artinfo24
Diese Veranstaltung ist bereits beendet.
Ausstellung

Sibylla Dumke – Ausstellung in Berlin

Sibylla Dumke
In ihrer dritten Einzelausstellung bei Cruise & Callas erweitert Sibylla Dumke ihren eingeschlagenen Weg um eine wichtige Dimension. Ausgangspunkt ist zunächst eine Auswahl von Arbeiten auf Papier, die charakterisiert sind durch vielfältig und sorgfältig sich abzeichnende Geflechte, Lineaturen oder Kaligraphien. Viele der Zeichnungen kennzeichnen unprätentiös entwickelte, regelmäßige und unregelmäßige Muster, schriftartige Ornamente, aber auch Spiegelungen und Verdopplungen.

Dumkes Arbeiten erscheinen jedoch nicht allein und isoliert, sondern sind eingebunden oder umgeben von Natur; eine Natur, die nur auf den ersten Blick aus Gestrüpp und totem Geäst zu bestehen scheint. Der Künstlerin geht es nicht um inszenierte Realitäts-Artefakte oder Ready-Mades. Ebenso ist der Bezug zwischen den Natur-Gegenständen und Dumkes Zeichnungen kein willkürlich hergestellter oder additiver, der nach einer inszenierten Vervollkommnung strebt, sondern dieser Bezug erscheint als eine Konsequenz der künstlerischen Entwicklung.

Beobachtet man Dumkes künstlerische Praxis so fällt auf, dass die Künstlerin ihr Raumverständnis kontinuierlich verändert und erweitert hat. In einer kleinformatigen Malerei von 2012, die in der Ausstellung zu sehen ist, wird ein entscheidender Schritt sichtbar: Anknüpfend an das bereits früher präsente Motiv der Augen bilden sich hierbei nicht nur punktuelle Einschnürungen, die Fokus und Bruchstelle bezeichnen, sondern der Akt des Einschnürens um diese Licht-Öffnungen oder Licht-Punkte wurde plötzlich ebenso sichtbar und spürbar, als tatsächliche schrundige Verdichtung, als wellenförmig bis spiral-artig aufgeworfenes Material. Lag der Akzent der Künstlerin in den zuvor entstandenen Zeichnungen noch auf der Gleichwertigkeit von Linie und Umraum, verschiebt sich nun das Interesse zu den entäußerten Energien und Kräften, die in der Umgebung, in einem ´Drumherum´ wirken. Diese Kräfte an sich darzustellen und eine Zuspitzung auf ein Konzentrat zunächst außer Acht zu lassen, war dann eine aus dieser Erfahrung resultierende, konsequente Fortführung. Tuschezeichnungen entstanden, die ein ´entspanntes´, vielgestaltiges, aber auch präzise ausformuliertes Wuchern von Lineaturen zeigen, von organisch sich schlängelnden Fäden, die auch auf Pergamentpapier-Bögen ausgeführt wurden, um so Hintergründe und Raum zwanglos mit ins Bild zu bringen.

Das entdeckte, erkannte und aufgelesene Geäst ergibt sich dann als ein weiterer, sich aufdrängender Schritt. Das Natur-Produkt erscheint als Äquivalent zur künstlerischen Formung, zum zeichnerischen Ausschreiten von Wegen, die mehr oder weniger geradlinig verlaufen, sich verzweigen, gelegentlich Volumen bilden und gar Figurationen andeuten. Sibylla Dumke nimmt sich dieser Fundstücke an, unterzieht sie einer sorgfältigen Justierung und Präzisierung. Sie wählt durch langes Betrachten adäquate Objekte aus, schält die Rinden ab, glättet und färbt das Geäst schließlich mit Zeichentusche. Diese Arbeitsschritte bewegen und lösen die arbiträren Fundsachen aus ihrer naturhaften Identität und nähern sie bewusst ihren Papierarbeiten an. Aus den transformierten Ästen entwickelt Sibylla Dumke dreidimensionale Zeichnungen, vielgestaltige Wand-Tableaus oder horizontal gereihte Einzelelemente, die eine kalligrafische Schriftsetzung suggerieren.

Das ´Nur-Naturhafte´ wird von ihr noch ein weiteres Mal erweitert. Dumke gestaltet Artefakte aus verschiedenen, mit Fäden und Draht verbundenen Ästen, die durch schwarze Lackierungen eine fast künstliche Anmutung erhalten. Hinzugefügt zu diesen mobilé-artigen Konstrukten werden Fundstücke, die diesmal nicht der Natur, sondern dem Stadtraum entstammen: kleine Plastikteile wie Löffel, Reflektoren und Fragmente erzählen nicht nur von funktionellen Elementen, oder Zivilisationsmüll, sondern dokumentieren in einer neutraleren Weise den menschenentwickelten Formen-Kanon, den die Künstlerin den Naturformen zur Seite stellt bzw. mit diesen verwoben hat. Mensch und Natur werden damit in grundsätzlicher Weise als ein dynamischer, aufeinander bezogener, sich spiegelnder Parallel-Prozess behauptet (das Eine sieht und erkennt sich im Anderen), während sich eine dichte, aber gleichzeitig zwanglose Fülle des rätselhaften Entstehens und Wachsens der Dinge zeigt.

Edition Release on September 20 from 4 to 6 pm

(Autor: Thomas Groetz)

Weitere Ausstellungen 2013

Der resignierte Beobachter
26.01.2013–02.03.2013
Der resignierte Beobachter
Sculpture
26.01.2013–02.03.2013
Sculpture
Aleksander Cigale - Bindende Bewegung
09.03.2013–13.04.2013
Aleksander Cigale - Bindende Bewegung
Ralf Dereich - Freel
27.04.2013–21.06.2013
Ralf Dereich - Freel