Niçoise Vibes. Fotografien von Pierre Pauwels, Nizza Ausstellung Bremen

Ausstellung Galerie Gastfeld Gallery

Datum: 23.02.2026 - 13.06.2026

Künstler: Pierre Pauwels

Veranstalter & Ort:
Galerie Gastfeld Gallery
28201 Bremen
Gastfeldstraße 67

Der französische Fotograf Pierre Pauwels, seit Jahren in Nizza zuhause, gewährt mit der Ausstellung Niçoise Vibes intime Einblicke in sein fotografisches Universum. Sein Œuvre zeigt eindrucksvoll, wie er die duale Kraft von Licht und Schatten einfängt – ein visuelles Gedicht, das sich zwischen urbaner Lebendigkeit und stiller Melancholie entfaltet.

Pauwels’ Zugang zur Fotografie wurzelt tief in seiner Kindheit. »Als Kind habe ich viel Zeit im Zug und im Auto verbracht, aus dem Fenster geschaut und vor mich hin geträumt, wie es wahrscheinlich Tausende von Kindern getan haben. Zwischen meinen Tagträumen bestand eines meiner Lieblingsspiele darin, kleine komische Szenen zu beobachten, die mir die Welt bot. Ein Mann, der über eine Kastanie stolpert, eine alte Frau, die in der Nase bohrt, oder Katzen, die sich an einer Straßenecke prügeln. Zu wissen, dass niemand außer mir das Glück hatte, diese Szene zu sehen, bereitete mir ein kostbares Vergnügen.« Diese frühen, mentalen Momentaufnahmen bezeichnet Pauwels als seine erste »Schatzkiste« – ein inneres Archiv banaler, aber zugleich magischer Augenblicke. Später wurde daraus die Kamera, und über das Internet fand er den Weg, seine visuellen Schätze mit der Welt zu teilen.

Heute ist dieses Spiel zur Gewohnheit geworden. Selbst ohne Kamera beobachtet er das Leben ununterbrochen, sammelt visuelle Notizen, ordnet das Chaos der Straße in klare, poetische Rahmen. »Es scheint, dass ich mir dank der fotografischen Praxis eine gewisse Strenge zugelegt habe. Diese obligatorische Art, das Chaos durch einen klaren Rahmen zu organisieren, hilft mir, die Welt und damit auch mich selbst zu verstehen.« Was als spontanes Kinderspiel begann, ist heute ein reflektierter künstlerischer Prozess, der Beobachtung, Empathie und Distanz in sich vereint. Die Fotografie wird für Pauwels zu einer Schule der Aufmerksamkeit: urteilsfrei, unaufdringlich, geduldig.

Nizza ist in dieser Serie nicht bloß Kulisse, sondern ein atmender Partner. Die Stadt mit ihrer charakteristischen Altstadtarchitektur, der berühmten Promenade des Anglais, den Palmen, dem glitzernden Meer und den wechselhaften Lichtstimmungen bietet unerschöpfliches Material für Pauwels’ Streifzüge. Wo Touristen oft nur die Postkartenidylle suchen, entdeckt er kleine theatrale Szenen im Vorübergehen: eine Silhouette im Regen, ein Farbspiel im Asphalt, eine Geste, die im Sonnenuntergang eingefroren wird. So verbindet er die visuelle Intensität des Mittelmeerlichts mit einem genauen, beinahe anthropologischen Blick auf die Menschen, die in diesem Raum leben und handeln.

Die Ausstellung Niçoise Vibes versammelt zwölf Fotografien, die alle in Nizza entstanden sind. Sie erzählen von Übergangsmomenten, vom Flanieren und Innehalten, von städtischer Dynamik und stiller Kontemplation. Was dabei herauskommt, beschreibt Pauwels selbst als »kleine Schätze, die wahrscheinlich nie existiert hätten, wenn sie nicht fotografiert worden wären«. In dieser Haltung liegt seine künstlerische Verantwortung: das Flüchtige sichtbar machen, damit es eine Spur hinterlässt. »Je mehr ich mich fotografisch kultiviere, desto bewusster wird mir, dass die Welt von morgen nicht so aussehen wird wie die von heute. Und dass ich, da ich das Glück habe, sie festhalten zu können, auch die Pflicht habe, dies zu tun – natürlich auf meine Weise.«

Niçoise Vibes ist so ein doppelt codiertes Porträt: Es zeigt Nizza in seiner Gegenwart, voller Licht und Bewegung, und zugleich die innere Welt eines Fotografen, der mit Empathie und Beharrlichkeit nach Ordnung im Chaos sucht. Es ist eine Einladung, das scheinbar Alltägliche neu zu entdecken, und die Gewissheit, dass im Flüchtigen die Poesie verborgen liegt.

Die Ausstellung im Gastfeld ist die erste des Fotokünstlers in Deutschland.

Am Montag, den 23. Februar, findet um 19 Uhr die Vernissage statt. Der Künstler Pierre Pauwels wird anwesend sein und die Singer-Songwriterin Hannah Paularsen ihre neuesten Indiepop-Songs spielen.
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