Diese Veranstaltung ist bereits beendet.
+Marina Schulze - Blow up/
+Piot Brehmer - Mädchen#
+Eröffnung 15. Oktober 2010/
+Dauer der Ausstellung 15.10. - 20.11.2010#
Die Bilder der Künstlerin Marina Schulze zeigen einen Ausschnitt eines Objekts in derart starker Vergrößerung,
dass man als Betrachter das Dargestellte oft nicht sofort benennen kann. Die damit erzeugte Nähe zum
Detail erfordert eine Distanz zum Bild, um das gesamte Sujet zu erfassen. Zu sehen sind zunächst eigentümliche
Strukturen: Lamellen, Netzgewebe, Gebilde wie unter einem Mikroskop. Mangels klärender Titel ist man als
Betrachter auf seine eigene Vorstellungskraft angewiesen. Dann klärt sich das Bild: Es sind unter anderem Darstellungen
von Pilzen aus verschiedenen Perspektiven und menschlicher Haut, teils bestrumpft. Die gemalten
Formationen haben große räumliche Wirkung. Ungewohnte Blickwinkel und die Vergrößerung ermöglichen
völlig neue Ansichten von alltäglichen Objekten. Als Betrachter steht man überwältigt vor diesen riesigen Formaten
mit den sorgfältig bis in kleinste Einzelheiten gezeichneten Formen und staunt über die Wunder der eigenen
Umgebung und die Kunstfertigkeit der Malerei./
Marina Schulze wurde 1973 in Delmenhorst geboren. Zwischen 1991 und 1994 absolvierte sie eine Ausbildung
als Schauwerbegestalterin. Von 1996 bis 1998 folgte ein Studium der Freien Kunst an der FH Ottersberg
und von 1999 bis 2004 ein Studium an der Hochschule für Künste in Bremen bei Karin Kneffel, Katharina
Grosse und Stefan Kürten. In den Jahren 2004 bis 2005 war sie Meisterschülerin bei Karin Kneffel. Marina
Schulze erhielt zahlreiche Stipendien, so 2001 bis 2005 das Stipendium vom Cusanuswerk, 2004 bis 2005
das Wohn und Arbeitsstipendium der Künstlerstätte Stuhr-Heiligenrode, 2006 das Residenz Stipendium
Berlin und 2007 das DAAD Reisestipendium für Graduierte in Island. Im Jahr 2001 erhielt sie den 1. Preis
“Nordwestkunst 2001” der Kunsthalle Wilhelmshaven.#
Piot Brehmer zeigt junge weibliche Figuren in einem recht kleinen Format. Dieses intime Format korrespondiert
mit den intimen Darstellungen. Für manchen Betrachter mögen die Sujets provokativ und anrüchig wirken.
Doch werden wir heute in den Medien ständig mit derartigen Darstellungen konfrontiert, so dass unseren
Augen solche Bilder hinlänglich bekannt sind. Sicherlich wird hier mit weiblichen Rollen und Motiven von
Sinnlichkeit und Leidenschaften gespielt, auf jeden Fall verleiten diese Bilder zum Hinsehen und genaueren
Anschauen. Es ist, was die Malerei aus und mit der Popkultur macht. Wegen des kleinen Formates muss man
als Betrachter nah ans Bild heran, um alle Einzelheiten erkennen zu können und dringt dabei in die Privatsphäre
der Figuren ein. In der Nahsicht sind auch die unterschiedlichen Texturen und Oberflächenbehandlungen
zu erkennen. Denn nur aus der Ferne wirken diese Arbeiten fotorealistisch, aus kurzer Distanz offenbart
der Pinselduktus die Hand des Künstlers und zeichnet diese Bilder eindeutig als artifiziell aus. In der Kunst von
Piot Brehmer geht es nicht um bloße Kopie der Realität. Der Künstler will die Konzentration auf die Malerei
lenken, die Malerei als Ausdrucksmittel an sich, und nicht das Bild als abbildhaftes Dekorationsobjekt herabgesetzt
wissen. Diese Bilder machen Lust, sie anzusehen. Die sublime Erotik steht dabei jedoch klar an zweiter
Stelle hinter der Ausdruckskraft der Malerei./
Piot Brehmer wurde 1965 in Beuthen geboren. Er studierte Malerei an den Akademien Karlsruhe und Düsseldorf
bei Prof. Markus Lüpertz, er lebt und arbeitet in Düsseldorf. Seine Arbeiten präsentiert er im In- und
Ausland, unter anderem in New York, Barcelona, Santa Monica, Amsterdam und Moskau.#
Nina Hartgenbusch, M.A.