Diese Veranstaltung ist bereits beendet.
Markus Weggenmann - Tornadorot
26. April – 1. Juni 2013
Waren in Markus Weggenmanns letzter Berliner Ausstellung grossformatige Stillleben in Form von Lackgemälden zu sehen, so fehlt in der aktuellen bei taubert contemporary die üppige Füllung der Gefässe: Einzig die leeren Schalen sind übrig geblieben, teils plastisch als getöpfertes und mit Autolack überzogenes Objekt, teils ganz flach als digitaler Druck.
Der so deutliche Fokus auf ein einziges gegenständliches Motiv in einer Ausstellung ist neu in Weggenmanns Werk. Gleichzeitig schliesst es aber auch einen Kreis seiner Entwicklung: Die Reduktion auf eine einzige simple Form bestimmte nämlich schon seine Malerei der 90iger, als er zehn Jahre lang ausschliesslich bunte horizontale Streifen malte und mit diesen Bildern ganze Räume tapezierte. Diese formale Reduktion diente ihm damals dazu, den Blick ganz auf das ihm Wesentliche von Malerei zu lenken: die Interaktion von Farben.
Dies ist nun auch wieder in „Tornadorot“ (die Farbe seines leider gestohlenen Autos, wie auch die einer der hier gezeigten Schalen) der Fall. Die Gefässformen sind ihm nichts Anderes als Hilfsmittel um Farben zu zeigen. Im Gegensatz zu den alten Streifenbildern ist das hier aber noch symbolisch unterstrichen: das Schalenmotiv ist ja nicht nur eine banale Form, sondern weist auch auf eine Funktion hin: das Tragen von Inhalten. Statt mit Obst, Blumen oder Nüssen sind Weggenmanns Schalen mit Farbe „gefüllt“. Sie sind also ihrer Funktion als Trägerobjekte absolut treu geblieben, bleiben aber paradoxerweise gleichzeitig leer von materiellem Inhalt, was die Dominanz des Äusseren, der Oberfläche um so mehr erhöht.
Solche Widersprüche bestimmen Weggenmanns Kunst im Allgemeinen und diese Ausstellung im Besonderen ohnehin: die Archaik der grob getöpferten Gefässe gegen die Perfektion und den Glanz ihrer Lackierung, die Handschriftlichkeit der mit dem Pinsel entworfenen Gemälde gegen die technische Kühle ihrer Ausführung als Druck, die überbordend bunte Raumgestaltung gegen die geradezu melancholische Kargheit der Formen, die Fülle symbolischer Deutbarkeiten gegen die immer wieder zelebrierte Bedeutungslosigkeit.
Weggenmanns Kunst will nämlich in erster Linie schön sein und nicht gesprächig, doch gerade der Wunsch dieses Anliegen deutlich zu machen, lässt seine Werke unvermeidlicherweise doch von sich selbst sprechen. So viel Mühe sich der Künstler also auch geben mag das Lebendige seines Pinselstrichs durch die externe, professionelle Ausführung der Gemälde in Autolack, Druck, oder Teppichmanufaktur auszulöschen – ganz tot sind sie eben doch nicht zu kriegen und entwickeln allen Zähmungsversuchen zum Trotz immer wieder ein widerspenstiges Eigenleben.
Markus Weggenmann geboren 1953 in Singen/Hohentwiel,
er lebt und arbeitet in Zürich und in Lumnezia/ Graubünde.