02.05.2026 - 27.06.2026
Geometry of Light
21.03.2026 - 25.04.2026
Phantasma
07.02.2026 - 14.03.2026
Constellations of Thoughts
Ort: Persons Projects bis: 2026-01-24
Künstler: Zofia Kulik
Thema: Eröffnung: 31. Okt, 18 bis 20 Uhr Persons Projects freut sich, die Einzelausstellung Written in Her Own Hand von Zofia Kulik zu präsentieren, die die verschiedenen Phasen ihrer künstlerischen Emanzipation und die Entdeckung ihrer Stimme als unabhängige Künstlerin umfasst. Sie dient auch als erste Plattform zur Vorstellung ihres ersten monografischen Buches von Thames & Hudson, welches alle Aspekte von Kuliks unglaublichem Gesamtwerk erkundet. Die Ausstellung beginnt mit ihren bemerkenswertesten Abschlussarbeiten (1968–1971) und setzt sich fort mit ihrem Übergang zum Künstlerduo KwieKulik (1971–1987), dass sie gemeinsam mit ihrem Partner Przemysław Kwiek gründete – und endet mit einem großformatigen Schwarz-Weiß-Selbstporträt, das sie als Königin darstellt. Zusammen vermitteln diese ausgewählten Werke ein tieferes Verständnis dafür, wie sich Kuliks individuelle Karriere zu dem entwickelt hat, was sie heute ist. Ein zentraler Bestandteil von Kuliks Abschlussarbeit an der Warschauer Akademie der Bildenden Künste war eine dreiteilige Diaprojektion mit dem Titel Instead of Sculpture, die aus rund 500 Fotografien bestand (heute Teil der Tate Modern Sammlung). Für Kulik ist Skulptur ein Prozess, der sich über einen bestimmten Zeitraum hinweg entfaltet, ohne definierten Anfang oder Ende und ohne festgelegte Handlung. Sie untersuchte die Dynamik zwischen Skulptur und Betrachter und analysierte, wie Wahrnehmung Teil der skulpturalen Erfahrung wird. Sowohl Kulik als auch Kwiek studierten bei dem einflussreichen Architekten, Künstler und Theoretiker Oskar Hansen, der das Konzept der „Offenen Form” entwickelte – eine Theorie, die sich für unvollendete oder unvollständige räumliche Formen einsetzt und somit kreative Beteiligung des Betrachters fördert. Unmittelbar nach ihrem Abschluss beschäftigten sich die beiden zunehmend mit Kybernetik und Spieltheorie. Eine ihrer Arbeiten, Game on an Actress’s Face, präsentiert eine Reihe von Nahaufnahmen der Schauspielerin Ewa Lemańska und bezieht sich auf Prinzipien der Spieltheorie, bei denen Handlungen und Entscheidungen im Hinblick auf ihre Auswirkungen auf mehrere Akteure in komplexen, voneinander abhängigen Systemen analysiert werden. Sie transformierten ihr zu Hause in einen hybriden Raum – teils Studio, teils Galerie – und nannten es das Studio für Aktivitäten, Dokumentation und Propagation, (PDDiU). KwieKulik lehnte den traditionellen objektbasierten Kunstkanon ab und wandte sich stattdessen vergänglichen „Aktivitäten” zu, die den kreativen Prozess offenlegten und eine Vielzahl künstlerischer Zusammenhänge untersuchten (Activities for the Head, 1978, und Activities for Clay Head, 1981). Innerhalb des Duos spielte Kulik oft die Rolle der stillen „bedeutenden anderen Person”. 1978 machte sie eine stille, aber kraftvolle Solo-Geste mit dem Titel Zofia Kuliks Bitte um Vergebung. Später erklärte sie: „Zum ersten Mal habe ich versucht, etwas ohne Kwiek zu machen. Das Duo erstickte mich – weil wir in all diesen Wiederholungen immer dieselben Dinge sagten und taten. Was sollte mir das Publikum verzeihen? Ich wusste es nicht genau. Wahrscheinlich war ich nicht wirklich präsent, auch wenn es so aussah. Ich war nichts weiter als Teil eines dimorphen Hybrids, in dem meine Rolle unklar war. Ich war dieser Stummheit in mir selbst leid. Ich näherte mich mehrmals dem Publikum, nur um auf die Knie zu fallen. Ich fühlte mich völlig gedemütigt – aber ich hatte darum gebeten. Ich brauchte eine solche Situation, und ich bekam sie.“ Kuliks Trennung von Kwiek im Jahr 1987 ging der Trennung eines weiteren renommierten osteuropäischen Duos – Marina Abramović und Ulay –nur ein Jahr voraus. Ähnlich wie Abramovic begann Kulik, ein neues Kapitel in ihrem Leben als eigenständige Künstlerin aufzuschlagen. Dies bereitete den Boden für Kuliks eigene künstlerische Transformation und ihren revolutionären Ansatz für das Konzept des Archivbaus. Ihre neuen Arbeiten, bei denen sie einen akribischen Dunkelkammerprozess mit Mehrfachbelichtungen von Negativen auf Fotopapier entwickelte, spiegelten ihr ausgeprägtes Gespür für Kontrolle, Ordnung und Präzision wider. Ihr erstes manifestiertes Werk, Come with Me Through the Valley of Tears – after Artur Grottger, 1988, zeigte Zbigniew Libera als ihre Muse. In weiterer Zusammenarbeit mit ihm entwickelte sie das Archiv der Gesten, das zu einer wiederkehrenden Quelle visueller Motive und Ornamente in ihrer Praxis wurde. Von Anfang an war die Dokumentation für Kuliks Arbeit von wesentlicher Bedeutung. Sie hält ihren kreativen Prozess sowie das Geschehen um sie herum akribisch in Notizbüchern fest und unterhält ein umfangreiches Fotoarchiv, welches sie in ihre fotografischen Arbeiten einfließen lässt. Kunsthistorikerin Angela Dimitrakaki schreibt: „Kuliks Zeitrahmen ist sowohl durch große historische Ereignisse (in Polen) als auch durch ihre Biografie als Künstlerin geprägt – in diesem Fall als „weibliche Künstlerin“, eine instabile, zugleich provokative politische Kategorie in feministischen Imaginationen seit den turbulenten 1960er-Jahren.“ Ihre ikonischen großformatigen Selbstporträts, auf denen sie als Königin erscheint, sind eindrucksvolle Bekräftigungen ihres Erwachens sowohl als Frau als auch als Künstlerin, die ihre eigene Stimme erhebt. Zofia Kuliks Arbeit wurde einem breiteren Publikum während der documenta 12 (2007) in Kassel und auf der 47. Biennale di Venezia (1997) vorgestellt. Sie hatte zahlreiche Einzelausstellungen, unter anderem in den Glasgow Sculpture Studios (2016), im Badischen Kunstverein (2016) und bei Les Rencontres d’Arles (2023). Ihre Arbeiten sind Teil renommierter internationaler Institutionen wie der Tate Modern, dem MoMA NY, dem Centre Pompidou und vielen anderen sowie zahlreicher bedeutender Privatsammlungen.
Ort: Persons Projects bis: 2025-10-18
Künstler: Jyrki Parantainen
Thema: Opening: Friday 5 September 2025, 6-8 pm Persons Projects is proud to present Jyrki Parantainen’s solo exhibition, Secular Limbo, a poetic reflection on the alchemy between emotions and memory. Additionally, for Berlin Art Week, we will present a selection of lightboxes from his Fire series at Hallen 06 in the Wilhelm Hallen, Berlin. Jyrki Parantainen is one of the most influential artists to emerge from the Helsinki School. As the leading professor of the photography department at Aalto University of Art, Design, and Architecture for over ten years, he played a crucial role in developing this unique educational platform into one of the most recognizable and influential departments worldwide. Parantainen’s current exhibition at Persons Projects introduces his most recent works from the Poetry of Circulation series, complemented by his sculptures and objects from the Between Heaven and Earth series. This collection of works carries on his fascination with developing conceptual approaches and working methods by combining and weaving various philosophical and historical themes into his art pieces. The overall theme that revolves around the core of Parantainen’s art deals with the basics of what it means to be human. Life, death, love, and hate all become the paint which he mixes on his emotional palette to create the underlying humour that forms its own score of absurdity. The exhibition Secular Limbo investigates the relationship between art and religion from a range of perspectives, exploring different aspects of both physical and psychological elements that highlight the weaknesses within the human condition. His work can be critical of religious ideas while at the same time inviting descriptions like ‘metaphysical’, ‘mysterious’, and ‘cosmic’. His Poetry of Circulation combines the photographic medium with other genres of art, engendering crossover formats that include three-dimensional elements. The phase of conception and preparation is a fundamental part of his artistic process, which he likens to that of writing a script for a film. His materials vary from different types of photographs to found lithographs. He uses push pins and various metal strings to connect words and phrases to perceived points of vulnerability that are meant to link us to uncontrollable forces, creating zones of tension between everything that lies beyond the everyday. His philosophical choices range from the last words spoken by Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832), Mehr Licht (More Light) to Stephen Hawking’s theories about the universe, ZODIAC. Parantainen’s sculptures address spiritual and immaterial themes that are examined through delicate, small-scale objects, transparent materials. A laboratory glass turned upside down, covered with gold flakes on the top, protects a small globe, which stood on the artist’s shelf for over 30 years Biggest Unknown Curved Over. A doll’s head covered with gold leaf, feathers around, held up by a putto (baby angel), a type of guardian spirit trapped in a laboratory glass, is observed through the telescope of a French soldier in uniform from the Napoleonic wars. A strange composition of different elements, a messy and very open story – in other words: Golden Dew of Sleep. Every Steampunk-style sculpture carries an ultimate secret, a message tucked inside, written by the artist. These sculptures become portals to transport the viewer through the artist’s imagined world of myths and emotions that could be found on Jules Verne’s submarine that floats in a sea of Fluxus surrealism.
Ort: Persons Projects bis: 2025-08-30
Künstler: Ilkka Halso | Nanna Hänninen | Sandra Kantanen
Thema: Eröffnung: Samstag, 28. Juni 2025, 14 - 18 Uhr Ausstellung: 28 Juni – 30 August 2025 Persons Projects freut sich, die Sommerausstellung The Art of Renewal anzukündigen, die Arbeiten der drei Künstler:innen der Helsinki School – Nanna Hänninen, Ilkka Halso und Sandra Kantanen – vereint. Ihre konzeptuelle Herangehensweise an fotografiebasierte Arbeiten beschäftigt sich seit über zwei Jahrzehnten intensiv mit ökologischen Fragestellungen. Durch ihre einzigartigen Interventionen versuchen die Künstler:innen, der Natur symbolisch das zurückzugeben, was durch den Klimawandel, menschliche Vernachlässigung und das Vordringen urbaner Räume verloren gegangen ist. Durch die Veränderung realer Landschaftsbilder lenken sie die Aufmerksamkeit auf drängende Umweltprobleme und verwischen dabei die Grenze zwischen der Realität und Imagination. Ihre Arbeiten nutzen paradoxe Situationen, um die Realität der Umweltzerstörung zu verdeutlichen - karge Landschaften, die mit Farbe durchtränkt sind, Natur, die künstlich in schützenden Strukturen erhalten wird, und ungezähmte städtische Wiesen, die in surreale Landschaften verwandelt werden.
Ort: Persons Projects bis: 2025-06-14
Künstler: Kristján Guðmundsson
Thema: Eröffnung: Freitag, 02 Mai 2025, 18 – 20 Uhr Persons Projects freut sich, die Ausstellung von Kristján Guðmundsson als einem der wichtigsten isländischen Konzeptkünstler während des diesjährigen Gallery Weekend in Berlin zu präsentieren. Sein Engagement in der SÚM-Bewegung (1965-78) stellte die traditionelle isländische Kunstauffassung infrage, die sich ausschließlich auf die Landschaftsmalerei und die Natur bezog. Guðmundsson erkannte eine Vielzahl internationaler Künstler wie Donald Judd, Richard Long und Dieter Roth als Inspirationsquelle. Mit seinen Arbeiten hinterfragt er die Essenz der Kunst, indem er unsere Annahmen darüber, was Kunst ist, auf den Kopf stellt. Seine minimalistischen Skulpturen und Wandkompositionen der letzten sechs Jahrzehnte umfassen eine vielfältige Materialpalette, darunter Grafitblöcke, Bleistiftminen, Wasserwaagen, Papierrollen, aluminiumgerahmte Fensterscheiben und Plastiklogos. Die Ausstellung Mostly Drawings erweitert seine poetische Erkundung der Spannung, die zwischen etwas und nichts besteht. Sie verbindet ältere Werke mit neuen Arbeiten, die seinen minimalen Ansatz in der Art und Weise, wie er mit dem Raum spielt und ihn definiert, erneut untersuchen. Diese Präsentation setzt seine lebenslange Faszination für das Medium der Zeichnung fort, wobei er die emotionale Ausdruckskraft jedes Werkes akribisch reduziert, indem er seine Aufmerksamkeit auf die präzise Beschaffenheit der verwendeten Materialien lenkt. Guðmundssons Arbeiten spiegeln seine minimale ästhetische Philosophie wider, die von einem unaufdringlichen Sinn für Poesie, Humor und Pragmatismus geprägt ist. Am deutlichsten wird dies in seinen „potenziellen Zeichnungen“, die Grafitstangen mit Papierrollen kombinieren und das Konzept der Zeichnung auf ihre wesentlichen Bestandteile reduzieren. Diese grundlegenden Zeichenmaterialien bewahren ihre reinste Form, unberührt und unverändert, und lassen das schlummernde Potenzial einer unendlichen Anzahl von nicht gezeichneten Zeichnungen erahnen. Ergänzend zu diesen abstrakten Zeichnungen werden Guðmundssons typografische Symbole in Grafit - wie Hashtags, Ausrufezeichen und andere Elemente aus der Alltagskommunikation - zum Rohmaterial, mit dem er seine Bildsprache neu definiert. Kristján Guðmundsson wurde 1941 in Snæfellsnes, Island, geboren und lebt und arbeitet in Reykjavik. Er hat in ganz Europa und den Vereinigten Staaten ausgestellt, unter anderem im Scandinavian House (New York, USA), im Rappaz Museum (Basel, Schweiz), im Haus der Kunst (München, Deutschland), im MOCA (Los Angeles, USA) und im Quint Contemporary Art (La Jolla, USA), National Gallery of Iceland (Reykjavik, Island), das Reykjavik Art Museum (Reykjavik, Island), Malmö Kunsthall (Malmö, Schweden), BOZAR (Brüssel, Belgien), Kunstmuseum Luzern (Luzern, Schweiz), Stedelijk Museum (Amsterdam, Niederlande) und Centre Pompidou (Paris, Frankreich). 1982 vertrat Gudmundsson Island auf der Biennale von Venedig, 2010 erhielt er den Carnegie Art Award und 2022 den Ehrenpreis des Icelandic Visual Arts Council für seine herausragende Karriere. Er ist einer der einflussreichsten Künstler in der Geschichte der isländischen Kunst und hat mit seinen Werken zahlreiche Generationen von Konzeptkünstlern im gesamten nordischen Raum inspiriert.
Ort: Persons Projects bis: 2025-04-19
Künstler: Grey Crawford
Thema: Eröffnung: Freitag, 21 Februar 18 - 20 Uhr Persons Projects ist stolz darauf, im Rahmen des EMOP Berlin - European Month of Photography, die dritte Einzelausstellung von Grey Crawford, Transfigurations (1973-75), zu präsentieren. Seine Performances aus den frühen 1970er Jahren verkörpern den Geist jener Ära in Südkalifornien, in der sich die Performance-Kunst von der Plattform des Publikums entfernte und zur fotografischen Erfassung des Augenblicks hinbewegte. In dieser Zeit lässt sich die Performance-Kunst am besten als jede Art von selbstbezogener Aktivität beschreiben, die das Wesen der Skulptur infrage stellte, indem sie das Objekt selbst eliminiert. Der Fokus lag auf dem Körper und seiner Bewegung und darauf, wie diese Aktivitäten eher zu Gesprächen als zu Antworten führten. Es war eine Zeit des Experimentierens, und Los Angeles – mit seinen ausgedehnten Vororten – war der perfekte Ort für die Entfaltung dieser Happenings. Lokale Künstler wie John Baldessari, Ed Ruscha, Chris Burden und Judy Chicago überschritten künstlerische Grenzen und eröffneten neue Möglichkeiten, die die bestehenden Parameter dessen, was bestehende Institute als Kunst betrachtete, infrage stellten. Jeder Ort würde zur potenziellen Bühne für künstlerische Interventionen. In diesem kulturellen Umfeld begannen sich die Performances von Grey Crawford zu entwickeln. Seine Experimente reichten von der Mojave-Wüste bis hin zu den berüchtigten Keramikrutschen von Douglas Humble in seinem eigenen Haus. Es ist nachvollziehbar, dass die Performance-Kunst die Fotografie benötigt, um bestehen zu können. Doch die Fotografie spielt eine noch wichtigere Rolle, nicht nur als Mittel zur Dokumentation, sondern vor allem dann, wenn die Performance ausschließlich für die Kamera inszeniert wird. Diese enge Beziehung zwischen Fotografie und Performance hat Crawford intensiv erforscht. Seine Aktionen wurden mittels Fotografien inszeniert und sorgfältig geplant, ohne dass sie von anderen autonomen Ereignissen umgeben waren. Die für diese Ausstellung ausgewählten Werke sind konzeptionell mit der Art und Weise verbunden, wie Crawford Sequenzen und Raster verwendet, um einen eingefrorenen Moment in der Zeit als seine primäre Ausdrucksform zu erweitern. Crawford verkapselt seinen Körper in schwarze Müllsäcke, um hinter Gebäuden durch das Gebüsch zu kriechen, mitten auf der Straße zu stehen oder in den See zu springen. Er verstand die Performance als eine konzeptionelle Übung, welche auch in Abwesenheit des ausführenden Körpers wahrgenommen werden kann. Crawford hüllte sich in Silberfolie und experimentierte wie ein Alien in der Wüste mit den physischen und psychischen Grenzen seines Körpers und der Beziehung zwischen dem Objekt (Körper) und dem Horizont. Am Ende ging es Crawford nicht darum, Antworten zu finden, sondern darum, Gespräche zu führen. Diese frühen Performances von ihm waren von seiner Vorstellung inspiriert, das traditionelle amerikanische Bild einer Figur in einer kargen westlichen Landschaft neu zu konfigurieren. Diese Inszenierungen, die mit seinem anderen fotografischen Werken aus der Serie El Mirage verwoben sind, tragen dazu bei, ein weiteres Kapitel in der künstlerischen Karriere von Grey Crawfords zu entfalten.
Ort: Persons Projects bis: 2025-01-18
Künstler: Milja Laurila | Anni Leppälä | Niko Luoma | Jussi Nahkuri | Niina Vatanen
Thema: Vernissage: Friday, 15 November 6 - 8 pm Ausstellung: 16 November 2024 - 18 January 2025 Ort: Persons Projects, Lindenstr. 35, 10969 Berlin Die Ausstellung The Helsinki School—Out of the Depths of Photography setzt die langjährige Tradition fort, die Grenzen dessen, wie wir das fotografische Bild wahrnehmen und interpretieren, zu erweitern. Diese Präsentation zeigt eine Vielzahl von Erkundungen, wie unterschiedliche Materialien – wie Stoffe, Collagen und zu Skulpturen verwandelte gefaltete Filmnegative – genutzt werden können, um eine neue visuelle Sprache im heutigen fotografischen Prozess zu entwickeln. Sie stellt eine kollektive Anstrengung dar, die materiellen Qualitäten der Fotografie neu zu definieren, um deren Magie als physisches Objekt wiederzuentdecken. Dies ist die erste vollständig dreidimensionale Übersicht einer Helsinki School-Präsentation, die diese bestehenden Parameter konzeptionell herausfordert. Fasziniert von der Fähigkeit der Fotografie, Zeit zu nutzen, um Phänomene der Umgebung zu visualisieren, komprimiert, kombiniert und montiert Jussi Nahkuri gesammeltes Fotomaterial auf Aluminiumprofilen. In seiner Arbeit verleiht er existenziellen und abstrakten Konzepten eine greifbare Form. Ihre dreidimensionale Qualität ermöglicht es dem Betrachter, seine Fotografien bei jedem neuen Blickwinkel anders wahrzunehmen. Während sich die Winkel und das Licht verändern, offenbaren sich verschiedene Aspekte, was die Idee unterstreicht, dass Landschaften aus mehreren Perspektiven betrachtet werden können – sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne. In Some Nice Thoughts folgt die Kamera dem Blick des Künstlers und zeichnet seine Beobachtungen in Intervallen von 10 Millisekunden auf, während er seine Umgebung erkundet: Er geht unter Ästen hindurch, lehnt sich an einen Baumstamm und beobachtet das sich ändernde Licht. Nahkuri schafft so Kunstwerke, die sowohl eine Vielzahl von einzigartigen Momenten einfangen als auch erzeugen. Interessiert an der Fähigkeit der Fotografie, die Zeit anzuhalten, erforscht Anni Leppälä in ihren Arbeiten Themen wie Erinnerung und Nostalgie. Ihre visuelle Sprache verbindet eine Vielfalt von Texturen, Materialien und Objekten, oft mit einem verzerrten Sinn für Maßstab. In den in der Ausstellung gezeigten Arbeiten überschreitet sie die Grenzen der traditionellen Fotografie. Durch das Kombinieren und Paaren von Bildern enthüllt sie ein neues Verständnis, ein „drittes Bild“. Leppäläs Werke sind durchdrungen von einer traumartigen, erzählerischen Qualität, die an die magische Welt der Kindermärchen erinnert, in der wiederkehrende Motive wie Vorhänge oder Schränke geheimnisvolle Durchgänge ins Unbekannte bieten. Feminismus und Erinnerung sind zentrale Themen in Milja Laurilas Werk, das sich mit der komplizierten Beziehung zwischen Wissen und Unterbewusstsein auseinandersetzt. Sie verwendet insbesondere Bilder aus alten medizinischen Büchern, befreit sie von ihrem ursprünglichen Kontext und ermöglicht ihnen, neue Bedeutungen zu erlangen. Ihre Bearbeitungen unterlaufen und stören die soziopolitischen Strukturen, die den Originalfotografien zugrunde liegen. In ihrer Serie In Their Own Voice erinnern die Arbeiten an die Glasplattennegative der frühen Fotografie; das verwendete Acrylglas verleiht den Bildern eine schwerelose Transparenz. Dieses Material wird zu einer Metapher für die zerbrechliche Fragilität der dargestellten Subjekte, die als schattenhafte Reflexionen an den Wänden erscheinen. „Mithilfe von Archivbildern“, erklärt Laurila, „setzt diese Serie meine Forschung zur Wahrnehmung von Weiblichkeit fort.“ Bekannt für seine Experimente in der fotografischen Abstraktion, spielt Niko Luoma mit Illusion und Dreidimensionalität, indem er Licht als Rohmaterial verwendet, um mehrere Belichtungen auf einem einzigen Negativ zu kombinieren. In seinen Arbeiten biegt er diese Negative in skulpturale Formen, wodurch er herkömmliche Prozesse infrage stellt und das flache Bild in eine dynamische Form verwandelt. Ebenso hinterfragen Arbeiten von Ihm die konventionelle Form der Fotografie, indem sie über das standardisierte rechteckige Filmformat hinausgeht und die Idee des Faltens als Teil der fertigen Werke einführt. In seinen Serien haben Form und Inhalt die gleiche Bedeutung und gehen nahtlos ineinander über, um die Grenzen des Mediums zu hinterfragen. Niina Vatanens Arbeiten stellen unsere Wahrnehmung von Zeit und Raum infrage. Sie schöpfen aus einem über Jahrzehnte angesammelten persönlichen Archiv, das sowohl ihre eigenen Erinnerungsstücke als auch Bilder aus externen Quellen umfasst. Ihre großformatigen Stoffarbeiten Gravity Experiments and Cyclic Phenomena evozieren den Zusammenhang zwischen den Zyklen der Natur und dem Vergehen der Zeit und verbinden nahtlos die Idee der irdischen Schwerkraft mit der Weite und Schwerelosigkeit des Weltraums. Die Materialität der hängenden Stoffe betont dieses Paradox, indem sie sowohl den Zug der Schwerkraft als auch ein Gefühl der zarten Schwebe einfängt. Die Installation der Arbeiten erinnert sowohl an das historische Archiv mit seinen verborgenen Wahrheiten als auch an die Fluidität des japanischen ensō-Kreises und lädt den Betrachter ein, den zyklischen Fluss der Zeit zu erleben.
