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Bertold Stallmach setzt sich in seiner Arbeit mit den Bedingungen des menschlichen Daseins in seiner materiellen und sozialen Dimension auseinander. In seiner Einzelausstellung bei Cruise & Callas zeigt der 1984 in Quthing, Lesotho, geborene Künstler unter anderem seine Skulptur „Warten auf den 9 Uhr Witz“, die den Mechanismen und Funktionen des menschlichen Körpers die Interaktion einer kollektiven Intelligenzform einverleibt.
Der Blick der großen, auf dem Boden ausgestreckt liegenden Figur ist nach vorne gerichtet, ihr Mund ist geöffnet. Auf den Gelenken und den lebenswichtigen Organen ihres Körpers befinden sich Vasen mit Kuben aus Plexiglas, die von Ameisen bevölkert sind. Losgelöst von den Vorgängen im Ameisenstaat beobachtet das geistige Zentrum der Figur seinen organischen Körper. Dem drohenden Verfall – die einzelnen Organe und Gelenke können entnommen und separat verkauft werden – begegnet sie, indem sie alle 20 Minuten einen Witz erzählt. Der Beziehung zwischen Geist und Körper der Figur stellt Stallmach die Prozesse und die Funktionsweise der kollektiven Intelligenz der Ameisen gegenüber.
Diese Parallelität nimmt der Künstler auch in seinem Animationsfilm „Hugo and the war fart“ wieder auf. Anhand der individualisierten Ameise Hugo schildert der Film die kollektiven Abläufe und Entscheidungen, die in einem Ameisenhaufen getroffen werden. Als einzelne Teile agieren die Ameisen mit eingeschränkter Unabhängigkeit und erfüllen ihre jeweiligen Aufgaben zielgerichtet, aber erst durch die Gesamtsumme ihrer Bewegungen ergibt sich ein funktionierendes Ganzes. Diesem organischen Prinzip setzt der Künstler das Zusammenspiel der Zellen im menschlichen Körper gegenüber. So lassen sich auch hier die Vorgänge und Entscheidungen auf materialistische Gesetzmäßigkeiten zurückführen. Die Antwort auf die Frage aber, welche Instanz letztlich die geistige Verantwortung trägt und welchen Stellenwert die immaterielle Idee besitzt, bleibt offen.
In dem Animationsfilms „Der Rattenkönig“ widmet sich Stallmach weniger den materiellen Mechanismen, im Fokus steht hier das soziale System, in das der Mensch eingebettet ist. Der Blick des Zuschauers folgt dem Unglück von sieben Knetfiguren. Fünf an den Schwänzen zusammengewachsene Ratten, ein Phänomen, das in der Biologie als „Rattenkönig“ bezeichnet wird, verkörpern als eine Art böses Omen die fünf Feinde der Protagonisten – Pech, Verzweiflung, widrige Umstände, Ohnmacht und die Respektlosigkeit der Mitmenschen. Sie heften sich an jene Filmfigur, die von dem meisten Unglück umgeben ist, und zwar solange, bis einem anderen mehr Unglück widerfährt. Nicht indem die Figuren ihre Situationen verbessern, sondern indem sie aktiv anderen mehr Schaden zufügen, befreien sie sich vom Rattenkönig.