Diese Veranstaltung ist bereits beendet.
Abbildung: Rinder, Mischtechnik, um 1990, 34 x 39
cm, verso Nachlassstempel
Im Sommer dieses Jahres präsentierten wir in
unserem Haus die vielbeachtete Ausstellung
„Manfred Böttcher: Malerei!”. Zu sehen war eine
kleine, aber dennoch repräsentative, Auswahl von
Ölbildern. Beginnend mit Arbeiten aus der
„schwarzen Periode” ab 1955 bis hin zu den meist
großformatigen Werken der fruchtbaren
Schaffensphase der späten 1980er und 1990er
Jahre. Das Publikumsinteresse war enorm.
Zahlreiche Ölmalereien fanden neue Besitzer. Sicher
gehört der Maler Manfred Böttcher nicht nur zu den
wichtigsten Künstlerpersönlichkeiten der
sogenannten „Berliner Schule”, sein Einfluss auf die
gesamte ostdeutsche Szene ist darüberhinaus
unbestritten. Dennoch bildet die Malerei das
künstlerische Schaffen Böttchers nur unzureichend
ab. Möchte man begreifen, was den Menschen
Manfred Böttcher Zeit seines Lebens umgetrieben
hat, sollte der Beobachter sich nicht allein auf das
malerische Werk des Meisters fokussieren, sondern
sich auch mit dem zweiten wesentlichen Teil seiner
Kunst beschäftigen:Der Zeichnung!
Anders als viele seiner Malerkollegen, benutzt der
Meister die Zeichnung nicht als bloße Skizze. Sie
dient ihm nicht zum Hereinarbeiten und zum
Einfühlen in ein ihn interessierendes Thema, das
sein gestalterisches Ziel erst mit dem vollendeten
Ölbild erreicht. Vielmehr steht bei ihm die
Zeichnung gleichberechtigt neben der Malerei. Dem
Erlebten künstlerisch Ausdruck zu verleihen, ist für
Böttcher eine innere Notwendigkeit - egal ob mit
Pinsel, Feder oder Kohle. Während bis in die späten
1960er Jahre hinein, die Verehrung Böttchers für
Cézanne sowohl in der Malerei als auch in seinen
Aquarellen (“Stilleben mit Zwiebeln und
Einweckglas“, „Stilleben mit Kartoffeln“)
künstlerischen Ausdruck findet, beginnt der
Künstler in der Zeichnung beinahe zeitgleich einen
anderen Weg zu beschreiten: den der Verknappung
und des Weglassens. Beispielhaft seien hier die
Federzeichnungen „Pierrot und Harlekin” und seine
Aktdarstellungen genannt. Nie landet er jedoch in
der Abstraktion.
Wie ernsthaft sich Böttcher an das Lösen
gestalterischer Probleme machte, ist - ebenso wie
in seiner Malerei - bei den Arbeiten auf Papier zu
beobachten. Nicht selten schuf der Künstler
mehrere Fassungen eines Motivs, auch um die
verschiedenenMöglichkeiten derDarstellung
emotional zu vertiefen. Stellvertretend hierfür
können wir die Kreidezeichnungen „Im U-Bahnhof“
und „Wartende am U-Bahnhof” aus derMitte der
1980er Jahre präsentieren. Aber auch seine Reisen
auf die „Fährinsel“ vor Hiddensee wurden von ihm
wieder und wieder reflektiert. Wer das Werk
Manfred Böttchers begreifen möchte, muß auch
seine Zeichnungen gesehen haben. Frank Diersch,
der im Sommer die bewegende Eröffnungsrede in
unserem Haus hielt, brachte es auf den Punkt: „Ich
erlebte die Heraufbeschwörung und Gegenwart von
etwas Zeitlosem, von der Idee des Bildes, vomWesen
der Malerei.” Das gilt zweifellos auch für Manfred
Böttchers Zeichnungen und Aquarelle.
Zur Vernissage am Donnerstag, den 27.September
sind Sie herzlich eingeladen. Die
Verkaufsausstellung ist bis zum 19. Oktober 2012
zu besichtigen.
Unsere 39. Versteigerung findet am Samstag, den
17. November 2012 in unseren Geschäftsträumen
statt.