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Gotthard Graubner, mit dem die Galerie Karsten Greve seit über zwanzig Jahren zusammenarbei-tet, gehört mit seinen „Farbraumkörpern“ zu den international bekanntesten zeitgenössischen deutschen Künstlern. Parallel zu den Leinwandarbeiten und Farbraumkörpern ist seit den 1950er Jahren ein reiches grafisches Werk gewachsen, das Zeichnungen und Aquarelle umfasst und seine besondere Qualität in der Malerei auf Papier offenbart. Schwerpunkt der Ausstellung bilden die aktuellen Papierarbeiten auf Nepalpapier mit ausgewählten älteren Arbeiten, die den Blick retro-spektiv ergänzen.
Farbe ist das zentrale Thema der Malerei Gotthard Graubners. Farbe steht für sich, besitzt eigenes Leben, eigenen Ausdruck. In seinen Bildern konzentriert sich Graubner meist nur auf einen Farb-bereich, dessen Nuancen er aufschlüsselt und agieren lässt. Zwischen ihnen entstehen Spannun-gen und Harmonie. Die Farbe wird in vielfältigen Nuancierungen aufgebrochen, in zahlreichen Lasuren aufgetragen. Sie verläuft, verschwimmt, überdeckt, verschleiert, umkreist. Sie sickert in den Bildträger, durchtränkt ihn und verbindet sich mit ihm. Die Papiergründe können dabei zartes Velin sein, das in Verbindung mit Aquarellfarben eine schwebende Wirkung hat, aber auch saug-fähige handgeschöpfte Papiere, die sich mit den kräftigeren Farben der Gouache oder Ölfarbe verbinden. Graubners ungebrochene Experimentierlust hat mit geschichteten Zellstofflagen in den 1970er Jahren auch dem kleinen Format räumliche Qualität gegeben. Die handgeschöpften Papiere aus Nepal, die Graubner seit den 1980er Jahren verwendet, besitzen eine eigene Körper-lichkeit. Auf dem rauen Papier, dessen Fasern ein starkes Eigenleben zeigen, überlagern sich vie-le Farbschichten in abwechselnd kühlen und warmen Tönen und bilden ein vibrierendes Gewebe. Durch Wassereinwirkung entsteht ein lebhaftes Papierrelief, das die organische Struktur noch verstärkt. In der Verbindung des Papiers mit den Farbflüssen bildet sich eine lebendige Oberflä-che, die Raumtiefe und organische Wirkung entfaltet.
Gotthard Graubner wurde 1930 in Erlbach (Vogtland) geboren. Zahlreiche Einzel- und Gruppen-ausstellungen im In- und Ausland zeigen die internationale Anerkennung. Graubner war Teil-nehmer auf der documenta 4 und der documenta 6 und repräsentierte Deutschland 1982 auf der Biennale in Venedig. Seine Arbeiten befinden sich in bedeutenden öffentlichen und privaten Sammlungen. Gotthard Graubner lebt und arbeitet in Düsseldorf und auf der Museum Insel Hombroich.