Ausstellung Galerie Galerie Carolyn Heinz
In der starken Farbigkeit und der bedeutungsschweren symbolischen Aufgeladenheit heutiger gegenständlicher Malerei bleibt inzwischen kaum noch Raum für die reine Erforschung von Form und Farbe bzw. deren perfekte Verarbeitung. In einer Zeit der Reizüberflutung nimmt sich aber auch der Betrachter kaum noch die Muße, sich auf reine Farbwirkungen einzulassen, deren Klang zu erleben, Harmonien und Disharmonien nachzuspüren.
Constantin Grünings Arbeiten widersetzen sich diesen Trends. Will man sich seinen Bildern nähern, muss man erstmal einen Gang zurückschalten und etwas genauer hinsehen.
Unser alltägliches Sehen ist geprägt von stark strukturierten, inhomogenen Eindrücken. Das Erfassen insbesondere großer monochromer Flächen entspricht hingegen keiner vertrauten Erfahrung. Vielleicht erlebt man dies am ehesten am Meer, wenn man den je nach Lichteinfall und Wellenlage bewegten Blautöne des Wassers nachsinnt oder auf dem Rücken liegend in den blauen Himmel schaut. Wie sinnlich berauschend und gleichzeitig irritierend sind solche Erfahrungen. Die üblichen Wahrnehmungsprozesse der räumlichen Organisation finden bei homogenen Flächen keinen Anhaltspunkt. Durch ihre Gegenstands- und Formlosigkeit befördern sie das subjektive Erleben und erschweren eine ihnen gegenüber distanzierte, objektivierende Haltung.
Für die Ausstellung hat Constantin Grüning sich als Bezugsform das Quadrat gewählt. Die großformatigen Quadrate sind zweigeteilt. Jede Hälfte hat ein anderes Farbthema. Sie erzeugen aber eher die Erfahrung eines diffusen Farbmeeres denn einer planen Fläche. Durch den Auftrag lasierender Schichten unterschiedlicher Farben oder Farbtöne überwiegt zwar zunächst der Eindruck der obersten Farbschicht. Aber bei bestimmten Lichtverhältnissen treten zunehmend auch die untere Farbebenen aus der Tiefe hervor, ohne dass der Betrachter sie als Fläche oder Schicht wahrnehmen könnte. Unter anderen Lichtbedingungen verdichtet sich die Oberfläche wieder fast vollständig. In diesem Moment erlebt der Betrachter eine monochrome Fläche, die jedoch deutliche Spuren des Farbauftrags aufweist. Diese kontrastierende sinnliche Erfahrung von Transparenz auf der einen und geschlossener, deutlich strukturierter Oberfläche auf der anderen Seite erzeugt eine ganz besondere Spannung in Grünings Bildern.
Auch die scheinbar eindeutig einfarbigen Quadrate sind Produkte feiner Schichtungen von Farbnuancen. Nur so erreichen sie eine Farbtiefe, die sich von der eines einmalig deckenden Farbauftrags unterscheidet. Die Oberfläche scheint zwar undurchdringlich, aber das Auge ist dennoch in der Lage, in die darunterliegenden Farbschichten durchzudringen – wenn auch nicht bewusst. Diese verschiedenfarbigen Quadrate ordnet Grüning in Gruppen oder Reihen. Keine Farbe ist für sich allein wichtig oder dominiert über die andere. Die innere Spannung ergibt sich hier aus dem spezifischen Verhältnis der Farben zueinander.
Constantin Grünings monochrome Malerei übt in ihrem Wechselspiel der Eindrücke eine besondere Faszination aus. Sie tritt in eine Wechselwirkung mit dem sie umgebenden Raum, dominiert ihn weder, noch lässt sie ihn unberührt. Und ebenso lässt sie dem Betrachter die Wahl. Sie drängt sich nicht auf, aber sie bietet die Möglichkeit einer berauschenden sinnlichen Erfahrung.
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