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BELLAFIGURA
begleitet von Ulrich Kavka
Wer kennt nicht die immerfort währende Suche nach der „Schönen Gestalt“? Aufgeprägte und manchmal nur aufgeputzte Menschensucht seit Anbeginn: so oder so oder so! Spiegel der Erscheinung. Spiegel der Seele. Glaube und Selbstbetonung, Hoffnung und Beharrlichkeit, Hingabe und Erfüllung in einem. Die zu verbindlicher, unverwehrter Form drängende menschliche Natur folglich. Solche Ereignisse sind gleichermaßen vorübergehend wie dauerhaft und in demselben Maße persönlich einseitig wie vielseitig gesellschaftlich. Also schön und wahr zugleich, häufiger als vergänglicher Zeitgeschmack – seltener als zeitlose Kunst!
Auch Christina Renker und Heidi Lamira Woitinek bekunden das Phänomen des ewigen, symbolischen Zustroms anschaulich. Gemeint sind die nicht immer nur bewusst ausgewählten aber wesentlich scheinenden Enthüllungen - oder Offenbarungen - aus dem unendlichen Reservoir von Gleichgültigem! Die eine, die Keramikerin, mit bemalten und monochromen Terrakotten, geschaffen durch wortwörtlich feurige Kräfte. Und die andere, die Malerin, gelenkt durch die Magie geheimnisvoll wirkenden bildnerischen Selbstbefragungen im Defilee von Mirakel, Bekenntnis, Erfahrung und Bestimmung. Und das eine wie das andere kann man auf den kolossalen Reichtum der Natur im allgemeinen und ebenso auf die inneren Antriebskräfte der Künstlerinnen zurückführen. Indessen, die Kunstwerke beider verkörpern eine so bezügliche, eigentlich nur ihnen letztmögliche, nämlich unverkennbare Klarheit, freilich behaftet mit geständig aufschlussreichen, individuell stilistischen Fassungen, sozusagen als Abbilder der anmutigeren Hälfte von Weltbetrachtung, eben in tatkräftig angestrebter schöngeistiger Gestalt: Subtile farbig figürliche Flächenmalerei alla prima und plastisch Figürliches, nun als jeweils eigene Deutungen, als Sinnbilder oder Sinnbildnisse, als fremde, rätselhaft einsichtige Landschaften, als okkultische Stillleben, als Torsi weiblicher Körperlichkeit, als büstenhafte Signaturen für Menschengesichter. Auch wenn die Farb- und Formrhythmen bisweilen unwägbare, ja urgründig stille Verschlossenheiten reflektieren, so neigen sich die Botschaften hin zu Huldigungen nicht nur an das Zustimmung suchende im Wortsinn Bildschöne. Vielmehr müsste man zudem den Werken eine Art Heilbefugnis einräumen, nämlich mit Rücksicht auf ihre beachtlich ansehenswerten Beihilfen zu durchaus freundlich besinnlichen Einstimmungen der Gemüter, der Herzen, der Seelen, …. – mit bildnerischen Mitteln selbstverständlich. Beschenkt werden also diejenigen, die ihre inneren Verfassungen für Momente oder auf Dauer aufhellen wollen, um sich so, jedenfalls auf Zeit, zu lösen – oder zu stärken? – von den alltäglichen Verantwortungen. Freilich, jeder Betrachter sieht, was er sieht. Und alles ist Meinung, sagt man. Aber auch die Kunstwerke sind, wie sie sind: Ihre einmalige Ursprünglichkeit bedeutet immer auch Ungleichartigkeit. Das vor allem bezieht sich auf den Reichtum von Form und Inhalt. Und so gesehen muss niemand Angst vor Sprachlosigkeit haben. Schweigen? Ja sehr! Um in Ruhe zu schauen. Doch niemals in Reglosigkeit, auch nicht in strenger, unabänderlicher Stille. Schon eher, im günstigen Falle, ist vielleicht Unruhe zu spüren - von Innen her. Ja, man muss auch glauben können oder wollen, dass die Kunstwerke von Christina Renker und Heidi Lamira Woitinek die bildhaften Beurkundungen auch der eigenen Erinnerungen, ebenso wie der eigenen gegenwärtigen Wahrnehmungen, sind.
Abbildung: Christina Renker: (v.l.) Kopf mit grünen Augen; Kleine Büste; Großer Kopf, Terracotta bemalt