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Bild-Räume
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Ein Leuchten erfüllt den Raum. Es umfängt den Besucher, ausgehend von zahlreichen Streifen farbigen Papiers, die sich wie Steine eines Mosaiks oder Fäden einer Tapisserie zu einer prachtvollen Wandarbeit verdichten. Schicht um Schicht der papiernen Fasern hat Katja Pudor an Wänden und Türrahmen befestigt. Ein akribisches Unterfangen und zugleich eine Zäsur im Werk der Berliner Künstlerin, die 2008 mit der im Kunsthaus Bethanien gezeigten Arbeit Je m´appelle .., eingeläutet wurde. Bereits die frühen Projekte bezeugen die beharrliche Auseinandersetzung mit der Frage nach den Entstehungsbedingungen und Wirkmechanismen visueller Darstellungen. Pudors Arbeiten sind als Versuchsanordnungen angelegt. Auf der Grundlage von Skizzen und Entwürfen entwickelt sie zumeist großformatige, raumgreifende Installationen, die Malereien, Grafiken, Assemblagen und Collagen vereinen. Die einzelnen Bestandteile ihrer Cluster werden nur für die Dauer einer Präsentation fixiert. Wiederholt löst die Künstlerin Elemente einer Installation - Scherenschnitte, Zeichnungen, Textilien oder Manuskripte - aus dem Gefüge und arbeitet sie in nachfolgende Arrangements ein.
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Durch die erneute Verwendung werden sie in verschiedenen Kontexten re-aktiviert und beleuchten als Signifikanten unterschiedliche Aspekte eines Themas oder Motivs. Als ´vagabundierende Requisiten´ sind sie zudem Marker eines komplexen Verweissystems, das Vergangenes mit Gegenwärtigem verklammert.
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Je m´appelle .., jene Arbeit, die anlässlich der Ausstellung VON JETZT BIS DANN -
GOLDRAUSCH 2008 des gleichnamigen Berliner Künstlerinnenprojekts gezeigt wurde, markiert einen Wendepunkt. Erstmals experimentiert Pudor hier mit winzigen, in Handarbeit gefertigten Papierstreifen, die sie als Teil einer Installation übereinander schichtet wie das Gefieder eines Vogels. Sie gestaltet Farbflächen, die sich aufgrund der Bewegungsrichtung zu Wirbeln und Strömen verbinden und eine auffällige Dynamik entfalten. Das Gesamtgefüge verschmilzt im Blick des Betrachters zum Schema einer abstrakten Landschaft, wobei der Einsatz der Farbkontraste und Schattierungen malerische Techniken und Prozesse reflektiert.
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Das Verfahren bietet Pudor die Möglichkeit, sich ihrem künstlerischen Ausgangspunkt - der Malerei - sowohl methodisch wie auch thematisch zu nähern. Der Versuch auf der Detailebene der Komposition wird zum Stil prägenden Prinzip, 2009 folgen die Ausstellungsprojekte NORDLEUCHTEN und DEGREES OF FROST. Während die früheren Installationen einer Bühnenästhetik verhaftet sind, die sämtliche Elemente ´in Szene setzt´, behandelt die Künstlerin den architektonischen Raum in ihren jüngsten Arbeiten zunehmend als Bildträger im Sinne eines Gemäldes. Der Umgebungsraum, den sie nach wie vor als Experimentierfeld begreift, wird in diesem Verständnis zur Leinwand, die sie anstelle des Pinsels mit Klebstoff und Papier bearbeitet. Der Zuschnitt und die Linienführung der Papierstreifen ahmen den Pinselduktus nach. Einer malerischen Konzeption verpflichtet, sind Pudors Arbeiten perspektivisch gestaffelt, aufeinander folgende Räume fügen sich optisch zu einem Gesamtbild. Besonders augenfällig wird diese Form der Strukturierung, wenn Türöffnungen oder Zwischenwände als Gestaltungselemente integriert werden. Der ideale Betrachterstandpunkt verschiebt sich folglich in den Außenraum, wobei Fenster und Portale, die den Blick auf das Gebäudeinnere freigeben, als Bildrahmen funktionieren.
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Die Aneignung von Konstruktionsprinzipen der Malerei und deren Übertragung auf installative Praktiken ist methodisch an eine Analyse des künstlerischen Arbeitsprozesses gekoppelt. Nicht zuletzt die auf der Mikroebene der Papierstreifen erkennbaren Spuren des Farbauftrags, die Schraffuren der Pinselführung, verweisen als Zeichen fortwährend auf den Vorgang der Fertigung. Die Werkgenese wird bei Pudor zum Reflexionsgegenstand - eingespannt in eine betörend sinnliche Poetologie der Farben und der Formen.
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Annette Gentz