
Ort: Galerie Thomas Fuchs bis: 2017-04-28
Künstler: Winston Chmielinski,
Thema: Die kommende Ausstellung des US-amerikanischen Künstlers Winston Chmielinski mit dem Titel “Choose Your Own Adventure“ ist seine zweite Einzelausstellung in der Galerie Thomas Fuchs. In seinen jüngsten Arbeiten hat sich Chmielinski insbesondere mit der Frage des immerzu andauernden Wandels in unserer Welt und dem daraus resultierenden Überangebot an Wahlmöglichkeiten beschäftigt. Jeder könne sein eigenes Abenteuer wählen, selbst die Richtung seines Lebens bestimmen. Aber entscheiden, so der Künstler, müsse sich ein jeder immer. Eben jenen Entscheidungsmöglichkeiten geht der Künstler in seinen Arbeiten auf den Grund, indem er Figuren in unterschiedlichen, manchmal unwirklich erscheinenden Posen darstellt. Dabei geht es ihm nicht um die Persönlichkeit dieser Figuren, sondern vielmehr um die Möglichkeiten der Körperhaltungen, seien sie dynamisch, wie in “Echolocate a Way“ oder in sich ruhend. In “Visions Ashore Align“ zeigt uns Chmielinski die Rückenansicht einer barfüßigen, geisterhaften Figur, die sich tänzerisch, schwebend über einen grünen Wiesengrund auf einen Strand hinzubewegen scheint. Die Arme sind auf Schulterhöhe gehoben, ganz so, als würde sich die Figur jeden Moment in Richtung Betrachter wenden und diesen anschauen. Gleichzeitig löst sich die Figur auf, verschmilzt mit dem Hintergrund und bleibt somit nur eine Vision. Wie schon früher, ist auch diese Arbeit bestimmt von den für Chmielinski typisch lebendigen, mitunter grellen Farbnuancen, die Travis Jeppesen als “interplanetarisch“ beschreibt. Chmielinski, der sich selbst als Kind des Internets bezeichnet, versucht hier, die leuchtenden Farben eines flimmernden Computerbildschirms darzustellen. Und ebenso wie der Bildschirm es schafft, die Zuschauer zu bannen, schafft es der Künstler, den Betrachter in seine Bilder zu ziehen. Auch “Pause Before“, “Dive Below“ oder “Look Beyond“ sind von dieser grellen Farbigkeit geprägt, verbleiben jedoch im Abstrakten und scheinen für jede Interpretationsmöglichkeit offen. Lediglich die Titel geben dem Betrachter, man könnte sagen, eine Richtung vor: Tauche unter (“Dive Below“) oder blicke darüber hinaus (“Look Beyond“). “Choose Your Own Adventure“ ist die Aufforderung des Künstlers an den Betrachter, sich für sein eignes Abenteuer zu entscheiden. Winston Chmielinski wurde 1988 in Boston, Massachusetts geboren und lebt und arbeitet in Berlin. 2013 setzte ihn das renommierte NY Arts Magazine auf die Liste der “5 Artists to see during Armory Art Week 2013“. In diesem Jahr werden seine Arbeiten im Rahmen einer Gruppenausstellung im Antarctic Pavillon auf der 57. Biennale in Venedig ausgestellt. Zudem ist Winston Chmielinski Halbfinalist des BNL BNP Paribas Group Award 2017 und ausgewählter Teilnehmer am MICA Artist Residency Program im Sommer dieses Jahres.
Ort: Galerie Thomas Fuchs bis: 2017-03-11
Künstler: Steven Black
Thema: Ihr Ausstellungsjahr 2017 eröffnet die Galerie Thomas Fuchs mit einer Soloshow des gebürtigen Australiers Steven Black. Vom 20. Januar bis 11. März werden aktuelle Werke des Künstlers gezeigt. Seien es die menschlichen Modelle, das Interieur der Wohnung oder der Ausblick aus dem Atelierfenster: all seinen Motiven liegt die direkte Beobachtung des Künstlers zugrunde. Seine Bilder entwickelt Steven Black direkt vor dem Gegenstand und verbindet auf diese Weises seine Wahrnehmung des Gegenstandes mit der malerischen Konstruktion auf der Leinwand. Dass sich der Künstler dabei jeglicher Narration entzieht, spiegelt sich nicht nur im reduzierten Interieur der präsentierten Innenräume, sondern auch in der Tatsache, dass er seine Bilder nicht mit konkreten Titeln versieht, sondern sie lediglich durchnummeriert. Steven Black möchte seinen Gemälden keinen narrativen Charakter verleihen, vielmehr strebt er nach der Darstellung einer "Einheit der Betrachtung", in der man alles sieht, und versucht auf diese Weise, eine nicht abschließende Rechenschaft von der Beobachtung abzulegen. So geht es Steven Black auch bei der Darstellung seiner Modelle weniger um deren Persönlichkeit, sondern mehr um ihre Präsenz, das Gewachsene, das den Menschen inne ist: ihren Blick, die Haltung oder die Schwere des sitzenden Körpers. Aber auch die unsanierte Fassade eines Leipziger Altbaus oder sein verwinkeltes Treppenhaus besitzen für Steven Black diesen Charakter des Gewachsenen, der mit all den Luxussanierungen, gerade in den vergangenen Jahren, immer seltener wird. In seinen Gemälden präsentiert uns Steven Black aber genau noch diese Art des "Gewachsenen". In "2016.12" beispielsweise steht das weibliche Modell im schwarzen Kleid und dunkeln Strumpfhosen im Türrahmen einer dieser aussterbenden Behausungen. Sie blickt den Betrachter nicht an, der Blick geht rechts an ihm vorbei und scheint mehr nach innen gerichtet zu sein, als dass er etwas fokussieren würde. Dieses In-sich-versunken-Sein erzeugt eine gewisse Art von Intimität, die die konzentrierte Aufmerksamkeit, die Steven Black seinem Motiv im direkten Malprozess schenkt, widerspiegelt. Gekonnt präsentiert Steven Black dem Betrachter das Spiel von Licht und Schatten, das dessen Blick von der weiblichen Figur nach hinten durch den Türrahmen in den Flur lenkt und diesem eine nicht weniger interessante Präsenz verleiht. Weniger ausformuliert erscheint die Umgebung in der Arbeit "2016.19" und zeigt damit etwas deutlicher den technischen Gedanken, um den es Steven Black in seiner Arbeit zu einem Großteil geht. Sein Thema ist auch die Malerei an sich. So schwankt seine Arbeit immer wieder zwischen verschiedenen