in memoriam: Paul Kuhfuss zum 50.Todestag. Malerei und Arbeiten auf Papier Ausstellung Berlin
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Ausstellung: 09.06.2010 - 09.07.2010

Künstler: Paul Kuhfuss

Veranstalter & Ort:
Auktionshaus Ostdeutsche Kunstauktionen
10243 Berlin
Karl-Marx-Allee 85

In memoriam: Paul Kuhfuss zum 50. Todestag
Malerei und Arbeiten auf Papier

Am 4. August dieses Jahres würde Paul Kuhfuss 127 Jahre alt. Am 24. August 1960 ist er im Alter von 77 Jahren in seiner Atelier-Wohnung im Amalienpark 7 in Berlin-Pankow nach einem fleißigen, arbeitsreichen Leben verstorben. Seitdem gab es eine große Anzahl Ausstellungen, die seine künstlerische Tätigkeit gewürdigt haben. Die wichtigste davon war die große Retrospektive anläßlich seines 100. Geburtstages in der Nationalgalerie 1983. Auch von unserer Seite ist auf einige Ausstellungen zu verweisen. Die Erarbeitung eines Werkverzeichnisses war als Höhepunkt der Würdigung seines künstlerischen Schaffens ausersehen. Dieses Verzeichnis der meisten seiner Malereien, Aquarelle, Mischtechniken, Temperaarbeiten und Zeichnungen konnte nach umfangreichen Recherchen im Jahr 2000, 40 Jahre nach seinem Tod, erscheinen - eine Hommage der Herausgeber an ihn, in der Absicht, sein Werk zu bewahren.
Was aber macht das unverwechselbare Werk des Künstlers aus? An dieser Stelle soll die Kunstwissenschaftlerin Dr. Edith Krull zitiert werden, die den Künstler noch persönlich kannte: „Man erkannte sie (die Arbeiten) sofort am Reiz der eigenartigen, mit großem technischen Können vorgetragenen Farb-

gebung und an der zarten, oft ein wenig verträumten Stimmung..., deren Themen und Motive jedoch stets der Realität des Lebens entnommen waren“.
Paul Kuhfuss war wohl in erster Linie ein Landschafter. Stilleben und Blumenbilder, auch die Porträts, ausgenommen sein Eigenes sowie das seiner Frau und Tochter, waren eher selten. Seine frühen akademischen Arbeiten, die sich am Malstil Adolph von Menzels orientierten, gibt er bald auf. Er gelangt über zunächst impressionistische Elemente und nach dem 1. Weltkrieg in Auseinandersetzung mit dem Expressionismus sowie um 1930 mit den Stilmitteln der Neuen Sachlichkeit zur eigenen, selbständigen Handschrift. Ständige Beschäftigung mit der Natur bringt ihn zu immer neuen Aussagen. Die Verinnerlichung seiner Sicht, führt ihn, dank der souveränen Beherrschung der malerischen Mittel, zu immer neuen intensiven Darstellungen, die den Betrachter in seinen Bann ziehen. Teilhaben lassen am eigenen Erlebnis, erfahrene Schönheit und Sinnerfülltheit von sich selbst auf andere zu übertragen, war ein Hauptanliegen des Meisters. Bei der Betrachtung einer alltäglichen Dorfstraße, von Fischern bei der Arbeit, einem originellen Entenpaar beim Gefiederputzen oder einem verträumt liegenden Waldsee, verlangt er aber auch eine geistige und emotionale Mitarbeit. Das Poetische in seinen Bildern drückt sich in der Verwendung der Farben aus, die immer wieder gemischt, zu einem unverwechselbaren nahezu musikalischen Klang geführt werden. Es sind viele Experimente dabei, nicht um mit Hilfe der Technik oberflächliche Wirkungen, die man heute „chic“ nennen würde, zu erzeugen, sondern es kam ihm immer darauf an, Möglichkeiten zu finden, wie seine Intentionen am reinsten, ehrlichsten und verständlichsten zum Ausdruck gebracht werden können. Es sollte eine Aussage entstehen, welche die Zeit überdauert. Und trotz dieser intensiven Arbeit über sein ganzes Leben und des Bemühens, seine künstlerische Handschrift und Gestaltungsweise zu höchster Aussagekraft zu bringen, wird ihm am Ende seines Lebens klar, daß er, wenn er noch einmal neu beginnen dürfte, wieder ganz anders anfangen würde. So bleibt er für uns ein ewig Suchender nach dem Höchsten in der Malerei und ein Künstler, den seine Kunst zu großen menschlichen Einsichten geführt hat. Seine Naturverbundenheit und sein pantheistisches Credo ließen ihn Werke schaffen, die in einer imaginären Spannung der Natur und dem Menschsein an sich huldigen. Ein Mensch spricht durch sein geschaffenes Bild zu einem anderen Menschen!
Seiner persönlichen Einsicht „der Eigengesetzlichkeit der Kunst“ blieb er sowohl in der Nazizeit als auch in der kurzen Zeit, die er in Ostberlin lebte, treu.
Er war Mitglied des Verbandes Bildender Künstler der DDR, aber auch Mitglied des Vereins Bildender Künstler in Berlin-Charlottenburg. Hier wird er auch Jury-Mitglied und beteiligt sich an den jährlich stattfindenden Grossen

Berliner Kunstausstellungen. Auf der Deutschen Kunstausstellung in Dresden kann er nur zwei Mal ausstellen. Die Jury der dritten Ausstellung nimmt seine Arbeiten nicht mehr an. Die bestehenden politischen Systeme hatten für ihn zwar keine Bedeutung, aber seine Betroffenheit war groß, als er im Osten, wo er ja lebte, nicht mehr, auch nicht als Lehrer, gefragt war. 1954 wird sein Lehramt für Akt, Bühnenbild und Kostümgestaltung an der Textil- und Modefachschule Berlin durch einseitige Kündigung der Fachschule beendet - ein harter Einschnitt zum Ende seines Lebens, sowohl künstlerisch als auch materiell. Man kann nur mutmaßen, daß seine längere schwere Krankheit hier auch seinen Ausgangspunkt gefunden haben kann. Dennoch beugte er sich nicht und blieb sich und seiner Kunst treu. Gerade in dieser Zeit sind traumhafte Zeichnungen und Mischtechniken, auch die phantastischen Knittertechniken, entstanden. Ab 1957 schuf er keine Ölgemälde mehr, seine Kraft reichte dazu nicht.
Schöpferische Arbeit bestimmte das Leben des Berliner Meisters dennoch bis zuletzt. Bis zu seinem Lebensende bleibt sie ein dauerndes Infragestellen des Erreichten, muß immer von neuem beginnen und immer neu stattfinden, um sein Werk zu verständlicher Einfachheit reifen zu lassen.
Wenige Arbeiten, zusammengetragen in längerer Vorbereitungszeit, sind ein Versuch, das Werk des Künstlers in memoriam zu würdigen und zu bewahren.

Ekkehard Hellwich

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08.12.2017 - 19.01.2018
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