Ausstellung Galerie Evelyn Drewes Galerie
Malerei als Wissenschaft, also abzüglich allem was hineininterpretiert werden könnte. Nichts Gegenständliches, nichts, was Assoziationen beim Publikum auslösen könnte, keine Metaphysik, dafür volle Kontrolle. Nur Form und Farbe und Licht(verhältnisse). Malerei als Versuchsanordnung. Strikt nach einem einmal festgelegten Konzept: In der Mitte ein scharf abgegrenzter aufrechtstehender Balken, ringsherum breite emphatisch ausgeführte Pinselstriche. Das Nüchterne umgeben vom Gestischen; das Besonnene neben dem Impulsiven. Das Zeitlose trifft auf das Flüchtige und geht eine dauerhafte Bindung ein. Ein Moment wird Ewigkeit und öffnet so die Möglichkeit zu untersuchen, wie die beiden Antagonisten korrespondieren. Malerei unter Laborbedingungen.
In Acryl und Öl auf Baumwolle kombiniert die Malerin Çiğdem Aky die drei Elemente Tiefe, Struktur und Farbton und schafft so autonome Farbräume, die gerade wegen der Abwesenheit jeglicher Referenzmöglichkeiten in ihrer Wirkung präzise sind. Bezugslosigkeit führt hier zu Eineindeutigkeit, jedes Werk vermittelt ein exakt bestimmtes Gefühl. Die Kombination eines gesetzten geometrischen Elements mit gestischen Komponenten führt zu einer Reihe von unvorhersehbaren Dialogen. Jede Arbeit ist ein Versuch mit offenem Ergebnis. Mit ihrem Farbauftrag setzt Aky einen Prozess in Gang, deren weiterer Verlauf sie nicht kontrollieren kann und möchte. Sie überlässt Farbtöne sich selbst, die sich dann gegenseitig studieren, evaluieren und fortschreiben.
Hansjörg Fröhlich (Auszug)
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