Arbeitsweisen: mal ist das Interieur ausformulierter, mal präsentiert uns Black eine strategisch unfertige, skizzenhaft anmutende Malerei aus wenigen Pinselstrichen oder reliefartigen Farbaufschichtungen. "2016.19" besitzt diesen Charakter des Unvollendeten. Das männliche Modell posiert in lässiger Haltung in einem durchgesessenen Ledersessel sitzend vor einem Türrahmen, der den Blick auf den blaugestrichenen Flur freigibt, dem der Betrachter auch schon in "2016.12" begegnet ist. Der Heizofen und weitere Gegenstände in der linken Ecke sind nur schemenhaft angedeutet, der sich hinten öffnende Flur nicht voll ausgeführt. Diese Ästhetik des Unvollendeten wurde bereits von Cézanne zu Beginn der Moderne als überzeugende Qualität eines Bildes zur Akzeptanz geführt. Die Idee, den Prozess der Malerei zu präsentieren und den Betrachter so am bildnerischen Entstehungsprozess teilhaben zu lassen, greift Steven Black in seinen Gemälden auf. Dabei geht es ihm vor allem um die Vermeidung von Illustration und Klischees. Indem der Künstler versucht, diese in seinen malerischen Erkundungen zu umgehen, erhofft er sich eine Möglichkeit, vielleicht an die Erscheinung heranzukommen. Auch wenn in seinen Augen jedes Modell und jeder Gegenstand natürlich immer komplexer sein wird, als das, was er mit seiner Malerei zeigen kann. Steven Black wurde 1973 in Melbourne, Australien geboren. An der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig studierte er von 1999 bis 2005 Malerei. Dort war Steven Black Meisterschüler von Arno Rink, bei dem unter anderem auch Neo Rauch studierte, und wurde 2003 mit dem Ars Lipsiensis Preis der Dresdner Bank ausgezeichnet. Heute lebt und arbeitet der Künstler noch immer in Leipzig, wo er mittlerweile eine Professur für Malerei, Zeichnen und künstlerische Anatomie an der HGB inne hat. Die Ausstellung in der Galerie Thomas Fuchs ist die zweite Soloshow des Künstlers in den Räumen seiner Stuttgarter Galerie.
Ort: Galerie Thomas Fuchs bis: 2016-02-27
Künstler: Regina Nieke
Thema: In den Werken der Malerin Regina Nieke eröffnen sich dem Betrachter ferne und unendlich scheinende Farbräume. Ihre Kunst verführt den Betrachter durch harmonische Farbklänge und appelliert an dessen individuelle Empfindung. Eine überraschende Ruhe und Leichtigkeit geht von ihren Gemälden aus, deren Leinwand von dünn-flüssiger Farbe durchtränkt ist. Die lasierende Farbigkeit nimmt den Bildraum vollends ein. Mal wird der Farbraum von leuchtenden Schleiern partiell streifenartig durchzogen, mal strömen lockere Farbbahnen über die Leinwand und brechen den Raum. In diesen irrealen, schwebenden Farblandschaften tauchen Fixpunkte auf, kleine Schiffe oder teils nur schemenhafte Figuren fügen sich in den Bildraum ein. Die Tiefe des Raumes lädt den Betrachter ein, sich in den stimmungshaften Farbstrukturen zu verlieren, die melancholische Einsamkeit der Figur fesselt seinen Blick. Obgleich die isolierte Figur nicht mehr - wie in Niekes früheren Werkgruppen - das Zentrum ihrer Gemälde bildet, ist der Mensch stets Anlass ihrer Malerei. In ihrem Werk strebt die 1979 in Stuttgart geborene Malerin nach Aussagen und Erkenntnissen über den Menschen. Als Ausgangspunkt dienen ihr nicht die Individuen selbst, es ist deren Lebendigkeit, noch mehr ist es das Menschsein an sich, das die Künstlerin zum Mittelpunkt ihres Schaffens macht. Der menschlichen Existenz, dem Sein wesentlich ist für Regina Nieke die Bewegung, die somit zum Anlass ihrer Malerei wird. Voller Lebendigkeit und Ausdruckskraft formiert sich das Medium der Farbe in Niekes Gemälden zu abstrakten Räumen. Oftmals präzisiert die Malerin diese, indem sie eine Horizontale zwischen den übereinander liegenden Farbflächen erkennen lässt. Farbschleier und schwebende Übergänge evozieren bildimmanente Bewegungen. Diese ineinander verwobenen Sphären ziehen den Betrachter in das Innere des Gemäldes und verleihen diesem eine offene Tiefe. Mittels der ihr eigentümlichen Technik sowie der Kombination von verdünnter Acryl- und Aquarellfarbe kreiert Nieke Tiefe und Raum, lässt ihre Figuren, weich und unscharf, in einer diffusen Lichtlandschaft erscheinen. Eine lyrische, gar emotionale Qualität sowie durchscheinende Erinnerungen an Erlebtes oder Landschaften sind nicht zu verkennen. Inspiriert von der philosophisch-geistigen Kunst Rothkos und den romantischen Landschaftsbildern eines Caspar David Friedrich forscht Regina Nieke in ihrer Malerei nach Seinsgründen. Ihre Malerei führt den Betrachter jedoch keineswegs in den Bereich des Transzendentalen, der Realität soll keine Utopie entgegengesetzt werden. Maßgeblich ist das einzelne Werk, nicht die Reflexion dessen, sondern vielmehr die direkte Teilnahme am Bild, das unmittelbare Erlebnis ihrer Malerei. Dieses Denken manifestiert sich ebenfalls in ihrem Umgang mit Farbe. In ihren Gemälden findet sich die Figur in einem Schwebezustand zwischen Materialität und Immaterialität, zwischen der Tiefe und Weite des Raumes wieder. Als Realitätsbezug bleibt in den Gemälden lediglich die isolierte Figur, die dem Betrachter als Identifikationsfigur dienen soll, das Medium der Farbe fungiert als emotionaler Transmitter. Das Leben definiert die Künstlerin als eine Abfolge flüchtiger Momente. Eben diese Momente eröff-nen sich dem Betrachter in Niekes Werken, in welchen sich Erinnerungen, Ideen und Emotionen ma-nifestieren und Beständigkeit erhalten. Regina Niekes Werke sind malerische Vergegenwärtigungen dieser Augenblicke, der Betrachter ist dazu eingeladen diese zu erleben. ( Text Ann-Sophie Achterkamp )
Ort: Galerie Thomas Fuchs bis: 2015-08-01
Künstler: Bertram Hasenauer
