Kupfer-Silber-Gold Ausstellung Dresden
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Ausstellung: 19.03.2016 - 14.05.2016

Künstler: Slawomir Elsner

Veranstalter & Ort:
Galerie Gebr. Lehmann
01097 Dresden
Neustädter Markt 11/12

Die Darstellung von Münzen und Medaillen in der bildenden Kunst hat eine lange Tradition. Eines der berühmtesten Beispiele ist das Werk "Der Zinsgroschen" von Tizian (1477-1576), das sich in der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister befindet. Das um 1516 entstandene Bild des italienischen Meisters feiert in diesem Jahr seinen fünfhundertsten Geburtstag.
Aus diesem Anlass widmet sich der Künstler Slawomir Elsner (*1976 in Wodzisław Slaski, Polen, lebt und arbeitet in Berlin) Tizians biblischer Darstellung und schafft mit seiner technisch wie auch inhaltlich besonderen Aneignung des Gemäldes eine neue Sichtweise auf dieses Werk der klassischen italienischen Renaissance. Im Zuge dieser Auseinandersetzung beschäftigte er sich darüber hinaus mit noch weiteren Alten Meistern.
Trotz der unterschiedlichen Epochen aus denen die von Elsner gewählten Vorlagen stammen, eint sie jedoch ein gemeinsames Detail: alle beinhalten die Darstellungen von Münzen oder Medaillen, auf deren typischsten Materialien sich der Titel der Ausstellung bezieht.
Ob Dominco Fettis "Das Gleichnis vom verlorenen Groschen" (um 1619/21), Hans Baldung Griens "Ungleiches Liebespaar" (1528), Hans Holbein d. J. Darstellung der "Lais von Korinth" (1526), Hans Memlings "Porträt eines Mannes mit römischer Medaille" (um 1480) oder Jan Vermeers "Bei der Kupplerin" (1656) – sie alle zeigen in kleinen Details Geldstücke oder Medaillen. Zumeist sind es negative Konnotationen, die mit den Motiven einhergehen, welche, wie in den Beispielen von Grien und Vermeer, die Wollust, lasterhaftes Verhalten und Geldgier thematisieren. Dagegen ist "Der Zinsgroschen" ein Sinnbild für die Kunst der Diplomatie, indem Christus gelassen, aber zugleich souverän auf den ihn bedrängenden Pharisäer eingeht und dessen Fangfrage in Bezug auf die Münze und Steuergelder geschickt beantwortet.
Slawomir Elsner übernimmt die Motive jedoch nur schemenhaft und schafft mit der Technik der Farbstiftzeichnung einen eigenen Zugang. Mit scharf gesetzten und akkurat gerade gezogenen Farbstiftlinien erzeugt der Künstler aus der Nähe betrachtet flirrende Farbballungen, deren Leichtigkeit zugleich leuchtende Tiefe besitzen. Erst aus der Distanz ermöglicht sich das Erkennen von konturlosen Formen und figuralen Darstellungen. Unter Nahbetrachtung lösen sie sich auf, aber aus der Ferne bilden die Farbstriche ein sicheres Gefüge, das sich durch die Präzision einer Graviernadel und Verdichtung an den formgebenden Stellen auszeichnet.
Dabei bleibt das Eigentliche in den Ausführungen Elsners unsichtbar: die Münzen und Medaillen. So wie die Prägung bei alten, abgegriffenen Münzen abgenutzt und verloren sein kann, scheinen auch bei Elsners Appropriationen die Geldstücke wie ausradiert. Doch auch verborgen sind sie dem Wesen der Darstellungen noch immer immanent.
Nähe und Distanz sind für Elsner zwei wichtige Komponenten beim Betrachten der Zeichnungen, welche eine Symbiose beschreiben. So kann auch der Bildinhalt bei der Erforschung aus nächster Nähe und bei vertiefter Betrachtung in viele Details zerlegt werden, während er mit etwas Abstand wieder deutlicher hervortritt. Dennoch bleiben unsere Versuche die Bilder zu ergründen nur schemenhafte Annäherungen. Wir blicken durch ein Milchglas auf
die Vergangenheit, welches eine eindeutige Erkenntnis nicht zulässt. Doch der Nebelschleier, der sich vor die Kunstwerke gelegt hat, ist in Elsner Werken nicht grau und verhangen, sondern licht und strahlend und offenbart den Zauber jener Alten Meister, der uns noch heute gefangen nimmt.

Juliane Witthöft, M.A.

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