
Die 34. Ausgabe der Messe öffnet Ende März ihre Türen im historischen Börsengebäude. Sechs Tage, knapp vierzig Galerien, internationale Händler. Kein Spektakel. Keine Installationswucht. Stattdessen: Linien, Schatten, Entscheidungen auf Papier. Was früher als vorbereitende Skizze galt, wird hier als eigenständiges Werk gefeiert. „Die Begeisterung zeitgenössischer Künstler für das Zeichnen zieht ein neues Publikum an“, sagt Co-Präsident Hervé Aaron – ein Satz, der in den Gängen immer wieder bestätigt wird.
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Im Zentrum der diesjährigen Ausgabe steht das Musée d’Art Moderne André Malraux aus Le Havre – ein institutioneller Gastauftritt, der historische Tiefe bringt. Zu sehen: Blätter von Édouard Vuillard, Studien von Thomas Couture, fragile Pastelle, präzise Kohlezeichnungen. Werke, die nicht laut sind – aber lange nachhallen.
Parallel dazu setzen Galerien eigene Akzente. Die amerikanische Galerie Demisch Danant widmet sich dem Romantiker Eugène Isabey, während neue Teilnehmer aus Antwerpen und Paris frische Perspektiven auf Alte Meister und Gegenwartskunst einbringen.
Ein zweites Highlight: das Rahmenprogramm. Ein Symposium zur „Materialität der Zeichnung“ rückt die physischen Eigenschaften des Mediums in den Fokus – Papier, Pigment, Spur.

Foto: Louis Léopold BOILLY, (1761 La Bassée – Paris 1845), Porträt von Blanche Charlotte de Roncherolles, Gräfin von Ferragut, © Didier Aaron & Cie
Lediglichh zwei deutsche Galerien und Händler sind zur Messe in Paris angereist. Aus Hamburg ist Martin Moeller dabei, der Arbeiten von Willy Baumeister präsentiert. Der Münchner Kunsthändler Florian Sundheimer zeigt großformatige Zeichenkunst von Thomas Müller.
Zeichnen ist der ideale Einstieg ins Sammeln. Der Salon du Dessin möchte ein wichtiger Treffpunkt für Einsteiger und Kenner sein und bietet daher einen eigenen „New Collectors“-Pfad an. Dank der besonderen Beschilderung an den Ständen der teilnehmenden Galerien entdecken Besucher hochwertige Zeichnungen zu erschwinglichen Preisen (zwischen 2.000 € und 8.000 €), Arbeiten auf Papier von renommierten Meistern, zu Unrecht übersehene Künstler und vielversprechende Künstler, in die es sich zu investieren lohnt.

Foto: Cuno AMIET, (1868–1961), Rosa Luder, 1900, Farbstift auf Papier, 460 x 460 mm, © Bottegantica
Der Salon ist kein isoliertes Ereignis. Er ist der Kern einer ganzen Woche. Während der „Drawing Week“ öffnen Museen, Sammlungen und Institutionen ihre Archive. Führungen, Sonderausstellungen, Gespräche. Paris wird zur Hauptstadt der Linie – zumindest für ein paar Tage. In der Praxis heißt das: Wer hier einkauft, schaut gleichzeitig in Depots. Wer sammelt, vertieft. Wer neu einsteigt, wird sofort Teil eines Netzwerks.
Der Salon du Dessin war immer ein Markt der Kenner. 2026 zeigt sich: Er wird breiter, ohne beliebig zu werden.
Skizzen und Studien erzielen steigende Nachfrage. Sammler suchen nicht mehr nur das fertige Gemälde, sondern den Denkprozess dahinter. Das verändert auch die Preislogik. Ein Blatt Papier kann heute dieselbe Aufmerksamkeit bekommen wie eine Leinwand – wenn die Hand dahinter überzeugt.
Die diesjährige Ausgabe mit ihren 39 international etablierten Galerien – von traditionsreichen Pariser Häusern bis zu spezialisierten Händlern aus London und Mailand. Namen wie Didier Aaron & Cie, Bottegantica, Stephen Ongpin Fine Art oder Stern Pissarro Gallery stehen für ein Programm, das bewusst historisch denkt und zugleich offen für moderne Positionen bleibt.
Einen institutionellen Akzent setzt das Musée d’art moderne André Malraux als Ehrengast. Mit 36 Zeichnungen aus der eigenen Sammlung bringt das Museum eine kuratierte Perspektive ein, die den Marktteil mit wissenschaftlicher Tiefe verbindet.
Vom 18. Jahrhundert bis zur Moderne entfaltet sich das Genre als Experimentierfeld der Zeichnung.
Blätter von Louis-Léopold Boilly zeigen präzise Gesellschaftsstudien, während Giovanni Boldini mit schnellen, fast nervösen Linien arbeitet. Bei Cuno Amiet wird das Porträt zur Farb- und Flächenfrage – und bei Pablo Picasso zur radikalen Reduktion.
Einige Blätter ziehen sich wie Magnetfelder durch die Messe:
Diese Mischung ist kalkuliert. Der Salon setzt 2026 stärker auf Dialog: alt gegen neu, Kontrolle gegen Risiko.
Wichtige Fakten
Ort: Palais Brongniart, Place de la Bourse, 75002 Paris
Wann: 25. – 30. März 2026
Schwerpunkt: Alte Meister, Moderne, zeitgenössische Zeichnung, Papierarbeiten
Rahmenprogramm: Internationales Symposium, Guerlain-Zeichnungspreis, Führungen & Vorträge
Foto-oben: Salon du dessin