Thema: Mit ihren Darstellungen von Menschen, Landschaften und Vegetation treten die Gemälde des 1970 in Saalfelden, AT geborenen Künstlers Bertram Hasenauer dem Betrachter zwar durchweg figurativ entgegen; der Künstler selbst sieht sein Werk allerdings mehr unter abstrakten Aspekten. Dem seit 1998 in Berlin lebenden und arbeitenden Künstler, der in Wien, Berlin und London studierte, geht es nicht darum, etwas Bestimmtes realitätsgetreu abzubilden; vielmehr möchte er seine Gemälde auch als Projektionsfläche für den Betrachter öffnen. Für seine Figurenbilder/‚Portraits’ dienen Hasenauer als Ausgangsmaterial Bilder aus den zeitgenössischen Medien, fotografische Vorlagen. Aus diesen vorgefundenen Bildern destilliert er, in Umarbeitungen zu Skizzen für die späteren Gemälde, die Essenz des Gesehenen heraus. Es ist also nicht das Abbild einer gewissen Person, was der Betrachter später vorfindet, vielmehr entsteht ein fiktives Wesen. Seine Portraits sind eher als Erinnerungsbilder – nicht zwangsläufig an etwas Gesehenes, sondern teilweise auch an etwas Imaginiertes – zu sehen. In traditioneller Manier treten die Protagonisten dem Betrachter dabei als Halbfiguren, Bruststücke oder Büsten, meist im Dreiviertelprofil oder als Rückenansicht, entgegen. Indem er die Bildausschnitte in den neuesten Arbeiten häufig so wählt, dass die Gesichter von den Bildrändern beschnitten werden und so teilweise ganze Kopfhälften außerhalb des Bildes liegen, entfernt sich der Österreicher allerdings noch weiter von den Eigentümlichkeiten der Gattung des Portraits. Es sind Annährungen an ein Antlitz, das losgelöst scheint von jeglichen raum-zeitlichen Bedingungen. Die Protagonisten der Gemälde Hasenauers scheinen in den angedeuteten, undefinierbaren Räumen zu schweben; dabei changieren sie neben den Zeiten auch zwischen den Geschlechtern. Es scheint etwas Zeitloses von diesen androgynen Figuren auszugehen, die aber dennoch unverkennbar aus der heutigen Zeit stammen. Es ist dieser Schwebezustand, der den Künstler interessiert: Jenseits eines definierbaren Ortes, jenseits der Geschlechter, alterslos und nicht eindeutig ethnisch zuordbar. Auch die Blicke der Protagonisten spiegeln diesen ambivalenten Charakter im Werk des Künstlers wider. Sie scheinen ebenfalls zu changieren – zwischen dem Blick nach Innen und dem Blick auf den Betrachter, zwischen Interesse und Distanziertheit. Egal, ob die Figuren den Betrachter ansehen oder ob sie ihren Kopf wegdrehen, ihm den Rücken zuwenden, die Augen geschlossen haben oder das Gesicht von einer Kapuze verdeckt wird: immer kommen bei der Rezeption des Bildes die Wahrnehmung und die Imagination des Betrachters zusammen und die abgebildeten Figuren werden zur Projektionsfläche. Dass es Hasenauer bei seinen Arbeiten auch um eine abstrakt-ästhetische Wirkung geht, zeigt sich im Kontrast zwischen dem porenreinen Inkarnat der Gesichter, die fast wie mit dem Weichzeichner aufgenommen wirken und den intensiv leuchtenden monochromen Farbflächen der Kleidung. Leuchtendes Gelb, kräftiges Rot und strahlendes Blau verführen den Betrachter auf einer sinnlich – abstrakten Ebene ins Bild, wo dieser erst im zweiten Schritt das ‚Portrait’ entdeckt. Dieser Übergang ins Abstrakte ist bei den Landschafts- und Vegetationsbildern Hasenauers noch fließender und auch der ambivalente Charakter ist hier zu finden. Seine Landschaften sind, genau wie die ‚Portraits’, ohne jede geografische Verortung. Sie begegnen dem Betrachter mysteriös und laden ein, sich in ihnen zu verlieren. Die verschiedenen Gewächse und ihre Äste scheinen sich zu einer undurchdringlichen Erscheinung zu verdichten oder Äste lösen sich in einem wie in Detailansicht gezoomten Ausschnitt ins Abstrakte und besitzen sowohl einen vegetativen sowie einen körperlichen, an Venen erinnernden Charakter. Häufig kommt bei Gemälden dieser Art Blattaluminium zum Einsatz; der Künstler trägt dabei eine hauchdünne Aluminiumfolie auf zuvor in der Form des gewünschten Motives aufgebrachten Klebstoff auf. Anschließend wird die gesamte Bildfläche dann schichtenweise mit schwarzer Acrylfarbe übermalt, wobei die Farbpartikel auf den Stellen mit der Aluminiumfolie verschieden haften bleiben und das Licht später unterschiedlich gebrochen wird. Diese Schichten und der Kontrast zwischen den Tiefen des Schwarz der Acrylfarbe und dem flächigen Glänzen der Aluminiumfolie verleihen den Bildern dabei etwas Mysteriöses und eine faszinierende Dreidimensionalität. Mit der Ambivalenz und Nicht-Eindeutigkeit seiner Gemälde öffnet Bertram Hasenauer dem Betrachter sein eigenes Imaginationspotenzial. Die Arbeiten des Österreichers sind bereits in einer Vielzahl von Sammlungen großer Museen zu finden; unter anderem in der Berlinischen Galerie, dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin und der Österreichischen Galerie Belvedere in Wien. 2010 widmete ihm das Museum der Moderne Salzburg zudem eine große Einzelausstellung. Nur ein Jahr später wurde Hasenauer mit dem Großen Kunstpreis des Landes Salzburg ausgezeichnet. (Text: Tobias Bednarz, Foto: Gerhard Kassner)
Ort: Galerie Thomas Fuchs bis: 2015-06-20
Künstler: Rudy Cremonini
