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ŻAK | BRANICKA ist hocherfreut, bereits die dritte Ausstellung von Ryszard Wasko, Who’s Afraid Of Colour (Positive vs. Negative), in unserer Galerie zu präsentieren.
Die früheren Ausstellungen konzentrierten sich zunächst auf Arbeiten aus den 1970er und dann aus den 1980er Jahren. Die jüngste Ausstellung zeigt nun einen Querschnitt durch Waskos gesamtes Schaffenswerk und legt dabei den Fokus auf sein wichtigstes Motiv: Positiv vs. Negativ und sein Verhältnis zur Farbe.
Waskos Oeuvre hat sich im Laufe der Jahrzehnte sehr gewandelt. Seine Anfänge fand er in den 1970er Jahren in der konzeptuellen Schwarz-Weiß-Fotografie, in den 1980er Jahren arbeitete er hauptsächlich mit Installationen und Skulpturen, um letzendlich die klassische Malerei für sich zu entdecken. Trotzt der formellen Unterschiede kehrt er jedoch jahrzehnteübergreifend immer wieder zu den gleichen Motiven zurück.
Zu seinen bedeutendsten Motiven gehört sicher der Widerspruch zwischen Positiv und Negativ. Noch in den 1970er Jahren versucht Wasko in analytischen Fotografien wie beispielsweise in Things (1972) und Dematerialisation (1972) herauszufinden, wieso „ein Negativ, das doch Ausgangspunkt und Vorlage für das Positivbild ist, unwichtig zu sein scheint; so als wäre es die Schwäche der Fotografie, weil erst der Abzug (das Positiv) zur „richtigen” Fotografie wird.” Mit seinen Experimenten untersucht er dieses Phänomen und versucht die Bedeutung der Quelle zu revidieren: „es ging mir um eine Gleichberechtigung beider Realitäten”, sagt er. Jahrzehnte später, in den jüngsten Serien wie War Games (2003) oder Timeline (2014) versucht er sogar, nicht existente Negative digitaler Fotografien zu erstellen.
Roter Faden der Ausstellung ist weiterhin Waskos Verhältnis zur Farbe, das sich im Laufe der Zeit erheblich gewandelt hat. Er erklärt die Furcht vor Farbe unter den Künstlern der Avantgarde der 1970er Jahre: „es herrschte die Regel der „Kargheit”. Obwohl in dieser Zeit die Farbfotografie schon sehr verbreitet war (haupsächlich in Werbung und Touristik), hat die Mehrheit der Künstler Farbe gemieden/vermieden und weiterhin mit Schwarz-Weiß-Fotografie gearbeitet. Wir dachten, dass man auf diese Art und Weise Ideen deutlicher auf den Punkt bringt, dass man Ideen von überflüssiger Dekoration befreit.” Der Mode zum Trotz enteckt er die Farbe später doch für sich; er lässt die Fotografie hinter sich und greift schließlich zum Pinsel. Dieses Statement hatte für ihn eine ähnliche Aussage wie das Verhätnis von Barnett Newman’s Who's Afraid of Red, Yellow and Blue (auf welches sich der Ausstellungs-Titel bezieht) zu Kazimir Malevitschs Black Square. Mit seiner Geste der Verweigerung distanziert sich Wasko von der Strenge Konzeptueller Kunst. Letzendlich aber ist diese Geste auch vor allem ein Versuch verschiedenste Medien der Kunst bis zur Grenze ihrer Möglichkeiten zu untersuchen, zu testen und zu erproben; immer und immer wieder – um sie immer wieder neu entdecken zu können.
Ryszard Wasko studierte an der Filmhochschule in Lodz, Polen. Hier wurde er zum Mitglied der Werkstatt (Werkstatt für Filmgestaltung, 1970-1976). 1981 organisierte er die berühmte Ausstellung Konstruktion im Prozess, die später weitere Editionen in Deutschland hatte. Wasko wurde drei Mal von der Pollock-Krasner Foundation ausgezeichnet, stellte im Centre Georges Pompidou (1983), auf der documenta 6 in Kassel (1977), der Biennale von Venedig (1991, 1999, 2001, 2007) der Sao Paolo Biennale (1973) und der Sydney Biennale (1980) aus. Für zwei Jahre war er künstlerischer Direktor des PS1 in New York. Nach der Wende kam er zurück nach Łódź, heute lebt und arbeitet er wieder in Berlin.