Ort: Persons Projects bis: 2024-11-02
Künstler: Mikko Rikala
Thema: 10 September - 2 November 2024 Opening 13 September 6 - 8pm Venue: Persons Projects, Lindenstr. 35 Persons Projects freut sich, die Einzelausstellung So Little Changed, So Little Remained von Mikko Rikala zu präsentieren, die sich auf das Gedicht von T.S. Eliot bezieht. Diese neue Werkgruppe konzentriert sich auf die Visualisierung von Erinnerung. Mikko Rikalas Kunstschaffen kann als ein anhaltender Forschungsprozess verstanden werden, der sich auf das Konzeptualisieren naturwissenschaftlicher und philosophischer Phänomene konzentriert. Seine Fotografien zeigen poetische Visualisierungen seiner eignen inneren Gedankengänge und der Auseinandersetzung mit komplexen Sujets, wie der Wahrnehmung von Zeit. In seiner neusten Serie Echoes, die kürzlich beim Prix Photoforum am Kunsthaus Pasquart(Biel, Schweiz) ausgestellt war, widmet sich Rikala der Thematik der subjektiven und kollektiven Erinnerung. Die Werke zeigen gesammelte Alltagsobjekte, die der Künstler mit seiner eigenen Vergangenheit in Verbindung setzt. Sie alle spielen eine Rolle in Rikalas Umgang mit der natürlichen Ordnung der Dinge sowie der Einbindung seiner selbst in sein Umfeld. Durch die Berührung dieser Objekte, die Rikala fotografisch festhielt, manifestiert er symbolisch den Akt der Freisetzung von Erinnerungen: „Seit meiner Kindheit sammle ich kleine Gegenstände aus der Natur und der vom Menschen geschaffenen Welt. Jedes dieser Objekte hat eine Geschichte. Indem ich diese Gegenstände berühre und betrachte, aktiviere ich mein Gedächtnis. Ähnlich wie Muscheln und Münzen Teil eines größeren natürlichen Systems sind, sind meine Erinnerungen mit einem kollektiven Gedächtnis verwoben, das unsere Menschheit formt und erhält", erklärt der Künstler.
Ort: Persons Projects bis: 2024-08-31
Künstler: Grey Crawford | Nanna Hänninen | Marcin Jasik | Niko Luoma | Finnbogi Pétursson
Thema: Persons Projects freut sich, die Sommerausstellung Tensional Integrities ankündigen zu dürfen. Die Präsentation bringt fünf verschiedene künstlerische Positionen zusammen, die auf sehr unterschiedle Weise einen Zustand visueller und physischer Spannung erzeugen. Die Werkgruppe verdeutlicht, inwiefern die Künstler*innen durch den Einsatz von Linien, Farben, Klang und Raum ihre eigenen Narrative entfalten und ihre angeborene Sensibilität für Farb- und Formensprache stetig weiter erforschen.
Ort: Persons Projects bis: 2024-06-15
Künstler: Dominik Lejman
Thema: During the Gallery Weekend Berlin, Persons Projects will be presenting Dominik Lejman’s solo exhibition Step Aside. Lejman is known to challenge the definitions of artistic disciplines, and so, this eclectic selection of works expand the potential of canvased surfaces and screens. By combining paintings with video projections, he has created his own medium that does not only overcome the limitations of painting, but initiates a new dialogue in how to perceive it. As one of the most established multimedia concept artists, Lejman has been exhibiting in numerous international shows and received, amongst others, the prestigious prize of the Akademie der Künste in 2018 for redefining the medium of painting.
Ort: Persons Projects bis: 2024-04-20
Künstler: Ea Vasko
Thema: Ea Vasko kann ohne weiteres als eine der innovativsten Künstlerinnen der Helsinki School bezeichnet werden. Da sie seit Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn abstrakt arbeitet, nahm ihr Werk in der finnischen Kunstszene der frühen 2000er Jahre eine Sonderstellung ein. Auch heute noch ist Vasko eine der wenigen Künstler*innen, die sich außerhalb der figurativen Kunst bewegen. Ihren ursprünglichen Ideen treu bleibend, hinterfragt ihr Werk die Grundprinzipien der Fotografie, vom Akt des Sehens bis zur Objektivität eines Bildes. Darüber hinaus durchleuchtet sie die verschiedenen Mechanismen der menschlichen Wahrnehmung, wie das Bewerten oder Kategorisieren. In ihren Werken widmet sich Vaskos verschiedenen Raumkonzepten, unter anderem dem städtischen Raum und dessen Fähigkeit, sich ständig anzupassen und zu verändern. Zum Sichtbarmachen dieser Wahrnehmungsprozesse nutzt Vasko vor allem Spiegelungen. Als ihre bevorzugte künstlerische Methode verwendet sie diese, um die Grenzen der Abstraktion auszutesten, wobei sie ihre ursprünglich figurativen Motive manchmal bis zur Unkenntlichkeit treibt. Die Soloausstellung wird eine ausgewählte Gruppe von Werken präsentieren, die die verschiedensten Aspekte von Architektur und Räumlichkeit dekonstruieren und unsere Beziehung zum städtischen Raum sowie unsere Erfahrung mit Raum, den wir in der Regel gar nicht wahrnehmen, weiter untersuchen. Da Ea Vaskos Eltern als Architekten tätig waren, wurde die Künstlerin schon früh mit dem dreidimensionalen Denken vertraut gemacht. Sie war schon immer in der Lage, ihre Umgebung zu analysieren und das räumliche Sehen für ihre eigenen künstlerischen Visionen zu nutzen. Eines ihrer Kernthemen ist daher der Prozess der Wahrnehmung selbst und wie man diesen visualisieren kann. Reflections of The Ever-Changing (The Short Story of Now) ist eine der umfassendsten Beobachtungen der Künstlerin: Für diese Serie hat Vasko Spiegelungen in nächtlichen Städten aus nächster Nähe fotografiert. Durch die Spiegelungen fängt sie die ständige Veränderung und Bewegung ein, die sich im urbanen Raum vollzieht. Die Künstlerin vergleicht diese Spiegelungen mit momentanen Erfahrungen: Die Erfahrung des Jetzt ist frisch, abstrakt und steht noch abseits einer logischen Zeitlinie der Geschichte, die wir in unseren Köpfen aufzubauen pflegen. Die Abstraktion trägt die unvorhersehbare Qualität des ‚Jetzt‘ in sich und deutet gleichzeitig bereits auf die bevorstehende Veränderung hin. Sie ist noch nicht vollständig definierbar – sie ist ein Teil eines größeren Bildes. Die Reflexion kann durch eine Fotografie eingefangen werden, aber die Kamera ist zu langsam, um das sich ständig verändernde Bild festzuhalten. Neben diesen eher zeitbasierten Arbeiten verbringt Vasko viel Zeit damit, verschiedene Aspekte der Räumlichkeit darzustellen: In Ma hat die Künstlerin sogenannte Übergangsräume wie Korridore, Flure und Höfe fotografiert. Der Titel der Serie ist ein japanischer Begriff, der in der Kunst und Architektur verwendet wird und zu "Lücke" oder "Zwischenraum" übersetzt werden kann. Die Fotografien sollen ein Bewusstsein für diese Art von Orten wecken, die normalerweise nicht wahrgenommen werden oder denen nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt wird. Vaskos Bilder machen Gebrauch von der ‚Unsichtbarkeit‘ dieser Übergangsräume und schaffen traumhafte Szenarien, die ebenso bedeutsam sein können wie Architekturfotografien. In Translucents geht Vasko noch einen Schritt weiter und stellt die traditionelle Art der Architekturdarstellung grundsätzlich in Frage. Ausgehend von Beobachtungen, die sie durch Fenster gemacht hat, reflektiert die Künstlerin über Architekturfotografie – wie Gebäude normalerweise als saubere und makellose Ergebnisse eines langen Arbeitsprozesses dargestellt werden. Ästhetisch ansprechend und oft ohne jedes Lebenszeichen, hat diese Art von Fotografie oft einen künstlichen Beigeschmack. Translucents soll eine Umorientierung der Sehgewohnheiten bezwecken und zeigen, dass Architektur genauso altert wie die Menschen: „Die Art und Weise, wie das alltägliche Leben die Gebäude von einer Vision des Architekten zu einem von seinen Nutzern geformten Ort verändert, ist für mich ein sehr inspirierendes Thema und damit auch eines der Hauptthemen in meiner Arbeit.“ Ea Vasko wurde 1980 in Helsinki geboren, wo sie heute lebt und arbeitet. Sie erhielt 2009 ihren Master in Fotografie an der Aalto University, School of Arts, Design and Architecture (heute University of Art and Design). Seitdem wurden ihre Arbeiten in zahlreichen Einzelausstellungen gezeigt, darunter Ma in der Galerie Kant (Kopenhagen, 2015) und Defining Darkness in der G/P Gallery (Tokio, 2009). Vaskos Arbeiten wurden auch in Gruppenausstellungen in ganz Europa ausgestellt, darunter Fin(n)ish: Fresh Contemporary Art from Finland, Rare Gallery (New York, 2014), Helsinki Abstract, Galerie Nikolaus Ruzicska (Salzburg, 2012), und Touching Dreams - The Helsinki School, The National Museum of Photography (Kopenhagen, 2011).
Ort: Persons Projects bis: 2024-03-09
Künstler: Nanna Hänninen
Thema: Persons Projects is proud to present Nanna Hänninen’s exhibition Vanishing Views. In the selected works, Hänninen focuses on current environmental issues that affect global communities, while intrinsically warning all of a future that is fast approaching. Her minimalist work conceptually challenges our perceptions of climate change by exploring through photography the gradual disappearance of uniquely diverse ecosystems. Exploring these impacts, Hänninen combines different, seemingly detached objects and places. In merging these factors together, the artist has found her own way to visually address the urgency of climate protection.
Ort: Persons Projects bis: 2024-01-27
Künstler: Joakim Eskildsen, Paweł Książek, Zofia Kulik, Milja Laurila, Dominik Lejman, Jorma Puranen
Thema: Persons Projects freut sich, die neueste Gruppenausstellung mit dem Titel Portraiture as Social Commentary zu präsentieren, die nicht nur die verschiedenen Aspekte des Porträts als Genre beleuchtet, sondern auch eine Vielzahl künstlerischer Perspektiven miteinander verbindet. Ein Porträt kann ein Gemälde, eine Fotografie, eine Skulptur oder eine andere Darstellung einer Person sein, bei der das Gesicht und seine Mimik im Vordergrund stehen. Sie offenbaren die Präsenz des Subjekts aus der Perspektive des Künstlers oder der Künstlerin – eine Verschmelzung von Kontrasten zwischen Projektion des einen und Wahrnehmung des anderen. Diese Bilder werden zu Spiegeln mit vielen Gesichtern, die sowohl die politischen als auch kulturellen Entwicklungen ihrer Entstehungszeit widerspiegeln können und damit eine sozialkritische Relevanz erhalten.
Ort: Persons Projects bis: 2023-09-09
Künstler: Miklos Gaál, Ilkka Halso, Nanna Hänninen, Janne Lehtinen, Anni Leppälä, Niko Luoma, Mikko Sinervo, Ea Vasko
Thema: Persons Projects lädt Sie herzlich zum Besuch der diesjährigen Sommerausstellung The Helsinki School Perspective ein, die sich über beide Galerieräume Lindenstr. 34 und 35 erstreckt und eine Auswahl von Künstler:innen präsentiert, die besonders in den Anfängen der Helsinki School eine zentrale Rolle spielten. Die Ausstellung ist dem historischen Aspekt gewidmet und zeigt, wie diese Künstler:innen den fotografischen Prozess als Stimme der Abstraktion und als Werkzeug zur Interpretation unserer emotionalen Landschaften nutzen. Die Plattform der Helsinki School wurde von Timothy Persons in den 1990er Jahren ins Leben gerufen. Inspiriert durch seine eigenen Erfahrungen mit dem Open Studio Concept, das während seines Studiums Mitte der 1970er Jahre in Südkalifornien populär war, entwickelte sie sich in Finnland zur größten und nachhaltigsten Bildungsplattform ihrer Art. Inzwischen besteht die Helsinki School aus sechs Generationen ausgewählter MA-Studierender der Universität für Kunst und Design in Helsinki. Ihr facettenreiches Kunstschaffen wurde in bislang 6 Katalogbänden und mehr als 180 Monographien veröffentlicht. Mit dieser Ausstellung soll nun eine neue Perspektive auf die konzeptionellen Wurzeln der Helsinki School eröffnet werden. Der erste Teil der Ausstellung bring vier künstlerische Positionen zusammen, die den fotografischen Prozess auf unterschiedlichste Weise nutzen, um eigene Interpretationen von Zeit und Raum zu erfassen sowie für die Betrachtenden erfahrbar zu machen. Für die Motive seiner Serie Adaptations schöpft Niko Luoma aus weiten Teilen der Kunstgeschichte. Die Auswahl an Werken, die der Künstler neuinterpretiert, reicht von Jacques-Louis David über Marcel Duchamp und Pablo Picasso bis hin zu Francis Bacon. Mit seiner einzigartigen fotografischen Praxis abstrahiert Luoma diese ikonischen Bilder, um etwas völlig Neues zu schaffen. Dabei geht es ihm nicht darum, das Original zu duplizieren, sondern es im Geiste seiner Entstehung zu interpretieren. Seine Bilder wachsen buchstäblich von innen nach außen, da er das finale Aussehen des endgültigen Bildes nicht vorhersagen kann, bevor es gedruckt ist. Das Hauptinteresse des Künstlers richtet sich allerdings nicht auf das künstlerische Endprodukt, sondern den Entstehungsprozess – allen voran die Rolle des Lichts und den Moment, wenn dieses den Film berührt. Die Belichtung wird zu seinem Tanz und enthüllt die Musik, von der er sich inspirieren lässt. Die Fotografien repräsentieren 20 Jahre von Luomas Experimenten mit dem Licht als eine stumme Stimme. Reflections of the Ever-Changing (The Short History of Now) ist eine Serie Ea Vaskos von fotografierten Spiegelungen nächtlicher Stadtansichten, welche die Künstlerin als Symbole des stetigen Wandels im städtischen Raum interpretiert. Spiegelungen verfügen über die Fähigkeit, das sie umgebende Licht zu einem abstrahierten Bild auf einer Oberfläche zusammenzufassen. Vasko vergleicht diese Lichtreflexionen mit der Erfahrung von Zeit: Augenblicke sind frisch, abstrakt und noch abseits einer logischen Zeitlinie, die wir in unserem Kopf aufzubauen pflegen. Die Abstraktion und unvorhersehbare Qualität des Jetzt sind wie das Bild, das man in einer Reflexion sieht – es ist nicht vollständig erfasst, sondern nur eine erste Sichtung. Obwohl die Kamera Spiegelungen festgehalten kann, scheint sie für die sich ständig verändernde Welt zu langsam zu sein. So lässt sich auch in Vaskos Bildern erkennen, dass sich bereits während der Belichtungsphase neue Bewegungen abzeichnen. Für Mikko Sinervo ist die Landschaft ein emotionaler Raum. In seinen Fotografien verwendet er Aufnahmen von verschiedenen Landschaften, die er miteinander kombiniert und zu einem einzigen Bild zusammensetzt. Sinervo kreiert damit ganze neue, nicht existente Zeit- und Raumebenen, ähnlich wie Sedimentschichten in einem See oder auf dem Meeresboden. Die Ergebnisse seiner manipulierten Fotografie-Collagen sind wunderschöne Abstrakten, in denen die Landschaft als solche erkennbar ist, aber nicht als ein bestimmter Ort identifiziert werden kann. Sinervo präsentiert seine Arbeiten manchmal in Diptychen oder Triptychen und schlägt den Betrachtenden damit vor, sie so zu lesen, als würde man durch eine Landschaft reisen. Die Serie The New Landscapes von Nanna Hänninen folgt ihrem soziologischen Interesse am Individuum, das die Außenwelt wahrnimmt, versteht und sich in ihr verortet. Ihre Fotografien sind konzentrierte Erzählungen des Augenblicks, die in Form von Farbabstraktionen eine tiefere Bedeutung der umgebenden Realität verbergen. Die urbanen Landschaften in Hänninens Zeichnungen sind ihre eigenen Körperbewegungen, die auf dem Fotomaterial als rhythmische Lichtlinien festgehalten werden. Die Bildmotive lassen sich dadurch in eine abstrakte und eine realitätsbezogene Ebene unterteilen, wobei die menschliche Präsenz (Atmung, Herzschlag, Lachen, Sprechen und Gehen während der Belichtungszeit) zwar in einem fotografischen Medium aufgefangen wird, aber eher einem Gemälde ähnelt. Im zweiten Teil der Ausstellung werden vier weitere Ansätze von Künstler:innen vorgestellt, die den Betrachtenden nicht nur einen nordischen Zugang zur Landschaft geben, sondern ein einzigartiges Bild schaffen, das über die Art und Weise hinausgeht, wie wir unsere persönliche, soziale und ökologische Landschaft sehen. Die Fotografien von Anni Leppälä stellen den Versuch dar, vergangene Momente des Lebens zu fixieren. In ihren verwunschenen Szenerien verbergen sich zahlreiche Zeitebenen, die unter anderem darauf abzielen, das Ephemere zu bewahren. Kleine Details – wie lose Knöpfe in einer Schublade oder ein Fleck auf einem Hemd – sind als Symbole der Abwesenheit oder als vage Anhaltspunkte für das Auslöschen von Erinnerungen zu verstehen. In ihren sensiblen Kompositionen schafft sie Hinweise auf Erinnerungen, in denen die Momente der eigenen Vergangenheit wahrnehmbar werden: „Mein Interesse an der Fotografie ist eng mit der Zeit in der Vergangenheitsform verbunden, mit der Möglichkeit, einen Moment unbeweglich zu machen, etwas zum Stillstand zu bringen.“ Janne Lehtinen hat einen sehr persönlichen Ansatz gewählt, um über sein Leben nachzudenken und darüber, wie er sich zu dem Menschen entwickelt hat, der er heute ist. Der Künstler nutzt das Leben als grundlegendes Kontextmaterial für seine Selbstreflexionen und Fotografie als Mittel zur Projektion seiner Lebensauffassung. Er verschmilzt eine Fluxus-Mentalität mit dem nordischen Sinn für Stoizismus. Vor allem aber ist Lehtinen ein Geschichtenerzähler: In seiner Serie Where the Earth Ends wählte Lehtinen Orte aus, die ihm am besten als Bühne für seine Performances geeignet erschienen. Im Spiel mit den Elementen Wind, Licht und Wasser, der Vielfalt der Landschaften und dem Beiwerk des täglichen Lebens hat er eine ebenso poetische wie absurde Art des Erzählens geschaffen. In seinen Fotografien zeichnet er die so erlebte Erfahrung nach und lässt uns an seiner Vision der durchquerten Landschaften teilhaben. Die fotografischen Landschaften oder vielmehr Stadtansichten von Miklos Gaál sind in der Regel von einem entfernten und erhöhten Standpunkt aus aufgenommen. Sie zeichnen sich durch eine unlogische Verteilung von unscharfen und scharfen Bereichen im Bild aus, die den Fotografien eine unwirkliche Qualität verleiht, welche an Spielzeugwelten oder Miniaturparks erinnern. Um diesen Effekt zu erzielen, manipuliert Gaál die Filmplatte in der Kamera. Seine Methode ist teilweise zufällig – er weiß nie genau, wie die Bilder am Ende aussehen werden. Gaál wendet diese Art der Bildmanipulation seit fast 20 Jahren an und verwandelt das Reale in etwas Unbekanntes und Fremdes, etwas, das die Betrachter:innen nicht nur anschauen, sondern auch untersuchen und hinterfragen. So kommentiert der Künstler selbst: „Die fotografische Unschärfe weckt mein Interesse, weil sie die Realität auf eine neue Weise zeigt. Die Unschärfe verhindert, dass die Betrachtenden das ganze Bild auf einmal sehen. Ich bin daran interessiert, etwas Vertrautes auf eine neue, ungewohnte, sogar unheimliche Weise zu zeigen.“ Im Laufe seiner Karriere hat Ilkka Halso seine Fotografie auf den Schutz, die Wiederherstellung und das Verständnis der Anatomie der Natur ausgerichtet. Seit dem Jahr 2000 erforscht er in seinen Fotografien visuell, wie wir als Kultur neue Ansätze zur Wahrnehmung und Neubewertung der natürlichen Ressourcen entwickeln müssen, die wir zu oft als selbstverständlich ansehen. Halso baut selbst Strukturen, entweder physisch oder digital in seinem Atelier, um die Seen, Flüsse und Wälder nicht nur vor der vom Menschen verursachten Verschmutzung, sondern auch vor unserem direkten Missbrauch der wertvollen Ressourcen zu schützen. Der Künstler erklärt: „Wenn man die Natur in ein Museum bringt, muss man den Aspekt des Publikums/der Konsument:innen berücksichtigen. Die Natur wird zu einer Vergnügungsfahrt für Tourist:innen oder eine schöne Landschaft zu einer meditativen Theateraufführung.“
Ort: Persons Projects bis: 2023-07-01
Künstler: Sandra Kantanen, Eeva Karhu, Jorma Puranen, Santeri Tuori
Thema: On the occasion of Gallery Weekend Berlin 2023, Persons Projects is proud to present the group exhibition Refractive Landscapes. The show focuses on a selected group of artists from the Helsinki School who use abstraction as their mutual language in heightening our awareness of environmental changes in our natural surroundings. By using different photographic methods, the presented artworks capture the transformation of light through time and unveil the collective poses of change. Sharing an openness of form as well as a lack of sharpness of lines, the presented works bridge a conceptual dialogue between photography and painting that float on time, not in it.
