artinfo24
Diese Veranstaltung ist bereits beendet.
Auktion

Glassammlung und Werke der Künstlerfamilie Reidel – Auktion in Heilbronn

Glassammlung und Werke der Künstlerfamilie Reidel
Von der Muse geküsst – Die Künstlerfamilie Reidel und deren prachtvolle Glassammlung

Was die Familie Reidel generationenübergreifend phantasie- und wundervoll seit Jahrzehnten in ihrem Künstlertum zelebriert, davon können die wenigen Sätze eines Artikels nur einen Hauch vermitteln, um sich daraufhin mit dem Wunsch nach einem „Mehr“ tiefergehend mit diesem grandiosen Trio auseinanderzusetzen.
Marlene und Karl Reidel sowie deren älteste Tochter Beate Rose scheinen immer wieder aufs Neue von der Muse geküsst worden zu sein, welche sie über Jahrzehnte hinweg liebevoll und feinfühlig beflügelt hat. Dafür spricht auch ihr internationaler Erfolg: Mit unzähligen Kulturpreisen geehrt, ist das kongeniale Landshuter Künstlerpaar weit über die Grenzen Niederbayerns bekannt und fand weltweit Anerkennung.
Man kennt die Bilderbücher Marlene Reidels und die expressiven Figuren ihres Mannes. Beate Rose setzt die Familientradition als Malerin humorvoller Figurenbilder und dekorativer Fantasievögel fort.
Aufgrund der nahen Verwandtschaft und familiären Beziehung zueinander besteht zwar eine gegenseitige ästhetische Beeinflussung, jedoch konnte sich das jeweilige Oeuvre durch die unterschiedlichen künstlerischen Richtungen seine volle Eigenständigkeit bewahren.

Karl Reidel

1927 erblickt Karl Reidel in Landshut das Licht der Welt. Nach seiner Lehre als Steinbildhauer beginnt er ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München. Es folgen unversiegbar viele Preise und Auszeichnungen, wie beispielsweise der Bayerische Staatspreis. Fast zwangsläufig geschieht die Aufnahme in den Künstlerverband der Neuen Gruppe München. Seit 1957 ist Reidel auf (inter-)nationalen Ausstellungen und
-beteiligungen, von der Biennale bis hin zum Deutschen Künstlerbund vertreten. Sein Atelier und Refugium findet er 1959 in Obergangkofen in der Nähe von Landshut. An diesem Ort errichtet der Künstler 1970 eine eigene Gießerei. Viele Male werden Reidel Retrospektiven gewidmet, die größte 2002. Nur vier Jahre später verstirbt er im Alter von 78 Jahren.
Karl Reidel stattet über 30 Kirchen mit Sakralplastiken aus. Sein Steckenpferd sind jedoch Brunnen und Denkmäler, sowie Gedenk- und Schrifttafeln für den öffentlichen Raum. Nico Deussen beschreibt Reidels Oeuvre folgendermaßen: „In diesem Sinne sind Karl Reidels Plastiken ausgereifte Kompositionen, ein ästhetisch ausgeglichenes Angebot an die Sinne. Allerdings oft auch mit einem Schuss Ruppigkeit [...].“

