Diese Veranstaltung ist bereits beendet.
Die Galerie Thomas Fuchs zeigt in der Ausstellung
"nowhere..." neue Bilder von Sebastian Gumpinger.
Sebastian Gumpinger wurde 1977 in Hannover
geboren und hat an der Akademie der Bildenden
Künste München bei Günther Förg und Jean-Marc
Bustamante studiert. Er lebt und arbeitet in Berlin und
München.
Zu der Ausstellung erscheint ein 52-seitiger Katalog
mit einem Text der britischen Kunstkritikerin und
Kuratorin Jane Neal.
"...Gumpinger beginnt oft mit einem einzelnen
Farbfleck. Er fügt Hitze hinzu, indem er versucht, die
Ränder mit einem Fön zu trocknen und er wäscht das,
was er den „inneren Körper“ der Farbe nennt, mit
Wasser aus. Weitere Experimente folgen: er injiziert
Spiritus, um eine chemische Reaktion in Gang zu
setzen und die Farbe auf der Leinwand zu fixieren.
Manchmal bringt er flüssiges Latex auf, um Bildteile
mit einer Schicht zu überziehen. Nach dem Abziehen
des Latex bleiben Negativformen übrig. Er führt das
Werk fort, indem er mehrere verschiedene
Drucktechniken einbezieht, bei denen er Papier und
Plexiglas zum Drucken verwendet, was in erhöhten
Farbinseln sichtbar wird, die sich über die Leinwand
verteilen wie ein Flachrelief. Gumpinger verwendet
mehr als zwanzig dieser verschiedenartigen Techniken
und er ist der Auffassung, dass alles, was ihm in den
Sinn kommt, ein ganz eigenes Verfahren erfordert.
Sein einziger Grundsatz ist der, niemals den Pinsel auf
die Leinwand zu bringen. Wann immer er einen
bestimmten Effekt erreichen möchte, erforscht er das
Verhalten der Materialien...
Was den Kontext von Gumpingers Arbeit angeht,
gehört er zu einer Gruppe von jungen und schon
etablierteren deutschen Künstlern wie Volker Hueller,
Gregor Hildebrandt und Hansjörg Dobliar (und zu einer
größer werdenden Welle in ganz Europa und den
Vereinigten Staaten), die, statt sich weiterhin
hauptsächlich mit Figurationen zu beschäftigen (wie
beispielsweise die Leipziger Schule), lieber in der
Abstraktion nach Inspiration sucht, mit einem
besonderen Interesse an der Neuerkundung der
Moderne. Die Techniken, die Gumpinger in seinem
intensiven und komplizierten Prozess entwickelt hat,
heben ihn jedoch heraus. Sein Arbeitsraum ist halb
Atelier, halb Labor. Er verwendet Acrylfarben, flüssigen
Latex, Spiritus und Acrylspray, die er mittels Heißlüfter
und Fön trocknet. Die Farben sind stark verdünnt, so
dass sie sich über die Oberfläche seiner Leinwände
ausbreiten können. Die Arbeit ist fertig, wenn sich das
Gefühl einstellt, dass alles, was dort sein sollte, auf der
Leinwand ist und dass das Hinzufügen weiterer
Substanzen nichts mehr verbessern würde...
Gumpingers Arbeiten öffnen sich dem Betrachter,
indem sie unsere Sinne beschäftigen. Seine Arbeit
spricht das Auge an, aber sie verlockt auch zum
Anfassen und durch die Handhabung und das gezielte
Einsetzen der zahlreichen Materialien und Techniken,
die er verwendet, zieht er uns in einen Raum zwischen
Wirklichkeit und Imagination. Dieser Ort, dieses
„Dazwischen“, könnte Luft oder Wasser sein, aber auch
ein Klang, Dunkelheit oder ein grenzenloser Himmel.
Dann stellen wir uns nicht nur vor, wie die ganze
Arbeit aussehen würde – wenn wir einen Querschnitt
durch alle Schichten nehmen könnten –, sondern auch,
wie sie sich anfühlen oder sogar klingen würde.
Gumpinger hat uns eine Tür zur Schönheit der Natur
geöffnet, aber nicht, wie wir sie kennen oder auf einer
oberflächlichen Ebene erleben. Er veranlasst uns, tiefer
zu gehen, über das Wesen all dessen nachzudenken,
was uns umgibt und das unserem Leben, unserem
Geist und unserem Körper ein Fundament gibt..."
Jane Neal (Auszug aus dem Katalogtext zur
Ausstellung)