Ort: Persons Projects bis: 2023-07-01
Künstler: Paweł Książek
Thema:
Ort: Persons Projects bis: 2022-11-12
Künstler: Elina Brotherus, Janne Lehtinen, Dominik Lejman, Jyrki Parantainen, Mikko Rikala, Santeri Tuori
Thema: Persons Projects is proud to present a group exhibition In the Sky Unlike a Bird which is a collection of six artists’ interpretations of how an individual weighs and ponders upon the different volumes of nothingness. It’s an exhibition that creates a space where words float in the air and islands hang by a thread pinned to an infinity of blue on blue. Imagine an image of gravity dangling by its arms or a man in the moon who teases the tides by splashing the ocean one wave at a time. Howard Altmann says it best in his poem used in collaboration with Dominik Lejman’s painting, "could it be the sky has changed its colors? The natural order is where I turn now to turn myself around”. It’s not about what we see but more so how we perceive the place we are in. Dominik Lejman received the prestigious prize of the Akademie der Künste in Berlin in 2018 for redefining the medium of painting. By combining abstract, geometric painting with a contemporary video projection, Lejman enriches his painting with a narrative – fabric and text, ‘fences’ of doubt between revelation and rejection, elation and fall. The painting The Talk, 2020 was conceived as a part of the wider collaboration between Dominik Lejman and US-American poet Howard Altmann, with the concept of painting providing a ‘stage’ for the performative unique poems. By combining the poetry of Altmann through a video projection on Lejman’s canvas the artist creates a state of being where the meaning of the words merges with their movement forming their own silent mantra. In the Sky Unlike a Bird is the title to Elina Brotherus exhibited work which draws its inspiration from the writing of Tuomas Timonen, a poet, playwright, and director from Finland. After 20 years of using herself as a model in her pictures, Brotherus felt that she had done all the poses someone could possibly do with their body. In 2016 she started to use Fluxus event scores and other written instructions by artists as the basis of her new work. This mirrors a Fluxus principle that anyone, anywhere, at any given moment, can use their creative sensibilities to interpret and reinvent an art piece, using whatever materials are available. She emphasizes, "it is not about mimicking another artist’s original performances, but studying and understanding the written protocols, the so-called ‘event scores’”. Janne Lehtinen with his on-going series Sacred Bird uses the sky as an inspiration in his poetic search to find different ways to fly. Everything from the myths surrounding Icarus to the flying machines imagined by Leonardo da Vinci are applied in his pursuit to defy gravity. These autobiographical explorations are acted out in a humorous manner and are a beautiful homage to his well-known glider pilot father and the Finnish landscape. We are accustomed to seeing the sky from the position of looking up from either the ground or floating on the water. The Sky series by Santeri Tuori is his reconstruction of rendering the sky as a valuable landscape on its own. The works are a combination of layering numerous photographs taken over various seasons for many years. Tuori’s process in creating a final image is to enhance some parts of the combined image while erasing others to heighten the resulting contrasts. By layering both black and white and color photographs together, Tuori creates his own imagined mindscapes that challenge the borders between painting and photography. Jyrki Parantainen states, "the line where land, water, and sky meet, is where our perspective ends, it is as far as the eye can hope to see. Beyond it lies a space where the imagination reigns. The horizon is not just a visual convergence of the three elements but a conceptual interface, the beginning of an ever expanding continuum of dreams and promises." In Parantainen’s works the sky and its vastness represent the universe where the unknown has no beginning or end – it’s not a place but a source for imagination and beyond.
Ort: Persons Projects bis: 2022-11-12
Künstler: Niina Vatanen
Thema: Persons Projects is proud to present Niina Vatanen’s solo exhibition titled Gravity Experiments and Cyclic Phenomena. This exhibition follows her 2015 solo show at C/O Berlin based upon her Time Atlas series. One’s experience of time is incredibly complex: By studying the movement of the planets, and with the help of various omens, such as prophecies, religions, and oracles, humans have investigated our place in the universe. In this exhibition, Vatanen does the same – she has combined images from various archives to create an encyclopedic visual essay concerning time. Vatanen has challenged, seduced, and explored time as a mystery from the beginnings of her career. She has repeatedly attempted to decode the intricate workings of time’s passage and our perception of it as the core question in her work. She explores time through means of collage, collecting, and archiving, as well as conceptual and intentional storytelling. She draws upon the myth of the "world egg” for her artwork of the same title. The old myth has roots in many cultures, among them Greek, Egyptian, and Finnish mythology. The reproducing of the story of the Earth being hatched from an egg shows that same search for an answer to our convoluted experience of time. Her archive that she has utilized for her art was slowly built up over decades and is incredibly personal. Initially, Vatanen started with her own personal memorabilia and then continued to collect images from outside sources; She then began pairing them and developing new connections. Her raw material comes from old encyclopedias that touch on topics that relate to time and its measurement: math, religion, science, and philosophy. She also utilizes newspapers, manuals, contemporary Internet imagery, and her own personal letters in order to create these new and inventive connections between different and otherwise unrelated fields. The content of each work is organized thematically and the association of images is based purely on formal qualities or content. In doing so, Vatanen poses questions about our perception of time, the convolution of history, personal experiences, the temporality of existence, and her own visual recollection. Rather than imposing her own recollections onto the viewer, she merely guides them; much like a compass without degrees. Vatanen also poses questions about the nature of art, photography, and authority, using her artworks to blur these lines – Vatanen pulls from numerous sources to create one composite image, inviting the viewer to ponder upon who is the creator of the final work. The artist is motivated by the way the images can be transformed. The prints of eclipses in The Eclipser (2022), for example, were initially old photos Vatanen found in the U.K. that were around 3 x 3 cm in size; She decided to enlarge them multiple times to reach her desired size. Thus, she is more concerned with the contextual content of what’s unseen rather than the photograph’s initial aesthetic. Vatanen’s large-scale fabric works are also titled Gravity Experiments and Cyclic Phenomena. Gravity is the phenomenon that keeps the Earth on its orbit, creating tides and causing objects to fall towards the Earth – these hanging fabric works similarly observe the cycles of nature, the passage of time, and the connections between the two. With these pieces, she effortlessly brings together our Earthly perceptions of gravity’s weight with the vastness and weightlessness of space. The installation of these fabric works also allude to the feeling of walking through a historic archive, searching for materials and the many hidden truths within them. When walking through her exhibition, there is no one correct way to navigate the beginning or end – Like the fluidity of the Japanese ensō circle, Vatanen takes the viewer on a playful journey through her own perception of time’s cycle and humans’ place within it.
Ort: Persons Projects bis: 2022-09-03
Künstler: Ilkka Halso, Sanna Kannisto, Sandra Kantanen, Mikko Rikala
Thema: Persons Projects is proud to present four photographers from The Helsinki School who challenge pressing questions concerning the fragility of our ecosystem. In a world that is facing rapid changes in industry and capitalism, how can one reconnect with nature? What does it mean to slow down, to focus on the unseen, and appreciate nature’s temporality? These artists are among those few who remain in dialogue with nature, making a radical decision to treat our ecosystem with respect and to strengthen the human connection to it. These artists raise the question that nothing is predetermined, and nature is unpredictable. Rather than trying to control and suppress our environment – much like the large corporations fuelling climate change – these artists work with the unreliability of the landscape, embracing it to further cement our relationship with it.
Ort: Persons Projects bis: 2022-09-03
Künstler: Tiina Itkonen
Thema: Tiina Itkonen’s quest in 1995, to photograph the northern most inhabited place on earth, ended up landing her in the small Inuit village of Siorapaluk, Greenland. This remote, polar, largely forgotten cluster of small wooden houses, unknowingly to her at the time, would grow into her life long work. What began as an adventure for a 27 year old woman traveling alone, grew to become a photographic historiography of the direct effects of global warming. Itkonen’s travels brought her back periodically to the same place for the past three decades. Her photographs record not only the environmental changes to that whole region of the world, but also how it impacts the human factor, both sociologically and emotionally. Her work systematically documents how climate change has altered a traditional way of living from a hunting society into a new uncertain reality. As the sea ice disappears, so do the indigenous peoples whose monetary incomes are derived from its natural bounties. Itkonen’s images are filled with a knowledge that can only be attained through decades of earning the local trust of its people. The children she so innocently captured on film in 1995 are now the leaders of the community. Their story has many chapters and Itkonen’s photographs help bind them into a rich but tragic history, where their way of life is slowly being forgotten. A good example of this is Itkonen’s austere rendering of these small wooden framed homes over a thirty year period. These once brightly colored houses are now gradually fading with the climate change, turning into grey abandoned remnants of what they once were, as their inhabitants move into towns to find employment. Her intimate photographs of this tiny but proud community, unfold a storyline that’s filled with love and loss, hope and tragedy, but no ending. Currently, Itkonen is collaborating with the American Piniartoq project in Greenland, to monitor and record global warming in their efforts to understand and preserve the beauty of this fragile yet disappearing environment.
Ort: Persons Projects bis: 2022-06-25
Künstler: Grey Crawford
Thema: During Gallery Weekend Berlin 2022. Persons Projects is proud to present Grey Crawford’s solo exhibition, Chroma Figura, which focuses upon his previously unseen color works from 1978-1984. The Southern California art scene of the 1970s and early 80s radiated with an energy that was unparalleled to any other time it had ever experienced. This cultural pulse could be felt in everything from ceramics to the Chicano art movement and this acute sense for creativity was never more evident than in the various art schools that surrounded the LA basin. Chasing an MFA in Southern California during the 1970s, whether it be at the Claremont Graduate University, where Grey Crawford attended, or any other Grad school in California, felt more like attending an event than being exposed to the rigors of academia. The Open Studio Concept, championed by Roland Reiss at Claremont Graduate University, and John Baldessari at CalArts reflected the creative spirit that was driving the times. This exhibition introduces his Chroma Figura series and focuses upon his breakthrough, highly original color works. In seven years, the artist created over 200 works. This selection of photographs represents an extension of Crawford’s interest in using masked geometric basic shapes we first saw in his black and white Umbra series. These photographic images still reflect his painterly roots inspired by two of California’s hard-edge painters Karl Benjamin and John McLaughlin, yet Crawford’s experimentations add a new dimension to this ongoing dialogue. Most importantly, they now establish and give credit to Crawford’s uniqueness. Working within LA’s urban landscapes of storage units, gas stations, parking lots, and industrial buildings, Crawford used the ordinary as a backdrop for his photographic documentation to later alter with his darkroom alterations. These experiments transformed the architecture of everyday Southern Californian life into another plane of thinking. By using his own printing techniques of inserted colored geometric shapes along with various lines and gradients on photographic paper Crawford, marks a new chapter in the history of color photography. Crawford, who inadvertently discovered him through Emilio Ambasz’ publication, The Architecture of Luis Barragán (1976), was inspired by Barragán’s use of strong chromatic hues and color tones to define the volume of space. He then worked the following ten years using the darkroom for his one-man performances in exploring and creating new methods in defining his own color language. His darkroom innovations may have utilized the forms and fronts observed in these earlier hard-edge painters, yet his colors reflect his fascination with the Mexican architect Luis Barragán. Hubertus von Amelunxen writes ‘In an essay on photography in America in the 1970s, Max Kozloff asked: ‘Where have all the people gone?’’(1) He was referring, among others, to the images by Robert Adams, Lewis Baltz and Bernd, and Hilla Becher and pointed out that he was not familiar with the equally uninhibited art of Grey Crawford, as scarcely anyone else was at the time, or even today. The question that needs to be asked here is how did Grey Crawford’s work go 40 years unnoticed, unpublished, and not exhibited? The answer lies partially with the status of photography within the art world in general and the fact Crawford was using the photographic process as a tool for his conceptual thinking. His approach combined the technical skills he acquired at the Rochester Institute of Technology with a curiosity that was most prevalent on the West Coast during the mid-1970s. Photography was going through a transformation period. This new understanding of how to interpret it as art had different tastes depending on which coast you worked from. Color photography on the West Coast could be seen in the works of Lee Rice, Patrick Nagatani, Barbara Kasten, Grant Mudford, and Richard Misrach. This is not taking anything away from William Eggleston or Stephen Shore and their East Coast contemporaries. On the contrary, they all shared a common denominator by how they focused on the traditional method of using what was in front of the camera to find their final image. Crawford on the other hand approached the creative process in a completely different manner. He literally abstracted his landscape images by cutting and masking basic geometric shapes through color filters directly onto the photographic paper. Crawford was imagining a virtual reality long before the technologists introduced the digital revolution which would eventually make photoshopping a part of everyday life. Grey Crawford’s oeuvre was hardly shown within the last forty years and was only rediscovered in 2017 making it a subject of critical attention. His Chroma series marks a turning point in how art history will rewrite itself to include those visual pioneers who found their voice long before anyone else could hear them. Since then, three monographic books have been published, his work has been included in the collections of the Getty Museum, the Albright-Knox Art Gallery, and the Turku Art Museum, among others. The exhibition is accompanied by the latest book of the artist published by Beam Editions.
Ort: Persons Projects bis: 2022-06-25
Künstler: Milja Laurila
Thema: During Gallery Weekend Berlin 2022. Persons Projects is proud to present Milja Laurila’s Untitled Women series, which utilizes a present day feminist lens to understand how women have historically been viewed by men. The 1930s book titled Woman. An Historical Gynæcological and Anthropological Compendium acts as a point of departure for Laurila’s work. Originally published in German in 1885 and written by three men, the book is illustrated with hundreds of photographs of naked women and children from all over the world, primarily colonized countries. This cross between anthropology, racism, and sexism, come together to create an uncomfortable viewing experience that claims to be ‘scientific’. The photographed women have no voice and they are presented as exotic specimens found in nature. The ethnographic pictorial style allowed the pretence of looking at women objectively and innocently. The exoticizing gaze, with its sexual desire, was hidden behind the veneer of legitimate scientific inquiry. Instead of allowing this shameful piece of human history to be kept in the past, Laurila brings the book back, and keeps it in dialectic conversation with current feminist perspectives to flip the notion of the gaze on its head. This 1930s book addresses the binary and hierarchical gender divide, which states that men have the power to gaze upon women, but women can only be the subject. Using found photographs, Laurila’s work inverts this original perspective: She uses a translucent paper to hide the ‘scientific’ photo, making only the eyes visible and obscuring the body. This forces the viewer to be looked at by the women in a new way; Put in the position of the original photographer, they must question the act of looking and must reflect on history. Laurila asks, "How does it feel to be looked at?”.
Ort: Persons Projects bis: 2022-04-23
Künstler: Zofia Kulik, Anni Leppälä, Ragna Róbertsdóttir, Niina Vatanen
Thema: Persons Projects ist stolz, eine einzigartige Auswahl an Künstlerinnen zu präsentieren, deren Schaffen auf einer gemeinsamen Basis beruht: Obwohl ihre Werke nicht unterschiedlicher sein könnten, vereint sie das gemeinsame Schöpfen aus der jeweils eigenen persönlichen Geschichte sowie die Beeinflussung von weiblichen Sichtweisen, die sich entscheidend auf ihr künstlerisches Dasein ausübten. Vor diesem Hintergrund will die Gruppenausstellung vier verschiedene weibliche Perspektiven untersuchen und zeigen, wie die Künstlerinnen durch den Prozess der Objektivierung der eigenen Ängste und Zweifel miteinander verbunden sind. Ihre künstlerischen Mittel und Werkzeuge reichen dabei von Nadel und Faden bis hin zu textilen Ornamenten und Mustern. Gänzlich unabhängig von den verwendeten Materialien ist dabei die taktile Sensibilität, die sich in den, durch die Ausstellung versammelten Werken zeigt. Sämtliche Handarbeit wie Stricken und Nähen werden historisch gesehen mit Frauen und ‚häuslichen Aufgaben‘ in Verbindung gebracht, wobei häufig übersehen wird, wie viel Geschick und Kreativität für die Schaffung eines Kunstwerks erforderlich sind. Seit den Anfängen des Surrealismus sind diese Tätigkeiten eines der wenigen Mittel, mit denen die feministische Stimme der Unzufriedenheit charakterisiert wird. Generationen von Künstlerinnen, die die Erwartungen der Gesellschaft negierten und ihnen entkommen wollten, haben das textile Arbeiten bewusst vermieden. Heute greifen zeitgenössische Künstlerinnen diese Traditionen bereitwillig auf und verweisen damit auf die Wiederholung alltäglicher Tätigkeiten als Grundlage unserer Existenz.
Ort: Persons Projects bis: 2022-04-23
Künstler: Jussi Nahkuri
Thema: Persons Projects is proud to present Jussi Nahkuri’s first solo exhibition, Every Passing Moment, which centers around his most recent group of works entitled Discussing Duration. The project exemplifies Nahkuri’s fascination for the complex theme of time and his passionate pursuit of perceiving momentariness. By exploring the range of possibilities of how to translate and shape the passage of time into physical forms, he has thereby found a very unique variation of conceptual art. Nahkuri’s approach is inspired by the theories of French philosopher Henri Bergson who is majorly known for his elaborations regarding the superior significance of immediate experience and intuition in order to understand time. Since rationalism is more or less irrelevant in this cognitive process, the unpredictability is above all the key element to access Nahkuri’s work: Pieces like Standing on the Shore (2021) or People Passing by (2020) consist of several hundreds of photographs, each one of them being taken from the same place, the same day. However, as the interval between the takes differs in each singular work and all the changes are caused by natural occurrences, the outcome is completely unpredictable. Nahkuri hereby reduces himself to a subordinate role, seemingly facilitating the final product – a working method that ostensibly links him to artists such as Gerhard Richter or Jackson Pollock. By stacking and sequencing the photos into thin horizontal slots on the canvas, they start to create a new landscape on their own, resembling the pattern of bar codes. With the last step of mounting the prints onto different shapes of a metallic object, Nahkuri renders his primary material beyond recognition. But not only do these three-dimensional structures refuse to leave any trace of their photographic origin, but they also push even further by barring an interactive potential that is very unlikely for this medium: depending on the hanging, lighting, and shadow-casting, which are of salient importance, the viewer’s perception will differ every single time. Nahkuri hence has created artworks that both entail and generate a multitude of unique moments. Jussi Nahkuri was born in 1988, he works and lives between Helsinki and Kouvola, Finland. In 2020, he graduated from Aalto University, School of Arts, Design and Architecture, with an MA degree. His works have been exhibited in institutions like the Poikilo Museum in Kouvola and the Finnish Museum of Photography in Helsinki, Finland.
Ort: Persons Projects bis: 2022-03-05
Künstler: Grey Crawford, Hilla Kurki, KwieKulik, Józef Robakowski
Thema: Persons Projects proudly presents the group exhibition Framed. Activities for the Camera, focusing on the correlation between performance and photography. Performance as an art form, beginning in the mid-20th century, has been used and developed by contemporary artists through their use of photography as their primary tool for recording their ideas and actions. Understandably, performance art needs photography to be able to last. Yet, photography plays an even more important role, not only as a means for the documentation but especially when the performance is staged solely for the camera. This exhibition presents a selection of artists who recorded their actions specifically for this reason. Together, these selected works span more than 50 years and represent several geo-political regions.
Ort: Persons Projects bis: 2022-01-22
Künstler: Karl Ketamo
Thema: Persons Projects | Helsinki School is proud to present Karl Ketamo’s first solo exhibition, Among Other Things. Inspired by Walter Benjamin’s essay The Work of Art in the Age of Mechanical Reproduction (1935), Ketamo questions the relationship between objects of mass replication as opposed to the exclusiveness of the same object as a piece of art. One is produced and marketed on a global scale, while the other finds its exclusivity in a gallery. Ketamo utilizes a multidisciplinary approach in how he realizes his works, using photography, moving image, and sculpture for his various installations and exhibitions. Ketamo objectifies the ordinary by reinventing the normalcy of his chosen subjects. His works redirect our awareness of how these objects symbolize specific issues relevant in today’s society.
