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taubert contemporary präsentiert mit »Fixateurs externes« die erste, umfangreiche Einzelausstellung von Heike Mutter und Ulrich Genth in den Galerieräumen. Die zehnjährige Zusammenarbeit der beiden Künstler kennzeichnet eine intensive Auseinandersetzung mit dem öffentlichen Raum, wobei ihre künstlerische Praxis so unterschiedliche Medien wie Installation, Skulptur, Fotografie und Mixed Media umspannt. Mit dem fein geschärften Instrumentarium ihres strikt konzeptuellen Ansatzes sezieren sie die Kon- und Subtexte eines Ortes, ehe sie die Art des Eingriffs festlegen. Erst dann formulieren sie ihre subtilen Setzungen oder aber raumgreifenden Installationen.
Die Verschiebung der Perspektive auf die uns umgebenden Systeme ist ein Schlüssel zu ihrem Werk. Unter dem sprechenden Titel »Fixateurs externes« erwartet den Besucher eine zunächst konstruktivistisch anmutende Licht¬installation, bestehend aus zwei kontrapostisch arrangierten Elementen: Nach Art eines Warendisplays sind jeweils acht bzw. neun Neonröhren – einmal in Kaltweiß und einmal in Rosarot – an einer Aluminiumkonstruktion aufgehängt und tauchen den Ausstellungsraum in ein diffuses Licht, das den Betrachter zwischen Anziehung und Abstoßung oszillieren lässt. Hat einen die verheissungsvoll-harmlose Schönheit des Candy Pink-Lichts, das im glänzenden Metall der Halterung einen perfekten Hintergrund findet, erst einmal angelockt, sitzt der Schock über die sich im integrierten Spiegelelement abzeichnenden Makel des eigenen Gesichts und damit über den Anschlag auf die Eitelkeit umso tiefer. Ein Paradoxon unserer modernen Welt offenbart sich hier: Wird die tadellose Qualität von Fleisch in der Warenpräsentation üblicherweise mittels Candy Pink -Lichts in Szene gesetzt, weil es Rottöne verstärkt und somit Frische und Fettfreiheit suggeriert, erzielt es angewendet auf den menschlichen Körper die gegenteilige Wirkung, indem es Hautunreinheiten hervorstechen, den Teint aber fahl und teigig erscheinen lässt. Nicht umsonst ist das Candy Pink -Licht ein gern genutztes, weil effektives Mittel, um Jugendliche von öffentlichen Plätzen zu vertreiben.
In der ortsspezifischen Installation von Mutter/Genth sind die Neonröhren an eine Haltestruktur montiert, die eine freie Nachbildung der aus der Medizin bekannten Fixateurs externes darstellt: eine Konstruktion aus Metallstützen, die von außen aufgesetzt Halt nach innen bewirken und derart Brüche heilen sollen. Transformiert in den Ausstellungsraum helfen die Kunstglieder hingegen eher mit, Wunden aufzureißen denn zu kurieren. In »Fixateurs externes« fixieren sie den Blick auf die sozial unbemerkt wirkenden Ein- und Ausschlussmechanismen. Darauf verweist auch das Spiegelobjekt in der Ecke. Wo es gilt, den rechten Winkel des öffentlichen Raums vermittels von Stahlplatten vor dem sich unerwünscht dort sammelnden Dreck wie auch vor den dort gern praktizierten schmutzigen Handlungen zu schützen, wird den Künstlern der Spiegel zur Waffe gegen die Codes von Reinheit und Optimierung. Oder ein Stück Taubenabwehr¬gitter, das als neuwertig schimmerndes, in der Vertikalen präsentiertes Ready-made den ambivalenten Zauber metallischer Cleanness entfaltet. Gepaart mit einem Bondage-Kettchen für den kleinsten der eitlen Vögel bleibt die ironische Hintertür jedoch offen.
Mit ihren Kompositionen aus gefertigten und vorgefundenen Elementen entgrenzen Mutter/Genth die Dinge, berauben sie ihres ursprünglichen Funk¬tionszusammenhangs und verschaffen ihnen eine subversive Doppeldeutigkeit, um so ihre eigentliche Funktion im Feld der sie umgebenden Strukturen und Regularien offenzulegen. Dabei bedienen sich die Künstler einer kühlen Ästhetik, die bewusst das sexy Formenvokabular des modernen Kunstbetriebs zitiert, letztlich aber in der Affirmation auf eine Persiflage desselben abzielt. Für den Betrachter, der sich auf diese feinsinnige Strategie der ästhetischen Umdeutung einlässt, liefert die Ausstellung vor allem eine erfrischende optische Korrektur.
Heike Mutter, geboren 1969 in München und Ulrich Genth, geboren 1971 in Tübingen, leben und arbeiten in Hamburg.