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Lutz Schelhorn präsentiert im Rahmen des Fotosommers Stuttgart sein neuestes Projekt im Haus der Kunststiftung Baden-Württemberg. Die Fotografien, die 2009 und 2010 entstanden sind, zeigen den von Paul Bonatz 1914 erbauten Stuttgarter Hauptbahnhof vor den Veränderungen, die Stuttgart 21 mit sich bringen wird. Lutz Schelhorn dokumentiert in nüchternem Schwarzweiß das architektonisch bedeutsame Bauwerk, und er zeigt die Menschen, die sich darin bewegen. Ein Jahr lang ist Lutz Schelhorn mit einer Großformatkamera aus den 60er Jahren auf dem Bahnhofsgelände unterwegs gewesen und hat Stimmungen, Besonderheiten, Blickwinkel festgehalten, ohne sich in die aktuelle politische Debatte einzumischen. Hier schaut ein Künstler genau hin, entdeckt, was im Moment ist, ohne sich – was die Diskussion um die Zukunft angeht – zu positionieren. Lutz Schelhorn beobachtet: zugewandt, aufmerksam, empfänglich für die Atmosphäre zwischen Kommen und Gehen, Aufbruch und Ankunft, Abschied und Begrüßung.
Er selbst schreibt dazu: Im Wandel der Zeit muss alles schneller gehen. Man möchte schneller von A nach B kommen, alles soll effizienter werden, wird der Zeit angepasst. Kopfbahnhöfe bremsen. Umbrüche werden radikal vollzogen. Auch in der Fotografie. Die digitale Fotografie macht alles einfacher, schneller, bequemer und beliebter. Bisher bewährte Lösungen verschwinden. Und damit deren Vorzüge und Charme. Gerade diese Parallele zwischen dem Kopfbahnhof und der analogen Fotografie im Mittel- und Großformat macht das Projekt so spannend. Mit einer Fachkamera fotografiert man in Ruhe. Ein Foto ist eine Komposition. Es wird ein Ausschnitt bestimmt, das Licht gemessen, Blende und Zeit festgelegt, präzise scharf gestellt, eine Filmkassette eingelegt, der Verschluss gespannt und im richtigen Augenblick ausgelöst. Ein so entstandenes Lichtbild ist keine Auswahl, kein Zufallsprodukt aus einer unendlichen Reihe von geschossenen digitalen Fotos. Die Herausforderung besteht darin, die im und um den Bahnhof arbeitenden, lebenden, reisenden oder sich aufhaltenden Menschen – verbunden oder eingerahmt in die Architektur und den Flair des Gebäudes – auf Film zu inszenieren. Wird der Bahnhof sich erst verändern, ist das Projekt nie mehr durchführbar. Es ist möglicherweise die letzte Gelegenheit, die zwei alten Elemente „Stuttgarter Kopfbahnhof“ und „Analoge Kamera“ zusammenzubringen.