Ort: Persons Projects bis: 2021-08-28
Künstler: Niko Luoma
Thema: Ausstellung: 29. April – 28. August 2021 Eröffnung: Freitag, 30. April 2021, 12:00–20:00 Uhr Persons Projects | Helsinki School freut sich, Niko Luomas Einzelausstellung “For Each Minute, Sixty-Five Seconds” zu präsentieren. Die Auswahl an Arbeiten seiner Adaptations-Serie zeigen seine Faszination für Neuinterpretation von Werken aus der Kunstgeschichte, die entweder ihn selbst oder unser kollektives Verständnis von Kunst beeinflusst haben. Luomas umfangreiche, gleichnamige Publikation mit dem Hatje Cantz Verlag wird zum selben Zeitpunkt präsentiert, was Anlass ist, die “Adaptations” erstmalig zusammen mit seinen unzähligen und zuvor noch nie ausgestellten Zeichnungen und Skizzen zu zeigen. Niko Luoma ist Vorreiter im Bereich der fotografischen Abstraktion und eine Schlüsselfigur der Helsinki School Bewegung. Sorgfältig arbeitet er mit dem analogen Prozess, sodass seine geometrischen Kompositionen keiner weiteren digitalen Manipulation bedürfen. Seine Herangehensweise ist methodisch und Bildkompositionen sind sorgfältig geplant, dennoch kann er sich dem endgültigen Ergebnis nie sicher sein, bis es gedruckt wird. Luomas Fotografien finden ihre kontextuellen Wurzeln darin, wie er Einflüsse des Kubismus und Konstruktivismus kombiniert, um daraus seinen eigenen Abstraktionsstil zu entwickeln. Er bricht mit gängigen Wahrnehmungs- und Interpretationsweisen und schafft so seine eigene visuelle Sprache mit den Mitteln der Fotografie. Der Titel “For Each Minute, Sixty-Five Seconds” spielt eine zentrale Rolle in der Ausstellung, angelehnt an die Vorstellung von Licht, das auf die Oberfläche eines Fotofilms trifft. Zeit steht in Luomas Vorgehen nicht für Geschwindigkeit, sondern für Dauer, denn die ist notwendig, damit der Film das Licht absorbieren kann, dem Luoma ihn immer wieder aussetzt. Der sich wiederholende Prozess, das gleiche Negativ immer wieder zu nutzen, um eine Auswahl gefilterten Lichts zu sammeln, macht es ihm möglich, Licht zu formen und damit den Raum zu füllen. Sein Fokus liegt eher darauf, was sich im Inneren der Kamera abspielt als auf dem, was vor ihr passiert. In der Werkauswahl zeigt sich Luomas Begeisterung für den Kubismus: Angefangen mit “Les Demoiselles d’Avignon” (1907) von Pablo Picasso, über Jacques-Louis Davids Meisterwerk “La mort de Socrate” (1787), William Turners wegweisenden, lichtgefluteten Werke der 1820er Jahre, bis hin zu den ikonischen Swimmingpool-Gemälden von David Hockney aus den 1960er Jahren. Auch Hockney wirft eine kubistische Sichtweise auf, die jener gleicht, die Picasso vor über hundert Jahren populär machte. Luomas Adaptations sind nicht als direkte Interpretationen zu verstehen, vielmehr als Erweiterungen der Wahrnehmung dieser Werke. „Ich wähle die Werke anhand ihrer formalen Qualitäten aus und danach wie diese zu mir sprechen: Die Ausrichtung der Linien sowie die darin enthaltenen Elemente sind essenziell“, so Luoma. Er analysiert die ausgewählten Kunstwerke und fertigt Skizzen an, in denen er das Bild entsprechend seiner Perspektivlinien und Kontrapunkte aufteilt. Dabei entsteht eine potenziell willkürliche Reihe geometrischer Figuren. Luomas Kompositionen werden durch ein lineares Raster zusammengehalten und folgen der vertikal-horizontalen Ausrichtung gerader Linien und reiner Spektralfarben. Adaptations spielt mit der Wahrnehmung der Betrachtenden und fordert unsere Fähigkeit zum Wiedererkennen heraus, wenn wir in diesen von der Kunstgeschichte inspirierten, farbigen Fotografien finden sollen, was uns bekannt erscheint. Niko Luoma abstrahiert Gemälde, indem er lediglich den Spuren des Originalbildes folgt, die Realität auf ihre reinste, grundlegendste Struktur reduziert und so konventionelle Darstellungsformen in Frage stellt. Er nutzt Wiederholungen und Überschneidungen, um Bilder auf einzelne Formen herunterzubrechen, sie neu anzuordnen und so das ursprüngliche Bild zu dekonstruieren. So macht er nicht nur auf die Zweidimensionalität des fotografischen Mediums aufmerksam, wenn er die tradierte Perspektive der Post-Renaissance hinter sich lässt und alle Elemente physischer Realität ausschließt, sondern legt ein zusätzliches Augenmerk auf die Verwendung von Primärfarben: Er erkundet ein Spektrum von Farbtönen und untersucht komplexe Geometrien, die passgenau zusammen- und übereinandergelegt werden, um ein dynamisches Wechselspiel zwischen Oberfläche und Tiefe der Fotografie zu kreieren. Die Betrachtenden werden einem üppigen Feld geometrischer Farben und Muster überlassen. Und doch abstrahiert Luoma nicht nur den sichtbaren Inhalt des Originals, sondern ebenso die Emotionen, die mit diesem assoziiert werden. In “Self-Titled Adaptation of Study of Henrietta Moraes (1969)” von 2019, basierend auf Francis Bacons Gemälde, ist die Fotografie so expressiv, dass sie sich wie Teil einer musikalischen Bewegung anfühlt. Luomas Fotografien strahlen die Transluzenz eines vielschichtigen Gemäldes aus, das sich in einem eigenen musikalischen Rhythmus bewegt. Luoma nähert sich seinem Werk wie ein Maler, erfühlt es jedoch vielmehr wie ein Musiker – fast könnte man meinen in seinen Arbeiten Eigenschaften des Jazz zu erkennen: „Zuerst komponierst du ein Thema, dann gehst du zur Improvisation und dem Unbekannten über, und schließlich wieder zurück zum Thema, um den Auftritt abzuschließen.“ Niko Luoma wurde 1970 in Helsinki geboren, lebt und arbeitet zwischen Helsinki und Triest, Italien. Nach seinem Studium an der School of the Museum of Fine Arts, Boston (1998) und der New England School of Photography, Boston (1995), beendete Luoma 2003 seine Studien an der Aalto University School of Arts, Design and Architecture, wo er seither unterrichtet. Seine Arbeiten wurden weltweit ausgestellt, unter anderem im Museum Weserburg, Bremen; Borusan Contemporary, Istanbul; EMMA Museum, Espoo; Landskrona Museum, Landskrona; The Stenersen Museum, Oslo oder dem Finnish Museum of Photography, Helsinki. Er ist in zahlreichen internationalen Sammlungen vertreten, wie bei Borusan Contemporary, der Miettinen Collection oder der Sammlung der Europäischen Zentralbank.
Ort: Persons Projects bis: 2021-08-28
Künstler: Kristján Gudmundsson, Jarosław Kozłowski, Ville Kumpulainen, Milja Laurila, Dominik Lejman
Thema: Ausstellung: 29. April – 28. August 2021 Eröffnung: Freitag, 30. April 2021, 12:00–20:00 Uhr Persons Projects präsentiert die Gruppenausstellung “Inconsistent Ways of Seeing”, die sich dem Verhältnis von Bild und Sprache widmet. Unterschiedlich in der Wahl von Medium und Material eint die fünf ausgewählten Künstler:innen ihr Interesse an der Auseinandersetzung mit verschiedenen Perspektiven auf die Beziehung zwischen Text und visueller Kunst. Sie verbindet das Hinterfragen der Assoziationen mit dem, was wir basierend auf Wissen und Erfahrung in der Verknüpfung eines Bildes mit den es definierenden Worten sehen und annehmen. Dieser Prozess der Entkopplung bricht mit der Identitätsbeziehung zwischen dem Verbalen und Visuellen und fördert abstraktes Denken. Die Kombination von Text und Bild hat eine lange Geschichte in der Kunst, insbesondere mit dem Dadaismus, Surrealismus, Fluxus und dem Aufkommen der Konzeptkunst im vergangenen Jahrhundert. Die Künstler:innen der 1960er- und 1970er-Jahre behandelten Sprache als ein gleichwertiges Element in ihren Arbeiten und schufen auf diese Weise neue Perspektiven auf die Interpretation und Präsentation ihrer Ideen. Die Ausstellung führt diesen Dialog fort, mit einer Werkauswahl aus den letzten drei Jahrzehnten. Jarosław Kozłowski und Kristján Gudmundsson sind zwei der wichtigsten Konzeptkünstler, die aus Polen und Island hervorgegangen sind. Ihre künstlerischen Praktiken mögen sich in Anwendung und Vorgehensweise unterscheiden, aber beide verbindet, wie sie Sprache, Symbole oder grundlegende Objekte verknüpfen, um abstraktes Denken durch Interpretation zu provozieren. Seit den frühen 1970er-Jahren untersucht Jarosław Kozłowski den Einsatz von Sprache als einen essentiellen Teil konzeptueller Kunst. Er hinterfragt, wie sie durch Zeichen, Gesten, Farben, Worte und deren Wiederholung symbolisch repräsentiert und definiert werden kann, um deren kontextuelle Bedeutung zu begründen. Sein gesamtes Oeuvre stellt einen konstanten Strom von Fragen dar, und wie er selbst sagt: „Ich adressiere diese wiederholt, weil sie immer noch relevant sind.“ Die ausgestellte Serie “Small Images” befragt den Status des Bildes und seines Untertitels. Diese Werke folgen dem Prozess der Wahrnehmung und der Rolle der Imagination bei deren Interpretation. Kristján Gudmundsson ist eine der Schlüsselfiguren der zwar kurzlebigen, jedoch einflussreichen Bewegung progressiver Künstler:innen namens SUM. Diese Gruppe forderte die künstlerischen Praktiken in Island in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren radikal heraus und erneuerte sie schließlich. Stetig stellt er infrage, was Kunst ausmacht, indem er unsere Annahmen darüber, was sie ist, auf den Kopf stellt. Gudmundssons Werke sind von seiner minimal-ästhetischen Philosophie angeregt, die ihren Ausdruck in der Form findet, wie sie ausgeführt wird, um mit einem schlichten Sinn für Poesie im Einklang zu sein. Er ist ein Dichter der Prägnanz, der die unbegrenzte Abfolge wiedererkennbarer Objekte durchforstet und unser Verständnis von dem erweitert, womit wir umgeben sind. In seiner ausgestellten Arbeit “Norwegian Color Poem” spielen Farbelemente auf jeweils vier Ebenen mögliche Variationen und Funktionen zwischen Präpositionen wie „oder“ - „und“ aus und definieren die räumliche Position sowie Anordnung eines Objekts. Dominik Lejman erhielt 2018 den renommierten Preis der Akademie der Künste Berlin für die Neudefinition des Mediums der Malerei. Indem er abstrakte geometrische Malerei mit Videoprojektionen kombiniert, bereichert Lejman seine Gemälde um ein Narrativ – Gewebe und Text, „Zäune“ von Zweifel zwischen Offenbarung und Verwerfung, Euphorie und Fall, Elysium und Gefängnis, wie Hubertus von Amelunxen schrieb. Die malerische Ästhetik des Künstlers, gepaart mit der mechanischen Projektion in Erinnerung an Marcel Duchamp, machen die Interpretation dessen möglich, was sichtbar und was unsichtbar ist, Dopplungen und palimpsestartigen Überlagerungen, das Erscheinen und Verschwinden von Körpern, grausame Enthüllungen und Verschleierungen. Das Gemälde “After Hours” entstand als Teil einer Kollaboration zwischen Dominik Lejman und dem US-amerikanischen Dichter Howard Altmann, in welcher das Konzept der Malerei eine „Bühne“ für dessen einzigartige performative Gedichte darstellt. Milja Laurila und Ville Kumpulainen nutzen die Fotografie als konzeptionelles Werkzeug und sind beide Teil der Bewegung der Helsinki School. Laurila sammelt Fotografien aus alten Enzyklopädien, um zu untersuchen, was mit ihnen geschieht, wenn sie ihrem ursprünglichen Kontext des visuellen Wissens herausgelöst werden. Die Serie “Atlas und Grundriss der Psychiatrie” wurde von einem deutschen Buch zur Psychiatrie von 1902 inspiriert. Dieses beschreibt nicht nur unterschiedliche Typen mentaler Krankheiten, sondern dokumentiert diese auch visuell. Damals nahm man an, dass sich psychische Erkrankungen in der physischen Erscheinung manifestierten, dass man sie also sehen könne. Standardmäßig wurde die Physiognomie der Patient:innen bis ins Detail beschrieben. Die Bedeutungen, die einer Fotografie zugeschrieben werden, hängen stark von Kontext, Praktiken und den Situationen ab, in denen sie genutzt wird. Das Porträt einer Person mit dem Untertitel „psychisch krank“ will uns glauben lassen, dass diese Person tatsächlich psychisch krank ist. Aber was passiert, wenn die Bildunterschrift fehlt? Scheint die Person dann immer noch psychisch krank? Ville Kumpulainen untersucht das Ungesehene, indem er mit der Kamera neue Dimensionen und visuelle Realitäten aus einer anderen Perspektive einfängt, ausgehend von seiner Sammlung alltäglicher Gegenstände, mit denen wir uns alle umgeben. Anschließend macht er sich daran, die intrinsischen Stimmen dieser Objekte zu finden, wobei er sie mit Fragmenten und Worten kombiniert, die er über die Jahre in Zeitschriften und Büchern gesammelt hat. Scheinbar nutzlose Gegenstände gewinnen eine neue Bedeutung, wenn sie mit zweckfremden Worten verknüpft werden. Kumpulainen fordert die Betrachtenden mit seiner Zusammenstellung von Bildern heraus und definiert ihre Form mittels Wörtern, die mit anderen Bedeutungen assoziiert werden, neu. Anschließend kombiniert er diese textlichen Dissoziationen auf poetische Weise mit Abstraktion, um unsere Vorstellungskraft umzulenken. Kumpulainen sagt: „Mein künstlerisches Schaffen visualisiert die unerwarteten und inkonsequenten Denkweisen, die man im kreativen Prozess suchen und eindrucksvoll entdecken kann.“
Ort: Persons Projects bis: 2021-04-24
Künstler: Jari Silomäki
Thema: Persons Projects präsentiert, anlässlich des 100. Geburtstags von Joseph Beuys, Jari Silomäkis Einzelausstellung We are the Revolution, after Joseph Beuys, die auf Beuys‘ berühmtem Werk La Rivoluzione Siamo Noi von 1972 basiert. In seinem Schaffen verfolgt Silomäki eine dokumentarische Herangehensweise, mithilfe derer er persönliche Narrative erschafft. Er entwickelte eine Art der Interaktion mit seinen Subjekten, wobei er den Raum zwischen Fakt und Fiktion drehen und erweitern kann, indem er eine eigene konzeptionelle Sprache schafft, die seine Handschrift in die Fotografien integriert. Silomäki folgt Beuys‘ Ansatz, dass sich Gesellschaft durch Kunst und Kreativität transformieren könne. Dieser legt den Grundstein für dessen Experimente sozialer Skulpturen, welche die Einstellung der Fluxus-Bewegung „Jede:r ist ein:e Künstler:in“ reflektiert. Silomäki äußert: „Beuys läuft mit großem Selbstbewusstsein auf die Kamera zu, suggerierend, dass wir, die Betrachter:innen, eine Revolution starten könnten, wenn wir uns ihm nur anschlössen. Er war ein politischer Künstler, der Kunst als ein Mittel zur Veränderung der Gesellschaft sah. Ich kehrte Beuys‘ Idee auf gewisse Weise um, indem ich mein Alter Ego erschuf und ihm als ein Individuum folgte, das zum Objekt der unvermeidlichen Kräfte der Geschichte wird, nicht zu deren Meister. Wie ein Tourist reiste ich zu historisch bedeutenden Städten überall in der Welt, die Schauplätze politischer Tragödien wurden. Jedoch war meine künstlerische Intention und Erfahrung alles andere als touristisch. Ich begab mich dorthin, um genauso viele Schritte zu gehen wie es Menschen gab, die den politischen Gräueltaten zum Opfer fielen, welche diese Städte historisch bedeutsam machten.“ Er begann sein Projekt im Jahr 2006. Startpunkt seines „Laufprozess-Stücks“ war der Tatort des Mordes an Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Ungarn und seiner Frau Sophie Chotek in Sarajevo, und es endete am Ground Zero in New York. Die Lücke zwischen diesen beiden Ereignissen repräsentiert eine unzählbare Gesamtheit an Schritten. Die ausgestellte Serie besteht aus 13 Fotografien, begleitet von einer Videoarbeit. Jari Silomäki ist ein Geschichtenerzähler, der seine künstlerische Sprache dazu nutzt, zu fragen und erforschen, wie Individuen ihren inneren Kompass nutzen, um ihren Platz in den Realitäten der Geschichte zu finden. Er wirft die Frage auf, wie sich eine einzelne Person zum großen Ganzen verhält. Auch wenn Silomäkis Serie den gleichen Titel mit Beuys‘ Werk teilen mag, so ist ihre Intention doch eine andere: Sie baut auf einem zentralen Thema auf, das sich durch Silomäkis Arbeiten der letzten 20 Jahre zieht. Er strebt danach, ein soziales Bewusstsein zu schaffen und möchte zeigen, wie wir als Individuen in unserem täglichen Leben darauf zugreifen können. Diese Ausstellung handelt eher von Offenbarung als von Revolution, denn Silomäkis Alter Ego geht mit den Opfern anstatt selbst eines zu werden. Seiner ist kein Marsch in einer Bewegung der Veränderung, sondern ein Schritt in das Gedenken derer, die ihr Leben auf dem Pfad der Geschichte verloren haben, in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Jari Silomäki wurde 1975 in Parkano, Finnland, geboren. Er lebt und arbeitet in Helsinki. Er graduierte 2007 an der Aalto University School of Arts, Design and Architecure. In Einzelausstellungen war er in Institutionen wie dem Finnish Museum of Photography (Helsinki, 2020) vertreten, Gruppenausstellungen fanden u.a. in Convento da Trindade (Lissabon, 2018), im Kiasma Museum (Helsinki, 2016), auf der Manifesta 10. Parallely Program (St. Petersburg, 2014), im Ludwig Museum (Budapest, 2009), im MoMA P.S.1 (New York, 2008) und auf der Sydney Biennale (Sydney, 2004) statt.
Ort: Persons Projects bis: 2021-04-24
Künstler: Ville Lenkkeri
Thema: Persons Projects freut sich, Ville Lenkkeris Einzelausstellung Looking Back with Closed Eyes zu präsentieren, die von einer kleinen finnischen Industriestadt auf dem Land handelt, einst Heimat von Lenkkeri und seinem Vater, der dort als Arzt tätig war. Die Ausstellung setzt sich aus einer Auswahl von Arbeiten der Serien Petrified Forest und Medical Records of a Small Town zusammen. Ihr Hauptfokus liegt auf der Beziehung zwischen dem Künstler und seinem verstorbenen Vater, seinen Erinnerungen, Konversationen und gemeinsamen Momenten der beiden. Seine Fotografien strahlen eine Authentizität aus, die keiner nachträglichen Bearbeitung bedarf, um die Atmosphäre und Glaubwürdigkeit des Moments einzufangen. Sie unterscheiden sich in Tonalität und Inhalt von den Arbeiten seiner renommierteren Zeitgenoss:innen wie Gregory Crewdson, da er persönliche Begegnungen oder Erinnerungen seiner Vergangenheit reflektiert. Die Protagonist:innen seiner Bilder sind meist Familienmitglieder oder enge Freund:innen und seine Arbeit bewegt sich zwischen den Grenzen der Kleinstadt-Mentalität, mit der er aufwuchs, und der Landschaft, welche diese umgibt. Jedes Bild formt seine eigene Erzählung, in der die Grenzen zwischen Fakt und Fiktion verschwimmen, und führt zur Verschmelzung des Surrealen mit dem Alltäglichen. Es ist eine finnische Version von Tim Burtons Film The Big Fish. Erfolgreich schlägt er eine Brücke zwischen vergangenen Erinnerungen an seinen Vater und denjenigen, die er sich wünscht. In seiner persönlichen Grauzone kann er die Erwartungen seines Vaters visualisieren und sie zu seinen eigenen machen. Von seinen Anfängen an war Lenkkeri fasziniert von der Wechselwirkung zwischen Film und Fotografie. Seinen fotografischen Ansatz prägt eine Kombination aus Ironie, Humor und sein handwerkliches Geschick für das Detail, um filmische Szenarien zu erschaffen, in deren Bilder sich ein starkes soziales Narrativ webt. Er kreiert Situationen, die das gleiche Einfühlungsvermögen wie Aki Kaurismäkis Filme aufweisen, da beide auf ihre eigene Art und Weise Fakt und Fiktion vermischen und sich dabei der inhärenten Zweideutigkeiten finnischer Stereotype bedienen. Lenkkeris Prämisse zufolge sei dramatisierende Fiktion das geeignetste Mittel, um eine Wahrheit hervorzubringen, die durch eine tiefgründige, einzigartige und somit untrennbare Erfahrung gewonnen wird. Auf den ersten Blick zeigen seine Fotografien humoristische Situationen, rückblickend betrachtet reflektieren sie jedoch Realitäten, mit denen sich die meisten Menschen auf dem finnischen Land konfrontiert sehen. Die Ausstellung wird von zwei Publikationen aus dem Kerber Verlag begleitet: Petrified Forest (November 2016) und Medical Records of a Small Town (Juni 2017). Ville Lenkkeri wurde 1972 in Oulu, Finnland geboren. Er lebt und arbeitet in Stockholm, Schweden. 2006 erhielt er seinen Master of Arts an der Aalto University, am Department of Photography in Helsinki und absolvierte 2001 mit einem Bachelor of Arts an der FAMU, Academy of Performing Arts, am Department of Photography in Prag. Einige seiner Ausstellungen wurden unter anderem in Institutionen wie dem FotoMuseum in Antwerpen, Stenersens Museum in Oslo, Borås Konstmuseum, Oulu Art Museum, Hasselblad Center in Gothenburg und Künstlerhaus Bethanien in Berlin präsentiert.
