Ausstellung Institution Haus am Waldsee - Internationale Kunst in Berlin
In der Ausstellung „Schwerelos“ bringt das Haus am Waldsee zwei Künstler zusammen, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln über die inneren Bedingungen des Lebens nachdenken. Der britische Konzeptkünstler und Zeichner Simon Faithfull (Jg. 1966) widmet sich der Suche nach den Grenzen der Welt, der Überwindung von Gravitation und Zeit. Sein eigenes Verschwinden im Raum ist bei ihm ein wiederkehrendes Motiv. Auf naturwissenschaftliche Weise untersucht die brasilianische Bildhauerin Carla Guagliardi (Jg. 1956) den Körper als pulsierende Einheit. In geschlossenen Systemen zeigt sie auf ästhetisch einfache Weise Abhängigkeiten von Druck und Gegendruck. Guagliardi und Faithfull machen sichtbar, was ist. Sie schaffen in ihren Werken Situationen der Schwerelosigkeit, die bei Guagliardi ins Erstaunliche und bei Faithfull ins Erzählerische kippen. Beide Künstler sind in ihren Heimatländern durch zahlreiche Ausstellungen hervorgetreten und mit Stipendien und Preisen ausgezeichnet. Mit „Schwerelos“ werden sie zum ersten Mal im größeren Rahmen in Deutschland vorgestellt. Beide leben und arbeiten in Berlin, außerdem in London bzw. Rio de Janeiro.
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Faithfulls Anordnungen bedienen sich stets neuester technischer Möglichkeiten. So entstehen etwa seine Zeichnungen auf dem Palm Pilot. 2004/05 begleitete er auf Einladung der britischen Regierung eine wissenschaftliche Expedition in die Antarktis. Auf den Spuren des Abenteurers und Wissenschaftlers Ernest Shackleton hielt er seine Eindrücke unter dem Titel „Ice Blink“ (2006) in Video, digitalen Zeichnungen, Fotografien und Experimenten mit Wetterballons fest. Als zentrale Arbeit der Ausstellung am Waldsee wird das Projekt nun zum ersten Mal in Deutschland vorgestellt. Mit elektronischem Zeichenstift und digitaler Kamera folgte Faithfull 2008 dem Null-Meridian von Englands Südküste über Wiesen und durch Städte, durch Schlafzimmer und über parkende Autos bis an die britische Ostküste. Für „Escape Vehicle No 6“ schickte er einen Stuhl und eine Videokamera an einem Wetterballon hängend bis an die Grenze der Stratosphäre. Eine spektakuläre Videoarbeit ist das Ergebnis, die den Betrachter mit surrealistischen Bildern konfrontiert und zugleich der Raumfahrt und dem Mythos vom Ikarussturz huldigt.
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Carla Gualiardi widmet sich den körpereigenen Rhythmen des Lebens. Durch Ausgleich von Flüssigkeiten, durch Gasdruck, Gegendruck und Verdunstung verändern sich geschlossene Systeme. Die unverschlossenen Öffnungen unterschiedlich großer Ballons drückt sie mit Hilfe starker Latexbänder gegen Boden und Wände und verschafft auf spielerisch überzeugende Weise dem labilen Zustand des Lebens Gleichgewicht. Die Anordnung „Parcae“ zeigt eine mit 10 Litern Wasser gefüllte Glaskugel, die auf Augenhöhe im Raum zu schweben scheint. Die Kugel wird von drei Seilen aus Kupfer, Stahl und Baumwolle gehalten, die an der Wand befestigt sind. Durch das Zusammenspiel der unterschiedlicher Materialien und das verdunstende Wasser verändert sich die Spannung der Seile. Die Lage der Glaskugel ändert sich und bleibt doch wie ein lebendiger Körper stabil.
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Die Ausstellung wird kuratiert von Dr. Katja Blomberg. /
Es erscheint ein Katalog im Verlag der Buchhandlung Walther König.
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Wir danken der Sammlung Erika Hoffmann für die Leihgabe von „Parcae“.
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Öffnungszeiten: täglich, 11 bis 18 Uhr/
Eintritt: 5 Euro, erm. 3 Euro
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