Thema: Das bedeutendste Charakteristikum der Malerei des in Bologna lebenden und arbeitenden Künstlers Rudy Cremonini ist wohl seine prägnante Pinselführung. Cremoninis Malweise lässt dem zähen Fluss der Farbe seinen Raum. Mit wirbelnden aber immer hoch konzentrierten Pinselstrichen aus dicker und cremiger Farbe modelliert er seine Motive und kreiert so Bildwelten, die sich gleichermaßen zwischen Figuration und Abstraktion bewegen. Der Farbauftrag des 1981 in Bologna geborenen Künstlers bleibt für den Betrachter als Teil des Bildgefüges sichtbar. Mit Farbe und Pinselführung verleiht Cremonini der Oberfläche seiner Bilder Struktur und löst seine Motive in dieser förmlich auf. Aus teils pastosen Tiefen erheben sich schemenhafte Darstellungen, die Freiraum lassen für Assoziationen und Interpretationen des Betrachters. Durchaus sind in der Malerei des jungen Italieners eine Vielzahl von Metaphern zu entdecken. Besonders interessiert Cremonini die Ambivalenz, die mit Vergnügen einhergeht. In seiner Malerei thematisiert er den Konflikt zwischen Vergnügen und dessen Bedingungen: Leistung, aber auch Gewalt und andere Übergriffe. Häufig ist Vergnügen nicht umsonst; wenn nicht man selbst, dann muss meist jemand anderes dafür bezahlen oder leiden. „twinks for money“ ist der Titel einer Serie von männlichen Portraits. Hier verrät der Titel bereits die Bedingung für das Vergnügen. Ob das Vergnügen dann beidseitig empfunden wird, ist fraglich. So zeigen die Portraits Personen mit unterschiedlichsten Gefühlen, immer scheinen die Figuren aber hin- und hergerissen zu sein zwischen ihren unterdrückten Wünschen, ihrem Verlangen und ihrem Pflichtgefühl. Doch nicht nur in seinen Portraits macht Cremonini diesen Konflikt zum Thema. Auch seine Stillleben, Landschaften und Zooansichten spiegeln diese Ambivalenz wieder. Offensichtlich präsentiert sich diese aber nie; immer behalten Cremoninis Bilder etwas von ihrem geheimnisvollen Charakter und locken mit ihrem dynamischen Pinselduktus über die dunklen und cremigen Farbspuren in die Tiefen ihrer mysteriösen Welten. Rudy Cremonini wird bereits international von Kritikern und dem Publikum für seine faszinierende und eigenständige Malweise sowie die poetische Intensität, die in seinen Bildern steckt, geschätzt. Seine Gemälde waren schon in zahlreichen Ausstellungen, unter anderem in New York, Berlin und Mailand zu sehen. 2012 war Cremonini in New York in der Gruppenausstellung „The Dorian Project“ zusammen mit Künstlern wie Marlene Dumas und Elizabeth Peyton vertreten. (Text: Tobias Bednarz)
Ort: Galerie Thomas Fuchs bis: 2015-03-21
Künstler: Patrick Angus
Thema: Als Toulouse-Lautrec des Times Square beschrieb der Dramatiker Robert Patrick den jungen amerikanischen Maler Patrick Angus. Was Henri de Toulouse-Lautrec im ausgehenden 19. Jahrhundert mit seinen direkten und ungeschminkten Darstellungen des Pariser Nachtlebens rund um den Montmartre war, ist Angus mit seinen Darstellungen der schwulen Untergrundszene für das New York der 1980er Jahre. Zu einer Zeit, in der, besonders in den USA, die abstrakte und vor allem auch die minimalistische Kunst vorherrschend war, wendet sich der 1953 in Nord-Hollywood geborene Patrick Angus ganz bewusst wieder der figurativen Malerei zu. Seine Gemälde und Zeichnungen reichen von Portraits über Stadt- und Landschaften bis hin zu Darstellungen des schwulen Untergrundmilieus mit seinen Stripshows, einschlägigen Bars und Badehäusern, die er mit einer hohen Sensibilität zu zeigen weiß. Die ungeschönten Szenen von Figuren und Situationen aus diesem Milieu der New Yorker „Halbwelt“ eint sein Werk thematisch mit dem des französischen Malers mit dessen Darstellungen seiner Demimonde. Im Alter von 20 Jahren kommt Angus über seinen Kunstlehrer an ein Buch mit Zeichnungen von David Hockney und ist sogleich fasziniert von dessen Darstellungen des „guten und schönen“ schwulen Lebens in Los Angeles. Von dieser glänzenden Welt angezogen, reist der junge Angus 1975 nach Los Angeles auf der Suche nach der in Hockney‘s Bildern präsentierten Welt. Doch resigniert muss er feststellen, dass dieses Leben für Menschen in seiner Einkommensgruppe nicht existiert, außer natürlich, wenn sie schön sind. Diese Erkenntnis, weitere Ablehnungen und das daraus entstandene geringe Selbstbewusstsein ließen Angus, nach seiner Übersiedlung an die Ostküste, in Manhattan zu einem passiven Beobachter und gleichzeitig aktiven Besucher schwuler Institutionen wie den Stripshows und Badehäusern werden. Diese befriedigten zwar seine Lust, verstärkten gleichzeitig aber auch sein Minderwertigkeitsgefühl. Angus stellt diese Tragik einsamer Herzen, die versuchen, sich darüber hinwegzuhelfen, dass sie das, was sie eigentlich suchen – Liebe – nicht finden können, in seinen Bildern mit einer hohen malerischen Qualität dar. Weit über die Ungehemmtheit seiner Motive dieser Untergrundszene hinaus, schafft er, durch seine Kompositionen und seinen Einsatz von Licht und expressiver Farbigkeit, deren Atmosphäre einzufangen. Die Suche nach Liebe und Wertschätzung, ein soziales Thema das schon viele Schriftsteller und Künstler beschäftigte, bringt Angus so zum Ausdruck. Seine persönliche Homosexualität ist dabei nebensächlich, schafft Angus es doch, dem Betrachter, unabhängig von dessen sexueller Orientierung und dem Motiv der Bilder, jene Sehnsucht zu vermitteln, die er in seinen Figuren greifbar macht. Diese Sehnsucht ist zeitlos, ja insbesondere heute, im Zeitalter des Internet, sogar brandaktuell. Der Dandy Quentin Crisp beschrieb die Arbeiten von Angus einmal als bewusst schamlos. Diese verbreitete Misinterpretation seiner Bilder war wahrscheinlich einer der Gründe, warum seine Arbeiten von Galeristen immer wieder abgelehnt wurden. Angst vor Ablehnung führte dazu, dass er alle Hoffnungen auf Anerkennung als ernstzunehmender Künstler aufgegeben hatte, aber in bitterer Armut lebend weiter malte. Patrick Angus wollte nicht die schöne homosexuelle Welt zeigen, wie sie für nur wenige wirklich existiert. Er zeigt vielmehr die schwule Welt in der er lebte. So sagte er einmal: Twenty three years after Stonewall, gay