Ort: Persons Projects bis: 2021-02-27
Künstler: Mikko Rikala
Thema: Wir freuen uns sehr, Mikko Rikalas zweite Einzelausstellung "Paradigms of Chance" bei Persons Projects präsentieren zu dürfen. Sie setzt seine Studien zu den Konzepten von Raum und Zeit fort, welche sowohl aus philosophischen als auch naturwissenschaftlichen Gedanken und Praktiken hervorgehen. Die umfangreichste Werkgruppe der Ausstellung, "A Year in My Pocket", zeigt Fotografien, die Rikala über vier Jahreszeiten hinweg an bestimmten Orten des finnischen Archipels aufgenommen hat, wobei er sich auf den Zustand des Wasser im Verlauf der saisonalen Zyklen konzentrierte. Anschließend druckte er für jede Jahreszeit eine Fotografie, faltete sie, steckte sie in seine Hosentasche und trug sie drei Monate lang bei sich. Gelegentlich holte er den Abzug hervor, um dessen Verwandlung und seinen Zustand zu dokumentieren, nur um ihn dann wieder einzustecken. Wie die Erinnerungen, die wir in unseren Köpfen tragen, wurde auch das Bild im Laufe der Zeit durch den alltäglichen Gebrauch und das Transportieren verändert. Mikko Rikala ist ein Künstler, der den fotografischen Prozess als Werkzeug zum Sammeln und Aufzeichnen von Materialien verwendet. Sein philosophisches Streben will ergründen, was sich hinter dem rationalen Selbst verbirgt und sein künstlerischer Ansatz ist ein Weg, auf dem er dieser Frage nachgehen kann. Rikala sagt: „Ich versuche die Beziehung zwischen dem, was als rational angesehen und dem, was als irrational wahrgenommen wird, zu enthüllen.“ Seine Arbeit ist eine Reflexion, die mystische und philosophische Gedanken durch den empirischen Prozess der Beobachtung miteinander verbindet. Im Gegensatz zu seinen bisherigen Werken, bei denen er den fotografischen Prozess nutzte, um das Vorher-Nachher festzuhalten, fokussieren sich die neuen Arbeiten auf jene Mysterien, die unterhalb des Unsichtbaren liegen. Er fragt: „Was sind die Möglichkeiten für einen Menschen, die Welt jenseits des rationalen Verstandes hinaus zu betrachten und zu verstehen?“ Rikala benutzt seine Kamera als Kontrollinstrument durch den meditativen Akt des Beobachtens. Er überträgt medizinische auf philosophische Aspekte, die der physischen Dimension eines Objekts – sei es eine Pflanze, ein Stein oder ein Bienenstock – innewohnen. Er kreiert visuelle Dichotomien, die gegensätzliche Weltansichten kontrastieren – wie wir mit der Natur im Einklang leben sollten, im Widerspruch zur Verwendung von Technologie als Werkzeug, um sie zu überwältigen. Die Werke dieser Ausstellung versuchen uns daran zu erinnern, dass wir uns an jene wesentlichen Qualitäten erinnern müssen, die in der natürlichen Welt jenseits ihrer wissenschaftlichen Definitionen und in unserem kollektiven Gedächtnis liegen. In Rikalas Welt ist ein Quarzstein nicht nur eine kristalline Mineralverbindung – viel mehr ein Talisman, der Emotionen kanalisiert, Ruhe und Heilung einleitet oder Gedanken reinigt. Gemeinsam schlagen diese Arbeiten die psychologische Brücke zum (Un-)Bewussten, indem unsere Umgebung durch eine mystische Linse beäugt wird, die auf angeborenen Empfindungen beruht: „Mein künstlerischer Ansatz übt Methoden der ‚meditativen Repetition‘, der Strukturierung, Anordnung sowie Auflösung aus; ich stelle prozessuale, relative Bewegungen linearer und zirkulärer Zeit systematisch nebeneinander und zerlege sie. Strukturen des Zerfalls und der Zersetzung, als elementare Themen meiner Werke, sind für mich Indikatoren des unvermeidlichen, fortschreitenden Vergehens der Zeit. Sie sind aber ebenso Übergangsphänomene wiederkehrender, sich selbst erneuernder Charaktere als Sinnbilder des zyklischen und dazwischenliegenden Zeitablaufs. Die visuellen Motive entnehme ich der natürlichen wie auch der künstlichen, in diesem Sinne der physisch erbauten oder konzeptionellen Welt. Sie koexistieren als Fragmente ohne strukturelle Hierarchie.“
Ort: Persons Projects bis: 2021-03-06
Künstler: Grey Crawford, KwieKulik, Teresa Murak, Riitta Päiväläinen, Finnbogi Pétursson, Ragna Róbertsdóttir, Anna Rún Tryggvadóttir, Ryszard Wasko
Thema: Die Kunstwelt der 1960-70er Jahre erlebte mit dem Aufkommen von Performance und Land Art einen wichtigen Wandel in der Wahrnehmungspraxis. Neue künstlerische Ausdrucksformen stellten das traditionelle White Cube-Konzept, was Kunst ist und wie sie ausgestellt werden sollte, in Frage. Die Nutzung unserer natürlichen Umgebung als Bühne für kreative Interpretationen, in welcher Form auch immer, trug dazu bei, den Grundstein für die Wahrnehmung der Kunst in diesem Jahrhundert zu legen. Die Gruppenausstellung "Searching for the Shapes Within", die von Persons Projects präsentiert wird, konzentriert sich auf die Erde als gemeinsame Grundlage für verschiedene künstlerische Interventionen. Was wir sehen, womit wir atmen und worauf wir stehen, ist Teil der natürlichen Welt, auf der unser Daseinszustand aufbaut. Doch in Wirklichkeit ist es eine Kombination aus zahlreichen Elementen und Formen, die alle zusammenkommen, um eine Umwelt zu bilden, die sich im ständigen Wandel befindet. Was alle Künstler*innen der Ausstellung gemein haben, ist ihr Interesse am Experiment, welches neue Denkrahmen schafft. Ihre Werke formen eine 50-jährige Zeitachse, die von den frühen 1970er Jahren bis in die Gegenwart reicht und einen wechselseitigen Dialog zwischen Kalifornien, Island, Finnland, Polen und Israel in Gang setzt. Sie haben einen gemeinsamen Zugang zu der Art und Weise, wie sie unsere natürliche Landschaft als Grundmaterial für ihre konzeptionellen Entwürfe verwenden. Die Arbeiten reichen von den Wüsten Mojave (Kalifornien) und Negev (Israel) über die Gletscher Islands bis zu den Wäldern Finnlands und schließlich zu den sanften Hügeln Polens. Ihre Verbindung ist nicht an einen Ort gebunden, sondern vielmehr ein kognitiver Ansatz, um Aspekte der Sinngebung durch den Prozess des Handelns zu verstehen. Ihre Methoden mögen sich unterscheiden, dennoch teilen sie alle eine leistungsstarke Sensibilität in der Realisierung des finalen Bildes. Diese Werke sind persönliche Bühnen ohne Grenzen, wo es kein anderes Publikum gibt als die Zukunft.
Ort: Persons Projects bis: 2020-11-14
Künstler: Santeri Tuori
Thema: Persons Projects is delighted to present Santeri Tuori‘s solo exhibition “Time Is No Longer Round”, opening on Friday, 11 of September 2020, on the occasion of the Berlin Art Week. The show will also be part of the European Month of Photography Berlin. Santeri Tuori uses a camera to engage with the properties of nature and its power of change over the past two decades. Forests, skies, lilies, and wind are only some of the basic elements you might find in any Nordic landscape, and all become items of Tuori’s interest and observation. How should we value these essential features that make up the northern scenery is the fundamental question that lies behind Tuori’s work and his fascination with the passage of time. To fully comprehend his approach is to begin by seeing how he integrates his life into his projects. An avid sailor, Tuori tours the Finnish Archipelago each summer, searching for new locations to begin and follow his measured cyclical observations. The small island of Kökar outside of Åland has been his primary place of interest. After finding a specific location, he photographs it from the same position, season after season, over many years. He then layers the images one on top of the other, sometimes superimposing a black-and-white negative with the colored ones to create his own unique compositions of “time being.” The moving images in the “Forest” series combine black and white photographs with color video. The superimposing is done either by projecting the video on a photograph or with the help of an editing program, resulting in a layered image, which contains the sharpness and richness of a photograph and the movement and time of a video. Tuori’s time-based works become visual portals that encapsulate nature’s metamorphosis from one frame to another, rendering the photogenic quality more graphic, like a color pencil drawing. His subjects have their roots in traditional landscape painting and drawing, as seen in the watercolors of William Turner or the biblical paintings of El Greco. The opening of the exhibition “Time Is No Longer Round” will include the presentation of the new publication by Santeri Tuori: Time Is No Longer Round, Hatje Cantz, 2020.
Ort: Persons Projects bis: 2020-11-14
Künstler: Eeva Karhu
Thema: Persons Projects | Helsinki School is thrilled to present Eeva Karhu’s solo exhibition “Shadows Within”, opening on Friday, 11 of September 2020, on the occasion of the Berlin Art Week. The show will also be part of the European Month of Photography Berlin. Eeva Karhu is one of the new generation of artists emerging from the Helsinki School who use nature and its seasonal passing as their personal barometer to measure and translate our world by the power of its presence in our daily lives. She uses photographic process of layering one image upon another as her method for collecting the passage of time. This is most evident in her ongoing Path series, where she photographs the same walking route she takes from her home. After her walk, she compiles all the photographs together into one image to form the given moment they were taken in. Karhu continues this process throughout the year, creating her own visual calendar of time periods based on the harvesting of light from one moment to the next. In her “Season” series, Karhu expands this composition by coloring the view to form what one season would look like as a single image. These images become far more abstract, yet still have the feeling and look of an impressionistic painting from another century. It’s as if she is painting with light. Her spring looks like Monet and her autumn contains the colors of Renoir and her tones are like those of Turner. Unlike other photographers who use a similar process of photographic layering to appropriate an image, such as Idris Khan or Santeri Tuori, Karhu inserts herself within the act of taking the photo. We see her as an abstract blur, almost ghost-like, sometimes with color from her coat or hat, but nevertheless present. Her path is more than just a place, but rather is like a mental space that she travels through to find the beginning and closing of every day. Her photographs encapsulate the varying degrees of Finland’s seasonal light: sometimes soft and iridescent, but more often than not fleeting with a touch of gray and the hope for blue. The opening of the exhibition “Shadows Within” will include the presentation of the new publication by Eeva Karhu: Polku | Paths, Parvs Publishing Ltd. 2020.
Ort: Persons Projects bis: 2020-09-05
Künstler: Elina Brotherus, Ulla Jokisalo, Sanna Kannisto, Sandra Kantanen, Eeva Karhu, Janne Lehtinen, Ville Lenkkeri, Anni Leppälä, Riitta Päiväläinen, Jyrki Parantainen, Jorma Puranen, Jari Silomäki, Santeri Tuori
Thema: Persons Projects | Helsinki School lädt herzlich zur Ausstellung von "The Helsinki School – The Nature of Being" ein. Die Gruppenausstellung findet in beiden Galerieräumen in der Lindenstraße 34 und 35 statt und wird von der aktuellen Publikation der Helsinki School Serie Vol. 6 beim Hatje Cantz Verlag begleitet werden. Die Ausstellung konzentriert sich darauf, wie die ausgewählten KünstlerInnen der Helsinki School die Landschaft interpretieren in der sie leben, indem sie ihren inneren Kompass nutzen, der ihren Blick leitet und misst. Historisch gesehen ist die nordische Kultur von einer Kraft geprägt, die mit dem Wechsel der vier Jahreszeiten zusammenhängt. Jede dieser natürlichen Zeitabschnitte, sei es durch ihren Zorn oder Güte, hinterlässt beim Vergehen ihre Spuren und erinnert uns daran, wie zerbrechlich unser menschliches Dasein inmitten alledem ist. Die Ausstellung erforscht die Natur der Landschaft, und konzeptualisiert sie aus der inneren Wahrnehmung heraus, auf Grundlage von eigenen Empfindungen. Mit anderen Worten: Wie Natur fernab der physischen Welt von Flora, Fauna und Sonnenschein mittels ihrer essenziellen Eigenschaften definiert und visualisiert wird. Dies offenbart sich vor allem in den Werken von Elina Brotherus, Ulla Jokisalo, Janne Lehtinen, Ville Lenkkeri, Anni Leppälä und Jari Silomäki, die Situationen kreieren, in denen die Bilder eine bestimmte Haltung oder einen emotionalen Zustand widerspiegeln, der auf gewisse Art und Weise auf uns alle übertragen werden kann. Andererseits legen Sanna Kannisto, Sandra Kantanen, Riitta Päiväläinen und Jorma Puranen ihren thematischen Fokus auf poetischere Interpretationen, bei denen sie natürliche Elemente benutzen, um Augenblicke der Selbstreflexion einzufangen, auf denen die Conditio Humana beruht. Dieser rote Faden zieht sich ebenso durch die Werke von Eeva Karhu, Jyrki Parantainen sowie Santeri Tuori – ihre Arbeiten bemessen den Lauf der Zeit und wie wir diese einfangen, überlagern und uns durch sie hindurchbewegen. Gemeinsam ist allen ausgewählten KünstlerInnen der abstrakte Ansatz, jene komplexen emotionalen Attribute fotografisch festzuhalten, die unser persönliches Wesen bestimmen. Die parallel laufende Ausstellung "Frischer Wind aus dem Norden! Naturmotive in der Helsinki School" in der Kunsthalle St. Annen in Lübeck stellt einige der KünstlerInnen vor und kann bis zum 27. Juli 2020 besucht werden. Der aktuelle Begleitband The Helsinki School. The Nature of Being, Vol. 6 stellt 25 verschiedene Ansätze vor, wie unsere Erinnerungen in einem Bild bemessen und definiert werden. Dabei wird der Frage nachgegangen, was das Wesen der Landschaft bedeutet, wenn der Blick von innen nach außen gerichtet wird. Begleitend zur Ausstellung werden die neusten Monografien von Sanna Kannisto: Observing Eye 2020, Sandra Kantanen: More Landscapes 2019, Eeva Karhu: Polku / Path 2020, Anni Leppälä: Hyle / Curtain / Backdrop 2019 und Santeri Tuori: Time Is No Longer Round 2020, präsentiert werden.
Ort: Persons Projects bis: 2020-04-25
Künstler: Jyrki Parantainen, born 1962 in Tampere, Finland, lives and works in Helsinki. He graduated from the University of Art and Design, Helsinki (now Aalto University School of Arts, Design and Architecture) in 1992, where he is Professor of Photographic Art. Among his numerous exhibitions are the notable solo shows Dreams and Disappointments, Anderson Art Museum, Helsinki (2006), Fire, The Finnish National Gallery Ateneum, Helsinki (1998), and the group show Magnetic North, The New Art Gallery, Walsall (2001). More recent exhibitions include the solo show Between Heaven and Earth, Gallery Heino, Hel- sinki (2012), and the group shows Helsinki School, Christophe Guye Galerie, Zurich (2011), and Daegu Photo Biennale. Tru(E)motion: The Helsinki School, Daegu (2010). Parantainen was awarded the Fotofin- landia Prize in 1989 and the National Arts Council Suomi Prize in 1998.
Thema: Persons Projects proudly presents a collection of Jryki Parantainen’s photographs that focus on his fascination with Poetic Realities. These selected works reflect his interest in how we define what a landscape is. Parantainen states “it’s much more than just a sum of shapes, colors, and light. It’s the universe with all it’s manifestations: grief, longing, dreams, beauty, world politics, environmental disasters, and violence. It’s about the past, the present and the future. The landscape is a canvas permanently open to interpretation”. These works form a collection of perspectives, where words intermingle with each other or rest alone upon the image, usher in new meanings in how we identify, observe or experience a landscape within his conceptual context. Parantainen uses his life’s journey as his mirror for finding his subjects of interest. These visual metaphors can evolve out from his own personal relationships or a historical ones he discovers, forming a personal library of dreams and disappointments. His photographs go beyond the horizon of where the land, water and sky meet, rather they draw their breath from the space behind the mind’s eye. He says “the horizon is not just a visual convergence of the three elements, but a mental interface, the beginning of a continuously expanding room of dreams and promises”. They offer homage to forgotten places where dreams are born and futures lost. There offerings to those spaces we think of as in betweens. The mysteries of imperfections don’t come and go they are. Parantainen uses them as his pool for his thoughts. He swims into the unknown as another way of sinking into the present. These photographs reflect a poetic undercurrent that can be both beautiful as well as ominous. He writes “everyday life can be unsure, questionable, no less than threatening. On the other hand, disabled life can always contain a lot of beauty, which we are simply not aware of.” Therefore, imperfections and their opposites are in his mind the same at the end of the day. “Placed together they are a poem about reality.” Parantainen sense for craftsmanship play a key role in his creative process. His method is his own design to push the photograph more towards painting in terms of the logic and aesthetics. These photographs serve as stages for thought and personal reflections. Words and sentences inscribed on the images multiply new levels of meaning. They can politicize or poeticize. I use the words to create a new identity for the landscape to show the way I have observed and experienced it—to increase the conceptual content. His works reveal both the horrors and the sublime that reminds all of us of the humor and its absurdities that we call the humanity of life.
Ort: Persons Projects bis: 2019-08-31
Künstler: Zofia Kulik, KwieKulik
Thema: We are delighted to announce that ZAK | BRANICKA has expanded its partnership with Polish artist Zofia Kulik by co-founding the Kulik-KwieKulik Foundation. The main goal of the project is to promote Zofia Kulik’s practice, both during the period of cooperation with her former partner Przemyslaw Kwiek in the artistic duo known as KwieKulik and also in her subsequent solo career as an individual artist. The inaugural presentation, titled Quotes from the Archive, will focus on Zofia Kulik’s avant-garde concept of archive building – a revolutionary approach that embraces archiving as an essential artistic practice. The Light of a Dead Star (1979), the focal piece of the exhibition, is a decorative cloth panel stuck with plenty of black-and-white photographs. It refers to the work of KwieKulik from 1969 up to the official presentation of KwieKulik in the West in 1979 at De Appel Centre of Contemporary Art in Amsterdam. In the 1970s and 1980s KwieKulik carried out a broad range of artistic activities, analysing and reflecting their private and public existence as a couple as well as their creative work with the Socialist reality. In their apartment they established the Studio of Activities, Documentation and Propagation and documented their practice in an archive of photos and videos. Towards the end of the 1980s, the partners’ path parted in life and art alike. In her individual work, Kulik adopted a somewhat opposite direction through the practice of “closed forms”. She received most attention for her monumental black-and-white photo collages, resulting from the process of multiple exposure of manifold negatives from the artist’s own archive of images. Kulik’s compositions entered many institutional collections in Poland and internationally (Muzeum Sztuki in Łódź, Stedelijk Museum in Amsterdam, Centre Georges Pompidou in Paris, Tate Modern in London, Museum of Modern Art in New York, Moderna Museet in Stockholm). Yet, having reached the peak of recognisability around 2008, the artist chose to abandon her individual work almost entirely and devote herself to the study and organisation of the historical oeuvre of KwieKulik. Numerous important publications and exhibitions followed. Ultimately, the KwieKulik Archive will enter the collection of the Museum of Modern Art in Warsaw in the future, while the Archive of Zofia Kulik, which has been stored for many years at Kulik’s house in Łomianki, will continue to be managed by the Kulik-KwieKulik Foundation. All the daily activities, imperceptible for users, but indispensable for the archive to survive, such as filing, arranging, organising, preserving, dusting, have now become Zofia Kulik’s manifesto. In the cycle of films Cultivating the Archive she demonstrates the various aspects of the way the artistic duo functions within the “fusion” of the household and the custody of the archive throughout the decades.
