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Richard Fauguet - sans queue ni tête
Mit einer Einzelausstellung des Künstlers Richard Fauget präsentiert ftc., Berlin einen neuen Künstler im Programm der Galerie.
Fauguets Arbeiten zeichnen sich durch ihre große Vielfalt sowohl in der Materialfindung, vor allem aber durch ihre unterschiedlichsten Thematiken aus. Fauguet versteht es sich gegen Festschreibungen immer wieder auf’s Neue zu wehren und vor allem eben keine „Marke Fauguet“ zu schaffen. Weder die Pop Art, noch Duchamps Readymades, die großen französischen Meister oder auch die Konzeptkunst sind als Referenzen erschöpfend – Fauguet gelingt es immer wieder „ein Schnippchen zu schlagen“ und diesen Zuschreibungen eben nicht zu entsprechen.
So ist die unkonventionelle Art des Aneignens und gleichzeitigen Brechens mit diesen Traditionen wohl am ehesten als Ausgangspunkt seiner Werkidee zu erkennen, immer durchdrungen von einem subtilen Humor. Die Ausstellung bei ftc. zeigt eben diese Vielfältigkeit seines Oeuvres: so werden auch hier verschiedene Techniken und Materialien gezeigt, die immer wieder in seiner künstlerischen Laufbahn auftauchen.
Fauguet hat den Ausstellungsraum quasi „neu eingerichtet“ – seine installativen Eingriffe in den vorgegebenen Ausstellungsraum ziehen sich durch seine gesamte Laufbahn.
Die Holzvertäfelungen sind mit irisierenden Austerschalen bestückt, die Keramik-Skulpturen sind beinahe clowneske Figuren, die Lampen sind aus mehreren einzelnen Lampenteilen zusammengesetzt - als Betrachter schwankt man zwischen Faszination und Unverständnis.
So könnte man Fauguets Arbeiten beinahe eine „Schönheit durch Fehlerhaftigkeit“ zuschreiben, indem er aus herkömmlichen, oftmals hässlichen Gegenständen merkwürdig anziehende Objekte fertigt.
Eine weitere Referenz, die immer wieder auftaucht ist die Bezugnahme auf Künstler-Kollegen bzw. kunsthistorische Vorbilder. Bei ftc. ist die Silhouette der berühmten Performance des Künstlerpaares Gilbert & George aus einer einfachen Klebefolie gefertigt. Sie stellt sicherlich eine echte Verbeugung vor diesem Künstlerpaar dar, gleichzeitig aber thematisiert sie die Idee der Marke und eben auch die Infragestellung derselben.
Die Vermeidung eines bestimmten Stils wird nichtzuletzt auch im Titel der Ausstellung deutlich: die Übersetzung bedeutet in etwa „(hat) weder Hand noch Fuß“. Die Ironie und die Widersprüchlichkeit dieses Ausdrucks in Bezug auf seine Arbeiten ist – im Angesicht der Ausstellung bei ftc. - mehr als offensichtlich.
Richard Fauguet, geboren 1963 in Châtre, Frankreich stellt seit Ende der 80er Jahre regelmäßig vor allem in Frankreich aus. Zuletzt gewann er 2010 den Prix Champagne Henriot.