PICTORIALISM: Hidden Modernism. Photography 1896-1916 Ausstellung Berlin
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Ausstellung: 17.01.2009 - 18.04.2009

Künstler: Rudolf Koppitz, Heinrich Kühn, Alfred Stieglitz, Robert Demachy, James Craig Annan, Frank Eugene, Hugo Henneberg, Gertrude Käsebier, Hans Watzek, Clarence H. White, Erwin Raupp und Elise Mahler

Veranstalter & Ort:
Galerie Kicken Berlin
10115 Berlin
Linienstraße 161a

Einen Überblick der Kunstphotographie von 1896
bis 1916 stellt Kicken Berlin in der ersten Schau
des Jahres 2009 vor. Die Ausstellung faßt über
40 Meisterwerke renommierter Piktorialisten wie
JAMES CRAIG ANNAN, ROBERT DEMACHY,
FRANK EUGENE, HUGO HENNEBERG, GERTRUDE
KÄSEBIER, RUDOLF KOPPITZ, HEINRICH KÜHN,
ALFRED STIEGLITZ, HANS WATZEK oder
CLARENCE H. WHITE, aber auch Werke
weitgehend unbekannter Künstler wie ERWIN
RAUPP und ELISE MAHLER zusammen.

In der Photographie der Jahrhundertwende hatte
sich ein "internationaler Stil" mit dem Anspruch
der künstlerischen Anerkennung des Mediums
etabliert. Modernität war ein weiteres Ziel der
bildmäßigen – piktorialistischen – Bewegung: im
Gegensatz zur kommerziellen wie privaten
Ausübung der Photographie strebten die
Kunstphotographen die bildkünstlerische
Transformation der Realität an. Sie adaptierten
die Sujets des Symbolismus, das
Formbewußtsein des Jugendstils und die
Kunstfertigkeit der Arts and Crafts-Bewegung.
So hatten sie Teil an der künstlerischen
Avantgarde, der Moderne des Fin-de-Siècle, und
vermittelten die Botschaft: Photographie ist
Kunst.

Nicht plakativ und schockierend war diese
Modernität, sondern verborgen im individuellen
künstlerischen Ausdruck und der kostbaren
Materialqualität des Kunstobjekts. Ein Forum
kritischer Öffentlichkeit boten den
Kunstphotographen die zahlreichen Photoclubs,
Zeitschriften und Museumsausstellungen.
Wichtige Zentren der Bewegung waren Wien,
Hamburg und London, einer ihrer bedeutendsten
Verfechter der Amerikaner Alfred Stieglitz mit
seiner Zeitschrift Camera Work. Eines seiner
nach eigener Einschätzung wichtigsten Bilder,
The Steerage (1907), ist hier vertreten.

Kongeniale Umsetzung der malerisch-
graphischen Anmutung fanden die
Photographien in den verschiedenen Edeldruck-
verfahren wie den Gummi-, Pigment- oder
Platindrucken. Auge und Hand des Künstlers
wurden in der raffinierten Ausarbeitung der
Abzüge bzw. Edeldrucke manifest. Die
mechanische Kälte der Kamera schien damit
überwunden.

Der Piktorialismus, wie der späte
Impressionismus eine Kunst der Stimmung,
bevorzugte den "subjektiven Augeneindruck"
(Hans Watzek). Mit seinem bekanntesten
Stilmittel, der absichtlichen Unschärfe, lenkt er
die Aufmerksamkeit des Betrachters auf die
gestaltende Kraft des Lichts.

Vor allem der in Dresden geborene, seit den
1890er Jahren in Innsbruck lebende Heinrich
Kühn wußte die Lichtwirkung seiner
Photographien meisterhaft umzusetzen. Die
greifbar lichterfüllte Atmosphäre in seinen
bewusst einfach gehaltenen Kompositionen
betont das Wesen des jeweiligen Sujets.
Gemeinsam mit Hans Watzek und Hugo
Henneberg bildete er innerhalb des Wiener
Camera-Clubs zwischen 1897 und 1903 die
Trifolium – Kleeblatt – genannte Gruppe. Die
drei Künstlerfreunde unternahmen gemeinsam
Reisen, stellten zusammen aus und fügten ihrer
Signatur ein dreiblättriges Kleeblatt hinzu.
Henneberg ist es zu verdanken, seinen
Mitstreitern das Verfahren des Gummidrucks
vermittelt zu haben, das Kühn in den folgenden
Jahren zur Perfektion führte.
Sowohl Kühn als auch Henneberg übten
nachhaltigen Einfluss auf Rudolf Koppitz aus.
Seine Hungrigen Raben (vor 1914) verdanken
ihre moderne Anmutung, die an einen
japanischen Holzschnitt erinnert, dem
Schwarzweiß-Kontrast ebenso wie der
abstrahierenden Wirkung des Bromölumdruck-
Verfahrens. In großformatigen Gummidrucken
setzte dagegen der Dresdner Hofphotograph
Erwin Raupp seine Auffassung von Landschaften
um.

Der Schotte James Craig Annan, Sohn des
frühen Photographen Thomas Annan, war als
Mitglied des Linked Ring und erster Präsident der
International Society of Pictorial Photographers
eine Schlüsselfigur des britischen Piktorialismus.
Er erlernte gemeinsam mit seinem Vater in Wien
die Technik der Photogravüre bei deren Erfinder
Karl Klíc. Für seine Genreszenen und Portraits
perfektionierte er dieses, aber auch andere
Edeldruckverfahren wie den Kohledruck.

Eine der prägenden Photographinnen des
Piktorialismus war Gertrude Käsebier, die nach
Studien der Malerei in New York und der
Photographie und Photochemie in Berlin 1897 ihr
eigenes Studio in New York eröffnete.
Stimmungsvolle Frauen- und Kinderportraits und
Landschaften kennzeichnen ihr Werk. Neu zu
entdecken ist das photographische Oeuvre der
Malerin Elise Mahler, die ihre Landschaftssujets
auf ausgedehnten Reisen, u.a. nach Italien,
fand.

Begleitend zur Ausstellung ist in Kooperation mit
Georg Kargl Fine Arts, Wien, ein aufwendig
gestaltetes und produziertes Katalogbuch in
limitierter Auflage mit Beiträgen von Monika
Faber und Wilfried Wiegand sowie über 40
Farbabbildungen erschienen.

Carolin Förster





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