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Vertrautes mit Vertrautem, Anziehendes mit Abstoßendem und fast immer Tier und Mensch à la Collage miteinander zu vermischen, zieht sich konstant durch Svenja Maaß Werk. Das kann so weit gehen, dass man seinen Augen nicht mehr traut und einem der eine oder andere fabelhaft humorige Einfall im Halse stecken zu bleiben droht.
In leichtfüßiger Adaption von Motiven und Techniken u.a. der Kunstgeschichte entstehen ihre surreal anmutenden Bildwelten. Die Künstlerin bringt Tier und Mensch miteinander in Situationen, die real nicht stattfinden könnten. „Noch nicht!“, will man hinzufügen. Mindestens Science Fiction Atmosphäre schleicht sich ein, wenn ein nackter Mann, der wie zur Verdeutlichung der Ur-Frage „Wohin geht es?“ mit gestrecktem Arm in eine unbestimmte Richtung weisend, auf einem locker gezäumten Schaf sitzt. Das so ungewohnt berittene Schaf wiederum zweckentfremdet einen Tigerrochen zu seiner Liegewiese. Zudem verhehlen die spezielle Farbigkeit und der dichte Farbauftrag nicht, dass hier keine heitere Fabelgeschichte erzählt werden soll, auch wenn Mensch und Tier so unbedarft dreinschauen, dass sie kaum ernst zu nehmend wirken.
In anderen Bildern sind die Protagonisten noch eigentümlicher der Realität abhanden gekommen. Maaß VogelstraußTänzer zum Beispiel ist derart delikat gemalt, als habe man es mit einem altmeisterlichen Ganzkörperporträt zu tun. Das Fell/Federkleid lädt zum streicheln ein, wären da nicht diese muskulösen Tanzbeine, die aus einem prächtigen Tutu herausragen, das gar keines ist. Der dunkle Hintergrund ist, beiläufig edel und seidig köstlich gemalt, die passende Umgebung für dieses besondere Mischwesen.
Lässt man sich auf die irritierende figurative Bildsprache der jungen Künstlerin ein, so stellt sich unweigerlich die Frage nach der Deutung. Gerade weil wir es inzwischen unisono gewohnt sind, den menschlichen Einfluss auf die Natur negativ zu werten, drängen sich prompt apokalyptische Assoziationen auf und unterstützen den gedanklichen Kurs, der zudem von den wiederkehrenden Motiven christlicher Ikonographie gespeist wird. Jegliches Mischwesen, jede surreale Situation ist zugleich erschreckend und begeisternd. „Was sagt das über uns aus?“ meint man die Künstlerin fragen hören.
Geschickte Täuschung unserer Erwartungen an die Motivik, die Technik und die Botschaft ihrer Bilder kommen letztlich wie ein vorlautes Dada-Gedicht daher, denn eine Antwort erhalten wir nicht. Nicht missionarisch, ohne erhobenen Zeigefinger und weniger vordergründig interessiert sich die Künstlerin mehr dafür, wie sich Mensch und Tier im Bildraum zueinander verhalten, als uns einfach eine Antwort zu präsentieren. Stattdessen fragt sich: Wie stark kann sich der Betrachter mit der menschlichen Figur, oder auch mit dem Tier identifizieren? Wer dominiert hier wen?
Des Weiteren lässt die herausfordernde Farbraumgestaltung und die provokative Malerei den Betrachter generell scheitern, in eine malerisch heile Welt einzutauchen, die dem apokalyptischen Flirt unschuldig gegenüber stehen könnte.
Und wenn uns die Malerin auf verschiedene Fährten geschickt hat, wird sie augenzwinkernd weiterhin darauf bestehen, dass sie nichts Bestimmtes aussagen wolle. Die Protagonisten ihrer Bilder tun es dennoch, wenn sich der Betrachter nur darauf einlässt.
Svenja Maaß, geboren 1977, studierte Freie Kunst an der HBK Braunschweig bei den Professoren Hermann Albert und Klaus Stümpel. Sie lebt und arbeitet seit 2004 in Hamburg.
Text: Sandra Kramer, Juni/Juli 2011