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Ausstellung

Ivar Kaasik - SILICON VALLEY – Ausstellung in Berlin

Ivar Kaasik - SILICON VALLEY
Menschendarstellungen von Ivar Kaasik
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Die Malerei des in Estland geborenen und in Berlin lebenden Künstlers Ivar Kaasik umgibt eine Aura des Vergangenen. Viele der Motive und Sujets entstammen einer längst vergangenen Zeit, seien sie beispielsweise ehemaligen politischen Ären aus Ost oder West entnommen oder aber großer Zeiten amerikanischer Filmproduktion. Viele der Motive sind aus Film und Fernsehen oder massen-verbreiteten Printmedien bestens vertraut. Andere wiederum – verlassene Raum- oder Straßenansichten, wie Urlaubsbilder anmutende Gruppenszenerien, Landschaftsdarstellungen oder aber sehr intim wirkende Menschendarstellungen – decken sich mit Erinnerungen oder Erlebnissen des Betrachters oder zeigen sogar Parallelen zum heimischen Fotoarchiv.
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Kaasik erforscht Bildrealitäten. Er wählt Motive, die typisch sind für eine bestimmte Zeit, eine bestimmte Kultur, eine bestimmte Gesellschaft oder sogar eine Gesellschaftsschicht. Da Kaasik seine Motive jedoch wie der Betrachter oftmals nicht aus direkter Anschauung kennt, ist es nicht die Realität selbst, die der Künstler in seiner Malerei darstellt, sondern das reproduzierte Abbild der Realität. Auf diese Weise eignet sich Kaasik zum einen Realitäten an, die er selbst in seiner Biografie nicht erlebt hat, zum anderen reflektiert er Realitäten, die ihn in positiver und negativer Weise geprägt haben.
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Wenn Kaasik sein Oeuvre mit dem Titel Ecce Homo überschreibt, reiht er sich bewusst in diese kunsthistorische Tradition ein: Und tatsächlich übernimmt Ivar Kaasik in seinen Bildern das dem Ecce Homo-Typus inhärente Prinzip: das Zur-Schau-Stellen bzw. das fordernde Demonstrieren. Bei Kaasik kreist das Vorführen zunächst um den Menschen, seine Geschichte/n, seine Lebensumstände und seine Sehnsüchte. Der Blick auf den nackten Männerkörper führt unweigerlich zu einer weiteren Bedeutung des Begriffes „Ecce Homo“: Aufgrund der Ähnlichkeit des lateinischen Wortes homo (Mensch) zum griechischen homos (gleich) wird das Begriffspaar „Ecce Homo“ in der Homosexuellen-Szene mitunter als Wortspiel verwendet, das homosexuell-motivierte Werke und Projekte benennt. Ob Ivar Kaasik dieses Wortspiel impliziert hat oder nicht: der Fokus, der in Kaasiks Halbfiguren auf den männlichen Körper gerichtet wird, entspricht dem Körperkult homoerotischer Vorstellungen.
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In diesem Kontext können auch die Gruppendarstellungen Ivar Kaasiks betrachtet werden. Dort bettet Kaasik sie jedoch in Szenerien ein, die meist ein Kompositum aus ein bis drei männlichen Personen, einem Auto, einem Hund und einer Gebirgs- oder Wasserlandschaft sind. Die Landschaften sind meist in kühlen Farben dargestellt und unterstreichen somit die Stimmung, die zwischen den anwesenden Personen zu herrschen scheint. Denn trotz einer schönen, oftmals erhabenen landschaftlichen Umgebung, scheinen emotionale Kälte oder persönliches Desinteresse die Beziehungen der Anwesenden zu bestimmen. Die Figuren kehren sich meist den Rücken zu und sind nicht nur voneinander distanziert, sondern sogar regelrecht isoliert. Was auch immer die Anwesenden bewogen hat, gemeinsam den gezeigten Ort aufzusuchen, emotionale Bindungen spielen hier keinen Rolle.
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Wenn überhaupt ein Blickkontakt zum Betrachter aufgebaut wird, geschieht dies durch den jeweiligen Hund. Abgesehen von den porträtierten Filmstars, die an ihrer Inszenierung selbst beteiligt sind, gilt dieser Aspekt in fast allen Darstellungen Ivar Kaasiks. Die oben erwähnte Vorführung ist eine passive, sie geschieht nicht durch die Protagonisten selbst, sondern durch eine übergeordnete, ausführende Instanz: den Künstler Ivar Kaasik.
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Insofern entlarven die Figuren und Szenerien in ihren Situation nicht sich selbst, sondern sie werden durch den Blick eines Dritten entlarvt. Die Protagonisten sind sich ihrer irritierenden Situation nicht bewusst. Der Blick, den Ivar Kaasik auf die von ihm porträtierten Bilder wirft, ist jedoch keineswegs ein objektiver. Erst durch den emotionalisierenden und mitunter wertenden Blick des Künstlers wird der Betrachter dazu verleitet, die im Bild dargestellten Gegebenheiten genauer zu betrachten und zu hinterfragen
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Asja Kaspers (auszugsweise)

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