Marlene Reidel

1923 in Landshut geboren und auf einem Einödhof aufgewachsen, macht sich Marlene Reidel einen Namen als Malerin, Grafikerin, Illustratorin und Kinderbuchautorin, ist aber auch als Bühnenbildnerin und Ausstatterin für das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg tätig.
Sie studiert an der Akademie der Bildenden Künste in München und lernt dort den Bildhauer Karl Reidel kennen, mit dem sie sechs gemeinsame Kinder hat. Weit mehr als die Anzahl von sechs übersteigen ihre Preise und Auszeichnungen, wie beispielsweise der Deutsche Jugendbuchpreis oder der Kulturpreis Ostbayerns. 1997 erhält sie den Bayerischen Verdienstorden.
Hervorzuheben ist ihr Buch Kasimirs Weltreise, welches die New York Times zu den „10 besten Büchern“ gezählt hat. Da liegt es auf der Hand, dass 30 weitere von ihr verfasste Kinderbücher in andere Sprachen übersetzt wurden. Ihr Klassiker Der Gabriel mit dem Zauberstab wird zu den „Schönsten Büchern des Jahres 1964“ gewählt, Anna und die Weiherhex auf der Kinderbuchausstellung in Tokio 1977 zu den zehn besten Büchern kreiert. Ein Klassiker wird auch Der Räuber Kneißl.
Dabei entstehen die ersten Bilderbücher anfangs nur für die eigenen Kinder. Sie illustrieren familiäres Erzählgut und Kindheitserlebnisse. Doch schon bald folgen Illustrationsaufträge für Fernsehfilme der ARD, des ZDF und den BR. Reidels Protagonisten handeln mit Witz und Geschick. Sie entführen ihre zahlreichen und weltweiten Betrachter und Leser in ein Universum des Staunens, Lachens und Erkennens.
Bei so anhaltender Beliebtheit bleiben große Retrospektiven wie die der Jahre 2007 und 2009 natürlich nicht aus.

Beate Rose

Auf gekonnte Weise führt die 1947 geborene, älteste Tochter Beate Rose den künstlerischen Weg ihrer Eltern fort.
Nach dem Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste, setzt sie noch eine Ausbildung an der Staatslehranstalt für Photographie (beides in München) oben drauf.
Ihre Kreativität scheint keine Grenze zu kennen, so dass sich Beate Rose anschließend an der Hochschule für Fernsehen und Film in München einschreibt. Es folgen diverse Regietätigkeiten und redaktionelle Mitarbeit. Anfang der 90er trägt sie als Redakteurin die Verantwortung für das Kinderprogramm der ARD.
Ihre Bilder von Phantasie-Vögeln, von denen der Langewiesche-Brandt-Verlag Ebenhausen Drucke erstellt, erreichen in Japan derartige Beliebtheit, dass von ihnen dort sogar Raubdrucke angefertigt werden.
Seit 2000 betreibt Beate Rose in Landshut eine Galerie und kann seither auf so manche nationalen Ausstellungen und -beteiligungen zurückblicken.

