Bilderschalchten - 2000 Jahre Nachrichten aus dem Krieg Ausstellung Osnabrueck
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Ausstellung: 22.04.2009 - 04.10.2009

Künstler: Bjørn Melhus, Christoph Schlingensief, Inigo Manglano-Ovalle, Harun Farocki, Christoph Draeger, Martha Rosler, Mischa Kuball, RothStauffenberg, u.v.m.

Veranstalter & Ort:
Institution Erich Maria Remarque-Friedenszentrum
49074 Osnabrueck
Markt 6

STELL DIR VOR, ES IST KRIEG – UND JEDER SIEHT HIN
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Die Ausstellung »Bilderschlachten – 2000 Jahre Nachrichten aus dem Krieg« zeigt erstmals, wie seit 2000 Jahren Nachrichten aus dem Krieg übermittelt werden. Vom reitenden Boten zur Flugschrift, vom Telegrafen zum ersten Fernseher – und heute sogar interaktiv. Aktuelle Medienkunst macht dabei auf den Konsum- und Lifestyle-Charakter der Kriegsbilder aufmerksam.
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In den Schlachtenbildern wurde seit dem 16. Jahrhundert die Perspektive vom Feldherrenhügel gewählt, um das Kriegsgeschehen darzustellen. Im Ersten Weltkrieg ermöglichte die Luftbildfotografie den sogenannten»Teufelsblick« – den Blick von oben auf das Schlachtfeld. Heute ist man als Fernsehzuschauer live im Kampfgebiet dabei.
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Manipulierte Nachrichten
Das Geschäft mit der Information wird seit jeher von den Kriegsparteien, den Regierungen und den Militärs bestimmt. Sie zensieren Nachrichten und versuchen, Journalisten zu instrumentalisieren. Psychologische Kriegsführung gehört zum Krieg, und die Medien sind ein Teil davon. Auch was wir heute aus aktuellen Krisen- und Kriegsgebieten erfahren, stammt oft von Journalisten, die in militärische Strukturen wie Transporte ins Kampfge¬biet, Schutz oder Verpflegung »eingebettet« sind.
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ABER BEGINNEN WIR AM ANFANG:
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Sieg oder Niederlage
Die Nachricht von der verlorenen Varusschlacht brachte ein vermutlich reitender Bote zum Kaiser Augustus nach Rom. In der Antike war es üblich, dass Stafettenläufer und Meldereiter Nachrichten von Sieg oder Niederlage, z. B. auf Papyrusrollen oder Wachstafeln, überbrachten. Wahre Kommunikationsexperten waren die Römer. Sie unterhielten ein Botensystem, das den ständigen Nachrichtenaustausch zwischen den römischen Provinzen ermöglichte.
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Krieg macht Kasse
Erst der Buchdruck im ausgehenden Mittelalter ermöglichte eine massenhafte Verbreitung von schriftlichen Nachrichten. Etablieren konnte er sich auch durch die Nachfrage nach Schlachtenbildern. Denn seit der Neuzeit sind Kriegsbilder gut verkäufliche Waren.
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Im Zweiten Weltkrieg haben Radio und Film, seit den 1960er Jahren das Fernsehen die Berichterstattung über Kriege bestimmt. Kriegsnachrichten garantieren Einschaltquoten. Der Nachrichtensender CNN konnte sich durch Bilder aus dem Golfkrieg 1991 weltweit wirtschaftlich durchsetzen.
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Die vom European Media Art Festival ausgewählten internationalen Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung reagieren kritisch, ironisch oder auch sehr persönlich auf die Kriegsdarstellungen der Medien und befragen deren suggestives und manipulatives Potential. Eine künstlerische Arbeit, die sich mit Nachrichtenbildern auseinandersetzt, ist »All targets defined«. Die Österreicherin Ruth Schnell greift hier die hochentwickelten optischen Technologien der modernen Kriegsführung auf.
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DER KRIEG IST NICHT AUTHENTISCH DARSTELLBAR
Kriegsnachrichten und Bilder gehören seit der Antike zum kulturellen Gedächtnis – und sind seit Jahrhunderten bestimmt durch die die Medien. Trotz der fortschreitenden Informationstechnik war und ist jedoch keine authentische Darstellung von Kriegsrealität möglich. Die junge Künstlerin Evelina Rajca weist in ihrer Arbeit »Lockvogel« auf das hin, was oft ausgeblendet wird: die Folgen des Krieges. Sie zeigt streichelnde Armprothesen.
