PAPERWORLDS Ausstellung Berlin
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Ausstellung: 21.01.2014 - 11.05.2014

Künstler: Norbert Bisky (*1970), D John Bock (*1965), D Laura Bruce (*1960), USA Robert Elfgen (*1972), D Axel Geis (*1970), D Thomas Helbig (*1967), D Uwe Henneken (*1974), D Michael Kunze (*1961), D Olaf Holzapfel (*1969), D Andy Hope 1930 (*1963), D Michael Sailstorfer (*1979), D Via Lewandowsky (*1963), D Jonathan Meese (*1970), D Tal R (*1967), DK Yehudit Sasportas (*1969), IL Katja Strunz (*1970), D Rosemarie Trockel (*1952), D Ralf Ziervogel (*1975), D Thomas Zipp (*1966), D

Veranstalter & Ort:
Institution me Collectors Room Berlin / Stiftung Olbricht
10117 Berlin
Auguststraße 68

„Als Kind ist jeder ein Künstler. Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben.“

Mit diesem Satz drückte Picasso das aus, was ihn und seine Künstlerkollegen Münter, Kandinsky, Klee, Kokoschka, Miró, Chagall und viele andere mehr beim Anblick von Kinderzeichnungen faszinierte: die Freiheit und Unvoreingenommenheit, mit denen Kinder ihre Welt zu Papier bringen.

Die Kuratorinnen Valeska Hageney und Sylvia Volz zeigen in der Ausstellung PAPERWORLDS im
me Collectors Room ab dem 21. Januar 2014 über 60 Kinder- und Jugendzeichnungen von heute international agierenden Künstlern. Neunzehn zeitgenössische Künstler, darunter Norbert Bisky, John Bock, Andy Hope 1930, Jonathan Meese, Tal R, Katja Strunz, Rosemarie Trockel und Thomas Zipp, gewähren Einblick in Zeichnungen und Bilder, die im Alter zwischen 3 und 14 Jahren entstanden sind.

Auf den Blättern offenbaren sich unterschiedlichste Phantasiefiguren und -welten, Ritter, Landschaften, Städte, Porträts, aber auch alltägliche Szenen - scharf beobachtet und interpretiert durch das kindliche Auge. Die Vielfalt der Motive spiegelt auch die Herkunft der Künstler aus verschiedenen Kulturkreisen und politischen Systemen, wie der damaligen BRD und DDR, Israel, Dänemark und den USA, wider. So zeichnet beispielsweise der in der DDR aufgewachsene Norbert Bisky als Siebenjähriger eine Militärparade. Olaf Holzapfel war als Kind so von dem Mercedes Stern fasziniert – der sich auf dem Dach des Europa-Centers leuchtend drehte und auch in Ost-Berlin zu sehen war – dass er ihn als Sechsjähriger in seine Zeichnung vom Alexanderplatz integrierte,
während bei Katja Strunz westdeutsche, bürgerliche Idyllen mit Kleinstadtansichten und Einfamilienhausbaustellen auftauchen. Eine dazu völlig im Kontrast stehende Lebens- und Gedankenwelt zeichnet Tal R mit kindlichem Strich: bewaffnete Männer, Panzer, Kriegsschiffe, Bombenangriffe. Auch mediale Einflüsse sind zu erkennen, wie bei Michael Kunze, der mit buntem Filzstift von Science Fiction und Comics inspirierte Weltraumschlachten zeigt oder Ralf Ziervogel, der die Filmplakate der Hollywoodfilme Rambo I bis Rambo III mit Füllertinte detailliert wiedergibt und mit Texten und Szenen zu zeichnerischen Collagen verarbeitet.

Unser Bildgedächtnis führt uns beim Betrachten der Kinder- und Jugendzeichnungen immer auch die heutigen Kunstwerke der Künstler vor Augen und die Besucher können sich auf die Suche nach Ähnlichkeiten, Kontinuitäten und Brüchen machen – ist in den Kinderzeichnungen schon ein Hinweis auf das spätere Werk erkennbar, kann man punktuell vielleicht Parallelen zu heutigen Arbeiten ziehen?

Die Ausstellung PAPERWORLDS knüpft mit ihrem auf Kinderzeichnungen zeitgenössischer Künstler gelenkten Blick an die seit dem 18./19. Jahrhundert kursierende Faszination für kindliche Kreativität an. Damals sorgten Kinderzeichnungen sowohl bei Künstlern als auch bei Ausstellungsmachern im Zuge des Strebens der Avantgarden nach unmittelbaren, kreativen Impulsen und der Suche nach neuen Vorbildern für Aufmerksamkeit. Heute ist eine solche ideologisch geprägte öffentliche Auseinandersetzung mit Kinderzeichnungen als Quelle von Inspiration oder einer vermeintlich reinen Ausdrucksform weit weniger präsent. Dennoch fanden seit Mitte der 1990er Jahre Kinderzeichnungen und - damit einhergehend - das Motiv Kind wieder mehr Beachtung und wurden in einigen Ausstellungen, wie z.B. im Lehnbachhaus München (1995), der Kunsthalle Emden (2012), oder dem Hamburger Bahnhof (2012), thematisiert. Weniger wurde dabei jedoch die Aufmerksamkeit auf Kinderzeichnungen der heute einer breiten Öffentlichkeit bekannten Künstler gerichtet, die uns nun in der Ausstellung PAPERWOLDS einen seltenen Blick auf ihre frühesten Anfänge gewähren – auf sie als Menschen in einer Zeit, in der die Kunst noch nicht ihr Beruf war und eine Zeichnung von ihnen lediglich eine Kinderzeichnung war.

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