Die Glassammlung der Reidels

Wieder einmal bestätigt sich hier die altbekannte Weisheit „Wer suchet, der findet!“, denn Marlene Reidel findet ihre Gläser anfangs auf Spaziergängen in Wäldern, in denen Bauern ihre Abfälle entsorgt haben. Die in Massen hergestellten Industriegläser wurden früher nämlich achtlos weggeworfen. Karl Reidel spricht sogar von „Flaschenarsenalen“ im Unterholz. So sammeln sich bei den Reidels über die Jahre hinweg mehr als tausend dieser Waldrandfunde in jeglicher Form und Farbe an. Die Familie selbst charakterisiert sich daraufhin als von der Gläserkrankheit infiziert.
Daraus folgend gehören die Reidels zu den ersten Pressglassammlern in Deutschland überhaupt und haben mit ihrem Sammeln dazu beigetragen, dass der Nachwelt ein Stück Kulturgut erhalten blieb. Aus eigentlich achtlos Weggeworfenem wächst über die vielen Jahre eine stattliche Glassammlung heran, die heutzutage jedes Sammlerherz höher schlagen lässt. Die Reidels haben in den letzten Jahrzehnten ein waches Auge und gutes ästhetisches Gespür bewiesen. Um 1950 fängt das Paar schließlich bewusst zu sammeln an: „Es gab da einen Hausierer, den dicken Reitberger. Der fuhr mit seinem Moped in den Dörfern der Landshuter Umgebung herum und verkaufte Putzlumpen und Postkarten. Wir erklärten ihm, was ein freigeblasenes Glas mit Abriss sei, und so brachte er uns über Jahre hin alte Flaschen und Vorratsgefäße zum Preis von etwa 2 bis 10 Mark.“ Welch‘ Glasgötter dieser Familie gesonnen waren! „In den 50er Jahren konnte man in den Tandlerläden Schwabings, der Westenrieder Straße oder auf der Auer Dult Nabelflaschen, optische Viereckflaschen oder Schnapshunde für 50 bis 100 Mark finden […].“ Wir sind „nie mehr für länger verreist, aber wir fuhren, soweit Zeit und Geld es erlaubten, fast jeden Monat einen Nachmittag lang zum „Tandeln“.“ : „Wir hatten da unsere Anlaufstellen. [...]. Um ein paar hundert Mark konnte man von so einer Fahrt ganze Schachteln voll Glas heimbringen. Auch die Flohmärkte waren in den 60er und 70er Jahren noch eine ergiebige Quelle, vor allem für Bauernsilber und Preßglas.“
„Heute haben sich die Zeiten geändert. […] die Tandlerläden und Flohmärkte sind leergeräumt; und ein relativ preisgünstiges, schönes Glas zu bekommen ist schon ein seltener Glücksfall.“ , womit Karl Reidel leider jedem leidenschaftlichen Sammler aus dem Herzen spricht.
Doch wo die vielen Kisten und Behältnisse mit allem Möglichen an Glas unterbringen? „Zehn Jahre lang waren unsere Schätze bis auf wenige Ausnahmen in Schachteln verpackt. Erst nachdem wir 1960 in unser eigenes Haus einziehen konnten, füllte sich allmählich Raum um Raum mit selbstgebauten Holzregalen, und es ergab sich die Möglichkeit, unsere Sammlung wenigstens teilweise aufzustellen.“
In Obergangkofen entsteht so nach und nach eine Wunderkammer an Gebrauchsglas des 19. und 20. Jhs. aus dem Bayerischen Wald und dem Böhmerwald. Es zeichnet sich durch alltagstaugliche Form und zumeist eine Vorliebe für das Dekor aus. Gesammelt wird von den Reidels darüber hinaus auch Formglas des 17. bis 19. Jhs. sowie Gläser des Historismus, Jugendstils und Art Décos.
Ein Inventar von 1988 nennt die Kategorien Flaschen, Vorratsgefäße, Formgläser, Lampenglas, Fachschularbeiten, Lampen, Bierkrüge, Pressglas, Service, Trinkgläser, Karaffen, Konfektschalen, Emailgläser, Alabasterglas, Opalglas, Auflagenglas u.v.m.
„Sammlungen dieser Art werden nicht von Institutionen geschaffen, sondern von höchst sensiblen, phantasiereichen, erfinderischen Individuen, die sich zudem durch Unentwegtheit und unerschütterliche Zielstrebigkeit auszeichnen.“ Diese Zielstrebigkeit haben die Reidels wahrlich bewiesen.
Doch was fasziniert die Reidels eigentlich so am Glas? Es ist die changierende Farbgebung in Licht und Schatten. Sie sehen die „Gläser als geheimnisvolle transparente Kulissen, Rahmen und Behältnisse, Schatztruhen fast für Distel und Löwenzahn, Wicke und Winde, Blüte, Stengel und Samenkapsel. Da ist es ein Einmachglas, dort eine Medizinflasche, Prismaform und Zylinder [...].“
Karl Reidel ist Zeit seines Lebens von der Formbarkeit des Materials Glas begeistert, welche jene seines Arbeitsmaterials Bronze um Längen übertrifft.
Als sich ihm die Möglichkeit bietet, ein eigenes Bild der bayerischen Glashütten zu machen, staunt er nicht schlecht: „Ich war fasziniert von der Arbeit der Glashüttenleute, von ihrem gekonnten Umgang mit der zähflüssigen Glasmasse und dem perfekten Ineinandergreifen der Arbeitsvorgänge.“ „Ich hatte erkannt, welche Phantasie, welcher Farbensinn und vor allem welches handwerkliche Können dazu gehörte, diese zerbrechlichen Wunderwerke zu schaffen.“
Einen Narren gefressen hat Karl Reidel an den volkstümlichen Eingerichten mit ihren Arma-Christi-Darstellungen. Sie sollen nach altem Volksglauben vor unvorhergesehenem Tod schützen und Schwangeren Beistand schenken. Von diesen Flaschen erhielt Karl Reidel so manchen Werkimpuls.
Das Sammlerglück findet in Marlene Reidels Kinderbuch Antonia, das von der Glassammelwut des Ehepaares erzählt, literarischen Niederschlag.
Einen Ehrenplatz erhalten die Glaskinder jedoch in Marlene Reidels Malerei in Form von Stillleben. „Meine Modelle waren sehr oft Gläser, deren Durchsichtigkeiten und Lichtbrechungen mich faszinierten und meine Art zu malen nachhaltig beeinflußten.“
Vor dem Fenster des Ateliers platziert, fangen die Gläser auf wundervolle Weise das Licht ein; Farbspiel, Reflexion und Schattenwurf führen dabei die Regie.
1993 entwickelt sich aus diesem Vergnügen und Beobachten die Landshuter Ausstellung Marlene Reidel: Bilder und Gläser mit großformatigen, farbenprächtigen Glasstillleben, die ihren Vorbildern in der Vitrine gegenübergestellt werden.
Doch schon zuvor, im Jahre 1971, wird das Reidelsche Gebrauchsglas im Bayerischen Nationalmuseum ausgestellt, welches ein Jahr später einen Teil der Sammlung ankauft.
Die Villa Stuck stellt 1991 ebenso Glas der Reidelschen Privatsammlung aus, 1995 schließt eine Ausstellung auf Schloss Theuern an. Das Jahr drauf wird ein weiterer Großteil dieser einmaligen Gläser an das Bayerische Nationalmuseum München übergeben und dort ausgestellt. Den Vorratsgefäßen wird 2002 anlässlich der Retrospektive für Karl Reidel in Landshut eine Bühne gegeben.

