Diese Veranstaltung ist bereits beendet.
Wir lesen und hören es täglich: Immer mehr Kinder in Deutschland wachsen bei nur einem Elternteil auf - meist bei der Mutter. Fast jede fünfte Frau mit Kindern ist alleinerziehend. Das Bonner Frauenmuseum hat sich des brisanten Themas nun in einer großen Ausstellung (13.4. bis 9.11.2014) angenommen.
Die Schau zeigt drei große Teile: Die Geschichte und Gegenwart der Alleinerziehenden, die internationale Situation und die Umsetzung des Themas in der Kunst.
Auftakt der Schau über zwei Etagen bildet die Historie. Hier wird schnell deutlich: Auch in früheren Jahrhunderten zogen viele Mütter infolge von Krieg und Naturkatastrophen ihre Kinder allein groß. Das war akzeptiert, solange die Moral gewahrt blieb. Als uneheliche Mütter hatten sie jedoch unter Vorurteilen, harter Bestrafung und staatlicher Vormundschaft zu leiden. Heute ist zwar eine rechtliche Gleichstellung erreicht, doch keine Chancengleichheit. Halber Lohn und doppelte Verantwortung kennzeichnen den Alltag vieler Alleinerziehender. In Ton- und Wortbeiträgen werden außerdem unbekannte und berühmte alleinerziehende Mütter präsentiert: Starke und selbstbewusste Frauen.
Die Ausstellung öffnet den Blick auch auf andere Länder. Allein in Europa waren die Gegensätze groß: Während alleinerziehende Mütter in der Gesellschaft der DDR integriert waren, durfte in Irland in den 1960er Jahren nicht öffentlich darüber diskutiert werden, dass es ledige Mütter gab. Das Spektrum aus den anderen Kontinenten reicht von Rebecca Lolosolis erstem Frauendorf Afrikas, über Flüchtlingsmütter aus Jordanien bis zum „Single Mother’s Day“ in Korea. Aus Lateinamerika werden spezielle Arbeitsplätze für „Madres solteras“ vorgestellt und aus den USA „Single Mothers by Choice“, ein Verband, der alleinstehende Frauen berät, wie sie Mütter werden können.
Für den Kunstteil haben mehr als 40 Künstlerinnen das Thema aufgegriffen. Das Ergebnis ist eine großartige Schau, die zeigt, wie unterschiedlich Frauen sich der Fragestellung nähern: Einige tun dies autobiografisch, viele mit Rückgriff auf literarische Zeugnisse, die Bibel und die Mythologie, oder auf berühmte Vorbilder unserer Kulturgeschichte. Auch in der Kunst wird es international: Die feministische Künstlerinnengruppe „Bald Girls“ zeigt subversive Kunst aus dem chinesischen Kulturkreis.
Die Ausstellung wurde durch eine Projektfinanzierung des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) ermöglicht. Deutsche POST/DHL spondert den ersten 100 Alleinerziehenden mit ihren Kindern den kostenfreien Ausstellungsbesuch.
Vernissage - Sonntag 13.04.2014 / 14 Uhr
Grußwort: Hans-Otto Runkler, Kulturausschussvorsitzender der Landschaftsversammlung Rheinland
Brief der Ministerin Barbara Steffens
Zur Geschichte: Bettina Bab
Zu den Künstlerinnen: Marianne Pitzen
Performances:
"Bald Girl" Jiny Lan, "Who's your daddy?"
Ruth Knecht, „Maria Lactans“; Silvia Philipp, „Lastenmütter“ Teil II
(Teil I: Sa, 12.04.14 um 14 Uhr am Bonner Münster)
„Selbstentwurf. Girls only!“ Tanztheater & Musik + Band Miaomio
Förderung: Kulturrucksack, NRW, Leitung: Lene Pampolha/Ulrike Tscherner-Bertoldi
Musikalische Leitung: Anika Auweiler
PARALLELAUSSTELLUNGEN
11.05. – 29.06.2014 Maina Miriam Munsky: „Die Angst wegmalen“
13.07. – 07.09.2014 Annegret Soltau: „Einheit und Trennung- Familienbilder“
21.09. – 09.11.2014 Portraits Überlebender von Anfal und die von Frauen initiierte Gedenkstätte
Führungen jeden Sonntag um 13 Uhr und auf Anfrage
Es gibt ein umfangreiches Begleitprogramm.
Katalog in zwei Bänden zu je 15,00 €
FamilienAteliers am Donnerstag, Angebote für Gruppen. Ermäßigung für Alleinerziehende.