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Ausstellung

new atlantis – Ausstellung in Berlin

new atlantis
Mit seinem klassischen utopischen Werk „Nova
Atlantis“, dem Entwurf einer technisch und
entwicklungsgeschichtlich weit fortgeschrittenen
Zivilisation, bereicherte Francis Bacon den
Wissensdiskurs sowie die Auseinandersetzung mit der
Frage nach dem Fortbestehen und den Grenzen des
Fortschritts. Zentral in seiner Vorstellung einer
idealen Gesellschaftsform, die in der Idee einer
untrennbaren Symbiose aus progressiver
Wissenschaft, ökonomischem Wachstum und sozialer
Gerechtigkeit verankert ist, war die Steigerung des
Wohlergehens der Menschen mittels Erfindungen, die
sich aus der Macht des Wissens speisen und den
Überfluss fördern. Während mit der fortschreitenden
Automatisierung von Maschinen im 19. Jahrhundert
Naturwissenschaft und Technik endgültig zum
vermittelnden Element einer besseren Zukunft
avancierten, begannen mit dem Beginn des 20.
Jahrhunderts sowohl der Euphorismus der
Baconschen Fortschrittsvision als auch die Begierde
nach einem zukünftigen Idealzustand mit dem
Aufkommen selbstkritischer Utopien und
dystopischer Abhandlungen bis in die heutige Zeit zu
schwinden.
Wenn wir heute, im sogenannten „nachutopischen
Zeitalter“, nach einer angemessenen Perspektive der
Utopie fragen, erhalten wir ein paradoxes Resultat:
Die Utopie als alltägliche Terminologie visiert wohl
kaum noch ein fortschrittliches alternatives Modell
der Gegenwart, sondern vielmehr das Irreale und
nicht zu Verwirklichende. Dennoch scheinen sich
jüngst insbesondere im Hinblick auf die derzeitigen
Debatten über staatliche Überwachung und
computerisierte Waffen, die Risiken erzeugter
Technologien, vor denen bereits Norbert Wiener in
seiner kybernetische Theorie warnte, zu
bewahrheiten: Die Befürchtung, dass mit
technologischem Fortschritt auch Maschinen
lernfähiger werden, sie der menschlichen Kontrolle
entfliehen und letztlich den Freiheits- und
Individualitätsanspruch des Menschen gefährden. Es
stellt sich demnach die Frage, ob wir statt
progressiver Erneuerungen nicht vielmehr
Rückschritte tätigen, während uns der technophile
Rauschzustand meist gewissen- und bewusstseinslos
die originelle Informationstechnik affirmieren lässt.
Eine neomaterialistische Sichtweise verspricht
womöglich eine Antwort darauf: Mit der Aneignung
und Nutzung von Medienkompetenz und dem
kritischem Umgang mit Innovationen, sieht sie die
Chance, Potentiale sinnvoll zu nutzen und neue
Möglichkeiten etablieren zu können, die auch für
zukünftige Visionen fruchtbar sind. Denn als
selbstorganisierende Bestandteile unserer Materie
münden sie in Erzeugnisse, deren synthetischer
materieller Basis wir Menschen uns gegenwärtig noch
nicht bewusst sind.

In der Ausstellung „new atlantis“ werden
zeitgenössische Postionen internationaler Künstlern
präsentiert, die kulturkritischen und optimistischen
Ansätzen folgend, sich dem Fortschrittsgedanken und
seinem Ursprung in utopischen Visionen, der Genese
sowie den Auswirkungen von Innovationen, widmen.
Die Künstler untersuchen die sich stetig
neudefinierende Materialität unserer
Konsumgesellschaft sowie ihre Mechanismen der
Produktion. Einige setzen sich hierbei mit
evolutionären Entwicklungsprozessen auseinander
und experimentieren mit der Synthese heterogener
Objekte unserer Umwelt und deren gegenseitigem
Wirken aufeinander. Sowohl die automatisierenden
Mechanismen als auch das anhaltende öffentliche
Gedächtnis unserer digitalen Kultur werden
zukunftsperspektivisch betrachtet und mit den
ursprünglichen Handlungsfähigkeiten und
Gedächtnisleistungen des Menschen, konfrontiert.
Hierbei werden Zukunftsvisionen von der
Durchbrechung bestehender Artgrenzen, genetisch
generierter Organismen und maschineller Mischwesen
zur Bereicherung unseres Lebens künstlerisch
reflektiert, weiterentwickelt und in Frage gestellt.
Andere thematisieren in ihren Werken die Attribute
technologischer Neuerungen und wie diese in der
Interaktion ökonomischer, politischer und
militärischer Institutionen für autoritäre Zwecke
genutzt werden. Die Ästhetik intelligenter Maschinen
und erweiternder Systeme wird in den Vordergrund
gerückt, um ihre diametralen
Definitionsmöglichkeiten und Funktionen
offenzulegen, wobei schließlich dem Betrachter die
Entscheidung über ihre inhärente Kraft des Guten
oder Bösen überlassen wird.

/

teilnehmende Künstler:

Francisco Montoya Cázarez
Antoine Renard
Oval Office
Luc Mattenberger
Gwenola Wagon & Stéphane Degoutin
Baden Pailthorpe
Sarah  Sweeney
Anne de Vries
Bettina Pousttchi  
Sascha Pohflepp & Alexandra Daisy Ginsberg

Kuratoren:

Elisa R. Linn / Lennart Wolff / Judith Lavagna

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Vernissage:
Friday, August 23, 2013 at 7 pm
Veranstaltung:
07 September, 2013
Future Apparatus of Loving Grace; readings on Utopia
Rodrigo Maltez Novaes.

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