people still have few honest images of themselves, and most of those occur in our literature. Gay men long to see themselves - in films, plays, television, paintings. They seldom do. Obviously, we must picture ourselves. These are my pictures. Trotz der teilweise expliziten Motive und der düsteren Szenen strahlen Angus‘ Bilder durch ihre nüchternen aber nicht unemotionalen und im Kontrast dazu malerisch farbintensiven Darstellungen Sympathie und Verständnis aus. Einige Bilder dieser Motive sind mit Titeln berühmter Discosongs, die von Tänzern für ihre Striptease und Nackttanzeinlagen ausgewählt wurden, versehen. Einige drücken mit Titeln wie „I’m only human“, „boys do fall in love“ und „remember the promise you made“ aus Songs von Größen wie Diana Ross, Queen, Bobby Brown und Grace Jones Schmerzlichkeit auf eine ironische Art und Weise aus. Seine Bilder zeigen mit ihren Kompositionen, der Farbgebung und dem gekonnten Darstellen von Figuren und Körpersprache sein großes malerisches Können und den hohen Sinn für das Ästhetische, über den er verfügte. Grundlegend für Patrick Angus‘ Malerei ist der Gedanke, dass Kunst auf Beobachtungen basiert. So machte er es sich, inspiriert von der großen Picasso Retrospektive 1980 im MoMA, zur Aufgabe, Inspiration für seine Arbeiten nicht in anderer Kunst, sondern im Leben zu suchen. Die Beobachtungen und Erfahrungen, die er in den 80ern in der schwulen Untergrundszene in New York machte, wurden nach dieser Devise das Motiv und der Inhalt seiner Bilder. Aber auch in seinen Portraits von Freunden und den Stadt- und Landschaften lässt sich diese Grundlage der Malerei sowie sein Kunstsinn und meisterhaftes Handwerk erkennen. Mit seiner ausgeprägten Beobachtungsgabe schafft Angus es, nicht nur das objektiv Sichtbare der Motive in seinen Portraits darzustellen, sondern auch eine ganz private, fast schon intime Atmosphäre in diesen Bildern zu kreieren. In den teilweise detailgetreu dargestellten Wohnräumen wie Schlaf- und Wohnzimmern zeigt Angus die Individuen hinter den Motiven, echte, verletzliche Menschen zwischen ihren Besitztümern. Diese Bilder stehen in der Tradition des amerikanischen Realismus und seinen Vertretern wie James Whistler, Thomas Eakins und Edward Hopper. Seine menschenleeren Landschaften spiegeln eine Einsamkeit wieder, die auch in den Bildern Hoppers zu spüren ist. Mit ihm teilt Angus die Darstellung einer Vereinsamung des modernen Menschen. Diese Einsamkeit und die Versuche diese zu kompensieren, spielen im Ouevre Angus’ eine große Rolle. Seit der Diagnose seiner Infizierung mit Aids fürchtete Angus, mehr als den Tod, sein Werk würde mit ihm in der Versenkung verschwinden. Doch in den Monaten vor seinem krankheitsbedingten Tod 1992 fand sein Werk doch noch Anerkennung: ihm wurden mehrere Einzelausstellungen gewidmet und ein Buch mit seinen Bildern wurde publiziert. Der Kunstgeschichte ist Patrick Angus heute auch kein unbekannter Name mehr. So ist er in mehreren kunstgeschichtlichen Werken wie unter anderem in „Art and Queer Culture“ bei Phaidon vertreten und in Museen zu finden. Einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurde er durch den 2009 erschienenen Kinofilm „An Englishman in New York“. Hier sind zahlreiche seiner Werke zu sehen und seine Geschichte bildet einen der Haupthandlungstränge des Films. Zwar wurde die Relevanz seiner Arbeiten mittlerweile erkannt, ausgeschöpft ist das Oeuvre Angus‘ aber noch lange nicht. Tobias Bednarz
Ort: Galerie Thomas Fuchs bis: 2014-08-02
Künstler: Steven Black
Thema: Die Arbeiten von Steven Black sind wörtlich zu nehmen. Sie beschäftigen sich mit der Erscheinung als Erscheinung. Das gegenständliche Bild ist die Wiederholung einer Erscheinung, einer Ansicht von Menschen in einem Zimmer, von einer Hauswand, in einer anderen Erscheinung, in Farbe auf Leinwand. Das Bild ist also die Verschränkung der einen Erscheinung mit einer anderen, die zuvor nichts mit jener zu tun hatte. Eine übliche Auffassung von Malerei besagt, dass es etwas gab, was Modernismus heißt, der die materielle Beschaffenheit des Bildes hervorhob und damit zeigte, dass das Bild ein Gegenstand für sich und nicht die Wiedergabe des Motivs ist. Die gegenständliche Malerei kann so betrachtet werden, dass sie immer schon auf sich verwiesen hat, war immer mit dem Stil beschäftigt, mit Farbe auf Leinwand, also mit dem Bild als Gegenstand für sich, wenn sie andere Gegenstände gemalt hat. Der Stil ist dann die Bedingung dafür, dass das Bild überhaupt ein Bild von einem Gegenstand und nicht ein Bild von anderen Bildern ist. Eins der Stilelemente, die Black interessieren, ist die Stofflichkeit und Räumlichkeit der Bilder. Der Versuch ist, Eigenschaften des Motivs wie Farbe und Umriss in haptische und plastische Eigenschaften, Eigenschaften der Farbe als Masse, zu übertragen. Dabei besteht die Chance, das für Malerei grundlegende Verhältnis zwischen Fläche und Raum anders zu entwickeln als sonst. Was das gemalte Bild zum Bild macht ist der Zusammenschluss einer Fläche mit einer Erscheinung, die räumlich ist. Ein Bild, als Gegenstand für sich, ist aber streng genommen ein Körper, ein Volumen, nicht eine Fläche. Als Bild jedoch ist das Bild zugleich Fläche, im ideellen, geometrischen Sinne. Es wiederholt den Volumen des Motivs unabhängig vom eigenen Volumen als Farbe auf Leinwand. Das kann verstärkt werden, z.B. wenn eine gemalte Nase in die Tiefe geht oder das gemalte Mundloch hervorwölbt. Diese Unabhängigkeit soll dennoch durch die Übertragung bedingt werden, etwa wenn Spuren der Bewegung der Farbmasse Übergängen der Farbe und des Umrisses am Motiv entsprechen.
