Ausstellung Galerie Galerie Carolyn Heinz
Basierend auf der koreanischen Mal- und Materialtradition schlagen die Bilder und Tuschezeichnungen der Koreanerin Sung-Yon Lee eine Brücke zwischen asiatischem und westlichem Kunstverständnis. Während sich im asiatischen Denken alle Erscheinungen des Lebens aus einem ganzheitlichen Prinzip ableiten, ist der europäische bzw. westliche Ansatz eher analytisch, fragt nach dem Warum, dem Wann, dem Weshalb. In Sung-Yon Lees Bildern vermischen und ergänzen sich diese beiden Auffassungen.
Der Versuch, intuitiv das Wesentliche, die Idee der Dinge zu erfassen, ist ein essentieller Gedanke der kalligraphischen Kunst. Sung-Yon Lee übernimmt die Technik und innere Haltung der traditionellen Kalligraphie Asiens, die schnelle, nicht korrigierbare Pinselführung, die intensive Konzentration auf den Moment und die Vorstellung vom Papier als Raum. Aber anders als in der Kalligraphie verwendet Sung-Yon Lee in ihren Tuschebildern keine Schriftzeichen. Abstrakte Formen markieren prägnant und nahezu physisch spürbar Bewegungen innerhalb des Bildraumes. Auch in den häufig großformatigen farbigen Bildern finden sich diese Tuschzeichen als ein wichtiges Bildelement wieder.
Noch weitere Elemente vermitteln zwischen asiatischer Tradition und westlicher Moderne. Der Einsatz traditioneller Materialien wie Maulbeerbaumpapier, in Flächen oder Bahnen, deckend oder transparent, bemalt oder unbemalt auf die Leinwand collagiert steht neben einer sehr klar und analytisch strukturierten Bildraumeinteilung. Die undurchdringliche Tiefe der farbigen Flächen jedoch entsteht weniger durch perspektivische Linienführung als vielmehr durch die scheinbar endlosen Schichten lasierender Acrylmalerei.
Seit 1995 findet sich noch ein ganz neuer Aspekt in Lees Arbeiten. Aus dem Bedürfnis heraus, sich auch einmal von der Abstraktion zu lösen und andere Ausdrucksmöglichkeiten zu finden, probiert sie in den inzwischen zahlreiche Serien umfassenden „unique everydays“ für sie ganz neue Malstile aus. In oft sehr kräftigen Farben verarbeitet sie ihre persönlichen Erfahrungen in tagebuchartigen kleinen Bildern, die teils realistisch-figurativ, teils mehr zeichenhaft sind, oder auch den Charakter einer Collage tragen.
Sung-Yon Lee, geboren 1956 in Daegu, Süd Korea, studierte an der Academy of Fine Arts in Seoul und der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Seit 1981 lebt und arbeitet sie in Hamburg.
Die Ausstellung begleitet ein Katalog zum Preis von 28,-- Euro.
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