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3 Orte = 1 Ausstellung
Die Ausstellung besteht aus drei Teilen. Das Museum für Industriekultur widmet sich den Nachrichten aus dem Krieg von der Antike bis zum Ersten Weltkrieg. In der Kunsthalle Dominikanerkirche können sich die Besucherinnen und Besucher über die Entwicklungen im 20. und 21. Jahrhundert informieren. Das Erich Maria Remarque-Friedenszentrum beleuchtet die aktuelle Lage. In jedem der drei Häuser sind künstlerische, technische und historische Exponate zu den einzelnen Stationen zusammengestellt. Oberbürgermeister Boris Pistorius: „Für die Friedensstadt Osnabrück ist diese Ausstellung ein ambitioniertes Projekt. Vier kulturelle Einrichtungen der Stadt schlagen gemeinsam einen Bogen von der Varusschlacht in die Gegenwart. Auf diese Weise wird die Mediengeschichte der vergangenen 2000 Jahre sichtbar. Die Ausstellung macht deutlich, dass in den Köpfen der Betrachter dabei weniger „Bilder von Schlachten“ als vielmehr „Bilderschlachten“ entstehen.“
Außer den bereits genannten Künstlern werden u.a. auch Arbeiten von Lida Abdul, Oliver van den Berg, Christoph Büchel, Christoph Draeger, Harun Farocki, Lynn Hershman, Korpys/Löffler, Bjorn Melhus, Christoph Schlingensief und RothStauffenberg in der Ausstellung zu sehen sein.
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Begleitprogramm und Angebote für Schulen
Im Rahmen der Ausstellung wird es Veranstaltungen und Aktionstage geben, die das Thema Nachrichten aus dem Krieg aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. So wird „Medienkunst und Krieg“ ein Thema des European Media Art Fes¬tivals vom 22. bis 26. April sein. Auch zu den Bereichen „Literatur und Krieg“ und „Medien und Krieg“ wird es Programmpunkte geben. Vom 3. bis 6. September zeigt die für eine breite Öffentlichkeit zugängliche internationale Tagung „Wahrheitsmaschinen“ den Einfluss technischer Innovationen auf die Darstellung und das Bild des Krieges in den Medien und Künsten.
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In unserer von Medien geprägten Gesellschaft nehmen schon Kinder und Jugendliche aktuelle Kriegsereignisse und Terroranschläge wahr. Da über Handy, Internet und Fernsehen Kriegsbilder heute nahezu jederzeit an jedem Ort verfügbar sind, ist es besonders wichtig, sie auf den Umgang mit diesen Bildern vorzubereiten. Nutzen Sie dazu unsere zahlreichen Vermittlungsangebote.
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Alle Termine entnehmen Sie bitte unserem gesonderten Programm oder unserer Internetseite www.bilderschlachten.de.
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Veranstaltungsorte
Museum Industriekultur Osnabrück
Süberweg 50a | 49090 Osnabrück
Busverbindungen: stadtauswärts Linien 81/82, 581/582
(Richtung Hollage), Haltestelle Industriemuseum
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Kunsthalle Dominikanerkirche
Hasemauer 1 | 49074 Osnabrück
Busverbindungen: 11, 12, 13 Haltestelle Rißmüllerplatz
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Erich Maria Remarque-Friedenszentrum
Markt 6 | 49074 Osnabrück
Busverbindungen: 11, 12,13, 21, 31, 33 (Heger Tor); 41, 42, 81, 82, 581-584, 586 (Theater)
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Parkmöglichkeiten
Kunsthalle Dominikanerkirche und Erich Maria Remarque-Friedenszentrum: Altstadtgarage, Nikolaigarage,
Stadthausgarage, Vitihofgarage
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Bilderschlachten Öffnungszeiten in allen Häusern:
Dienstag bis Sonntag 10–18 Uhr
Eintritt für alle Ausstellungsorte:
5 € (ermäßigt 3 €)
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Kontakt:
Claudia Glunz, M.A.
Erich Maria Remarque-Friedenszentrum
Projekt »Bilderschlachten«
Tel.: 0541/969-2440
Fax.: 0541/969-2431
E-Mail: cglunzho@uos.de