Diese Veranstaltung ist bereits beendet.
Was bedeutet es, wenn die Mimesis natürlicher Elemente zum künstlerischen Sujet wird? Welche Aussage treffen zeitgenössische „Naturbilder“ über das Verhältnis Natur – Kultur?
Ausgehend von dem weiten Spektrum des Begriffs Natur als kulturell relatives, letztlich gesellschaftlich produziertes Konstrukt, als Zufluchtsort, werden die Facetten eines aktuellen Naturbegriffs beleuchtet. Ist der Mensch, ist seine Kultur Teil oder Gegenteil der Natur? Wie verorten sich zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler im Zeitalter des Anthropozän, unter der massiven Einflussnahme des menschlichen Wirkens im geo-globalen Sinn und dem Rückgang natürlicher Ressourcen, in diesem Diskurs?
Unterschiedliche Pfade eröffnen den Blick auf visionäre Lichtungen zeitgenössischer Positionen und führen bis ins dichte Unterholz des Beziehungsgeflechtes Mensch und Natur. Natürliche Ausgangsmaterialien werden durch Computeranimationen, digitale 2D- oder 3D-Prints und Fotobearbeitung sowie andere technische Verfahren neu interpretiert, in industriell gefertigten Objekten nachgeahmt, analog durch malerische oder bildhauerische Techniken zitiert oder schließlich vollständig ersetzt. Dabei hinterfragen die Möglichkeiten der Mimesis die grundsätzliche Verbindung von Natürlichem und Künstlichem.
In den zum Teil poetischen Transkriptionen offenbart sich einerseits eine zukunftsweisende Einheit von Mensch und Natur, in der Natur künstlerisch in eine neue Materialität übersetzt wird. Beton, Fiberglas oder Epoxidharz lassen Assoziationen zu Stoffen wie Wasser und Stein zu und transferieren diese Elemente in ihrer Ästhetik in neue Aggregatzustände. Die symbiotische Verknüpfung und Abhängigkeit von technischen Errungenschaften zu natürlichen Ressourcen scheint hier angedeutet. Es schwingt andererseits auch die illusionäre Idee der Überwindung aller Bindungen des Menschen an Naturgesetze mit. So klingt in der Praxis des Imitierens sowie in offensichtlichen Momenten der Täuschung eine Dissonanz in der Beziehung von Mensch und Natur an. In nachgestellten Szenen oder der Metamorphose von Materialien entsteht ein Spannungsfeld von Abbild und Realität, das auf ein möglicherweise gestörtes Verhältnis hindeutet – der Konflikt zwischen „natürlicher“ und „menschlicher“ Ordnung.
Eröffnung / Freitag, 4. November 2016, ab 18 Uhr
Nassauischer Kunstverein Wiesbaden
Wilhelmstraße 15, 65185 Wiesbaden
Tel +49 (0)611 301136
info@kunstverein-wiesbaden.de
Öffnungszeiten Di, 14–20 Uhr, Mi–Fr, 14–18 Uhr, Sa+So, 11–18 Uhr
Eintritt: Regulär 5€, Ermäßigt 3€, Mitglieder haben freien Eintritt