Stimmen Sie mit ein in die Glasfreude der Familie Reidel und an ihrem Vergnügen, immer wieder neue Glasschönheiten zu entdecken:
Nahezu die prächtigsten, schimmerndsten und seltensten Kostbarkeiten der Glassammlung Reidel sowie ausgewählte Plastiken und Bilder der Künstlerfamilie präsentiert das Auktionshaus Dr. Fischer in Heilbronn vom 6. – 11. Juni 2010 und bietet denjenigen unter den Besuchern, die genauso wie die Reidels von der „Glaskrankheit“ infiziert worden sind, die Möglichkeit, am 12. Juni die Schätze in der anschließenden Auktion im dann noch dazukommenden Bietfieber käuflich zu erwerben.

Das Auktionshaus Dr. Fischer steht für Qualität und Leidenschaft – und das seit nunmehr über dreißig Jahren. Weltweite Aufmerksamkeit erlangt das Familienunternehmen durch seine spektakulären Verkäufe im Bereich Glas. Es gilt bei internationalen Sammlern, Museen und Händlern seit Jahrzehnten als ein Knotenpunkt für Kauf- und Verkauf des kostbaren Materials Glas. Die dortigen Experten sind anerkannte Größen in diesem Geschäft. Es ist Ihrem Engagement, fundiertem Wissen und den über die Jahre hinweg gewachsenen Kontakten zu verdanken, dass sich jährlich die kostbarsten Glasarbeiten unter dem Dach des idyllisch gelegenen Wasserschlösschens Trappensee in Heilbronn einfinden - so auch die Glasschätze der Künstlerfamilie Reidel.
Mehr erfahren Sie auch unter: www.auctions-fischer.de

Literatur:

K. Reidel: Retrospektive 1948 – 2002, Landshut, 2002.

M. Reidel: Glück mit Glas, Grafenau 1988.

M. Reidel: Kasimir & Co. Bilder Bücher, Landshut, 2003.

M. Reidel: Wie mein Leben so verlaufen ist, Grafenau, Morsak, 1993.

Ingolf Bauer: Glas zum Gebrauch, Ostfildern, 1996.

Weitere Ausstellungen 2010

Auktion Kunstwerke Russischer Kunst, Fabergé und Ikonen
22.04.2010
Auktion Kunstwerke Russischer Kunst, Fabergé und Ikonen
Schmuckes Silber und „zinn“ liches Porzellan
08.05.2010
Schmuckes Silber und „zinn“ liches Porzellan
Glasauktion in Zwiesel
03.07.2010
Glasauktion in Zwiesel
Glas und Form - Europäisches Glas und Studioglas
16.10.2010
Glas und Form - Europäisches Glas und Studioglas