Die Sammlung in Aktion. Mediale Werke von Vito Acconci bis Simon Starling Ausstellung Bozen
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Ausstellung: 26.11.2011 - 16.09.2012

Künstler: Vito Acconci, Mario Airò, Allora & Calzadilla, Gerard Byrne, Tacita Dean, Elmgreen & Dragset, Michael Fliri, Peter Friedl, Francesco Jodice, Korpys/Löffler, Krüger & Pardeller, Deimantas Narkevičius, Walid Raad / The Atlas Group, Simon Starling, Jana Sterbak

Veranstalter & Ort:
Museum Museion für moderne und zeitgenössische Kunst
39100 Bozen
Dantestr. 6

Zeitgeschichte, Literatur, Science Fiction, Politik, dazu Gegenwart – im Zerrspiegel betrachtet: Das sind Themen der Ausstellung Die Sammlung in Aktion. Mediale Werke von Vito Acconci bis Simon Starling, die am 25. November im Rahmen der Langen Nacht der Bozner Museen im Museion für moderne und zeitgenössische Kunst eröffnet wird. Der thematischen Vielfalt entspricht die Vielzahl der eingesetzten Medien: Video- und Filmprojektionen, Licht- und Soundinstallationen, performativ bespielte oder sich bewegende Objekte. Mit anderen Worten: Arbeiten, die – einmal aus den Museumsdepots in die Ausstellungsräume gebracht und dort „installiert“ – sich selbst und das Publikum „aktivieren“. Zu sehen sind Werke aus der Sammlung des Museion, darunter zahlreiche Arbeiten, die hier zum ersten Mal öffentlich gezeigt werden.

Die Ausstellung beginnt mit der Videoinstallation From Here to There (2003) von Jana Sterbak – Filmsequenzen aus Montreal und Venedig, die mit einer an einem Hund montierten Miniatur-Videokamera aufgenommen und drahtlos an ein Bildspeichergerät übertragen wurden. Das Tier läuft durch die Gassen Venedigs und durch eine kanadische Stadtlandschaft. Das Ergebnis ist ein Blick auf die Welt aus 35 Zentimetern Höhe, der hier automatisch zur Perspektive des „aktivierten“ Zuschauers wird. Die „aktive“ Auseinandersetzung mit künstlerischen Positionen ist ein Leitmotiv der Ausstellung – von Gerard Byrnes Aufarbeitung von Science-Fiction-Visionen aus den sechziger Jahren (1984 and Beyond, 2005–2007) bis zu der von Simon Starling komponierten Verbindung von Kunst und Wissenschaft in Particle Projection (Loop) (2007).

Es gibt daher unterschiedliche Vorgehensweisen, wenn es darum geht, sich dieser „aktivierten“ Kunst „aktiv“ zu nähern. Der Künstler gibt hier nicht mehr den Standpunkt vor – der „aktive“ Betrachter ist zwar „frei“, steht aber, auf sich allein gestellt, auf schwankendem Boden. Seine Weltsicht bleibt, anders als in der „klassischen“ Zentralperspektive, individuell und fragmentiert.

Mit seiner raumfüllenden Skulptur Sediments Sentiments (Figures of Speech, 2007) analysiert das Künstlerduo Allora & Calzadilla das Verhältnis zwischen Krieg und Klang, oder die Verwendung von Musik und Text in bewaffneten Konflikten. In einem sperrigen Gipsobjekt, das an ein Kriegsrelikt erinnert, interpretieren Opernsänger Fragmente politischer Reden – im Museion ist die „aktivierte“ Performance am 25. November um 20.30 und 22.30 Uhr zu hören.

Der von US-Truppen im Zweiten Weltkrieg nach Italien importierte Swing steht im Mittelpunkt der ironischen Installation Another Candy Bar From G.I. Joe (1977/2008) von Vito Acconci. Der Künstler hat einen Raum in den Farben der US-Flagge eingerichtet, in dem eine Schaukel hängt und ein Sprecher einen „kleinen Neapolitaner“ auffordert, nach der Musik des „amerikanischen Soldaten“ zu tanzen. Die Installation Figures of Speech or The Dream Machine von Krüger & Pardeller transformiert das Buch Die Kultur des neuen Kapitalismus von Richard Sennett in eine technisch aufwändige Choreographie für 60 Aluminiumplatten. Parallel dazu spielt der Jazz-Pianist Nikolaj Hess eine sechzehnminütige Komposition, zu der ihn die Lektüre von Sennetts Studie über den new capitalism inspiriert hat. Krüger & Pardeller und Nikolaj Hess stellen ihre Performance am 25. November um 21.30 Uhr in Bozen live vor.

In seiner Installation Out of the Shadows (2004–2006) befasst sich der Österreicher Peter Friedl mit der komplexen Geschichte Zyperns. Der Künstler greift dabei auf Texte, Puppen, Fotografien und Filmmaterial zurück. “Io posso trovare fantasie dove non c’è nessuno”, 2011 ist der Titel eines weiteren ausgestellten Werks von Friedl – eine große weiße Neonschrift, die einen Satz aus den Gefängnisheften (Quaderni dal Carcere, 1928-1937) von Antonio Gramsci wiedergibt.
Das Museion zeigt die Installation Automation is dead des jungen britischen Künstlers Haroon Mirza, der im Rahmen 54. Biennale von Venedig mit dem Silbernen Löwen ausgezeichnet wurde, und das Auftragswerk A Change of Mind von Elmgreen & Dragset – eine ironische Betrachtung der wechselhaften Entscheidungsfindung in kommunalen Verwaltungen. Dazu kommen filmische Werke wie Dubai Citytellers, 2010, von Francesco Jodice, Once in the XX century, 2004, und Revisiting Solaris, 2007, von Deimantas Narkevičius sowie Hostage. The Bachar Tapes, 2001, und I Only Wish That I Could Weep, 2001, von Walid Raad/The Atlas Group, die im Projektionsraum gezeigt werden.

Eine Arbeit – die 2005 für das Museion entstandene Lichtinstallation M’illumino d’immenso von Mario Airò nach dem Gedicht von Giuseppe Ungaretti – wird auf die Fassade des Atelierhauses projiziert und steht dabei für mehrere Sammlungsschwerpunkte des Hauses. So kennzeichnen Lichtelemente und das Verhältnis von Bild und Text zahlreiche Arbeiten aus den Depots, die – als „aktivierte“ Kunst für „aktive“ Betrachter – die Ausstellung Die Sammlung in Aktion prägen.

Schließlich umfasst die Ausstellung auch die Medienfassade des Museion, für die Michael Fliri das Video the unseen looks like something you have never seen, 2011 konzipiert hat. „Das Unsichtbare sieht aus wie etwas, das du nie zuvor gesehen hast“: Der Titel des vom Künstler für das Museion konzipierten Werks erscheint wie ein tautologisches Spiel im Kontext des Sichtbaren und Unsichtbaren und spielt damit auch auf die Vorstellungskraft des Betrachters an, die in der Kunst immer mit „aktiviert“ wird.


Foto: Francesco Jodice: Dubai_Citytellers, 2010;
Sammlung Museion, Bozen; Courtesy Studio Francesco Jodice

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