Ort: Galerie Thomas Fuchs bis: 2014-06-21
Künstler: Tomas Nemec
Thema: Nach seiner ersten Soloausstellung „Summer“ in der Galerie Thomas Fuchs im November 2012 widmet sich Tomas Nemec in seinen neuen Arbeiten dem Frühlingserwachen. Nemec gilt als eines der größten Talente unter den Malern Tschechiens. Der 1986 in Policka geborene Künstler, der in Prag lebt und arbeitet, war bereits auf zahlreichen Ausstellungen zu sehen, darunter im Hangar-7 in Salzburg. Er wurde zuletzt von der Galerie Thomas Fuchs auch auf der art Karlsruhe gezeigt. Das bevorzugte Medium, in dem sich Tomas Nemec ausdrückt, ist Farbe. Blau, Rosa und Grün bilden den Farbdreiklang, der auf allen seinen Bildern der Ausstellung zusammentrifft. In zartem Rosa malt er in kräftigen Pinselstrichen blühende Magnolien, die sich vom Hellgrün der Wiese abheben. In der Bildserie der „Seerosen“ bildet ein tiefes Schwarzblau die Folie, von der sich die Blätter und Blüten abheben. Der starke Eindruck von Bildtiefe wird nicht durch zeichnerische Mittel, wie beispielsweise der perspektivischen Verjüngung, erreicht. Die Suggestion von Tiefe entsteht dadurch, dass die Opaziät der Farbe von Licht durchbrochen wird und das Schwarzblau stellenweise aufhellt. Die Verteilung von Farbe auf dem Bildträger unter ästhetisch-dekorativen Gesichtspunkten ist nur ein Mittel, um die Bildhaftigkeit, d.h. seine Zweidimensionalität zu betonen. Auch „drippings“, Farbspritzer- und -verläufe werden von Nemec bewusst eingesetzt, um den Abbildcharakter zu unterminieren. Genauso wie der Einsatz von Fehlstellen, an denen das Weiß der Grundierung oder der grobe Stoff der Leinwand durchscheint und zu einem bestimmenden Bildfaktor wird, was ein besonderes Charakteristikum seiner Gemälde ist. Es geht hierbei vor allem um das Spiel zwischen Oberfläche und Tiefe, zwischen Undurchsichtigkeit und Transzendenz an der Grenze von Traum und Wirklichkeit. Neben seine Bilder in lichten Pastellfarben treten zunehmend Bilder mit schwarz gebrochenen blauen Gründen, aus deren Dunkel die bunten Blüten hervorschimmern und leuchten. Doch das traumhafte Schweben und die Erinnerungen daran, vor einer bemalten Leinwand zu stehen, lassen erkennen, dass man es bei Tomas Nemec nicht mit einem naiven Romantiker zu tun hat. ( Text: Ulrich Imo )
Ort: Galerie Thomas Fuchs bis: 2014-05-10
Künstler: Sebastian Gumpinger
Thema: Die Galerie Thomas Fuchs zeigt in der Ausstellung "nowhere..." neue Bilder von Sebastian Gumpinger. Sebastian Gumpinger wurde 1977 in Hannover geboren und hat an der Akademie der Bildenden Künste München bei Günther Förg und Jean-Marc Bustamante studiert. Er lebt und arbeitet in Berlin und München. Zu der Ausstellung erscheint ein 52-seitiger Katalog mit einem Text der britischen Kunstkritikerin und Kuratorin Jane Neal. "...Gumpinger beginnt oft mit einem einzelnen Farbfleck. Er fügt Hitze hinzu, indem er versucht, die Ränder mit einem Fön zu trocknen und er wäscht das, was er den „inneren Körper“ der Farbe nennt, mit Wasser aus. Weitere Experimente folgen: er injiziert Spiritus, um eine chemische Reaktion in Gang zu setzen und die Farbe auf der Leinwand zu fixieren. Manchmal bringt er flüssiges Latex auf, um Bildteile mit einer Schicht zu überziehen. Nach dem Abziehen des Latex bleiben Negativformen übrig. Er führt das Werk fort, indem er mehrere verschiedene Drucktechniken einbezieht, bei denen er Papier und Plexiglas zum Drucken verwendet, was in erhöhten Farbinseln sichtbar wird, die sich über die Leinwand verteilen wie ein Flachrelief. Gumpinger verwendet mehr als zwanzig dieser verschiedenartigen Techniken und er ist der Auffassung, dass alles, was ihm in den Sinn kommt, ein ganz eigenes Verfahren erfordert. Sein einziger Grundsatz ist der, niemals den Pinsel auf die Leinwand zu bringen. Wann immer er einen bestimmten Effekt erreichen möchte, erforscht er das Verhalten der Materialien... Was den Kontext von Gumpingers Arbeit angeht, gehört er zu einer Gruppe von jungen und schon etablierteren deutschen Künstlern wie Volker Hueller, Gregor Hildebrandt und Hansjörg Dobliar (und zu einer größer werdenden Welle in ganz Europa und den Vereinigten Staaten), die, statt sich weiterhin hauptsächlich mit Figurationen zu beschäftigen (wie beispielsweise die Leipziger Schule), lieber in der Abstraktion nach Inspiration sucht, mit einem besonderen Interesse an der Neuerkundung der Moderne. Die Techniken, die Gumpinger in seinem intensiven und komplizierten Prozess entwickelt hat, heben ihn jedoch heraus. Sein Arbeitsraum ist halb Atelier, halb Labor. Er verwendet Acrylfarben, flüssigen Latex, Spiritus und Acrylspray, die er mittels Heißlüfter und Fön trocknet. Die Farben sind stark verdünnt, so dass sie sich über die Oberfläche seiner Leinwände ausbreiten können. Die Arbeit ist fertig, wenn sich das Gefühl einstellt, dass alles, was dort sein sollte, auf der Leinwand ist und dass das Hinzufügen weiterer Substanzen nichts mehr verbessern würde... Gumpingers Arbeiten öffnen sich dem Betrachter, indem sie unsere Sinne beschäftigen. Seine Arbeit spricht das Auge an, aber sie verlockt auch zum Anfassen und durch die Handhabung und das gezielte Einsetzen der zahlreichen Materialien und Techniken, die er verwendet, zieht er uns in einen Raum zwischen Wirklichkeit und Imagination. Dieser Ort, dieses „Dazwischen“, könnte Luft oder Wasser sein, aber auch ein Klang, Dunkelheit oder ein grenzenloser Himmel. Dann stellen wir uns nicht nur vor, wie die ganze Arbeit aussehen würde – wenn wir einen Querschnitt durch alle Schichten nehmen könnten –, sondern auch, wie sie sich anfühlen oder sogar klingen würde. Gumpinger hat uns eine Tür zur Schönheit der Natur geöffnet, aber nicht, wie wir sie kennen oder auf einer oberflächlichen Ebene erleben. Er veranlasst uns, tiefer zu gehen, über das Wesen all dessen nachzudenken, was uns umgibt und das unserem Leben, unserem Geist und unserem Körper ein Fundament gibt..." Jane Neal (Auszug aus dem Katalogtext zur Ausstellung)
