Menschen des 20. und 21. Jahrhunderts. August Sander und seine Nachfolge Ausstellung Bietigheim-Bissingen
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Ausstellung: 20.10.2012 - 06.01.2013

Künstler: August Sander, Stefan Moses, Frank Höhle, Thomas Bachler, Karen Weinert, Fiona Tan

Veranstalter & Ort:
Galerie Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen
74321 Bietigheim-Bissingen
Hauptstr. 60-64

August Sander (1876–1964) ist einer der bedeutendsten Wegbereiter der modernen Fotografie. Berühmt wurde er durch das in der Fotografiegeschichte einzigartige Projekt und monumentale Werk Menschen des 20. Jahrhunderts. Darin vereinigte er mehr als 600 Porträts, die er unter beruflichen, sozialen und familiären Gesichtspunkten ordnete. Ihre Gesamtheit sollte die Gesellschaft repräsentativ abbilden und damit ein „physiognomisches Zeitbild“ schaffen. Auch wenn sein enzyklopädischer Anspruch vermessen erscheint, hat August Sander mit seinem faszinierenden Bildkonvolut und seiner an wissenschaftliche Methoden angelehnten Strukturierung bis heute gültige ästhetische und konzeptionelle Maßstäbe gesetzt. In der Ausstellung wird eine repräsentative (auch die Struktur seines Werkes widerspiegelnde) Auswahl von mehr als 60 Fotografien mit dem Schwerpunkt auf den 1920er bis 1930er Jahren gezeigt.

Zahlreiche nachfolgende Fotografen und Künstler orientierten sich an August Sanders Porträts: an seiner Inszenierung des Individuums in Bezug zum Gesellschaftlich-Typischen, an der formalen Strenge seiner oft frontal ausgerichteten Personen und deren Verhältnis zum Umraum. Die Ausstellung richtet den Fokus auf wenige künstlerische Positionen, die in direkter Bezugnahme zu August Sander stehen und insbesondere auch den konzeptionellen Aspekt seines Werkes Menschen des 20. Jahrhunderts aufgreifen und reflektieren: Stefan Moses (*1928) bat Menschen vor das traditionelle Tuch des Wanderfotografen und schuf 1989/90 mit seinen Ostdeutschen Porträts das Bild einer sich im Umbruch befindenden Gesellschaft. Thomas Bachler (*1961) und Karen Weinert (*1976) reagieren mit ihrer Serie Menschen des 21. Jahrhunderts, in der sie Personen in fiktiven Berufen inszenieren, auf eine sich wandelnde Arbeitswelt und soziale Realität. Konterkariert werden diese umfangreichen Serien durch Frank Höhles (*1975) 48 Porträts, in welchen er auf die üblicherweise eingesetzten Attribute verzichtet und damit die Charakterisierung der Personen geradezu verweigert, sowie durch die gefilmten Porträts von Fiona Tan (*1966), die das fotografische Posieren untersucht.

Die Ausstellung Menschen des 20. und 21. Jahrhunderts. August Sander und seine Nachfolge wirft sowohl Fragen auf, die das Genre des fotografischen Porträts – der Dokumentation, Inszenierung, Selbstdarstellung, der Attribute und des Raumbezugs – betreffen als auch die Möglichkeit oder Unmöglichkeit des künstlerischen Entwurfs eines (sich verändernden) Gesellschafts- und Zeitbildes.

Begleitprogramm

Öffentliche Führungen
Sonntag, 21. Oktober, 11.30 Uhr
Donnerstag, 25. Oktober, 18.30 Uhr
Sonntag, 4. November, 11.30 Uhr
Donnerstag, 22. November, 18.30 Uhr
Sonntag, 2. Dezember, 11.30 Uhr
Sonntag, 16. Dezember, 11.30 Uhr

Von Kaffeeriechern und Citytherapeuten – Kuriose Berufe von gestern und morgen
Kuratorenführung und Rezitation mit Rüdiger Erk
Sonntag, 18. November, 11.30 Uhr
Sonntag, 6. Januar, 11.30 Uhr

Führung für Lehrkräfte
Montag, 22. Oktober, 17 Uhr


Workshop für Erwachsene

Menschen zeichnen
mit dem Künstler Robert Würth
3-Tages-Kurse:
Dienstag, 6., 13. und 20. November, jeweils 9–12 Uhr
Sonntag, 25. November, 2. und 9. Dezember, jeweils 11–14 Uhr


Workshops für Kinder

Kleider machen Leute
Samstag, 27. Oktober, 14–17 Uhr
für Kinder von 6–12 Jahren
Was bin ich?
Samstag, 17. November, 14–17 Uhr
für Kinder von 8–12 Jahren
Weihnachtswichtel-Werkstatt
Samstag, 8. Dezember, 14–17 Uhr
für Kinder von 6–10 Jahren
Leise rieselt der Schnee
Samstag, 15. Dezember, 14–17 Uhr
für Kinder von 5–12 Jahren

Anmeldungen für Workshops unter: 07142 74-483

Bildunterschrift:
August Sander, Konditor, 1928, aus Gruppe II, Der Handwerker / Der Handwerksmeister, aus dem Mappenwerk: Menschen des 20. Jahrhunderts, Bromsilbergelantine, Reprints Gunther Sander, um 1980, Museum Folkwang Essen, © Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur – August Sander Archiv, Köln/VG Bild-Kunst, Bonn 2012