Ort: Persons Projects bis: 2018-11-17
Künstler: Diogo Pimentão
Thema: ŻAK | BRANICKA is delighted to present the exhibition EXTENDED MEANING with works by Diogo Pimentāo–the artist’s first solo exhibition in the gallery’s Berlin space. The best way to describe and understand Diogo Pimentão’s art is from a quote by Tim Ingold ‘Thinking through Making’. His artistic world pulls upon the deep instinctual drive that blends the need for pushing the parameters of his focus to their ultimate limits, whilst mixing it with an innate sense for performance. It’s a dance of extremes. The proportions of his own body, his height and length of his arms, determine his work. This sense for physicality stems from Pimentão’s childhood. He grew up on the coast of Portugal, surfing its waves and diving from its cliffs. His rhythm was that of the beach, where skateboards were more the norm than books. He would draw what he could sense and feel. And by following his intuition, he found his way to art school. Pimentão’s strength lies in his curiosity and deep fascination with materiality, particularly, that of paper. His constructions border the line between drawing and sculpture. At first glance, these minimalistic objects feel as if they are molded out of bent metal instead of folded paper. His graphite surfaces shimmer in the light, radiating sheen like polished lead. Pimentão’s works defy all the properties of what they appear to be, raising far more questions then they answer. By his own accord, he doesn’t prescribe to any conscious connection to Modernism. It’s a language in the same hemisphere of his thinking yet it isn’t his governing discipline. His works share a familiarity with the Icelandic artist Kristjan Gudmundsson’s pieces from the late 1970’s. Constructed from pure graphite blocks combined with paper rolls in a Donald Judd like simplicity, Gudmunndsson referred to them as ‘Potential Drawings’. Pimentão goes even further, as his emphasis isn’t merely in the result of his efforts but the process used to attain it. The making of the work is a part of the piece, a performance of sorts capturing the immediacy of the action. Pimentão’s sculpture drawings vary in size, shape and surface applications. Some have the urgency of a Richard Serra oil stick drawing while others fall into their final configuration like Robert Morris’ felt sculptures. In his most recent pieces exhibited at ŻAK | BRANICKA, from the series Untold (synthesis) 2018, large paper constructions have the feel of Alan Charlton’s early minimalistic grey paintings, as both use their forms as building blocks to create the selected space. Starting with a blank sheet of paper, he manually applies the graphite using the whole weight of his body, until we are left with a glossy metallic-like surface, scratched and scuffed from all the physical effort put into it. Each scratch on the paper tells the story of a particular action and is connected with a singular gesture; taken together, the motions that produce these marks are much like a performance that the artist carried out in his studio. Another new direction by Pimentão is an installation from his new series titled … (program) 2018, consisting of hand molded small sculptural objects made from concrete and graphite carved with letters and symbols found from children’s school papers. There’s an old Nordic tradition of using found objects such as stones, chards or pieces of wood as points of power and protection. The bearer would carve a mark leaving something of them upon it. Over time, these objects of myth and mystery would pass from one hand to the other, always going to the one who was in greater need. Tradition has it that they have their own history, as patchwork quilts made of all those who carried them. Kept in pockets or bags, these amulets of protection rub with times passing, rounding their edges smooth, oiled from the fingers’ touch. They appear far heavier than what they are, as a life’s stone is what we build our hope from. Rhythmically inspired and performance enhanced, Pimentão is a story teller whose process of creating is a dance that pulls equally upon the thrill of its making as it pushes the limits of the materiality used. Diogo Pimentão (b.1973 in Lisbon) lives and works in London. His work was shown at Centrale for Contemporary Art in Brussels (2018), , Kentler International Drawing Space, Brooklyn NY the Museu Grão Vasco in Viseu (2016), the Palais des Beaux-Arts in Paris (2015), the Museu de Arte Contemporânea - Colecção António Cachola in Elvas, Portugal (2015), the IMMA (Irish Museum of Modern Art) in Dublin (2015), the MAMAC in Nice (2012) and the Centre d’Art Contemporain de la Ferme du Buisson in Noisiel, France (2011), among others. His works are represented in the collections of institutions such as the Collection Lambert in Avignon, the Centre Georges Pompidou in Paris, the Pomeranz Collection in Vienna, the Portugal Telecom Foundation in Lisbon or the Fonds National d’art contemporain in Paris.
Ort: Persons Projects bis: 2018-09-08
Künstler: Stanisław Dróżdż, On Kawara, Jarosław Kozłowski, Roman Opałka, Barbara Schmidt-Heins and Gabriele Schmidt Heins
Thema: ŻAK | BRANICKA is proud to host Continuum, a group show with Stanisław Dróżdż, On Kawara, Jarosław Kozłowski, Roman Opałka, Barbara Schmidt-Heins and Gabriele Schmidt Heins for the first time exhibited together. The sense of duration, time and space, that has accompanied mankind since the beginning of civilization allows us to consciously define our existence here and now. To believe we are part of a process, whose continuity has a significance. The concept of the space-time continuum (Raum-Zeit-Kontinuum) was developed in the early twentieth century by physicists Albert Einstein and Hermann Minkowski. It seems that, since then, the subject has been exhausted. Interestingly, however, in the 70s, many conceptual artists tried to visualize the continuum in their ways, intuitively engaging in the topic. In this period, the process became an inseparable component of the artistic practices. The title of this exhibition comes from two of the featured works: a performance by Polish conceptual art pioneer Jarosław Kozłowski and a installation by visual poet of the avant-garde, Stanisław Dróżdż. Dróżdż’s 1973 piece is recreated at ŻAK | BRANICKA as a mural on a gallery wall – rows of zeroes strung before and after a comma. It might seem surprising or unconventional to mathematicians, but nonetheless feasible. Art lovers, will interpret it as a poetic depiction of the continuity of time or space “forward” and “backward,” into the past and the future: into infinity. Moreover, this work precisely locates the point where “backward” infinity is divided from a “forward” infinity. This point, the decimal, is this moment, the here and now. On Kawara defined this point between “before” and “after” in numerical works, in which he painted the daily date. This process was accompanied by telegrams sent from various points on the globe with the message: I’m still alive. Roman Opałka, in turn, has counted from 1 to infinity in his 1965 / 1–∞ works he visualized continuity. His project also wove in the tragic fate of man, with his limited time to experience the inability to reach infinity. While Opałka inscribed this phenomenon numerically, Stanisław Dróżdż again achieved it visually in Duration (1968/9), writing the word “duration” dozen of times with no spaces in between, or putting three phrases – “was,” “is,” and “will be” – in the form of an hourglass (Hourglass, 1967). Time and space were also explored by two German sisters in the 70s, Barbara and Gabriele Schmidt Heins. Barbara Schmidt-Heins’ monumental 1979 is a collection of 365 notebooks, one for every day of the year, in which the artist numbered all the minutes of a day, from 12:00 p.m. to 12:00 a.m. Once a day, in one notebook, she highlighted the passing minute in red. In another work she wrote: Bis zu diesem Zeitpunkt ist alles Vergangenheit. Von diesem Zeitpunkt ist alles Zukunft. [Everything is past until this time. Everything is future from this moment.] Gabriele Schmidt Heins, in turn, visualizes this phenomenon through directions. Orientierung im Raum: links, rechts (politisch) [Orientation in Space: left, right (political)] of 1972 is a small shelf with two books that are mirror images of one another. The title of one is LINKS [LEFT], the other, RECHTS [RIGHT]. Standing before this work, the viewer is precisely in between, in the here and now, with an infinity to the left and an infinity to the right. In Library of Time (2007), Jarosław Kozłowski also shows space-time links: four alarm clocks painted black pointing toward the four corners of the world: North, South, East, and West. Meanwhile, his above-mentioned work, Continuum, is a performance repeated since 1979 in various places, during which the artist entirely covers a blackboard in chalk and then cleans it, returning to where he began. This process lasts around twenty minutes every time and, despite the identical script, it is never the same. caption: Gabriele Schmidt Heins, Orientierung im Raum: links, rechts (politisch) , 1972 © the artist, courtesy ZAK | BRANICKA
Ort: Persons Projects bis: 2018-06-23
Künstler: Tomek Baran
Thema: ŻAK | BRANICKA freut sich sehr, anlässlich des Gallery Weekend 2018 Black Mirror, Tomek Barans erste Einzelausstellung in der Galerie zu zeigen. Baran fordert in seinen Arbeiten unser Gefühl für Materialität heraus. Seine Objekte sind nicht durch eine einzelne Disziplin definiert; sie sind vielmehr eine Kombination aus Malerei und Skulptur deren spielerische Deplatzierung sie zugleich erzeugen. Die zutreffendste Definition wäre wohl, dass sie Ready-Mades sind, die eine postindustrielle Stimmung hervorrufen. Baran nutzt eine Mischung verschiedener Materialien um einen performance-artigen Raum zu schaffen in dem seine Objekte durch ihre Positionierung ihre eigene Intervention bilden. Die Oberflächen seiner Malereien reichen von metallisch glänzend bis zu betonartig matt und lenken das Auge des Betrachters auf die Formen und Konstruktionen unter den Leinwänden. Baran konzentriert sich auf Fragen des Raumes und sucht bewusst nach Beziehungen zwischen seiner eigenen abstrakten Praxis und die der Architektur und Skulptur. In Stalowa Wola, einer Industriestadt im postkommunistischen Polen aufgewachsen, dürstete es Barans leidenschaftliches ästhetisches Gespür nach etwas anderem. Er entschied, das ihm Bekannte umzufunktionieren statt etwas Neues aus edlen Materialien zu schaffen. Es ist bezeichnend, dass Baran sich selbst einen „abstrakten Hooligan“ nennt. Seine Arbeit ist ein subversives Spiel: er nimmt ironisch Stellung zu seinem eigenen Werk, das als ein Ort für Kunst und nicht-Kunst, Malerei und nicht-Malerei, umgebende Realität und virtuelle Realität wahrgenommen werden soll. Er scheint die traditionellen Ideen des Abstrakten als gänzlich losgelöst von der Realität in Frage zu stellen. Natürliches wie künstliches Licht und die Schatten und Schattierungen die mit den Bildobjekten zusammen arbeiten, werden einem anhaltenden Wandel, abhängig von Winkel und Ort der Betrachtung des Werkes, unterzogen. Die Avantgarde-Künstler behaupteten, Bewegung und Licht zerstöre statischen Realismus in einer Malerei. In Barans Werken wirken Bewegung und Licht mit den abstrakten Formen zusammen und werden zu untrennbaren Komponenten in der Betrachtung seiner Arbeiten. Baran arbeitet zeitgleich im Bereich der postindustriellen Kunst, der Abstraktion und der Ästhetik der Neuen Medien. Bisweilen nutzt er das Konzept des Verlaufs oder der Bewegung in der Computergrafik, den weichen tonalen Übergang zwischen verschiedenen Farben. Er zieht dafür digitale Bildsysteme heran, wie in seinen gold-weißen Werken zu sehen ist. In diesem Kontext müssen seine monochromatischen Malerei-Objekte auch im Umfeld der digitalen Kultur und folglich auch in einem weiteren Bedeutungsspektrum gesehen werden. Seine Werke bergen keine direkten Referenzen zu Kazimir Malevichs malerischem Suprematismus sondern vielmehr zu virtueller Realität und der Symbolik des „black mirror“ [schwarzer Spiegel]. Die Bedeutung des „black mirror“ wurde durch eine britische TV-Sendung mit demselben Titel bekannt, die unsere moderne Gesellschaft hinsichtlich unvorhergesehener Konsequenzen der Neuen Technologien untersucht. In der Sendung wird eruiert, inwiefern diese Technologien uns verändern und wie die menschliche Natur durch die digitalen Entwicklungen – besonders in den Neuen und Sozialen Medien – gestört wird. Unsere Leben sind untrennbar mit der virtuellen Realität verknüpft und in ihr versunken. Wenn wir unsere Telefone, Tablets, oder Computer ansehen nachdem sie ausgeschaltet wurden, sehen wir unsere Reflektion in einem dunklen Spiegel. Vor dieser schwarz reflektierenden Oberfläche eines digitalen Bildschirms sehen wir unser eigenes verschwommenes Bild auf der anderen Seite: eine Reflektion der Einsamkeit, der Isolation des digitalen Zeitalters und unseres wahren Antlitzes in der Realität der Sozialen Medien. Die virtuelle Realität ist ein Raum der, ähnlich wie in dem Spiegel-Beispiel, als Heterotypie bezeichnet werden kann, in der zwar Bilder existieren, der Raum selbst in der Realität jedoch nicht existent ist. Laut Michael Foucault zeigt die Heterotypie einen Gegen-Ort, einen unwirklichen Raum in dem wir uns selbst dort sehen wo wir nicht sind. Sie ist ein Raum der zeitgleich existiert und nicht existiert, wie die andere Seite des Spiegels – ein Raum von invertierter Realität. In diesem Sinne können auch Barans monochromatische Objekte, matt und mit dunkler Farbe überzogen, als Heterotypien betrachtet werden. Sowohl als separate Objekte wie auch als künstlerische Installation im Raum erzeugen sie ein Gefühl des auf-der-anderen-Seite-des-Bildes-seins. Ähnlich der Erfahrung, sich an einem Ort ohne Ort zu befinden. Demnach funktionieren Barans Malereien, Objekte und Installationen ohne Zweifel durch Intuition und Immersion, als würde sich der Betrachter selbst im Bild wiederfinden. Der Künstler wendet sich an die Sensibilität und das emotionale Engagement des Betrachters. Beim Betreten der Ausstellung finden wir uns selbst vor schwarzen Spiegeln in mannigfachen Realitäten die zeitgleich virtuell, abstrakt und post-industriell sind. Die Ausstellung ist definiert durch Heterotypien, Konstruktionen von Orten, die wir erfahren können ohne physisch dort zu sein. Als Betrachter können wir uns mit anderen Individuen in diesen Heterotypien verbinden, wobei dennoch jeder seine eigene einzigartige Erfahrung macht. Durch die Symbolik des „black mirror“ werden wir zuletzt endlich eintauchen und immer tiefer in die Dynamik und die Reflektionen der dunklen, glänzenden Oberflächen der installierten Werke vordringen. Dr. Przemysław Strożek
Ort: Persons Projects bis: 2018-04-21
Künstler: Pawel Ksiazek
Thema: ŻAK | BRANICKA ist hocherfreut, die neue Ausstellung Parallels von Paweł Książek vorzustellen. In der jüngsten Bilderserie Parallels (Parallelen) entwickelt Paweł Książek seine bisherige künstlerische Suche weiter, die bislang auf analytischen Studien zur Ästhetik der Avantgarde und der Untersuchung des gegenseitigen Verhältnisses zwischen dem menschlichen Körper und Objekten im Raum, zwischen der Natur und Kultur und zwischen Konstruktion und Dekonstruktion beruhte. Nimmt man das Schaffen von Lygia Clark und vor allem ihre berühmte Skulpturenserie Bichos (Wesen) aus den 1960er Jahren als Ausgangspunkt, so zeigt sich, dass der Künstler unsere Aufmerksamkeit auf das Problem der Korrelationen zwischen dem künstlerischen Schaffensprozess und der Entstehung unterschiedlicher Phänomene in der natürlichen Umwelt lenkt. Er vervollständigt und entwickelt damit Aspekte, die bereits in früheren malerischen Arbeiten aus der Serie Sculptures (Skulpturen, 2012-2015) und Figures (Figuren, 2013-2015) angedeutet waren. In beiden dieser Bilderserien zeigten die Darstellungen von Objekten und Körperteilen, Frauenportraits und Mannequins eine alternative Welt im Grenzbereich zwischen Realität und filmischer Fiktion, wobei Dinge geradezu körperlich, menschliche Gestalten hingegen skulpturenhaft wirken. Die in Parallels dargestellten körperlich-skulpturenhaften und figurativ-abstrakten Hybride sind die titelgebende Zusammenstellung von Objektkörpern und Phänomenen mit vergleichbaren Eigenschaften. Die Parallels sind eine Synthese und Montage, eine gleichzeitige Erzählung und ein simultanes Spiel mit der Darstellungsanordnung und Abstraktion. Im Wesentlichen ist es eine evolutionäre Folgeerscheinung der künstlerischen Suche in Bereichen der Transformation eines Objektes zum Subjekt und eines Subjektes zum Objekt. Und auch wenn den früheren Serien die historische Avantgarde zu Grunde lag, so scheint die jüngste Serie eher aus dem Geiste und der Experimentalsphäre des brasilianischen Modernismus der 1960er Jahre zu schöpfen – aus der Evolution der Ästhetik der historischen Avantgarde. Das Schaffen von Lygia Clark gilt in vielen Kreisen als klare Fortsetzung avantgardistischer Betrachtungen zur Bildhauerei. Schon in den 1930er Jahren ist die polnische Künstlerin Katarzyna Kobro auf die uneingeschränkte Zusammengehörigkeit von Skulptur und Raum als räumlich-zeitliches Phänomen aufmerksam geworden und betonte dabei die Bedeutung des Kunstwerks für den Aufbau fortschrittlicher Formen sozialer Organisation. Auch wenn nicht bekannt ist, inwiefern Clark das Schaffen von Kobro vertraut war, so kann man in der Serie Bichos (1960) doch ein fernes Echo ihrer Erwägungen und vor allem eine deutliche Ausführung ihrer Gedanken vernehmen. In der besagten Serie hat die brasilianische Künstlerin ihre künstlerische Praxis um einen ausgeprägten sozialen Aspekt erweitert, indem sie den Betrachter direkt in den Entstehungsprozess des skulpturalen Werkes miteinbezog. Ihre Experimente gerieten zu therapeutischen Sitzungen mit starkem körperlichen Bezug. Bichos lud den Betrachter dazu ein, die mit Scharnieren verbunden beweglichen Konstruktionsteile zu manipulieren und immerzu neue Anordnungen zu bilden. Die einzelnen Skulpturen aus dieser Serie erinnerten sowohl an Werke der Konstruktivisten, wie auch an eine Art Origami, das sich ständig verändert. Dank ihrer permanenten Transformation entzogen sie sich jeglicher Kontrolle, emanzipierten sich, wurden zu Subjekten und nahmen Eigenschaften eines lebendigen Körpers an. Clark war offensichtlich davon überzeugt, dass Passivität zwischen Menschen und natürlichen Wesen (Tieren) nicht möglich ist. Das bezog sich auch auf ihre eigenen Schöpfungen – die Bichos. Indem Paweł Książek in seinen Parallels die neoavantgardistischen Bereiche von Clarks künstlerischer Praxis als Phänomen der Instabilität erforschte, verlieh er bestimmten nicht figurativen, skulpturalen Strukturen der Bichos ihre ihnen innewohnende Körperlichkeit. Durch eigene Recherchen im Werk der brasilianischen Künstlerin fasste er ihre Wesen als räumlich-zeitliche Phänomene auf, die rhythmisch sowohl mit dem Kulturbereich (darstellendes Spiel und Tanz), wie auch mit dem Naturbereich (Kometen und Blitze) untrennbar verbunden sind. Damit brachte er Clarks Skulpturen mit unvorhergesehenen Phänomenen zusammen und nahm dabei die Rolle des Betrachters an, der von der brasilianischen Künstlerin zur Manipulation ihrer Objekte aufgefordert wird. Książek versetzte die statischen Skulpturen jedoch in eigentümliche Bewegung und belebte sie – nicht im dreidimensionalen, unendlichen Raum, sondern auf der von Rahmen beschränkten Fläche der Bildleinwand. Dazu nutzte er die avantgardistische Strategie der Montage und verband Gegenstände, Naturphänomene, geometrische abstrakte Formen und Frauenportraits in einer malerischen Synthese zu einer organischen Einheit. Diese Strategie fügt sich nahtlos in Paweł Książeks künstlerische Praxis und lässt ihn so konzeptuelle Probleme der Malerei erkennen. So komplexe Problemstellungen und intellektuelle Narrationen, die dazu dienen, die Eigenschaften eines visuellen Mediums zu erforschen, sind zweifelsfrei eine eigentümliche und einzigartige Erscheinung in der Gegenwartskunst. Im Fall der Parallels spielt der Künstler letztendlich ein simultanes Spiel nicht nur mit der Darstellbarkeit und Abstraktion, sondern er verortet auch die darstellerischen Möglichkeiten der Malerei im erweiterten Feld der Bildhauerei und deutet dabei eine Interaktion der Instabilität konkreter Objekte (Bichos) mit der Stabilität der Malerei und der Endlichkeit eines Bildes an. Paweł Książeks in Parallels erkennbare Strategie der Verbindung entfernter Phänomene im Verhältnis Objekt-Subjekt beruht jedoch nicht nur auf dem Schaffen Clarks, sondern schöpft eindeutig auch aus der in der Zwischenkriegszeit angewandten Fotomontagetechnik. Auch wenn die brasilianische Künstlerin von der Körperlichkeit der Skulptur überzeugt war, so änderte die von den Dadaisten erfundene Fotomontage die Betrachtungsweise des menschlichen Körpers als feste Einheit ganz wesentlich und bot stattdessen ein aus menschlichen Eigenschaften und fremden Elementen kreiertes Konglomerat. Das Generieren eines eigentümlichen Körpers aus einzelnen Teilen fremder Körper, Gegenstände, Skulpturen, Maschinen oder Elementen aus der Tierwelt kündigte bereits spätere, in den 1980er Jahren von Donna Haraway festgehaltene Erwägungen zur Form des Cyborgs an. Es waren dadaistische Konstruktionen hybrider Körper, die als erste auf das Problem instabiler Identitäten im weiten Verhältnis zwischen Mensch, Tier, Maschine und anderen Sphären hinwiesen. Paweł Książek nahm das neoavantgardistische Schaffen Clarks und die Evolution avantgardistischer Praktiken als Ausgangspunkt und schuf ästhetisierte Hybriden und Gestalten sinnlicher Cyborgs, die die biologisch vorgegebenen Normen überschreiten. Doch die weiblichen Portraits von Filmschauspielerinnen wie Lea Seydoux oder Veronica Lake wirken in Verbindung mit Clarks in den Bereich der Malerei übertragenen skulpturenhaften Konstruktionen durchaus eher ästhetisch, statt sozial-aktivistisch, wie im Fall der Cyborg-Gestalten bei den Dadaisten und bei Donna Haraway. Im Bereich der eigenen Ästhetik erforscht Paweł Książek somit den Begriff der bildhauerisch-körperlichen Schönheit mithilfe des ihm naheliegenden Mediums der Malerei. Er setzt dabei bewusst grelle Farben ein, die eindeutig an den Modernismus Südamerikas erinnern. Die reichhaltige Farbpalette der Parallels erinnert gleichwohl an die charakteristischen Entwürfe des mexikanischen Architekten Luis Barragan, dessen leuchtende Farbpalette Książek bereits in einer seiner früheren Serien Constructions (Konstruktionen, 2016-2017) nutzte. Dort vermischten sich aus dem deutschen Filmexpressionismus entliehene Utopien mit modernistischen Architekturbauten in Lateinamerika. Angesichts dessen wirken die Parallels wie eine folgerichtige Synthese aus vielen früheren Serien des Künstlers, mit denen er das übergeordnete Problem der Wahrnehmung der Welt, Utopien und das Verhältnis zwischen weit entfernten Phänomenen zu erforschen sucht. Mit seiner jüngsten Serie lenkt er unsere Aufmerksamkeit noch deutlicher auf die Evolution von Praxis und Strategie der Avantgarde und untersucht anhand dessen Probleme der Wahrnehmung von Instabilität, sowohl im unendlichen, wie auch im endlichen, von Bildrahmen begrenzten Raum. Dr. Przemysław Strożek Polnische Akademie der Wissenschaften
Ort: Persons Projects bis: 2018-02-10
Künstler: Jaroslaw Kozlowski
Thema: ŻAK | BRANICKA ist hocherfreut, die Ausstellung Worte und Farben von Jarosław Kozłowski vorzustellen – die erste Einzelausstellung und zugleich der Beginn seiner Kooperation mit der Galerie. Kozłowski ist eine Legende der polnischen Konzeptkunst. Bereits lange vor der Wende öffnete sich in seinem Atelier ein Fenster in den Westen Europas: Anfang der 1970er Jahre gründete er das Künstlernetzwerk NET mit über 350 internationalen Künstlern (das auch das Interesse der Geheimdienste weckte) und war zentraler Protagonist der Fluxus-Bewegung in Polen. In der von ihm gegründeten Galerie Akumulatory 2 (1972–89) veranstaltete er 1977 ein Fluxus-Festival und stellte Künstler wie Richard Long, Reiner Ruthenbeck, Franz Erhard Walther, Victor Burgin, Douglas Huebler und andere aus. In seinem Werk setzt sich Kozłowski von Beginn an mit Begriffen wie Raum, Zeit, Logik und Sprache auseinander. In der Ausstellung Worte und Farben in der Galerie ZAK | BRANICKA präsentiert er nun eine Auswahl an Werken der letzten fünf Dekaden. Der trockene, emotionslose Titel der Ausstellung spiegelt jene analytische, für die Konzeptkunst typische Strategie wieder, die sich mit Vorliebe nur auf die Benennung von Fakten beschränkt. Nun offenbart die Knappheit der Mittel doch zahlreiche visuelle Anreize und der Inhalt der Ausstellung überrascht: im Schwerpunkt liegt Farbe und deren Wahrnehmung, wie bereits vor hundert Jahren in der Kunstgeschichte üblich. Somit werden die Vorurteile, die der Begriff der Konzeptkunst mit sich bringt, von Kozłowski ironisch widerlegt. Die berühmte Arbeit Wandmalerei wurde bereits vor knapp 40 Jahren in der Galerie René Block in Berlin ausgestellt. Es sind mehrere verschiedenfarbige Tafeln aus Papier oder Raufasertapete. Die Tafeln sind Farbmuster von Wänden, die Kozłowski persönlich um 1979 in verschiedenen Wohnungen in Posen, Berlin und London – wie ein typischer Handwerker – gestrichen hat. Die Arbeit wurde damals tarifgemäß pro Quadratmeter von dem jeweiligen Auftraggeber bezahlt. Die tatsächlichen Originale sind also die farbigen Wände (fraglich bleibt, ob diese wohl noch existieren), die Tafeln sollen lediglich Farbmuster sein. Kozłowski stellte damit die Malerei als kreativen Akt des Künstlers in Frage. In einer anderer Arbeit Ästhetikübungen von 1976 untersucht Kozłowski die Zusammenhänge zwischen Bild und Wort: „59 verschiedene Farbmuster werden ästhetisch gleich beurteilt: ‚weder schön noch hässlich’. Diese Formulierung wählte auch Marcel Duchamp, als er beschrieb, dass er seine Readymades nach dem Kriterium der ästhetischen Indifferenz ausgewählt hatte. Bei Kozłowski sind die Farben keine Malerei mehr, sondern neutrale Readymades, selbstreferenziell und resistent gegen traditionelle oder auch sozialistische ästhetische Vorstellungen, wodurch sie ihre künstlerische Autonomie manifestieren. [...] Bei den Readymades von Duchamp war die schöpferische Tätigkeit des Künstlers im Grunde schon auf einen sprachlichen Deklarationsakt reduziert, Gebrauchsgegenstand und Kunstwerk fallen zusammen. Auch die „Specific Objects“ der Minimal Art und die „Brillo Boxes“ von Andy Warhol negieren Autorschaft, Originalität und Repräsentation und stellen dafür die Idee in den Vordergrund, die schließlich in der Konzeptkunst zur zentralen Formulierung wird und das Kunstwerk als Objekt überflüssig machen soll. Stattdessen wird die logische Struktur der Sprache zum Repräsentationsmodell für die Wirklichkeit und damit zur Grundlage von Wahrnehmung und Erkenntnis.“ (Björn Egging) Man muss aber weder von Duchamp noch von Warhol jemals gehört haben um die Wirkung, die weit über den Kontext der Kunst hinaus reicht, deutlich erkennen zu können. Wie damals, als Kozłowski 1982 in der Akumulatory 2 Galerie eine Wand grün strich und mit roter Farbe drauf schrieb: „Die grüne Wand ohne einen bestimmten (zum Beispiel politischen) Kontext.“ Für die Geheimdienste genügte das um die Ausstellung nach einem Tag zu schließen. Die gleiche Arbeit – nur in grau – die wiederum kurz nach der Wende in The New Museum of Contemporary Art in New York (1990) gezeigt wurde, sorgte für einige, politische Kommentare über die graue Wirklichkeit hinter dem Eisernen Vorhang. Wie frei von jeglichem (auch politischem) Kontext Kunst sein mag, das untersucht er in der Arbeit News Games, für die er internationale Zeitungen mit verschiedenen Farben übermalte und gefaltet in weiße Papiertüten steckte. „Hier praktiziert Kozłowski eine Anti-Malerei auf einer Meta-Ebene, die es ihm erlaubt […] ein Höchstmaß an künstlerischer Autonomie zu erlangen. Diese Freiheit ist für ihn bis heute die Voraussetzung für eine kritische Distanz zu den politischen Verhältnissen.“ Dabei enthüllt er bereits seit knapp 50 Jahren die Denkstrukturen, mit denen wir und unsere Gesellschaft funktionieren. Nun liegt es in der Hand des Betrachters, zu entscheiden, was er mit dieser Erkenntnis anfängt. So wie im wahren Leben. Jarosław Kozłowski wurde 1945 in Schrimm, Polen, geboren. Von 1963 bis 1969 studierte er Malerei an der Staatlichen Hochschule für Bildende Kunst in Posen, wo er ab 1969 unterrichtete und von 1981 bis 1987 als Rektor tätig war. Von 1991 bis 1993 war er Kurator am Zentrum für Zeitgenössische Kunst in Warschau. Er war ein Stipendiat The British Council in London (1979) und DAAD in Berlin (1984-85). Kozłowski hatte zahlreiche Einzelausstellungen, u. a. in der Galerie Foksal, Warschau (1972), im Muzeum Sztuki, Lodz (1994), im Künstlerhaus Bethanien, Berlin (1986), im Brno House of Arts, Brünn (2000), er war bei der 8. Sydney Biennale (1990) und der 27. Biennale von Sao Paulo (2006) vertreten. Seine Werke befinden sich in Sammlungen wie zB. MoMA in New York, MAM São Paulo, oder Generali Foundation in Wien und anderen. Er lebt und arbeitet in Posen.
