Blochs Heimatbegriff mit dem Noch-nicht-Verwirklichtsein des Menschen zu tun. Heimatlichkeit hat also nichts mit dem Ursprungsort gemein. Heimat kann – global gesehen – auch in der Fremde sein, in der Fremdes plötzlich vertraut erscheint und Geborgenheit vermittelt, da wo die Wege unerwartet zusammenlaufen und sich zu etwas Freundschaftlichem verbinden. Vorher oder immer wieder kann uns das Leben und die Welt als ein Unzuhause erscheinen, da wird es un-heimlich. Diesen Zustand möchte man überwinden, weil man angstfrei leben möchte, unfremd und zuversichtlich. Heimat ist auch dort möglich, wo man wieder erkennt und Entsprechungen findet. Das kann unerwartet eintreten. Ein russisches Sprichwort sagt das sehr schön aus: „Zuhause, das ist da, wo dich die Bäume kennen.“ (Andreas Belwe) Die Arbeit des 1960 in Marktoberdorf geborenen und in München lebenden Bildhauers, Bronzegießers, Video- und Installationskünstlers Bruno Wank ist die eines Raum- und Ortsbezogenen arbeitenden Installationskünstlers. Mit seinen Eingriffen zeigt er bei bestehenden Architekturen immer wieder neue Dimensionen eines Ortes auf, macht uns auf neue Zusammenhänge unterschiedlichster Inhalte aufmerksam. Abhängig von dem Ort, für den Bruno Wank ein Konzept entwickelt, können es historische Ebenen, aktuelle gesellschaftspolitische Problematiken sein, die er durch seine Eingriffe offen legt, oder aber es sind formale, ästhetische Phänomene oder Strukturen bestimmter Gebäude oder Orte, die der Künstler durch seine Eingriffe heraus arbeitet. Der jeweilige Ausstellungskontext wird von Wank auf seine Rezeptionsbedingungen hin untersucht und mit ästhetisch konzeptuellen Eingriffen konfrontiert. Wank verändert den gewöhnlichen Blick auf die Architektur, auf die Orts spezifischen Gegebenheiten eines Ortes. Bisweilen sind es sehr subtile Eingriffe, die eine gewaltige Spannung zwischen Architektur und Werk erzeugen und dadurch den Blick auf das Gegebene verändern, bisweilen aber sind es martialische Eingriffe, die dem Betrachter auf den ersten Blick kaum auffallen, weil sie mit einer der Ausgangssituation verwandten Formensprache arbeiten. Unter den Städtern gibt es die kollektive Vorstellung, dass die Bergnatur uns von den Übeln der Zivilisation reinigt. Alpenmotive lenken von der industriellen Herstellung der Produkte ab und suggerieren ein gesundes, urwüchsiges Nahrungsmittel. In einer experimentellen Kamerafahrt durch die Alpen ergründet Nik Kern, ob die dargestellte Landschaft auf dem Joghurtbecher auch in der Wirklichkeit existiert. In der mehrteiligen Videoarbeit von Nik Kern BergBildBand untersucht die Künstlerin Alpenidylle aus der Sicht des Städters. Idealbilder der unverdorbenen Berglandschaft, die schon über Supermarktprodukte suggeriert werden, finden ihre Entsprechung vor Ort in den perfekt angelegten Touristenschauplätzen. In Form von Dokumentation und Inszenierung ergründet Nik Kern die voranschreitende Verkitschung der Alpen, deren Wirklichkeit sich nicht mehr von Wunschvorstellung und Klischee befreien kann. Denn wir schützen nicht die Natur, sondern das Bild, das wir von ihr haben. In seinem Text "Alpen ohne Photographie" erkannte Ernst Bloch schon 1930 wie sich die Wahrnehmung der Landschaft drastisch veränderte. Nik Kern fand 2005 die dazu passenden Bilder. Schon damals kritisierte Bloch: "Ansichtskarten decken eine Landschaft zu, indem sie sie unausrottbar abbilden. Es ist dieselbe Landschaft aus Wildwasser, steilen Matten, gezackten Alpen, die vor hundert Jahren noch Schrecken erregt hatte und seitdem aus den Kartengrüßen nicht herauskommt." Die 75 Jahre später dazu gedrehten Bilder bekräftigen auf humorvolle und poetische Weise die Aktualität des Sachverhalts.