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Ausstellung

BERLINER LEGENDEN Charlotte E. Pauly - Arno Mohr - Herbert Tucholski – Ausstellung in Berlin

BERLINER LEGENDEN Charlotte E. Pauly - Arno Mohr - Herbert Tucholski
Es ist beinahe paradox, daß Charlotte E. Pauly, Arno Mohr und Herbert Tucholski zu denjenigen Künstlern gehören, die bis heute den größten Einfluß auf spätere Künstlergenerationen ausüben. Paradox, weil alle Drei eine Eigenschaft eint, die im heutigen Kunstbetrieb eher selten anzutreffen ist. Die Bescheidenheit! Bereits zu ihren Lebzeiten waren die drei Künstler Legenden. Ihre Vorbildwirkung bezog sich weniger auf das formal Künstlerische, als vielmehr auf ihre Geradlinigkeit, ihre Sensibilität und Zurückhaltung, die auch in ihren Arbeiten tiefen Ausdruck findet. Charlotte E. Pauly, eigentlich Malerin, war seit dem Jahr 1925 eine rastlos Suchende. Sie reiste nach Spanien und Portugal, streifte durch den Orient und hielt Erlebtes und Erfahrenes in Ihren Bildern fest. Nicht das Exotische und Oberflächliche interessierte die Künstlerin, vielmehr lebte sie mit den Bauern, den Fischern und Zigeunern - immer auf der Suche nach der harmonischen Einfachheit des Lebens, die sie in ihren Blättern beschwört. Erst im hohen Alter von 70 Jahren erlernte sie von Herbert Tucholski die Kunst der graphischen Techniken. Ihren Themen blieb sie bis zu ihrem Tode treu. Die jungen Künstler fühlen sich zur „alten Pauly“ nicht nur wegen deren Lebenserfahrung hingezogen, sondern weil die Sehnsucht nach Ursprünglichkeit, nach dem erdverwachsenen Menschen wieder aktueller denn je ist. Herbert Tucholski wurde vor allem durch seine im legendären Atelierhaus Klosterstraße verbrachte Zeit, geprägt. Tucholski war der Jüngste der Künstlergemeinschaft um Käthe Kollwitz, Werner Heldt und Werner Gilles. Er nahm die Lehre seiner verehrten Freundin Kollwitz gern an, daß sich Können in Bescheidenheit zeigt. Sein späteres Wirken als Mentor für Graphik am Institut für bildende Kunst und seine Tätigkeit als Leiter der Zentralen Werkstatt für Graphik waren davon geprägt. In seinen Arbeiten wird nicht der Augenblick festgehalten, nicht die bloße Erscheinung, sondern deren Dichte und Dauer. Eine architektonische Klarheit und Festigkeit steht im Kunstwerk selbständig gegenüber der Natur und verleiht diesem Klassizität und Zeitlosigkeit. In Erinnerung wird Herbert Tucholski auch wegen seines Büchleins "Bildfläche und Maß" bleiben, in dem er sein Wissen um die graphischen Techniken und die Kompositionen seiner Arbeiten für die folgenden Künstlergenerationen bewahrte. Die "Großstadtwiese" Berlin ist Arno Mohrs Revier. Sein Thema ist der Kiez mit seinen Hinterhöfen und Plätzen, den Eckkneipen und Cafés. Vor allem um das scheinbar Unbedeutende geht es Mohr. In seinen Arbeiten bannt er das Alltägliche mit leisem Spott auf Papier und läßt das Flüchtige im Leben zu kleinen Kostbarkeiten werden. So entsteht der See mit Enten, das Kind mit Kreisel, eine alte Drahtbrille, der Teppichklopfer; oft mit wenigen Strichen und unspektakulär. Seinen Studenten am Lithostein lehrte der Meister über viele Jahre, daß Kunst doch gerade durch das Ungefällige stark ist. Daß Künstler, die Zeit ihres Lebens keinerlei Zugestädnisse an Zeitgeschmack und Kunstmarkt machten, zu BERLINER LEGENDEN wurden, ist am Ende wohl auch mit Arno Mohrs Erkenntnis zu erklären: „Entweder Du hast es in Dir, oder Du hast es nicht“.

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