Ort: Galerie Thomas Fuchs bis: 2014-03-29
Künstler: Doron Langberg, Sam McKinniss
Thema: Manche Städte üben eine solche Faszination aus, dass sie von ihren Bewohnern oder Besuchern mit einem Beinamen versehen wurden, um deren Besonderheit treffend zu charakterisieren. Schon die Antike kannte Rom als „die Ewige Stadt“, Paris ist bekannt als „die Stadt der Lichter“, seit den sechziger Jahren spricht man vom „Swinging London“ und wer kennt nicht Frank Sinatras Hymne an „die Stadt die niemals schläft“. New York gilt auch heute noch als eine Metropole der Superlative, die 24/7 - rund um die Uhr - die Einwohner und Touristen in Atem hält. Im krassen Gegensatz zu dem dröhnenden Großstadtlärm, den bunten Lichtern, grellen Leuchtreklamen und dem pulsierendem Leben erscheinen die Gemälde der beiden Wahl-New-Yorker Doron Langberg und Sam McKinniss fast still und intim, verletzlich, nachdenklich, bisweilen versehen mit einem Anflug von Melancholie. Die Protagonisten auf McKinniss Bildern erwecken zwar auf den ersten Blick den Eindruck, die Nacht zum Tag machen zu wollen - denn sie tragen die auf Techno-Partys beliebten neonbunten Knicklichter an den Armen oder um den Hals - dennoch stehen sie isoliert, allein im Dunkeln, herausgerissen aus dem Nachtleben. Demgegenüber scheinen die auf den Bildern Langbergs Dargestellten schlaflose Nächte unter kaltem Neonlicht zu verbringen. Doron Langberg, 1985 in Yokneam Moshava in Israel geboren, lebt seit 2 Jahren im New Yorker Stadtteil Queens. Die großen Themen, die seine Bilder bestimmen, sind Liebe und Lust, die er als fundamentale menschliche Erfahrungen bezeichnet. Seine persönlichen, intimen oder auch imaginierten Erfahrungen bilden für ihn den Ausgangspunkt, den er an der gesellschaftlichen Realität abgleicht. Die Diskrepanz, die er zwischen seiner subjektiven Wahrnehmung und der öffentlichen Meinung sieht, möchte Langberg durch seine Bilder überwinden. Auf vielen seiner Gemälde nimmt er selbst die Hauptrolle ein. In teilweise aggressiven sexuellen Posen, unbeobachteten Momenten oder Szenen intimer Zweisamkeit setzt er sich den Blicken des Betrachters aus: „Ich versuche meine Lüste, Ängste und Begierden durch die bildliche Darstellung, die Form und den materiellen Malvorgang für den Betrachter unmittelbar erfahrbar zu machen.“ Auch wenn Langberg auf fast allen Gemälden der figurativen Darstellung verpflichtet bleibt, erreicht seine expressive Malweise Formen der Abstraktion, die ihren Bezug zum Gegenständlichen zugunsten des Ausdrucks aufgeben. Auf dem Bild „sprawled“ (2013) kann man eine Person erkennen, die auf einem grünen Bett oder Matratze mit brauner Decke und Kissen liegt und selbst ein Spiegel oder Bild lässt sich in der oberen linken Ecke ausmachen. Die Person ist aber fast gänzlich auf ihren Umriss reduziert und besteht aus dem selben lilanen Malgrund, aus dem auch die Wand gemalt ist. Auch die anderen Gegenstände besitzen keine Binnenzeichnung, die einer objektiven Beschreibung dienen, sondern werden nur durch ihren Umriss zusammengehalten, während sich die Farbe innerhalb dieser Grenze als ein selbständiger Wert ausbreitet. Auf „all fours #2“ (2013) schlägt Langberg eine genau entgegengesetzten Richtung ein. Die Kontur der Person verschmilzt mit dem im selben Rot gemalten Untergrund und taucht förmlich in diesen ein. Die Separation der Gegenstände wird nicht durch Zeichnung erreicht, sondern einerseits, indem dem Rot des Körpers ein Grün entgegenstellt wird. Zu dem Farbkontrast kommt zum anderen die Gegensätzlichkeit in der Materialität des Farbauftrags. Neben einem weichen Duktus, der durch die fedrigen, unscharfen Umrisse noch gesteigert wird, setzt Langberg Partien aus reliefartigen Farbhügeln. Dass die konträre Behandlung des Farbauftrags ein bewusst gewähltes Stilmittel ist, wird an „lovers“ (2012) deutlich. Es benötigt seine Zeit, aus dem abstrakten Form- und Farbgefüge die Gegenstände herauszulesen. Selbst wenn man auf der rechten Bildseite das verschattete Gesicht ausgemacht und von dort sich den räumlichen und narrativen Zusammenhang erschlossen hat, fühlt man sich dennoch wie vor dem Bild eines Abstrakten Expressionisten. Nicht nur in formaler Hinsicht bestehen diese Beziehungen, sondern auch in der Absicht, Emotionen mit malerischen Mitteln zum Ausdruck zu bringen. Während jene aber davon ausgingen, dass der Ausdruck ihrer Gefühle objektive Wahrheit besäße, ringt Langberg darum, dass der Betrachter seine Emotionen tatsächlich nacherleben kann: „...I want to urge the viewer to empathize with the intimate experiences the paintings depict, rendering my desire beautiful in their eyes. (...Ich möchte die Betrachter anhalten, die intimen Erfahrungen nachzuempfinden, die die Bilder zeigen. Mein Verlangen soll sich wunderschön in ihren Augen spiegeln.)“ Über die Schwierigkeit, dahin zu gelangen, gibt sein Gemälde „untitled“ (2012) Auskunft. Auf dem Bild sieht man eine Person mit gesenktem Blick, den Kopf auf die linke Hand gestützt. Eine der bekanntesten Posen in der Geschichte der Kunst, die Darstellung der Melancholie. Das Vorbild für Langbergs Bild geht auf Dürers berühmten Stich „Melancolia I“ zurück, dessen Personifikation wie eine Schwester im Geiste wirkt. Die „saturnische Krankheit“, die in der Renaissance als ein Wesenszug des Genies galt, steht bei Langberg nun aber nicht mehr im Zusammenhang mit einem wissenschaftlichen Erkenntnisstreben als einem Sinnen über das Vermögen des Wissens, sondern wirkt wie ein Atemhohlen in seinem Versuch, einen Ausdruck für seine Emotionen zu finden. Mit der Bitte Zeuxis an Parrhasius, den Vorhang von einem seiner Gemälde zu lüften, um das Bild betrachten zu können, war der Wettstreit zwischen den beiden Künstlern entschieden. Während Zeuxis Trauben so täuschend echt gemalt haben soll, dass Vögel versuchten, an ihnen zu picken, hatte Parrhasius es geschafft seinen Rivalen, den angesehendsten Künstler des antiken Griechenlands, mit einem gemalten Vorhang in die Irre zu führen. Nun stellt - spätestens seit der Erfindung der Photographie - die naturwahre Darstellung nicht mehr den letzten Prüfstein für die Qualität von Kunstwerken da. Was aber bis heute davon geblieben ist, ist der gegenseitige Vergleich der Künstler über Zeitalter und Grenzen hinweg. Bei Plinius d.