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Die Kartierung, die in analoger Form anhand verschiedenster künstlerischer Techniken zur bedeutenden Strategie in der Kunst anvancierte, erfährt gegenwärtig durch neue kartographische Bereicherungen in der Computerkultur eine Renaissance. Das Internet und die Smartphone-Ära bringen erweiternde Technologien hervor, die das menschliche Phantasma eines dynamischen Zugriffs auf die bildliche Oberfläche unserer Welt real werden lassen.
Durch sie, folgt man Lev Manovich, wird der virtuelle Raum zugunsten eines mit Daten verdichteten multidimensionalen Raumes ersetzt. Diese Entwicklung zur Überlagerung von Datenflüssen und einer georeferentiellen Medienästhetik schafft Orientierungssysteme, die uns zu vermeintlich selbstständigen Subjekten werden lassen und den längst vollzogenen paradigmatischen Wechsel vom Internet zum Geoweb versinnbildlichen.
Wo einst Bilder spezifischer Orte, die stets auf der imaginären Ebene verhaftet blieben, fotografisch erzeugt wurden, scheinen wir nun die Fähigkeit zu erlangen, uns durch die konkrete Anordnung von Bildern auf der digitalen Karte existente Orte real vorzustellen, kennen und sogar erleben zu können. Als visuelle Kontrollkultur manifestiert sich dieser Raumbezug in unserer alltäglichen Lebenswelt und strebt danach, die menschliche Sehnsucht nach Nachvollziehbarkeit abstrakter, nicht fassbarer Konstrukte und die ihren zugrunde liegenden Strukturen und Dynamiken durch bildliche Rationalität zu stillen.
In der Ausstellung „(n)on site“ werden zeitgenössische Positionen der analogen und digitalen Kunst präsentiert, die sich den Parametern des Raumes und seinen territorialen Bindungen widmen.
Durch Momente der Diskontinuität setzen die Künstler der Wiederkehr zum physischen Raum und dem gegenwärtigen Verlangen nach objektiver Realität einen irrationalen Impuls entgegen, indem sie die an unsere eigene geistige Perspektive gebundene Wahrnehmung in ihren Werken erfahrbar machen.
Sie konfrontieren mit der Frage nach der Austauschbarkeit räumlicher Bezugssysteme und transformieren sie zum anonymen Exempel. In einigen Werken wird die Karte als Erkenntnisinstrument und funktionale Verweisstruktur entmaterialisiert, verneint und umgekehrt - aus pragmatischen Modellen kann so eine poetische Ästhetik entstehen, die fern der losgelösten Perspektive das Prinzip der Verortung aufhebt. In anderen Arbeiten kommt es zu einer diametralen Gegenüberstellung des unberührten Naturraumes als unbezwingbarem Mythos und dem vom Menschen angeeigneten und gestalteten Raum, die schließlich fiktive und vorhandene Existenz vereint. Dabei werden auch Entgrenzungsphänomene offengelegt, deren Bedeutung mit dem fortschreitenden Globalisierungsprozess stetig zunimmt.
Kuratoren:
Elisa R. Linn / Lennart Wolff