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Die Galerie Karsten Greve widmet John Chamberlain, einem der bedeutendsten Bildhauer Amerikas, eine umfangreiche Einzelausstellung seines fotografischen Werks. John Chamberlains plastische Arbeiten entstehen seit Anfang der 1960er Jahre meist aus farbig lackierten Stahlblechen und reichen von kleinformatigen, fragilen Assemblagen bis zu großen, raumgreifenden Skulpturen. Seit 1977 widmet sich John Chamberlain ebenfalls der Fotografie. Die Galerie Karsten Greve, die Chamberlain seit über 30 Jahren vertritt, hat die Fotografien zusammen mit den Skulpturen kontinuierlich vorgestellt und zeigt nun erstmals die Fotografien in einer übergreifenden Ausstellung von den 1980er Jahren bis in die Gegenwart.
John Chamberlain arbeitet mit einer Panoramakamera (wide-lux-camera), die einen extrem großen Bildwinkel von 150 bis 360 Grad erfasst. Die Kamera, die ursprünglich im 19. Jahrhundert für Landschafts- und Städtedokumentationen entwickelt wurde, ist zudem mit einem beweglichen Objektiv ausgestattet. Ein breites, querformatiges Filmstück wird bei der Aufnahme während des Schwenks des Objektivs sukzessive belichtet. Während der Belichtung dreht und schwenkt Chamberlain die Kamera ohne durch den Sucher zu sehen. Er fotografiert unterwegs auf Straßen und öffentlichen Plätzen, in Restaurants oder in seinem Atelier und im privaten Umfeld und entwickelt die Fotografien im Studio selbst. Durch die Bewegung während der Aufnahme werden Raum und Perspektive jedoch so deformiert, dass sich dem Betrachter gewohnte Orientierungspunkte entziehen. Die Motive scheinen sich in schwerelose Wellenmuster aus Bewegungen, Lichtern und Farben aufzulösen. Chamberlain komponiert auf diese Weise erstaunliche Phantasiewelten, in denen er Volumina und Materialstrukturen der Objektwelt relativiert. In dieser „Biegung des Raumes“ wird eine grundlegende Parallele zu den Gestaltungsprinzipien seiner Plastiken deutlich.
Chamberlains künstlerisches Werk folgt keinem vorgefassten Plan. Seine Skulpturen und Fotografien sind das Resultat einer beherrschten und instinktsicheren Improvisation. Keine seiner Arbeiten ist einer bestimmten Richtung verpflichtet oder soll Seriencharakter haben, sondern jede ist absolut, einzig in ihrer Art. Obschon Chamberlains Titel zuweilen persönliche oder autobiographische Assoziationen nahe legen, sind sie nicht als Brücke für deren Verstehen zu verwenden. Sie mögen zwar dem Werk einen allgemeinen Gefühls- oder Vorstellungsrahmen verleihen, doch sind sie vornehmlich Wortkombinationen oder Wortspiele, die den Künstler amüsieren oder interessieren.
John Chamberlain wurde 1927 in Rochester, Indiana geboren. Er lebt und arbeitet in Shelter Islands Heights, New York. Seine mehr als 40 Jahre umfassende künstlerische Tätigkeit wurde von zahlreichen bedeutenden Ausstellungen begleitet: 1961 ist er auf der Biennale in São Paolo sowie 1964 auf der Biennale in Venedig vertreten, bevor ihm jeweils 1976 und 1986 Retrospektiven im Guggenheim Museum in New York und im Museum of Contemporary Art in Los Angeles gewidmet werden, gefolgt von bedeutenden Ausstellungen in der Kunsthalle Baden-Baden (1991) und im Stedelijk Museum Amsterdam (1996). 2012 zeigt das Guggenheim Museum New York die erste umfassende Retrospektive auf das Gesamtwerk: „John Chamberlain. Choices“ (24.2. – 13.5.2012).
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