Diese Veranstaltung ist bereits beendet.
Das Werk des griechischen Künstlers Nikos Alexiou gründet sich auf der manuellen und körperbezogenen Umsetzung
mathematischer Konzepte. Fraktale, Strings und weitere, hypothetische physikalische Modelle, die die grundlegenden
kosmologischen Gesetze und physikalischen Fundamentalkräfte bestimmen, werden in die Sphäre der alltäglichen,
menschlichen Erfahrung übertragen. Mit Papier, Bambus und Computergraphik, die die Hauptmedien des Künstlers zu
sein scheinen, werden Objekte einer zyklischen und sich wiederholenden Schönheit erschaffen. Sie verweisen nun
haptisch auf diese kosmologischen Konstanten. Die Entdeckung des Künstlers war, dass solche grundlegenden
mathematisch-physikalischen Konzepte zugleich als Musterübertragung in wichtigen Hochburgen westlicher Zivilisation
zu finden sind. Abbilder des Universums, die als kosmos verstanden werden – was im Altgriechischen Schmuck bedeutet
– finden sich in antik griechischen und byzantinischen Bodendekorationen (wie in der Basilika vom Heiligen Markus in
Venedig oder im Katholikon des Klosters Iviron auf dem Berg Athos – eine der wichtigsten Werkzyklen des Künstlers, mit
dem er den Griechischen Pavillon auf der Biennale von Venedig 2007 bespielt hat). Solche Muster zeugen von der
zugrunde legenden und tief in unserer Erfahrung verwurzelten Poesie der Welt. Nikos Alexiou weckt diese oft vergessene
oder verdrängte Erfahrung wieder auf. Der Betrachter teilt gern die kaleidoskopische Welt der schönen und
mathematischen Komplexität von Nikos Alexiou. Er scheint sich oft an der Stelle des Hauptdarstellers in der bekannten
letzten Szene, die so genannte star gaze sequence in Stanley Kubric’s Film "2001: A Space Odyssey" zu befinden, in der
ihm die Geheimnise der Welt mit einem Blick offenbart werden. Die Wirkung der Werke von Alexiou ist ebenfalls
kaleidoskopartig und labyrinthisch, wie in seinen höchst fragilen Gitterkonstruktionen aus Bambus und feinen,
semitransparenten, spitzeartigen Geweben aus Papier. Die Endlosigkeit der Welt (man sollte in diesem Zusammenhang
ruhig das Wort „Schöpfung“ benutzen) spiegelt sich in dem zeitaufwendigen, sich wiederholenden und handwerklichen
Arbeitsprinzip des Künstlers wider. Nikos Alexious Werk ist ein Versuch, die Welt in einer Art Kartographie voller
assoziationsreicher Deutungen zu erfassen. Licht und Raum in der Galerie werden von den endlosen Linien und
semitransparenten Ebenen des Werks von Alexiou neu gestaltet. ##Text von Dr. Sotirios Bahtsetzis##Abb.: Nikos Alexiou, Atelier, Foto von Panos Kokkinias