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Man würde es wohl kaum für möglich halten, dass der in New York und Portland ausgebildete Tim Clorius ursprünglich aus der Graffiti- und Street Art-Szene kommt.
Die Bilder für die 'more than meets the eye' betitelte Heidelberger Ausstellung des in Amerika lebenden Künstlers sind inspiriert vom Interesse an der britischen Malerei des 18ten und 19ten Jahrhunderts, dem Surrealismus und der zeitgenössischen Abstraktion.
Die kleinen Formate, der in augentäuscherischer Malweise mit Öl auf Leinen und feinen Pinseln perfekt ausgeführte Arbeiten dienen als Gegenpol und Ausgleich zu den oft extremen Großformaten und leuchtenden Farben der Graffitibilder.
Die Bildanlage folgt ganz den traditionellen Kompositionsschemata. Die formalen Grundlagen mit wunderbar fein gearbeiteten Details gemahnen an Altmeisterge-mälde und suggerieren damit etwas, was inhaltlich bewusst gebrochen wird, denn hier geht es um die Gegenwart, um Themen des modernen Lebens: Politik, Gesellschaftskritik, persönliche Erfahrungen und Erinnerungen.
Die Inhalte sind konzentriert, simplifiziert dargeboten und verbinden zumeist augenzwinkernden Humor mit kritisch-reflektierenden Untertönen, etwa wenn in 'Mail-Order-Bride, not what he Ordered' ein Junker in Rüschenhemd und Kniehosen angesichts des offenkundig soeben ausgepackten üppigen Frauenaktes zum Telefonhörer greift, um die gelieferte ‚Ware’ zu reklamieren.
Um den Aspekt der Kunst als sorgfältig durchdachte Inszenierung mit tieferer politischer, sozialer oder persönlicher Bedeutung hervorzuheben, befinden sich die Protagonisten der Bilder oft sprichwörtlich in einer bühnenähnlichen Umge-bung mit Vorhängen und arrangierten Lichteffekten, so dass das Bildgeschehen dem Betrachter als bewusst inszenierter, surrealer Vorgang erscheint. Der Betrachter ist eingeladen, alle Details zu entdecken und die bildimanenten Geschichten zu enträtseln.