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Ausstellung

Jean-Michel Othoniel – Ausstellung in Köln

Jean-Michel Othoniel
Märchenhaft und scheinbar schwerelos umfangen Jean-Michel Othoniels überdimensionale Ketten und Installationen aus Murano-Glas die Äste von Bäumen, schmücken ganze Hausfassaden oder öffentliche Orte im städtischen Kontext, mit denen er seit Ende der 1990er Jahre die Aufmerksamkeit eines internationalen Publikums auf sich zieht.

Vom 7. November 2008 bis zum 10. Januar 2009 sind neue Arbeiten Jean-Michel Othoniels erstmalig in der Galerie Karsten Greve in Köln zu sehen und verwandeln die Räume in ein surreales Szenario aus Skulpturen und monumentalen Colliers zum Teil vor verspiegelten Wänden.

Den Auftakt bildet eine ausladende Installation im Eingangsbereich, die der Nachzeichnung eines springenden Balls ähnelt und durch ihre Leichtigkeit besticht. Die an einem zunächst nicht sichtbaren Drahtseil aufgereihten blauen, grünen und transparenten Glaskugeln scheinen im Raum zu schweben und entfalten je nach Lichteinfall einen anderen Glanz. Als besonders reizvoll stellt sich die Beschaffenheit des Glases mit seinen absichtlich vorhandenen Einschlüssen und der ungleichmäßigen, das Licht verschiedenartig reflektierenden Oberfläche heraus, welche den Betrachter zum Berühren und Hindurchschauen verleitet und schließlich durch die verzerrte Wahrnehmung in eine andere Realität führt. Im nächsten Moment muss er jedoch auch die Massivität, Schwere und Kälte erkennen, die dem Material Glas eigen ist. Tatsächlich wiegen die Arbeiten teils mehrere Hundert Kilogramm. Die anziehende Gefälligkeit seiner Arbeiten fungiert für Othoniel als wichtiges Instrument, um den Dialog mit dem Betrachter zu eröffnen. Während die Arbeiten verschiedene Bedeutungsebenen umfassen, die sich von erotischen Assoziationen über die Suggestion von kostbarsten Materialien bis zur Verwirrung durch die überproportionalen Formate erstreckt, wird der Betrachter zunächst unversehens von einer überirdischen Märchenhaftigkeit eingehüllt und unbewusst in den Bann gezogen.

Trotz der Affinität zum Glas, welches er in seinen Arbeiten seit 1993 bevorzugt verwendet, ist Othoniel keineswegs ein Glaskünstler. Vielmehr sieht er sich selbst als „Direktor einer Oper“, in der ihm verschiedene Statisten helfen, die Vorzeichnungen, welche in seinem Gesamtwerk eine wichtige Rolle einnehmen, anhand verschiedener Materialien zu interpretieren und in die Realität umzusetzen. Bedeutung gewinnt dabei vor allem die unmittelbare Zusammenarbeit mit den Glasbläsern in Murano, die er regelmäßig aufsucht, um durch Eingreifen in den Prozess des Glasblasens die für ihn ideale Form mitzubestimmen.

Jean-Michel Othoniel wurde 1964 in Saint-Étienne, Frankreich, geboren. 1993 begann er erstmalig mit Glas zu arbeiten. 1995-96 verbrachte er ein Jahr als Stipendiat in der Villa Medici an der Académie de France in Rom.
Bereits früh erhielt er internationale Aufmerksamkeit für seine Werke und nahm an bedeutenden Ausstellungen teil, z.B. documenta IX (1992) in Kassel, „Féminin/Masculin“ (1994) im Centre Georges Pompidou in Paris, „Heaven“ (2000) in der Tate Gallery in Liverpool oder „Kwangju Biennal“ (2000) in Korea.
Internationale Einzelausstellungen wurden Jean-Michel Othoniel beispielsweise in der Peggy Guggenheim Collection in Venedig 1997 und 2006 sowie im PS1 in New York 1998 gewidmet. Im Jahr 2000 gestaltete er den Eingang zur Métrostation „Palais Royal – Musée du Louvre“ in Paris mit der berühmten Installation "Le Kiosque des Noctambules". Für die Fondation Cartier entstand 2003 eine skulpturale Installation, in der sich Architektur, Glas und Licht zu einem Gesamtkunstwerk vereinen.
Gegenwärtig lebt und arbeitet der Künstler in Paris.

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