Ä. kann man beispielsweise über den Maler Antiphilos lesen, der große Bekanntheit aufgrund seiner Lichteffekte erlangte. In der Renaissance wird diese Herausforderung der Hell- Dunkel-Malerei wiederentdeckt und im Barock von einem Künstler wie Caravaggio zur Perfektion geführt. Wer sich an diesem Meister maß, reihte sich ein in den Kreis der sogenannten Caravaggisten. Der in Northfield Minnesota geborene Künstler Sam McKinnis hat den Wettstreit mit den Meistern des Lichts aufgenommen. Auf seinen Nachtstücken lässt er seine Freunde in völlig dunklen Räumen Modell stehen, während diese nur von neonbunten Knicklichtern, die sie um den Hals oder die Arme tragen, beleuchtet werden. Durch den kräftigen Hell-Dunkel-Kontrast zwischen dem nachtschwarzen Hintergrund und den Lichtern scheinen diese tatsächlich zu strahlen. Die nur spärlich ausgeleuchteten Körper entwickeln eine starke Reliefwirkung und treten förmlich aus der Leinwand hervor. Das Inkarnat glänzt in unnatürlichen Grün-, Violett- oder Orangetönen, die von den Partylichtern reflektiert werden. Eine besondere Herausforderung besteht bei solchen Effekten in einer natürlichen Wiedergabe der Oberflächen, die McKinniss in erstaunlicher Weise beherrscht. Aber es ist nicht nur die malerische Herausforderung, der sich McKinniss stellt. Er ist auf der Suche nach dem flüchtigen Moment, den er in seinen Bildern dauerhaft werden lässt. Einerseits bezieht er sich explizit auf das Nachtleben, die Clubs und Partysszene, an der er selbst teilhat, andererseits sind seine Bilder aus diesem Kontext herausgerissen und erscheinen ohne bestimmbare Orts- und Raumangaben. Auf diese Weise entstehen sehr stimmungsvolle, schweigsame und einsame Bilder. Sowohl Doron Langberg als auch Sam Mckinniss geben in ihrer ersten Ausstellung in Europa einen persönlichen Einblick in ihr privates New Yorker Nachtleben und überzeugen durch ihr malerisches Können. Nicht nur das Bild New Yorks wird von ihnen um neue Facetten bereichert, sondern sie zeigen auch, warum es sich noch immer um eine der interessantesten Kunstmetropolen weltweit handelt. (Text von Ulrich Imo)
Ort: Galerie Thomas Fuchs bis: 2013-11-27
Künstler: Bertram Hasenauer, Kris Knight, Martin-Jan van Santen
Thema: In der Gruppenausstellung „Secrets“ zeigt die Galerie Thomas Fuchs vom 25.10. - 27.11.2013 die Künstler Bertram Hasenauer (A), Kris Knight (CA) und Martin-Jan van Santen (NL). Die Vernissage findet am Freitag, den 25.10.2013 von 18 bis 22 Uhr in Anwesenheit der Künstler Bertram Hasenauer und Martin-Jan van Santen statt. Kris Knight wurde 1980 in Toronto (CA) geboren und hat an dem Ontario College of Art and Design, Toronto studiert. Seine zwischen Jugend und Erwachsensein verlorenen Figuren haben alle ihre Geheimnisse. Sie versuchen, diese zu bewahren, sehnen sich aber zugleich danach, sie zu offenbaren. Eine solche Doppeldeutigkeit betrifft viele Aspekte seiner Gemälde: Geschlecht, Zeit, Stimmung und Ausdruck. Leben die oft androgynen Protagonisten in der Gegenwart oder sind es Bilder aus längst vergangenen Zeiten? Sind sie sich ihrer Sexualität bewusst, stellen sie diese zur Schau oder sind sie unschuldig und in sich gekehrt? Kris Knight reizt augenscheinlich diese Gratwanderung zwischen Unschuld und Erotik, Jäger und Gejagtem, Schönheit und Gefährdetsein. 2012 war Kris Knight bereits zum zweiten Mal auf der Armory Show in New York zu sehen, worauf in diesem Jahr eine Soloshow auf der VOLTA NY folgte. Martin-Jan van Santen, geboren 1968 in Kampen, hat an der Kunstakademie Constantijn Huygens in Kampen studiert. Für Martin-Jan van Santen sind es die privaten Phantasien, die ihn auf die Suche nach den Geheimnissen der Schönheit seiner Modelle gehen lassen. „Ich begann vor 5 Jahren, den männlichen Körper zu malen, genau zu der Zeit, als ich überhaupt zu malen begann. Ich fragte mich: Was mag ich am meisten? Was finde ich wirklich schön? Fast wie von selbst kam ich auf den männlichen Körper. Meine ersten Versuche waren sehr langweilige Bilder von hübschen Models, aber schnell suchte ich nach der Schönheit innerhalb dieser Bilder. Ich fragte mich: Was ist es, das diesen Körper so schön macht? Was macht dieses Modell so faszinierend?" Der österreichische Künstler Bertram Hasenauer wurde 1970 in Saalfelden (A) geboren und lebt und arbeitet in Berlin. Er hat an der Akademie der Bildenden Künste Wien studiert. Die Portraits Hasenauers heben sich von den meist weißen Hintergründen fast schemenhaft ab. Ebenso wie die Hintergründe sind auch die Dargestellten auf das Wesentlichste reduziert. Aus ihren Gesichtern lassen sich keine Emotionen ablesen und werden dadurch für den Betrachter zu Projektionsflächen des Unbekannten. Hasenauer malt keine bestimmten Personen, ja er malt nicht einmal erkennbar ein bestimmtes Geschlecht. In manchen der ausgestellten Werke scheinen die Dargestellten zu verschwinden, sich aufzulösen. Die Werke werfen daher durchaus die Frage nach der menschlichen Existenz auf, nach dem Sein und Vergehen. Neben zahlreichen Ausstellungen in Europa, war Hasenauer im Jahr 2011 auch mit einer Soloshow auf der VOLTA NY vertreten. Seine Bilder finden sich in bedeutenden öffentlichen Sammlungen, u.a. dem Kupferstichkabinett Berlin, der Berlinischen Galerie, der Österreichischen Galerie Belvedere oder dem Museum der Moderne in Salzburg.