Ort: Persons Projects bis: 2017-11-18
Künstler: Marlena Kudlicka
Thema: Angetrieben von ihrem fortwährenden Interesse, das Konzept der Skulptur neu zu definieren, versucht Kudlicka, die vorherrschenden Konnotationen dieser Kunstform als verfestigte Instanzen zu überwinden, indem sie ihre Praxis in den Bereich der Skulptur als eine Form des „räumlichen Schreibens“ ausdehnt. In der Ausstellung Elements of Peaceful Engagement wird die Skulptur zum Kommunikationsknotenpunkt ausgebaut, der die Prozesse ihrer Entstehung sowie die Beziehung zum Raum aktiv neu verhandelt. Eine Diskussion um Büro- und Arbeitsraumstandards inhärente Normen und strategische Systeme entsteht, in deren Zusammenhang sich die Frage stellet, inwiefern diese die menschlichen Entscheidungsprozesse durchdringen und strukturieren. Der Ansatz, den die Künstlerin zum Arbeitsbereich hat, ist eng mit F.W. Taylors "Modern Efficiency Desk" verknüpft, der die Idee vorstellte, dass Produktivität mit großen, offenen Grundrissen, und den Vorgesetzten gegenüberstehenden Schreibtischen signifikant beeinflusst werden kann. Vielleicht ist es ein Zufall, dass Taylors Theorie aus seinen Erfahrungen in der Stahlindustrie entstand; eben jenem Material, das von Kudlicka (zusammen mit Glas) gewählt wurde, um ihr Konzept in den Raum von ŻAK | BRANICKA zu bringen. Aus technischer Sicht sind sowohl Glas als auch Stahl Materialien, die sich nicht einfach zusammenbringen lassen. Ihre kalte Inflexibilität führt in der Praxis zu einer experimentelle Herausforderung mit zwei Extremen. Manchmal wird das Glas gegen jede Logik zum Katalysator, der die gesamte Stahlstruktur trägt. Die Künstlerin nutzt diese Elemente als Gegenpunkte in der Skulptur die bei der Umwandlung in Sprache – einem wesentlichen Element von Kudlicka’s künstlerischem Ansatz – einen Dialog über Strategie als komplexen Plan zur Erreichung der Ziele unter ungewissen Bedingen weiter führen Kudlicka setzt ihr Interesse an den verschiedenen Parametern der Sprachstruktur fort – an Protokollen, Klassifikationen, methodischen Systemen und Konzepten um Normen, Standards und Strategien. Der Arbeitsbereich wird als architektonisches und gestalterisches Phänomen angegangen, der die Notwendigkeit der Flexibilität – sowohl individueller als auch kollektiver – bei der Arbeit an Gedankenformen betont. Diese Regelungen und Instrumente, die als Bewältigungsmechanismen für die Strukturierung von Tagesabläufen erforscht werden, bieten Einblick in das Konzept eines Arbeitsplatzes, während sie gleichzeitig eine Atmosphäre beeinflussen und nähren, in der körperliche und geistige Bewegungen einen Austausch im Entscheidungsprozess generieren. Begriffe wie Protokoll, Strategie, Norm und Standard spielen eine wesentliche Rolle bei der Erstellung eines Kommunikationsweges. Allerdings setzt Kudlicka ihre Arbeit nicht ein, um eine neue Norm oder einen neuen Standard für den Arbeitsbereich zu etablieren, sondern nimmt vielmehr die Thematik der Strukturierungsprinzipien auf, um ihren Einfluss auf die Effektivität von Kommunikationsprozessen in einer Arbeitsumgebung zu hinterfragen. Basiert auf dem text von Niekolaas Johannes Lekkerkerk: “Elements of Peaceful Engagement” __________________________________________________________________________ Marlena Kudlicka (g.1973 in Polen) lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Werke wurden in internationalen Institutionen wie dem MWM in Breslau (2016), dem Skulpturenmuseum Glaskasten in Marl (2016), dem Kunstmuseum Bochum (2016), dem Museum für zeitgenössische Kunst in Zagreb (2016), der Zacheta Nationalgalerie in Warschau (2015), dem Museum für moderne Kunst Lodz (2014) und dem CGAC in Santiago de Compostela (2012) ausgestellt. Sie hatte auch Residenzen an der Cité Internationale des Arts in Paris, der Schloss Solitude Akademie in Stuttgart und dem Internationalen Residenzprogramm Location One in New York ua.
Ort: Persons Projects bis: 2017-09-02
Künstler: Robert Kuśmirowski
Thema: Die Galerie ŻAK | BRANICKA freut sich, Robert Kuśmirowskis „Lindenstraße 35” im Rahmen des diesjährigen Gallery Weekend Berlin zu präsentieren. Für die Zeit der Ausstellung werden die Galerienräume verschwinden; anstelle des gewohnten Ausstellungsraumes wird die Zeit an diesem Ort um etwa achtzig Jahre zurück versetzt. Das besondere dabei: diese Geschichte ist wahr. Für die Galerie ŻAK | BRANICKA ist 2017 ein sehr besonderes Jahr, denn sie debütierte 2007 mit der Ausstellung „Datamatic 880” im Galerienhaus in der Lindenstraße 35. Wie zehn Jahre zuvor, wird wieder Kuśmirowski die Galerieräume mit einem diesem Ort und dem Gebäude gewidmeten Projekt bespielen. Kuśmirowski lässt in seiner künstlerischen Praxis Fakten und Fiktion verschwimmen indem er die Ortsgeschichte der Galerie als Ausgangspunkt für seine spielerische Forschung verwendet. Er sammelt, formt und konstruiert diese fein gearbeiteten Momentaufnahmen, um uns daran zu erinnern, dass die Vergangenheit dazu tendiert, sich selbst zu wiederholen. Er untersucht die Vorstellungen von Geschichte und ihrer Repräsentation, sowie jene der Erinnerung; zeigt jedoch auch auf eine unheimliche Art und Weise seine Selbstidentifikation mit einer gedachten kollektiven Vergangenheit. Kuśmirowski verwendet die Vergangenheit als Rohmaterial und erfindet sie gleichzeitig neu, denn er verwendet Fake-Fotografien, Fälschungen und unwahrscheinliche Materialien, die unsere individuelle und kollektive Erinnerung hinterfragen. Somit verwandelt er die Gegenwart in seine persönliche, imaginäre Zeitkapsel. Kuśmirowski nimmt in diesen gedachten Installationen die Rolle des Protagonisten ein, und ist gleichsam Darsteller, Regisseur und Publikum. Für die 4. Berlin Biennale bildete er in der ehemaligen Mädchenschule in Berlin einen Eisenbahnwagen nach, der jenen glich, die für Häftlingstransporte nach Auschwitz genutzt wurden. Für das Barbican in London verwandelte er einen Teil des Kunstzentrums in einen lebensgroßen Bunker aus der Zeit des 2. Weltkrieges. Mit seinem neusten Projekt für ŻAK | BRANICKA, führt die Zeitreise nun in die frühen dreißiger Jahre zu den Anfängen des Traumes von der Luftfahrt... __________________________________________________________________________ Robert Kuśmirowski wurde 1973 in Łódź, Polen, geboren. Er lebt und arbeitet in Lublin. Er ist Performer, Installations- und Objektkünstler, Fotograf und Zeichner. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen Institutionen gezeigt, darunter Secession, Wien (2003), Martin-Gropius-Bau, Berlin (2004), Kunsthalle Wien (2005), 4. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst (2006), Palais de Tokyo, Paris (2008), Torino Triennale (2008), Hamburger Bahnhof, Berlin (2009 und 2012), Nottingham Contemporary (2010), Mori Art Museum, Tokyo (2011), 3. Biennale Tel Aviv (2011), 11. & 13. Biennale Lyon (2011, 2015), KW Institute for Contemporary Art, Berlin (2012). Einzelausstellungen Kuśmirowskis wurden in Institutionen wie dem Stedelijk Van Abbe Museum, Eindhoven (2005), dem Kunstverein Hamburg (2006), dem Migros Museum, Zürich (2006), der Barbican Art Gallery, London (2009) oder dem Neuen Kunstverein Wien (2016) gezeigt. Seine Arbeiten sind Teil zahlreicher internationaler Sammlungen wie der Boros Collection, der Olbricht Collection oder der Sandretto Re Rebaudengo Collection.
Ort: Persons Projects bis: 2017-04-08
Künstler: Jasmina Cibic
Thema: ŻAK | BRANICKA ist hocherfreut, Firm Foundations von Jasmina Cibic vorzustellen, die erste Einzelausstellung der Künstlerin in Berlin und der Beginn ihrer Kooperation mit der Galerie. In Ihren Arbeiten sucht Cibic die Schaffung eines Dialog zwischen verborgenen politischen Objekten diverser historischer, sprachlicher oder medialer Räume. In ihrer Praxis thematisiert sie verschiedene Arten, wie Bildsprache, Kunst, Architektur und Rhetorik von politischen Regimen eingesetzt und instrumentalisiert werden, und untersucht, was mit diesen Fragmenten geschieht, wenn die durch sie gestützten Ideologien zusammenbrechen. Cibics Projekte, die diese Symbole und Ikonographien zusammenführen, sind eine Synthese von Gestik, Bühnenkunst und Reenactment. Ihre Praxis, in Filmen und Installationen instanziiert, ist auch eine laufend performative, eine ‚aufgeführte’ Übung im Sezieren von Bühnenkunst. Cibic spielt ein doppeltes Spiel, sie deckt Machtmechanismen auf und baut gleichzeitig ihre eigenen exemplarischen, allegorischen Strukturen. Sie spürt der Geschichte nach, indem sie detaillierte Forschung in offiziellen Staatsarchiven und versteckten Autoritätsdepots betreibt. Die Konventionen, Apologe und Erzählungen, auf die sie ihren forensischen Blick richtet, stammen von verschiedenen Figuren, die in die Apparate der Macht verstrickt sind und an einem Strang ziehen, um gemeine Vorstellungen der Nation zu schmieden. Die performative Installation The Land In Which a Wide Space For National Progress is Ensured (2015) erstreckt sich vom Fenster der Galerie nahezu über die gesamte Wand des Raumes. Die Arbeit spielt auf die ‚soft power’-Strategien in Kunst und Architektur an, die von (trans)nationalen politischen Strukturen verwendet werden. Der aus zahlreichen fotografischen Elementen zusammengesetzte Wanddruck stellt eine von Bannern durchzogene, fiktive, monochrome Landschaft dar. Diese pittoreske Utopie ist eine Komposition von Bildern, die von Josip Broz Titos persönlichen Fotografen in dem Versuch aufgenommen wurden, das entstehende Nachkriegs-Jugoslawien festzuhalten. Die Fotografen waren Künstler im Dienst des Staates und ihre Bilder sind trotz ihrer schlicht umstandsgetreuen Natur notwendigerweise mit einem politischen Ziel verbunden. Die Banner, die wie zufällig in den Zweigen dieser fantastischen Landschaft hängen, tragen Zitate einer Vielzahl bekräftigender politischer Reden, welche sich auf die Thematik der ‚Nationenbildung’ beziehen. Während der Ausstellungseröffnung werden diese Slogans in einer Performance aktiviert, in der zwei kostümierte Frauen den Text in continuo vergolden, wodurch das Werk in dieser Wiederholung fest an seinem Platz verankert wird. Die Ausstellung desselben Wandbilds in verschiedenen Räumlichkeiten provoziert indirekt auch die Neubewertung der kontextuellen Einzigartigkeit eines bestimmten Raumes und stellt die Frage, ob diese Einzigartigkeit mit jeder Umformung und Neuausstellung verloren geht oder bereichert wird. Überlagert wird dieses Wandbild von einer Reihe eng assoziierter Werke: Collagen, in denen aus Fotografien von Bergen, Wüsten oder Gewässern abstrakte geometrische Formen ausgeschnitten sind, um dahinterliegende Landschaften zu enthüllen. Die verwendeten Bilder entspringen ebenfalls Titos Archiv, während die ausgeschnittenen Formen von den unverwirklichten Designs für die Dekoration Belgrads zur Eröffnungskonferenz der Blockfreien-Bewegung 1961 abgeleitet sind. Diese ‚neo-readymades’ sind von ihrer ursprünglichen Bedeutung und ihrer Identifizierung bereinigt. Sie sind auf die Rolle von Zeichen reduziert, mit denen die Künstlerin ein neues Vokabular erstellt, das eine Neubewertung von Raum und Zeit provoziert, ein Aufeinanderstoßen von Welten – bekannten und gedachten. Diese sinnhaft geladenen Abstraktionen werden mit Assembly (2015) von der Wand abgeleitet und auf dem Boden konkret manifestiert – zeitgleich an ein minimalistisches Befreien von Inhalt wie auch an eine diagrammatische Andeutung sozialer Organisation erinnernd. Cibics Video The Pavilion (2015) zeigt eine Gruppe von fünf weiblichen Darstellerinnen, welche auf einer Theaterbühne aus einzelnen Teilen das Modell des modernistischen Jugoslawischen Pavillons für die EXPO 1929 in Barcelona zusammenbauen. Aus verschiedenen Winkeln und Perspektiven gefilmt, wird die Performance zu einer visuell verführenden, choreografischen Arabeske, welche die Darstellerinnen in ihren hellen Kostümen auf dem dunklen Boden der Bühne erschaffen. Die Handlung entfaltet sich auf einer leeren Theaterbühne und wird von einer weiblichen Erzählstimme begleitet, welche als Alter Ego der Künstlerin fungiert und einen dokumentarischen Ton annimmt, um die Methodologie und den Prozess der Rekonstruktion des verschwundenen Pavillons zu beschreiben. Cibic konzentriert sich auf die gestreifte Fassade des Objekts als architektonisches Konzept, das den Betrachter verführen soll, und analysiert die Umsetzung dieser visuellen Sprache außerhalb des Bereichs der Architektur. Sie präsentiert diesen Teil ihrer Untersuchung durch Illustrationen von Objekten, die sie als Grundlage für die Rekonstruktion des Pavillons verwendet hat. In der Nähe lehnen drei schwere skulpturale Eisenringe, die sowohl in ihrer Materialität, als auch in ihrer Form an die architektonischen Eisenarbeiten institutioneller Tore und Zäune erinnern. Jeder Ring trägt einen aphoristischen Spruch von einem anderen Ideologen aus einer jeweiligen Äußerung zur Thematik idealer Architektur (Thatcher, Khrushchev und Truman). Die Worte wiederholen sich in einem unendlichen Kreis, eingespannt in dieser obskuren Produktionsform. In ihrem Zusammenspiel verweisen die Arbeiten, die sich in Firm Foundations vereinen, auf das latente performative Potential von Requisiten, Hintergründen und szenografischen Elementen, die aus der Geschichte der modernen ‚Nationenbildung’ abgeleitet sind. Indem sie den Ausstellungsraum in ein erweitertes Film- oder Bühnenset verwandelt, zieht Cibic Parallelen zwischen der Konstruktion nationaler Kultur und ihrem Nutzwert für politische Ziele, wobei sie historische Referenzen und ‚ready-mades’ vielfältig in den Kontext national-repräsentativer Ästhetik, Architektur und kultureller Propaganda einbettet. Jasmina Cibic arbeitet in den Bereichen Performance, Installation und Film und verwendet eine Reihe von Aktivitäten, Medien und Theatertaktiken, um eine bestimmte ideologische Formation und deren Rahmenelemente, wie z.B. Kunst oder Architektur neu zu definieren. Sie vertrat Slowenien an der 55. Biennale in Venedig mit dem Projekt “For Our Economy and Culture”. Ihre jüngsten Einzelausstellungen waren in der Esker Foundation Calgary, im Museum of Contemporary Art Zagreb, im Museum of Contemporary Art Belgrade, im Museum of Contemporary Art Vojvodina, im MGLC Ljubljana und im Ludwig Museum Budapest. Sie nahm Teil an Gruppenausstellungen im Hessel Museum, Pera Museum Istanbul, Museum of Modern Art Ljubljana, La Panacee Montpellier, City Gallery Wellington, MSUM+ Ljubljana und MNHA Luxembourg. Ihre Filme wurden gezeigt an der Biennial of Moving Image Buenos Aires, Pula Film Festival, HKW Berlin, CCA Laznia, Les Rencontres Internationales Paris, Dokfest Kassel und am Copenhagen International Documentary Festival. Cibic wurde nominiert für den Jarman Award (2016), den Golden Cube Award (Dokfest 2016) und gewann den MAC International Ulster Bank Award (2016). Ihre nächsten Einzelausstellungen sind geplant für NN Contemporary, Crawford Art Gallery Cork, Aarhus 2017, BALTIC, Krefeld Museum und DHC Art Montreal.
