Diese Veranstaltung ist bereits beendet.
Ausstellungeröffnung: 04.04.2014, 19 Uhr
spectral |spektrəl| adjective 1 of or
like a ghost. [early 19th cent.: from
specter + -al.] 2 of or concerning
spectra or the spectrum. [mid 19th
cent.: from spectrum + -al.] —Oxford
English Dictionary
WHITECONCEPTS zeigt eine Ausstellung von
Gemälden, die über die Abhängigkeit vom
Sehvermögen - als Quelle uns selbst und
unsere Umwelt zu verstehen -
reflektiert. Die Doppelausstellung
Spectral zeigt Werke von Deenesh Ghyczy
(HU-D) und Greg Murr (USA). Beide
Künstler beschäftigen sich mit visuellen
Aberrationen, die sowohl die Grenzen
unserer Wahrnehmungskapazitäten
ansprechen als auch Verbindungen von
Alltagsphänomenen und unmerklichen
Strukturen, die unsere Realität prägen,
aufzeigen.
Für die meisten Menschen ist Sehen die
dominante Fähigkeit unserer fünf Sinne.
Ohne das Sehvermögen würde das
Navigieren im alltäglichen Leben einen
deutlich veränderten Umgang benötigen.
Doch so sehr wir dem Sehen vertrauen,
sind unsere Augen dennoch ein begrenztes
Sinnesorgan, das eine spezielle
Erfahrung der Wirklichkeit über ein
Spektrum von Lichtwellen herstellt. Doch
was passiert, wenn wir die Grenzen des
Sehens, die Verzerrungen und die Grenzen
dieses Wahrnehmungsinstrument erkunden?
Und wie können wir unser Bewusstsein von
optischer Mechanik bemühen, um
immaterielle Kontexte, wie die inneren
Mysterien der menschlichen Psyche, oder
die äußerlichen physikalischen Gesetze
der Natur zu erkunden?
Deenesh Ghyczy verwendet das
traditionelle Medium der Malerei. Seine
Arbeiten scheinen auf den ersten Blick
der gegenwärtigen Technologie,
angesichts ihrer facettenreichen und
manchmal surrealer Darstellung, zu
entstammen. Figurative Motive,
konzentriert in Öl bzw. Acryl auf
Leinwand gemalt, werden in Fragmente
gegliedert, um ein Gefühl einer Doppel-
oder Dreifach-Sicht zu induzieren.
Manche werden ein digitalbasiertes
Werkzeug vermuten, doch sind die
Brechungen seiner Motive durch ein
Prisma entstanden. Gleichzeitig vertraut
wie verwirrend und manchmal phantomartig
sind Ghyczys eher konventionelle
Porträts, so dass wir die verschiedenen
Komponenten - die ein Gesicht
komplettieren - sehen, ohne jemals die
eigentlich prägnante Identität der Figur
festzustellen vermögen. Wie bei einer
Fremdsprache können wir nur hoffen, sie
durch die phonetischen Eigenschaften zu
verstehen. Wir sind aufgefordert Ghyczys
Bilder durch die Augen eines Kindes zu
betrachten und die Elemente der Linie,
der Form, des Auftrags und der Farbe wie
zum ersten Mal zu erforschen, und uns
nicht gleich einen Sinn aus dem Ganzen
zu machen.
Die Abwesenheit von Ganzheit kann
anfänglich als die offensichtlichste
Brücke zwischen diesen beiden Künstlern
gelten. Durch absichtliches Vermeiden
einer vertiefenden Studie einer
einzelnen Pfingstrose, forscht Greg Murr
ähnlich an den Vorstellungen von
Unvollständigkeit gegenüber ihrer
Materialisation und zeigt uns die Blume
aus verschiedenen Perspektiven. Teile
der prächtig gefüllten Blüte sind durch
Fehlstellen auf der Leinwand
ausgewechselt. Weiße Flächen dienen als
Markierungen für etwas, das einmal
vorhanden war – und jetzt nur ein
Spektrum, ein Geist dessen kennzeichnet,
was für den Maler existent gewesen war.
Mit der einzelnen Blüte sowie ihren
vier- oder fünf angrenzenden Variationen
verweist Greg Murr auf das kosmologische
Phänomen des Gravitationslinseneffekts
(der Einstein und seiner allgemeinen
Relativitätstheorie zugeschrieben ist),
Dabei wird das Licht einer fernen
Galaxie abgelenkt, und von der
„Gravitationslinse“ durch die intensiven
Gravitationskräfte multipliziert
dargestellt, und dem Betrachter ein
verzerrtes Mehrfachbild vermittelt. Ob
im Hinblick auf die Geometrie des
Universums oder der mehr irdischen
Vorstellung des biologischen
Lebenszyklus, faszinieren diese
sorgfältig gemalten Pfingstrosen durch
ihre innere Struktur, ihren Rhythmus und
ihren Animus. Beide Künstler ermutigen
uns, den Akt des Sehens zu reflektieren.
Zugleich verwöhnen sie uns mit visueller
Harmonie und einem Geschmack des
Vertrauten, ohne unsere Erwartungen zu
erfüllen und ihnen volle Auflösung zu
bieten.