Ort: Persons Projects bis: 2017-01-13
Künstler: Ryszard Wasko
Thema: ŻAK | BRANICKA ist hocherfreut, bereits die dritte Ausstellung von Ryszard Wasko, Who’s Afraid Of Colour (Positive vs. Negative), in unserer Galerie zu präsentieren. Die früheren Ausstellungen konzentrierten sich zunächst auf Arbeiten aus den 1970er und dann aus den 1980er Jahren. Die jüngste Ausstellung zeigt nun einen Querschnitt durch Waskos gesamtes Schaffenswerk und legt dabei den Fokus auf sein wichtigstes Motiv: Positiv vs. Negativ und sein Verhältnis zur Farbe. Waskos Oeuvre hat sich im Laufe der Jahrzehnte sehr gewandelt. Seine Anfänge fand er in den 1970er Jahren in der konzeptuellen Schwarz-Weiß-Fotografie, in den 1980er Jahren arbeitete er hauptsächlich mit Installationen und Skulpturen, um letzendlich die klassische Malerei für sich zu entdecken. Trotzt der formellen Unterschiede kehrt er jedoch jahrzehnteübergreifend immer wieder zu den gleichen Motiven zurück. Zu seinen bedeutendsten Motiven gehört sicher der Widerspruch zwischen Positiv und Negativ. Noch in den 1970er Jahren versucht Wasko in analytischen Fotografien wie beispielsweise in Things (1972) und Dematerialisation (1972) herauszufinden, wieso „ein Negativ, das doch Ausgangspunkt und Vorlage für das Positivbild ist, unwichtig zu sein scheint; so als wäre es die Schwäche der Fotografie, weil erst der Abzug (das Positiv) zur „richtigen” Fotografie wird.” Mit seinen Experimenten untersucht er dieses Phänomen und versucht die Bedeutung der Quelle zu revidieren: „es ging mir um eine Gleichberechtigung beider Realitäten”, sagt er. Jahrzehnte später, in den jüngsten Serien wie War Games (2003) oder Timeline (2014) versucht er sogar, nicht existente Negative digitaler Fotografien zu erstellen. Roter Faden der Ausstellung ist weiterhin Waskos Verhältnis zur Farbe, das sich im Laufe der Zeit erheblich gewandelt hat. Er erklärt die Furcht vor Farbe unter den Künstlern der Avantgarde der 1970er Jahre: „es herrschte die Regel der „Kargheit”. Obwohl in dieser Zeit die Farbfotografie schon sehr verbreitet war (haupsächlich in Werbung und Touristik), hat die Mehrheit der Künstler Farbe gemieden/vermieden und weiterhin mit Schwarz-Weiß-Fotografie gearbeitet. Wir dachten, dass man auf diese Art und Weise Ideen deutlicher auf den Punkt bringt, dass man Ideen von überflüssiger Dekoration befreit.” Der Mode zum Trotz enteckt er die Farbe später doch für sich; er lässt die Fotografie hinter sich und greift schließlich zum Pinsel. Dieses Statement hatte für ihn eine ähnliche Aussage wie das Verhätnis von Barnett Newman’s Who's Afraid of Red, Yellow and Blue (auf welches sich der Ausstellungs-Titel bezieht) zu Kazimir Malevitschs Black Square. Mit seiner Geste der Verweigerung distanziert sich Wasko von der Strenge Konzeptueller Kunst. Letzendlich aber ist diese Geste auch vor allem ein Versuch verschiedenste Medien der Kunst bis zur Grenze ihrer Möglichkeiten zu untersuchen, zu testen und zu erproben; immer und immer wieder – um sie immer wieder neu entdecken zu können. Ryszard Wasko studierte an der Filmhochschule in Lodz, Polen. Hier wurde er zum Mitglied der Werkstatt (Werkstatt für Filmgestaltung, 1970-1976). 1981 organisierte er die berühmte Ausstellung Konstruktion im Prozess, die später weitere Editionen in Deutschland hatte. Wasko wurde drei Mal von der Pollock-Krasner Foundation ausgezeichnet, stellte im Centre Georges Pompidou (1983), auf der documenta 6 in Kassel (1977), der Biennale von Venedig (1991, 1999, 2001, 2007) der Sao Paolo Biennale (1973) und der Sydney Biennale (1980) aus. Für zwei Jahre war er künstlerischer Direktor des PS1 in New York. Nach der Wende kam er zurück nach Łódź, heute lebt und arbeitet er wieder in Berlin.
Ort: Persons Projects bis: 2016-10-22
Künstler: Marlena Kudlicka, Ignacio Uriarte, Diogo Pimentão
Thema: ŻAK | BRANICKA ist hocherfreut, die Gruppenausstellung 3/1/1 vorzustellen, ein kollaboratives Projekt der Künstler Marlena Kudlicka, Ignacio Uriarte and Diogo Pimentão. In unserer gegenwärtigen Welt gibt es keine reinen, unverarbeiteten Materialien außerhalb des Rahmens der Kultur, außerhalb von Sprache, außerhalb von Formen und Zeichen. In unserer gegenwärtigen Welt sind Materialien Objekte – Träger von kulturell und ideologisch vorgegebenen Bedeutungen und Szenarios. In ihrer gemeinsamen Ausstellung manifestieren Marlena Kudlicka, Ignacio Uriarte und Diogo Pimentão dieses Bewusstsein im Hinblick auf Papier als verarbeitetes Material, als Form, als Messeinheit, als Baustein, als Werkzeug, und als Bild. Mit dem Titel 3/1/1 suggeriert die Ausstellung eine Vielzahl von Perspektiven und Interpretationen in Bezug darauf, was wir mit Papier assoziieren, und folglich mit Zeichnung, und somit mit Repräsentation. Für Kudlicka, Uriarte und Pimentão ist ein Blatt Papier nicht bloß eine dünne Oberfläche aus Zellulosebrei, der aus Holz gewonnen wird. Noch ist es ein neutraler, transparenter, unsichtbarer Träger oder Untergrund. Für die Künstler ist es ein historisches Set an Strukturen, Formaten und Verhältnissen, die eine weite Auswahl an Aktivitäten und Verhaltensweisen beeinflussen. Für Kudlicka, Uriarte und Pimentão ist eine Zeichnung nicht nur eine substanzlose, vorläufige Skizze, welche die Umrisse eines Objekts darstellt, noch ist sie eine untergeordnete Kategorie der Malerei; Sie ist eine Aktion – ein Vorgang im realen, architektonischen, dreidimensionalen Raum. Der Ausgangspunkt von 3/1/1 ist der internationale Standard von Papiergrößen, also die DIN-A Formate. Obwohl das internationale Papiergrößensystem von vielen als autogeneratives, oder sogar transzendentales Höhe-zu-Breite-Verhältnis wahrgenommen wird, ist es das Ergebnis einer bestimmten historischen Konstellation, die uns zum Deutschland des Jahres 1922 zurückführt, als das Deutsche Institut für Normung DIN 476 veröffentlichte, den Standard, der die A-Serie für Papiergrößen einführte und erst 1975 als der internationale Standard ISO 216 übernommen wurde. Für Kudlicka, Uriarte und Pimentão beginnt 3/1/1 mit der Historisierung und Relativierung des Standards der DIN-A Serie, bis zu einem Punkt, an dem sie nicht als universal und zeitlos, sondern als ein bedingtes Ergebnis bedingter Umstände angenommen wird. f=different 3/1/1 (2016), Marlena Kudlickas Skulptur für 3/1/1, hat ihren Ursprung im Bild eines industriellen Papierschneiders. Skelettartig, linear und in gewisser Weise grafisch, umreißt die funktionsartige, geometrische Skulptur aus pulverbeschichtetem Stahl und Glas auf räumliche Art und Weise ein Höhe-Breite-Verhältnis, das die Vorstellung von Papier in Bezug auf die Typologie von Formaten thematisiert. f=different 3/1/1 ist eine plastische, selbstreferenzielle Zeichnung im Raum, die sich mit den Voraussetzungen der Zeichnung als solche auseinandersetzt. Die Wandinstallationen von Ignacio Uriarte führen die Erforschung von Papier und Zeichnung dieser Ausstellung in eine andere Richtung. Indem er Zeichnen nicht als ein Verfahren praktiziert, das auf Papier ausgeführt wird, sondern als eine Aktion von und mit dem Papier selbst, oder spezifischer, von und mit den Papiergrößen der DIN-A Serie, kreiert Uriarte Wandinstallationen, die aus repetitiven Anordnungen identischer Gruppen von Papier bestehen. Dabei werden die DIN-A Serie und das ISO Papiergrößensystem als bildhauerisches Material verwendet, während der Unterschied zwischen dem Zweidimensionalen und dem Dreidimensionalen, zwischen Flachheit und Räumlichkeit verschwimmt. Diogo Pimentãos Beiträge zu 3/1/1 artikulieren das ‚ausgedehnte Feld des Zeichnens’ der Ausstellung aus einem zusätzlichen Winkel. Seine in Graphit ‚getränkten’ Arbeiten können als Papierskulpturen (oder Skulpturpapiere) beschrieben werden, deren Bedeutung und Form sich verändern und die ständig neu definiert werden, in Übereinstimmung mit dem Standpunkt des Betrachters (wie z.B. in Walk (2015)) und mit dem Ort, an dem sie ausgestellt sind (wie z.B. in Sudden (Shape) (2015)). Die strukturelle Logik, auf der 3/1/1 basiert, vermittelt den Eindruck einer Art endlosen Staffellaufs. Die Ausstellung ist wie eine große Laufbahn, die in drei Strecken geteilt ist. Wie auf dem Ausstellungsposter angedeutet, belegt jeder der drei Künstler einen Bereich, und die Kanten jedes Bereichs überlappen jene der anderen: Kudlickas Skulptur und Sprache dehnt sich auf Uriartes Sprache und Zeichnung aus, welches sich auf Pimentãos Zeichnung und Skulptur ausdehnt, welches sich auf Kudlickas Skulptur und Sprache ausdehnt, usw. Auf struktureller Ebene bestimmt die Ausstellung die Diffusion jedes Bereichs an Arbeiten in die anderen vor. Während sie die Unterscheidung zwischen den individuellen künstlerischen Beiträgen ihrer drei Künstler beibehält, versucht 3/1/1, die Position des Künstlers als singulärem, souveränen Autor vorsichtig zu untergraben. Kudlickas, Uriartes und Pimentãos Experimente mit Papier und Zeichnung platzieren ihre Arbeit in Verbindung zu Donald Judds Charakterisierung von minimalistischer Kunst als „Weder Kunst Noch Skulptur“ (1965), sowie zur „Ästhetischen Administration“ der Konzeptkunst. Zusätzlich zum Interesse an impersonalisierten Standards von Papiergrößen und deren diffuser Struktur, unterstreichen diese Referenzen die Verbindung von 3/1/1 zur Politik der Urheberschaft, doch gleichzeitig ermächtigen sie uns, zu beobachten, auf welche Art und Weise die Ausstellung die kanonischen Imperative von minimalistischer und konzeptueller Kunst missachtet, und ihrer feinen, aber unermüdlichen Bewegung zwischen Materialien und Prozessen, zwischen Leere und Fülle, Verneinung und Bejahung, Passivität und Aktivität zu begegnen. Text von Ory Dessau (2016) Marlena Kudlicka (geb.1973 in Polen) lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Arbeiten wurden in internationalen Institutionen wie dem MWM in Breslau (2016), dem Skulpturenmuseum Glaskasten in Marl (2016), dem Kunstmuseum Bochum (2016), dem Museum für zeitgenössische Kunst in Zagreb (2016), der Zacheta Nationalgalerie in Warschau (2015), dem Museum für Moderne Kunst in Lodz (2014) und dem CGAC in Santiago de Compostela (2012) gezeigt. Ausserdem hatte sie Residenzen an der Cité Internationale des Arts in Paris, der Schloss Solitude Akademie in Stuttgart und dem International Residency Program Location One in New York, u.A. Ihr erster Kunstband wird im September 2016 veröffentlicht. Ignacio Uriarte (geb.1972 in Deutschland) lebt und arbeitet in Berlin. Seine Arbeiten wurden unter anderem im Kunstmuseum Bonn (2016), im Kunstmuseum Bergisch Gladbach (2015), im Kunsthaus Dresden (2013), im Drawing Center in New York (2013), im Nationalmuseum in Berlin (2011), im Museum für Zeitgenössische Kunst in Istanbul (2011), im CGAC in Santiago de Compostela (2011) und im Kunstverein Arnsberg (2010) ausgestellt. Seine Werke wurden von öffentlichen Institutionen wie der Sammlung der Berlinischen Galerie in Berlin, der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München oder dem Museum Ludwig in Köln erworben. Diogo Pimentão (b.1973 in Lissabon) lebt und arbeitet in London. Seine Arbeiten wurden unter anderem im Museu Grão Vasco in Viseu, Portugal (2016), im Palais des Beaux-Arts in Paris (2015), im Museu de Arte Contemporânea - Colecção António Cachola in Elvas, Portugal (2015), im IMMA (Irish Museum of Modern Art) in Dublin (2015), im MAMAC in Nizza (2012) und im Centre d’Art Contemporain de la Ferme du Buisson in Noisiel, Frankreich (2011) gezeigt. Seine Werke sind Teil von Sammlungen verschiedener Institutionen wie der Collection Lambert in Avignon, dem Centre Georges Pompidou in Paris, der Pomeranz Collection in Wien, der Portugal Telecom Foundation in Lissabon oder dem Fonds National dʼart contemporain in Paris.
Ort: Persons Projects bis: 2016-07-30
Künstler: KwieKulik (Przemysław Kwiek, Zofia Kulik)
Thema: Opening: Friday, 29 April 2016, 6 – 9pm Screening: 27 – 30 April, 4pm at the nearby cinema fsk (Segitzdamm 2, 10969 Berlin). ŻAK | BRANICKA is proud to present, in the frame of Gallery Weekend Berlin 2016, a solo exhibition by the artist duo KwieKulik (Przemysław Kwiek, Zofia Kulik), titled The Monument Without a Passport. The artworks presented will focus on criticism of state opression. The main topic is Freedom: both personal and social, but also freedom to travel and of thought. The show is born out of a reaction to current political issues haunting Europe, in particular the issue of censorship. The artworks to be presented’, made during the 1970s are as timeless as they are actual, showing us just exactly how easily history repeats itself. The duo KwieKulik existed between 1971 and 1987 and became one of the most important art phenomena from the other side of the Iron Curtain. Over its 16-year span, they organized many performances, artist demonstrations and created many objects, videos and photographs. KwieKulik’s social and political activities, together with their uncompromising and brave criticism granted their oeuvre an extraordinary position in the avant-garde movements. The political nature of their artworks was, since the beginning, a reaction to the exclusion they experienced from the ruling regime. By refusing to resort to traditional means of expression, their methods were pioneering in the context of their time. For them, performance and the documentation of their works was also an extremely important part of artistic activity. Their postulate was to erase the borders between private life and art, with the statement: “The Personal is Political”. One of their earliest works is the series Ameryka (1972-1985). Originally, Ameryka was the name of a magazine which was published in Polish by the US Information Agency in Washington and distributed in Poland by the American Embassy. The magazine promoted an ideal lifestyle in the U.S. where only happy people lived. Browsing through the magazine, KwieKulik were struck by the images of smiling people, with whom they could not identify with, standing in the Socialist reality of their lives. As such, they wanted to create their own reality inspired by the American dream. Their photographs show them as happy parents who travel the world and who have succeed in their career. Ameryka unmasks the language of propaganda by deforming it. The title of this exhibition is given by a performance the artists made at the Biennale of Young Art in Sopot in 1978. It was meant as a counteraction for having their passports revoked by the Polish Government, preventing them from traveling to an interdisciplinary workshop in Arnhem (The Netherlands), in that same year. The reasons behind this revocation were two photographs in the catalogue from the exhibition centre Malmö in Stockholm. In one, Zofia Kulik is shown in her studio working on a sandstone memorial tablet. In the background, a large plaster eagle – the emblem of the People’s Republic of Poland – made by another artist leans against the wall. The inscription in the photo was: A Bird of Plaster for Bronze in the Barracks of Fine Arts. In the second photograph, a clay nude, made by Przemysław Kwiek, is entitled Man-Dick. The composition of these two pictures caused the so-called “Eagle affair” where the Polish government accused the artists of having performed actions in Sweden that profaned the patriotic eagle. Thus, KwieKulik lost any financial help from the government and were banned from representing Polish art abroad for the next couple of years. The Monument Without a Passport became a memorial for bureaucratic aggression. Without the ability to travel, KwieKulik asked the organizers in Arnhem to make a performance based on their instructions in which Joseph Beuys participated. Both these historical photographs will be shown at the gallery. Shortly before Martial law was introduced in Poland in 1981 they participated in the exhibition New Artwork from Poland at the Künstlerhaus Stuttgart for which they produced the video performance Supermarket. Throughout the video, the artists stroll around a supermarket (full of ‘foreign’ goods) and are overwhelmed by all the abundance surrounding them, they can’t decide what to pick and end up leaving the shop without buying anything. The abstruse situation in the film points out the contrast between the reality of where KwieKulik live and a utopia where dreams come true. In the same year, they went on a Trip Around Europe, the second video to be shown. The two artists travelled in a small Fiat 126p around Germany and Belgium carrying with them a tent, sleeping bags, a camping stove, their camera and even some artworks. During their journey, KwieKulik realised and documented several projects and met up with artist friends such as Joseph Beuys and Elisabeth Jappe. ŻAK | BRANICKA will host a daily screening of the documentary “KWIEKULIK”, directed by A. Zakrzewska and J. Turowicz as well as some videos of KwieKulik at the nearby cinema ask (Segitzdamm 2,10969 Berlin). The screenings will run between 27 – 30 April, 2016 everyday at 4 pm.
Ort: Persons Projects bis: 2016-04-23
Künstler: Hristina Ivanoska & Yane Calovski
Thema: Exhibition: Jan 16, 2016 – Mar 5, 2016 Opening: Jan 15, 2016, 6 to 9 pm (the artists will be present) ŻAK | BRANICKA is proud to announce the second exhibition of Hristina Ivanoska and Yane Calovski at the gallery titled, Orphans of Culture, Legends and Heroes Part II. The show follows as a continuation of their ongoing interest in how modernity shapes our cultural and political reading of the present, (which the artists explored at Kronika Gallery in Orphans of Culture, Legends and Heroes, 2007, a show curated by Sebastian Cichocki). The inseparable connection of faith and the metaphysical, present in We are all in this alone (Venice Biennale, 2015) and Unspoken (Malmö Konsthall, 2015), also features in their most recent series Oneness (2015). Made of 11 panels with drawings made on hand-woven linen fabric, the work is based on a conceptual work with text by Ad Reinhardt and graphic design by Bridget Riley published in 1966 in Poor.Old.Tired.Horse No 18, a magazine for concrete poetry, edited by Ian Hamilton Finlay. "We found simplicity in the text and metaphysics in the design and wanted to explore that further. This particular text by Ad Reinhardt can read as a concrete poem, it has a specific tone of urgency and corresponds very much with issues in our practice (e.g. institutional critique, contextualization of art production, personal politics). He says ‘There is one fine art, one museum of fine art, one art system” etc. and this singular, affirmative, ‘mantra-like’, intelligently critical and absurd statement is strangely reflective of the world we inherited and can be engaged (along with Riley’s drawing of zero’s) in continuum – a progression of both conceptual and aesthetical values. We have been interested in the use and history of linen as a material; this linen in particular, is of Eastern European origin from the turn of the last century, and was made for burial services of the wealthy. As a material that links narrative forms from the Past to the Present, the panels function as traditional surfaces where social practices of rituals are re-imagined. We collaborated in part with the Monastery of the Holy Mother of God, (village of Maska, Macedonia), in order to better understand the material. The technique for working with hand-woven linen and some of the techniques of embroidery are mostly done in isolation and solitude. This way, we are also trying to emphasize the dualities of the private and public, spoken and unspoken, written and vocal, that generate various forms of resistance in different cultures." (Hristina Ivanoska & Yane Calovski) "The process of writing, the form of expressing ideas through words and letters and finally presenting the text as a visual work become very important in my recent artistic practice. This particular text focuses on the performativity of writing, on its history and on the need of expressing one’s own ideas only through writing." (Hristina Ivanoska) "I am interested in the engagement with archives, in creating new documents and in using various drawing and writing techniques to achieve certain results. I analyze my connection to historical temporality, juxtaposing my writing with found sources, editing and processing information that seems accessible yet very private. I type, draw and sculpt out of my discoveries in the hope that they will engage the imagination of the viewer in ways that are not overly scripted." (Yane Calovski) Hristina Ivanoska and Yane Calovski are collaborating since 2000. In 2004 they co-founded the art and curatorial research platform ‘press to exit project space’ in Skopje. Their projects have been presented in various international contexts and at institutions including the Venice Biennale (2015), Staatliche Kunsthalle Baden-Baden (2014), HDLU- Croatian Association of Artists, Zagreb (2009), ŻAK | BRANICKA Gallery, Berlin (2008), Kronika Gallery, Bytom, Poland (2007), and other venues. Their individual and collaborative works are part of a number of public and private collections, including Deutsche Bank Collection, Art Telekom Collection, Van Abbe Museum, Museum of Contemporary Art Skopje, and others.
